Cover des Buches Goldschatz (ISBN: 9783257070545)Nelings avatar
Rezension zu Goldschatz von Ingrid Noll

Die Konsumverweigerer-WG und der Goldschatz

von Neling vor 3 Jahren

Review

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Nelingvor 3 Jahren
Wer einen "blutigen" Krimi sucht, ist hier falsch beraten. Wer aber Freude an feiner Ironie über menschliche Schwächen hat , ist bei Ingrid Noll stets richtig.

Inhaltsangabe: Fünf Studenten wollen dem Konsumterror entsagen und eine Gegenstrom-WG gründen. Sie wollen es allen zeigen und alles anders machen als ihre Eltern und die Spießer um sie herum. Doch das Häuschen, das Trixi geerbt hat muss renoviert werden und das kostet bekanntlich Geld. Wie gut, dass vieles von dem Trödel sich zu Geld machen lässt. Als sich aber ein Goldschatz findet, ändert sich alles....

Cover und Buch: Das 360 Seiten Buch erschien beim Diogenes-Verlag und ist fest in beiges Leinen gebunden. Der Schutzumschlag hat einen hohen Wiedererkennungswert und passt haargenau zu den anderen Büchern der Autorin sowie dem Verlag.

Über die Autorin: Die nun schon 83 Jährige Ingrid Noll ist eine Krimilegende. Goldschatz ist ihr 18. Roman. Viele Romane sind Bestseller und wurden in 27 Sprachen übersetzt , 4 wurden erfolgreich verfilmt. Die (am 29.9.1935 in Shanghai geborene) Autorin begann erst mit über 50 Jahren zu schreiben und lebt mit ihrem Mann in Weinheim. Im Rhein-Neckar-Gebiet spielen auch häufig ihre Krimis.

Meine Meinung:
Ich habe in den letzten 20 Jahren schon sehr viele ihrer Bücher gelesen, die sich nach meiner Ansicht nicht so leicht einordnen lassen. Es sind keine typischen Krimis, bei denen das Blut fließt und man fieberhaft nach den Verdächtigen sucht. Wer so etwas möchte, sollte zu einem anderen Buch greifen. Wer aber Freude an psychologischer Beobachtungsgabe und feiner Ironie (die manchmal sogar ins Sarkastische geht) hat, ist bei Ingrid Noll genau richtig. Meist (aber nicht hier!) geht es in ihren Büchern um Frauen, die sich auf "unkonventionelle Art" ihrer Männer entledigen. Dabei sympathisiert man oft mit den Täterinnen und amüsiert sich über die menschlichen Schwächen, bei denen man sich zuweilen selber ertappt.
In diesem Buch geht es vor allem um Neid und Gier und ich habe mich köstlich dabei amüsiert, wie grade "überzeugte "Konsumverweigerer" über den glitzernden Geldmünzen alles vergaßen.
Ich weiß nicht, ob dieses Buch das gelungenste Ihrer Reihe ist. Ich finde es aber schon beachtlich, dass eine über 80 jährige Frau noch so toll schreiben kann. Ich mag ihren Erzählstil und die zuweilen bissige Sprache. Besonders gefielen mir die Gedanken zum Thema Spießigkeit. Ingrid Noll hat sich versucht in die Jugend von heute herein zu versetzen. Mir hat gefallen, dass sie sich nicht sprachlich angebiedert hat. Trotzdem wäre es vielleicht besser gewesen, sie hätte das Buch in den 70ern spielen lassen, denn man merkt deutlich, dass sie eigentlich diese Zeit im Blick hatte.

Ich wurde sehr gut unterhalten und vergebe dafür 4,5 von 5 Sternen. Allen die keinen typischen Krimi suchen, sondern Freude an dieser literarischen Sonderform haben, seien Ingrid Nolls Bücher wärmstens empfohlen.
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