Ingvar Ambjørnsen Den Oridongo hinauf

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Inhaltsangabe zu „Den Oridongo hinauf“ von Ingvar Ambjørnsen

Ulf Vågsvik hat mit seinem früheren Leben gebrochen, mit leichtem Gepäck Oslo verlassen, sich diesen neuen Namen zugelegt und einen Hut gekauft. Den Hut wird er zwar sehr bald verleugnen, aber als er auf die kleine Insel in Nordwestnorwegen kommt, wo seine Brieffreundin Berit wohnt, da kommt er, um zu bleiben. Er scheint auf Vaksøy Frieden gefunden zu haben. Doch bald wird die kleine Inselgemeinschaft dramatische Dinge erleben. Eine niederländische Familie hat ihre Ankunft auf der Insel angekündigt. Hier sind neue Steuerzahler sehr willkommen, und so richten die Bewohner liebevoll das alte Schulhaus für die van der Klerks her. Beim großen Empfang mit Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus jedoch tritt die Katastrophe ein und die Idylle bricht zusammen. Ulf wird gezwungenermaßen zum Vertrauten des zwölfjährigen Tom van der Klerk – was ihm seine eigene Vergangenheit näher bringt, als ihm lieb ist. ›Den Oridongo hinauf‹ ist ein wunderschöner und verstörender Roman über eine Gemeinschaft, die von dramatischen Ereignissen heimgesucht wird – und eine ganz besondere Liebesgeschichte.

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  • Ingvar Ambjørnsen - Den Oridongo hinauf

    Den Oridongo hinauf
    *Arienette*

    *Arienette*

    19. September 2013 um 09:35

    Ingvar Ambjørnsen wurde durch ein Gemälde von Vettriano zu seinem Roman "Den Oridongo hinauf" inspiriert. Auf dem Bild ist ein Mann mit Hut zu sehen, der einen Koffer trägt und auf das Meer hinausblickt. Ulf Vågsvik heißt der 50-jährige Ich-Erzähler, der genau wie der Mann auf dem Bild einen Hut und einen Koffer trägt, als er auf der Insel Vaksøy ankommt. Vaksøy ist eine kleine norwegische Insel. Ulf, der aus Oslo stammt, sucht ein neues Leben mit seiner Brieffreundin Berit. Er verlässt sein altes Leben,' fährt den Oridongo hinauf', wie er es nennt; einen Fluss, der nur in seinem Kopf existiert. “.... ich fahre den Oridongo hinauf, den düsteren Strom hinauf, und es ist so heiß und feucht und hämmernd einsam, so erfüllt von Krankheit und Sehnsucht, und wenn die Motoren ausgeschaltet werden, kann ich daliegen, die Hände vors Gesicht geschlagen oder zwischen die Oberschenkel geschoben, und dem Geplapper der Vögel des Dschungels lauschen, oder Lachen und Weinen aus den anderen Kajüten und von Deck [...], ich kann einfach ganz still daliegen, und Sekunden, Minuten und Stunden zerbrechen. Auf diese Weise bekomme ich eine gute Beziehung zur Zeit. Zur geträumten und zu der, die in der Welt der Wachen herrscht." Zitat, S. 8 Seine Beziehung zu Berit, die ihren Ehemann Magne verloren hat, ist glücklich, aber auch zerbrechlich. Bei ihr findet er die Ruhe, die er braucht. Aber auch Ungesagtes steht zwischen ihnen, Ulf hat das Gefühl, Magnes Platz einzunehmen. Die Inselbewohner erwarten eine niederländische Familie und richten ein Begrüßungsfest aus. Doch die Feier endet tragisch, der holländische Ehemann stirbt, der Sohn Tom verschwindet für 5 Tage spurlos. Als er von Ulf aufgefunden wird, ist Tom verändert. Er spricht nicht mehr, lässt niemanden an sich ran. Nur Ulf findet Zugang, erkennt sich in Tom wieder: “Für mich jedoch gibt es Müßiggang, Alleingang, das Leben scheint keine Verwendung für mich zu haben, als Kind kann ich nicht begreifen, warum ich in dieser fast unerträglichen Einsamkeit existiere, die ja notwendigerweise in der Gemeinschaft des anderes bestehen muss, es wirkt wie ein Hohn, nein, es ist ein Hohn. Sie verhöhnen mich. Am Ende verliere ich die Sprache, genauer gesagt, ich verweigere sie.” S.241 Eindringlich beschreibt Ingvar Ambjørnsen die Gefühlswelt von einem Mann, der sein Leben verändern möchte. Mit "Den Oridongo hinauf" ist dem Autoren ein verstörender und atmosphärisch dichter Roman gelungen. Gerne bin ich den Gedankengängen von Ulf gefolgt; Stück für Stück werden Teile seiner Vergangenheit aufgedeckt. Die Liebesgeschichte zwischen Berit und Ulf mag etwas seltsam sein, ist dennoch wunderbar und irgendwie berührend.

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  • Rezension zu "Den Oridongo hinauf" von Ingvar Ambjørnsen

    Den Oridongo hinauf
    HeikeG

    HeikeG

    Allee der Erinnerungen . "Hänschen klein. Ging allein. In die weite Welt hinein. Stock und Hut steht ihm gut, ist gar wohlgemut..." So beginnt ein allseits bekanntes Kinderlied des Dresdner Lehrers Franz Wiedemann (1821-1882). Der heute allgemein bekannte Text erfuhr allerdings zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Umdichtung. Im Original geht es keineswegs um ein weglaufendes Kleinkind, sondern um einen jungen Mann, der in die Welt zieht, um sein Glück zu versuchen. . Ulf Vågsvik, etwa fünfzigjähriger Protagonist in Ingvar Ambjørnsens Roman, ist zwar kein junger Mann mehr und sein Weg führt ihn auch "nur" von Oslo an die norwegische Nordwestküste, aber auf gewisse Art weist sein Ausstieg Parallelen zum Thema Erwachsenwerden auf. Gleichfalls mit Hut und nur einem Koffer verlässt er sein altes Leben, um sich an einem windgebeutelten Ort, der Insel Vaksøy, niederzulassen und neu zu beginnen. Er wird Teil einer Gemeinschaft, "die für einen Außenstehenden doch fremd wirken muss", deren wenige wortkarge und schwer zugängliche Bewohner "sich selbst im Nabel bohren" und deren Männer "in vieler Hinsicht Ähnlichkeit mit Kühen haben, sie stehen da und kauen und glotzen einen blöd an". Einziger Anlaufpunkt ist für ihn die auf der Insel lebende, 61-jährige, kluge und bedächtige Berit, die ihn in Briefen, die sich beide schon lange schreiben, zu einem Besuch animierte. Doch Vågsvik will kein Gast sein. Er will bleiben, um seine vage Vergangenheit, über die der norwegische Autor den Leser im Unklaren lässt, endgültig zu begraben. Liegt sie doch hinter ihm "wie ein geprügelter Hund mit gebrochenem Rücken". Es bleibt zu vermuten, dass er in seinem früheren Leben mit psychischen Problemen zu kämpfen und abgekapselt in einer Traumwelt gelebt hatte. . Vågsvik beginnt neu zu leben und vor allem zu lieben: Berit, "die, die mir die Hand gereicht hat. Als Erste und Einzige. (...) Die mich damals am Ufer des Oridongo erwartet hat." Diese Liebe lässt ihn seine traumatische Reise ins eigene Ich verarbeiten. Ein überwältigendes Gefühl, endlich nach Hause gekommen zu sein, endlich "sein Leben an Land gebracht zu haben", stellt sich ein. Doch ein dramatisches Ereignis um eine neuangesiedelte holländische Familie und deren 11-jährigen Sohn Tom bricht alte Wunden auf. Nicht nur "die Insel scheint sich vom Boden loszureißen und aufs Meer hinauszutreiben", sondern Vågsviks jahrelanger Schmerz, von dem er sich zunehmend befreit glaubte, scheint nun auf andere übergegangen zu sein, in einem anderen weiterzufließen. Gemeinsam mit Tom versucht er den virtuellen Oridongo-Strom - sein psychologisches Traumbild - hinaufzufahren, "um uns an Orte und in Situationen zu bringen, von denen wir keine Ahnung haben." . Mit "Den Oridongo hinauf" hat Ingvar Ambjørnsen einen beeindruckenden Roman geschrieben, eine Allee der Erinnerungen, ein Buch voller Traumbilder, die sich mit den Gedanken seines Protagonisten und letztendlich des Lesers verflechten. Alles Geschriebene "liegt ein wenig jenseits der Worte." In zuweilen einfachen Sätzen, dann wieder beinahe meditativen, stakkatoartigen Wortkaskaden zaubert der norwegische Schriftsteller, der seit 1985 in Hamburg lebt und in seiner Frau Gabriele Haefs eine äußerst sensible Übersetzerin ins Deutsche gefunden hat, eine Aura des diffusen Bedrohlichen und gleichsam Schönen hervor. Wunderbare Landschaftsimpressionen wechseln sich mit großartigen Charakterstudien ab. Das Buch offenbart eine Lawine aus Gedanken und Worten, einen Strom aus Bildern und Eindrücken, gepaart mit haarfeinen Schwingungen und einer tiefen Zärtlichkeit für das Land. Ambjørnsen baut auf einer "stimmungsmäßigen Achterbahn" innere Bilder auf und beschwört diese in den Sinn des Lesers, so dass die Zeit nicht mehr zu existieren scheint, "als spielten sich alle Gedanken und Ereignisse gleichzeitig ab, als paarten sich die Träume mit der Wirklichkeit, Fieberfantasien und glasklare Einblicke und Ausblicke." Manchmal ist weniger mehr. Diese geflügelten Worte treffen ohne Zweifel den Duktus des ganzen Buches. Vieles bleibt ungesagt und manches ist ganz anders, als es im ersten Moment aussieht. Der Autor holt nicht alles an die Oberfläche, um es zu sezieren und zu diskutieren, sondern lässt das Mögliche als Teil des Unmöglichen existieren. . Fazit: Ein Zitat aus dem Buch darf stellvertretend für den unglaublich intensiven Leseeindruck stehen: "Ich merke, dass etwas mich packt, denn das ist die Welt und es ist zugleich außerhalb der Welt, es ist etwas, das mich packt und das in mir aufsteigt, und das alle meine Sinne gleichzeitig trifft..." "Den Oridongo hinauf" entpuppt sich als sehr empfehlenswertes literarisches Kleinod. . "Lasst uns alles bewahren, das anders ist (...) denn ohne diese, die Kleinsten unter uns, legt sich eine kühle Hand über die Gesellschaft, dann stirbt die Vielfalt..."

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  • "Der etwas andere Elling" Rezension zu Ingvar Ambjörnsen

    Den Oridongo hinauf
    Daphne1962

    Daphne1962

    30. May 2013 um 17:39

    Ulf Vagsvig hat eine Brieffreundin auf einer Insel Nahe Trondheim. Als Berit ihn auffordert ihn mal zu besuchen fährt er einfach los. Mit Koffer, ein paar Hemden und Unterwäsche und bleibt einfach dort. Sein altes Leben ist für ihn abgeschlossen. Er lebt sich langsam ein und findet langsam Frieden dort. Die Liebe zu der älteren Berit macht ihn glücklich. Zu den Inselbewohnern findet er nur langsam Zugang. Als eine holländische Familie sich ankündigt auf der Insel wohnen zu wollen kommt Leben in seine neue Welt. Alle bereiten sich vor, die neuen Einwohner gebührend zu empfangen und ihnen ein neues Heim zu gestalten. Aber es kommt plötzlich alles anders, als erwartet. Die Idylle der Insel bekommt einige Risse. Bei Ingvar Ambjörnsen hat man immer das Gefühl, er pflanzt sich in seine Charaktäre ein und fühlt direkt mit, wie sie ticken. Bei Ulf hat man immer das Gefühl er sei mit „Elling“ (der berühmtesten Gestalt von Ingvar A. Romanen) in irgendeiner Weise verwandt. Ulf ist ein Mensch, der von Kindheit an tiefstes Misstrauen gegen alle Menschen hegt. Er öffnet sich schwer und nur langsam findet er zu Berit das Vertrauen, was er für sein Leben braucht, um glücklich und zufrieden zu sein. Magne ist der verstorbene Mann von Berit und Ulf möchte nicht in seine Fußstapfen treten, sondern er möchte ein Teil von ihm sein und seine Gewohnheiten weiter leben. Erst durch die Ereignisse mit den neuen Bewohnern holt Ulf seine Vergangenheit wieder ein und er muss sich mit dieser auseinander setzen. Etwas verstörend wirkt es ein wenig auf den Leser, wenn man in das Innenleben eintaucht von Ulf und verstehen will, warum er so ist. Aber es ist dennoch spannend und unterhaltsam. Ich kann es jedem Skandinavien-Fan empfehlen. Dieses Buch hat mich gut unterhalten.

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