Ingrid Müller-Münch Die geprügelte Generation

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Inhaltsangabe zu „Die geprügelte Generation“ von Ingrid Müller-Münch

Erst nachdem bekannt wurde, dass in Heimen und Privatschulen Misshandlungen an der Tagesordnung waren, dass Geistliche Kinder mit Stöcken schlugen - erst seitdem wird offen über die damals an Kindern verübte alltägliche Gewalt geredet.

Fragen nach dem WARUM kommen auf: War es der Zeitgeist, der zu Watsch’n und einer Tracht Prügel verleitete? Hing es damit zusammen, dass die Väter traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten? Geschah dies alles in einer unsäglich brutalen Erziehungstradition? Mit einem Blick auf Gegenwart und Vergangenheit beschreibt dieses Buch, wie sich der Vertrauensbruch der Eltern auf die Biografie der Kinder ausgewirkt hat. Wie die demütigenden Schläge die Gefühle, den Alltag und die Beziehungen einer ganzen Generation bis heute beeinflussen. Und ob die einst geprügelten Kinder als spätere Erwachsene diesen Eltern verziehen oder mit ihnen brachen.

Ein sehr ergreifendes, schockierendes aber auch aufklärendes Buch, dessen Thematik mehr in der Öffentlichkeit behandelt werden sollte!

— Sommerregen

Berichte über Kindheitserfahrungen, insbesondere der Nachkriegsgeneration, mit harten Erziehungsmethoden und deren psychologischen Folgen

— Claddy

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  • Ein bemerkenswertes Buch, das ich absolut weiterempfehlen kann!

    Die geprügelte Generation

    Sommerregen

    Die Verwendung von Kochlöffel und Rohrstock zum Zweck der Züchtigung war in den 1950ern und 1960ern weit verbreitet. Beinahe jedes Kind der Nachkriegsgeneration wusste entweder aufgrund eigener Erfahrungen, oder weil es davon in seinem Umfeld etwas mitbekommen hatte, um diese furchtbaren Praktiken. Diese Art der Erziehung zog sich durch alle Schichten und auch wenn viele Kinder dieses Schicksal teilten, wurde es gemeinhin totgeschwiegen. Erst mit der Publikmachung der Misshandlungen durch Geistliche oder an Privatschulen und in Heimen ist dieses Thema ins Auge der Öffentlichkeit gerückt. Doch noch immer ist es kaum begreifbar, weswegen Eltern ihren Kindern mit Teppichklopfer und Kochlöffel begegneten. Liegt der Grund in den im Krieg erlittenen Traumata der Eltern oder an einfacher Überforderung, fragt man sich. Auch weswegen niemand eingriff, wenn die Kinder wieder “gezähmt werden mussten” und ihre Schreie in der Nachbarschaft nicht zu überhören gewesen sein mussten, lässt sich nicht einfach beantworten. Was wurde aus den geprügelten Kindern und wie denken sie über ihre Eltern und die von diesen praktizierte Schwarze Pädagogik? Und welchen geschichtlichen Verlauf nimmt die Erziehung; in wie weit prägten zum Beispiel Erziehungsratgeber oder die hochangesehenen Eigenschaften wie Ordnung und Fleiß aus NS-Zeiten? Aber auch die Frage, wie es heute mit der Misshandlung der Kinder aussieht, stellt sich, denn dieses Kapitel ist leider noch nicht gänzlich abgeschlossen.. Auf diese und viele weitere Fragen geht die Autorin Ingrid Müller-Münch in ihrem Buch “Die geprügelte Generation- Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen” ein. Zusammen mit anderen, die diese Erziehung erlitten haben, Traumatherapeuten, Psychologen, Bindungsforschern, Psychotherapeuten und Erziehungwissenschaftlern zeigt sie Antworten auf und zeichnet auf 284 Seiten ein unglaublich dichtes und berührendes Bild einer ganzen geprügelten Generation. Jedes mal, wenn Interviewte über die erlittenen Strafen berichten und beschreiben, was sie dabei fühlten und versuchen eine Erklärung für das Verhalten ihrer Eltern zu finden, war das für mich schockierend. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese doch eigentlich Liebe und Vertrauen schenken sollenden Menschen zur Züchtigung körperliche oder auch seelische Gewalt anwanden, ist haarsträubend. Ich finde es bewundernswert, wie sachlich und fair die Autorin bei einer so aufwühlenden Thematik bleibt und wie es ihr gelingt, so viel Inhalt auf so wenig Seiten zu bringen, ohne dass das Buch erdrückend wirken würde. Auch sehr beeindruckend ist, dass das vermittelte Wissen durch so viele Statistiken, Gespräche mit Fachleuten, Bücher, Studien und so weiter untermauert wird. Die Autorin malt nicht nur schwarz, sondern gibt beiden Seiten eine Stimme, auch wenn sie selbstverständlich stets gegen die Misshandlung von Kindern ist. Es werden die verschiedensten Seiten beleuchtet und sehr verständlich und nachvollziehbar ausgeführt. Ob die Spuren der Nazis und des Krieges oder der den Eltern zuspieldenen Justiz- ein facettenreiches und kompaktes Bild wird gezeichnet. Ich konnte dieses Buch beim Lesen kaum aus der Hand legen, da es so spannend war- und wenn ich es doch tat, dann nur um Zeit zu haben, über das Gelesene nachzudenken und es zu verarbeiten. Aber auch nach dem Lesen beschäftigte mich das Buch noch lange- und das tut es noch immer- denn ich habe durch das Lesen dieses Buches sehr viel dazulernen und aufgezeigte Zusammenhänge verstehen können. Ich kann wirklich jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, da es sehr verständlich ausgesprochen viel Wissen vermittelt. Außerdem denke ich, dass sich mit der im Buch behandelten Thematik wirklich jeder auseinandersetzen sollte! Nicht nur selber Betroffene, sondern auch junge Menschen, um zu verstehen, was die älteren Generationen -Eltern und Großeltern- prägte und um zu verinnerlichen wie wichtig eine gewaltfreie und liebevolle Erziehung ist. Ein sehr ergreifendes, schockierendes aber auch aufklärendes Buch, dessen Thematik mehr in der Öffentlichkeit behandelt werden sollte! Es geht hier – klick – zu der Website zum Buch, auf der es noch mehr zusätliche Informationen gibt.

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    • 12

    Cridilla

    17. August 2015 um 04:36
    Floh schreibt Das klingt sehr aufklärend, mahnend und auch interessant mit Weitblick!

    Sehr heftiges und berührendes Thema; sehe ich mir näher an !

  • vielleicht hilfreich für Betroffene

    Die geprügelte Generation

    Claddy

    26. April 2015 um 15:29

    Ingrid Müller-Münch erarbeitet auf Grund eigener Erfahrungen, Berichten Betroffener und Beispielen aus der Literatur das Thema der gewalttätigen Erziehung, insbesondere der Generation der Nachkriegskinder. Darüber hinaus versucht sie, eventuelle psychische Spätfolgen zu erklären. Das mag zunächst interessant klingen, doch schimmert zu viel Selbstmitleid und Vorwurf zwischen den Zeilen hervor. Und die Erkenntnis, dass Gewalt in der Erziehung der Entwicklung eines jungen Menschen mehr schadet als nutzt, ist weder spektakulär noch neu. Weiterhin findet Erwähnung, dass  schon seit Jahrhunderten Prügelstrafen eingesetzt wurden, auch in heutiger Zeit noch vorkommen, und darüber hinaus seelische Verletzungen mindestens ebenso große Schäden verursachen können wie körperliche. Hier wird sichtbar, dass zumindest teilweise am Titel vorbei geschrieben wurde.  Vielleicht wäre es ergiebiger gewesen, die soziologischen und psychologischen Thesen besser aufzubereiten und zum Vergleich andere, gewaltfreie Gesellschaftsformen hinzuzuziehen. Für mich ist dies ein Buch, dessen Lektüre einen Sinn allenfalls für Leser macht, die bisher aus der ebenfalls beschriebenen Scham heraus nicht über ihre Leiden sprechen wollten und sich hier verstanden und bestärkt fühlen, denen nun vielleicht sogar ein Schritt zur heilenden Auseinandersetzung mit einer schmerzvollen Vergangenheit gelingt.

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  • Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch

    Die geprügelte Generation

    Babscha

    22. June 2012 um 19:48

    Kindheit in den 50er und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Eine Zeit, die vielen, die „dabei waren“, noch lebhaft, jedoch oftmals nicht in guter Erinnerung ist. Eine Zeit, in der Kinder absolut nichts zu melden hatten und der elterliche Wille alles war. In der traumatisierte Kriegsheimkehrer zuhause einfach weitermachten und ihren Nachwuchs, oftmals ohne jeden oder aus nichtigem Grund, mit Rohrstöcken, Teppichklopfern, Kleiderbügeln oder was sonst gerade greifbar war, schlugen und die Mütter entweder selbst mitmischten oder bestenfalls hilflos daneben standen. Wo auch Lehrer die grenzenlose Freiheit hatten, sich unwidersprochen an Schülern abzureagieren, sie zu schlagen und zu schikanieren. Eine Zeit, in der dies alles selbstverständlich war, eine vom Gesetzgeber und quer durch alle Gesellschaftsschichten völlig akzeptierte, wenn nicht befürwortete Norm. Eine überwiegend freudlose, düstere Zeit, deren am eigenen Leib erfahrene Auswüchse von den Betroffenen aus Scham zumeist tief in der Seele vergraben wurden, ungeachtet dessen aber immer präsent sind und oftmals massive, lebenslange Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung hatten. Die Autorin hat viele unmittelbar Betroffene zu ihren eigenen Erfahrungen aus jener Zeit interviewt, lässt sie in ihrem sehr gut aufbereiteten und lesenswerten Buch stellvertretend für alle anderen zu Wort kommen und bettet deren Berichte ein in ihre eigenen Recherchen, in einen Streifzug durch eine Zeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Ein aus meiner Sicht wichtiges Buch, das noch mal deutlich den Finger in oberflächlich verheilte Wunden legt und durchaus auch als Mahnung verstanden werden sollte.

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  • Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch

    Die geprügelte Generation

    michael_lehmann-pape

    23. March 2012 um 11:21

    Gestrige Erziehungsweisen, Ursachen und ihre Folgen Es ist noch nicht allzu lange her (auch wenn es vorsintflutlich erscheint), da gehörte der Rohrstock, der Gürtel, die flache Hand zur Kindererziehung ganz selbstverständlich dazu. Nicht nur im Elternhaus, auch in den Schulen und anderen Orten öffentlichen Lebens (die Diskussion um „Erziehungsformen“ in katholischen Kirchen, neben dem sexuellen Missbrauch, zeigen auf, wie selbstverständlich und verbreitet es war, dass ein Kind letztlich „Nichts“ war). Ganz öffentlich an diesen Orten bis weit in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein. Dass das Kind „pariert“ war (fast) einhellig und breit vorherrschendes „Grunderziehungsziel“, zumindest der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. An nicht wenigen Orten, liest man die Berichte mancher Jugendämter, hält sich dies um Übrigen im heimischen Bereich bis heute, nicht nur in speziellen Migrationsfamilien. Ingrid Müller-Münch versteht es, gerade auf ihre ihr eigene unprätentiöse und dennoch eindeutig parteiische Art, diese Form der „Erziehung“ für die nun dem Ruhestand entgegengehende Generation endlich einmal sachlich und präzise zu beschreiben und aufzuzeigen. Dem Geschehen eine „Sprache zu geben“. Und die nachfolgende Frage zu stellen und zu beantworten: Was diese rüden Methoden bewirkten, wie es den später Erwachsenen mit dieser Art des Aufwachsens erging. Ganz hervorragend arbeitet die Autorin auf diesem Weg heraus, dass vor allem Gefühle von Angst und Einsamkeit, von einem „sich nicht (wirklich) angenommen“ wissen mit geprägt haben. „Zu meiner Kindheit gehörte der Kochlöffel. Nicht als Küchenutensil, sondern als Schlaginstrument“. Wobei in vielen Familien diese „Strafe“ noch gesteigert und herausgezögert wurde durch jenen wohlbekannten Satz: „Warte, bis Dein Vater nach Hause kommt“. Väter als „Familienoberhaupt“ und damit als jene, die in der Regel die Strafe zu vollziehen hatten. Aber auch Mütter oder ältere Geschwister waren an dieser „Grunderziehung“ beteiligt. Mit Folgen. „Irgendwie war dieser Vertrauensbruch meiner Eltern, den ich bei jeder Tracht Prügel empfand, nie mehr aus meinem Leben wegzudenken“. Es ist gut, noch einmal, trotz der inzwischen vielen vergangenen Jahre und der doch im allgemeinen zumindest offiziell anderen Form der Erziehung, die mittlerweile herrscht, dass Ingrid Müller-Münch die Dinge thematisiert, die sie, wie fast alle anderen, bis dato nie wirklich angesprochen und ausgesprochen haben. Gut vor allem, dass dies mit Sensibilität und nicht marktschreierisch geschieht, dass eine Beschreibung und der Versuch, zu verstehen im Mittelpunkt des Buches stehen. Gut auch, dass die Autorin durchaus vielfach persönliches mit einfließen lässt und zudem die Linie nach hinten verlängert, einen Blick auf die Kriegsgenerationen und deren Prägung ermöglicht, welche den Rohrstock fast logischerweise nach sich zogen. Mit einem Grundgefühl dann vielleicht leben zu müssen, wie es im Buch auch beschrieben wird: „Keiner sieht mich, keiner mag mich, ich bin böse, ich bin ein Nichts“. Erfahrungen vor allem der Ohnmacht, die so manche Aggressivität, die ein vielfaches Auflehnen dieser Generation gegen dumpfe Autoritäten tief verständlich macht, gegen „Muff und Mief“ laut zu Felde ziehen. Ein hochinteressantes Kapitel ist es, in dem Müller-Münch jenen Wurzeln der „68er“ auf ihre Art nachgeht und überzeugende Schlüsse aus den Prügeln der Kinderjahre dieser Generation zieht. Nach der Lektüre des Buches und dem Gang durch alle Schichten und alle Formen von körperlicher Bestrafung kann man der Autorin nur uneingeschränkt zustimmen, die das „Prügeln von Kindern zu Anschlägen gegen die Menschlichkeit“ deklariert. Etwas, was so manche Soziologen und kirchliche Würdenträger bis jetzt noch nicht wirklich verstanden zu haben scheinen. Und es stimmt, womit die Autorin endet: „Noch ist es nicht vorbei“. Und darum ist das Buch wichtig (und zudem gut zu lesen).

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