Das Buch gliedert sich in zwei Teile, der erste geht auf die historischen und religiösen Wurzeln der Ökonomie ein und erzählt von seiner bisherigen Entwicklung. Irrsinnig interessant, aufwendig und fabelhaft recherchiert, - lehrreich!
Ingrid Proß-Gill
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Vorab sei angemerkt, dass im Gegensatz zu manch eher populärwissenschaftlich und damit auf leichtere Zugänglichkeit ausgelegtem Werk, der Autor über einige trockene Textpassagen nicht hinwegtäuschen kann. Was zwischen den Geschichts- und Religionserzählungen steht, nämlich die famosen Interpretationen, Erklärungen und Auslegungen, lohnt die Durststrecken aber allemal.
Die ersten 2 Drittel des Buches sind größtenteils nach dem Schema aufgebaut, dass nach dem Zitieren einer historischen, philosophischen oder religiösen Quelle diese auf ihre ökonomische Relevanz und Schlüssigkeit abgeklopft, gedeutet, erläutert und mitunter auf die potentielle Bedeutsamkeit und Anwendbarkeit in der heutigen Welt untersucht wird. Wobei Ideen wie Schuldenerlass, das einmalige Ernten von Feldern, um armen und benachteiligten Menschen zu ermöglichen, an Nahrung zu kommen, regelmäßige und rigorose Schuldenschnitte, Kontrolle des Geldwesens und der generelle Aufruf zu mehr Ethik im finanziellen Gebaren zu den positiven Aspekten der Geschichtsschreibung beziehungsweise diversen Religionsschriften zählen. Mitunter ist die Auslegung auf unbedingt wirtschaftliche Belange etwas weit hergeholt, was der guten Grundidee, in Geschichtsbüchern, Bibel, Koran, Thora und artverwandten Schriften nach Abschnitten zu suchen, die den Zweck haben, nachhaltiges und gerechtes Wirtschaften zu vermitteln, aber nicht abträglich ist. Mitunter kann altes, in Vergessenheit und damit haarscharf nicht verlorengegangenes Wissen in seiner Renaissance Enormes bewirken. Es erstaunt und amüsiert, wie es der Autor versteht mit unterhaltsamen Auslegungstaktiken in, unter anderem, jahrtausendealten ägyptischen Schriften mitunter makroökonomische Hinweise zu entdecken.
Die erklärenden Passagen über verschiedene Unterscheidungen, Entwicklungen und Begriffe des Wirtschaftslebens kann man mögen und genau lesen, muss man aber nicht, vor allem weil es ohne rudimentäre Grundkenntnisse in der jeweiligen Disziplin dann doch dezent knifflig ist den Kontext immer zu erfassen, ohne das eine oder andere Quäntchen Zeit zum zweitmaligen, festigenden durchlesen zu investieren.
Je näher das Buch dem eigenen und dem Ende der Geschichte in Form von Gegenwart kommt, desto mitreißender wird der Erzählfluss, da einige Augenöffner auf den geneigten Leser warten und mehr eigene Ideen des Autors mit einfließen, der bisher primär aus vorgegebenen Quellen schöpfte und im letzten Gang sogar gegen seine eigene Disziplin zu Felde zieht. Es gebührt ihm dafür Respekt, Kritik an einer Wirtschaft, deren Fahnenträger er Kraft all seiner Tätigkeitsfelder selbst ist, zu üben. Was aus dem „homo oeconomicus“ werden wird, bleibt abzuwarten und es stimmt doch nachdenklich, dass ein kompetenter Denker wie Sedláček zu einer eher negativen Zukunftsprognose tendiert.
Das Fehlen eines Lösungsansatzes kann insofern nicht angekreidet werden, als dass der Autor, wäre er im Besitz eines solchen, vermutlich der einzige oder Teil einer Handvoll Auserwählter weltweit wäre, die dessen habhaft werden könnten. Und insofern sich selbst gegenüber fahrlässig selbstlos wären, diesen heiligen Gral der Geldzirkulation offen heraus zu posaunen, ohne Eigennutz als wichtige Konstante miteinzubeziehen. Es geht schließlich immer noch um Wirtschaft.
Es war ein schlechter Tag für Conor Woodman, als er die Kündigungen in einer nicht mehr rentablen Fabrik aussprechen musste. Immer 20 Leute ins Büro rufen, kündigen, ab die nächsten – den ganzen Tag lang. Es war ein guter Tag für Conor Woodman, als er die Kündigungen aussprechen musste, denn an diesem Tag beschloss er, der am Anfang einer vielversprechenden Karriere stand, selbst zu kündigen.
Seine Entscheidung steht fest: raus aus der abstrakten Welt der Großfinanz, hin zu den Ursprüngen des Handels.
Er plant eine Weltreise entlang der alten Handelsrouten. Auf jeder Etappe möchte er etwas kaufen und verkaufen – Kamele und Pferde, Teppiche und Kaffee, Tee und Jade. Die Zeit ist knapp bemessen und die Händler haben das Feilschen seit Generationen trainiert. Conor Woodman hingegen ist ein Frischling mit heller Hautfarbe und 50.000 Dollar Budget. Keine leichte Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, denn es gibt so vieles, was er nicht weiß: Nach welchen Regeln wird in welchem Land gefeilscht, wie transportiere ich meine Ware günstig, wo sind meine Käufer, welche Qualitätsmerkmale sind ihnen wichtig, habe ich überhaupt gute Ware erstanden …
So viel sei vorab verraten: Nicht alles gelingt ihm, aber er wird einen Gewinn nach Hause bringen. Doch der größte Gewinn ist Lebenserfahrung und einen ganz anderen Blick auf unsere Weltwirtschaft! Und daran lässt er den Leser teilhaben.
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