Iona Grey

 4.5 Sterne bei 97 Bewertungen

Lebenslauf von Iona Grey

Iona Grey studierte Englische Sprache und Literatur an der Manchester University. Ihre Begeisterung für Geschichte und ihr großes Interesse an Frauenschicksalen des 20. Jahrhunderts brachten sie dazu, ihren Roman Als unsere Herzen fliegen lernten zu schreiben. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren Töchtern im Nordwesten Englands auf dem Land.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Iona Grey

Cover des Buches Als unsere Herzen fliegen lernten (ISBN:9783734101885)

Als unsere Herzen fliegen lernten

 (92)
Erschienen am 16.05.2016
Cover des Buches Als unsere Herzen fliegen lernten (ISBN:B01E91NTIA)

Als unsere Herzen fliegen lernten

 (3)
Erschienen am 16.05.2016
Cover des Buches Als unsere Herzen fliegen lernten (ISBN:9783844522907)

Als unsere Herzen fliegen lernten

 (2)
Erschienen am 16.05.2016

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Rezension zu "Als unsere Herzen fliegen lernten" von Iona Grey

Wunderschön und furchtbar traurig
Fenriavor 12 Tagen

Auf der Suche nach einer Sommerlektüre, die durchaus mal eine Lovestory beinhalten darf, solange sie nicht zu kitschig ist, bin ich auf diesen Roman gestoßen. Die Geschichte von Stella und Dan war so mitreißend und berührend, dass ich die Passagen in der Dieszeit mit der parallel laufenden Storyline, gar nicht wirklich schätzen konnte und am liebsten übersprungen hätte. 

Das Buch liest sich sehr schön und ist herzergreifend geschrieben. Zwischenzeitlich gab es meiner Meinung nach ein paar unnötige "Plotholes", also Stellen, die von Wissenstand des Lesers aus unsinnig waren, aber das war eigentlich nur ein kleines Manko. 

Kann ich jedem empfehlen, der nach einer nicht zu schwülstigen Liebesgeschichte sucht und vielleicht auch mal Lust auf eine etwas tragischere Geschichte hat.

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Rezension zu "Als unsere Herzen fliegen lernten" von Iona Grey

"Pass auf dich auf, mir zuliebe."
Cliovor 2 Monaten

Als unsere Herzen fliegen lernten ist das bislang einzige Buch der britischen Schriftstellerin Iona Grey, das auf Deutsch erschienen ist. Es spielt auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen und liefert vier Erzählperspektiven, die aber auf wunderbare Weise miteinander verwoben sind. Die Geschichte von Jess und Will bildet dabei die Rahmenhandlung; die wesentlich detaillierter erzählte Geschichte von Stella und Dan erfahren wir zum einen durch einen erzählenden Text, der primär die Perspektive der jungen Pfarrersfrau schildert, und zum anderen durch die Briefe, die Dan ihr während seiner Zeit in Großbritannien schreibt. Grey wechselt dabei mit einer beneidenswerten Leichtigkeit zwischen dem London der Vierzigerjahre und dem der Gegenwart.

Protagonisten der historischen Handlung sind die frisch verheiratete Stella Thorne und der amerikanische Flieger Dan Rosinski. Stella ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und hat ihre erste Anstellung als Haushälterin bei Charles Thorne, einem etwas älteren Pfarrer, gefunden, der sie schon nach kurzer Zeit um ihre Hand bittet. Stella ist ein ruhiges, schüchternes, loyales, aber auch naives Mädchen. Sie träumt von einer zärtlichen, liebevollen, gleichzeitig aber auch leidenschaftlichen Beziehung, wie sie sie aus dem Kino kennt. Als Waisenkind sehnt sie sich darüber hinaus nach einer eigenen Familie, nach einem eigenen Zuhause. Dass sie alles andere als das bekommen wird, signalisiert die Autorin schon durch die zerrissenen, blutbefleckten Handschuhe, die sie an ihrem Hochzeitstag trägt (eine sehr simple Symbolik). Aber jede Leserin, die Zeugin davon wird, wie Charles seine Frau auf ihrer Hochzeit behandelt – und wem er deutlich mehr Aufmerksamkeit schenkt! –, weiß spätestens hier, dass die Geschichte eher tragisch verlaufen wird.
In den darauffolgenden Monaten muss Stella feststellen, dass die Ehe-Realität wenig mit Hollywood-Filmen zu tun hat. Ihr Mann ist distanziert und kühl, von Leidenschaft keine Spur, stattdessen behandelt er sie wie ein kleines, unselbstständiges Kind. So ist es dann auch kein Wunder, dass sie als Jungfrau aus den Flitterwochen zurückkehrt und dass sie auch im neuen Heim keine leidenschaftliche Liebe erwartet. Allerdings schiebt Stella dies auf die Ernsthaftigkeit des Glaubens ihres Mannes; sie ist fest davon überzeugt, dass er sich ihr nicht nähert, weil er sich (in Glaubensdingen) unzulänglich fühlt. Als ihr Mann sich freiwillig zur Armee meldet, ist sie daher nicht traurig, sondern eher erleichtert.
Als sie in einer zerbombten Kirche nach ihrer verlorenen Uhr sucht, lernt sie den amerikanischen Flieger Daniel Rosinski kennen. Und endlich findet sie das, was sie schon ihr ganzes Leben lang gesucht hat. Sie fühlt sich rasch zu ihm hingezogen, denn er ist im Grunde das Gegenteil ihres Mannes: Dan ist lebensfroh und macht sie mit neuen Dingen bekannt. Er interessiert sich wirklich für Stella – für das, was sie tut, ebenso wie für ihre Gedanken und ihre Gefühle; er baut sie auf und ermutigt sie. Dan nimmt Anteil an ihrem Leben und schaut auch nicht auf sie herab, wenn sie ihm von einfachen kirchlichen Veranstaltungen berichtet. Im Gegenzug gibt er ihr Einblick in seine Sorgen und Ängste und offenbart ihr, wie sehr ihn das Töten und Sterben belastet; ihre kleinen Anekdoten aus dem Alltag lenken ihn wiederholt von den Schrecken des Krieges ab. Sein Abschiedsgruß, der jeden seiner Briefe abschließt, berührt dabei jedes Mal zutiefst: "Pass auf dich auf, mir zuliebe."
Man könnte an dieser Stelle einwenden, dass der amerikanische Flieger Dan etwas zu perfekt geraten ist, wenn er auch kein strahlender Held ist, sondern Schwäche und Verzweiflung an den Tag legen darf. Durch diese Figur bekommt man zumindest einen Eindruck davon, wie traumatisch die Einsätze für die Soldaten gewesen sein müssen. Dan leidet zunehmend darunter, dass die Statistik gegen ihn spricht und er irgendwann von einem der vorgeschriebenen 25 Einsätze über Deutschland nicht zurückkehren wird.
Als beide ein Wochenende miteinander verbringen, kommt Stella an einen ersten Wendepunkt in ihrem Leben. Sie beschließt, nicht länger fremdbestimmt zu sein und kein passives Leben mehr zu führen; sie will nun auf ihre eigene Stimme hören. Aber da sie in den Vierzigerjahren des 20. Jahrhunderts lebt, ist dies nicht mehr als ein frommer Wunsch, wie der Leser später erfährt. Wahrscheinlich ist das Verhalten der Protagonisten jedoch realistisch für die damalige Zeit und auch aus juristischer Sicht korrekt, was die Rechte der Frauen angeht, aber aus moderner Perspektive betrachtet ist es schier unerträglich. Vor allem, wenn man erfährt, dass die detailliert beschriebenen Ereignisse aus Stellas Leben nur die Spitze des Eisbergs sind. Es gelingt der Autorin dennoch immer wieder, Hoffnung zu wecken, dass die Liebesgeschichte zwischen Dan und Stelle ein gutes Ende nimmt, sodass das Buch eine gewisse Leichtigkeit nicht verliert.

In der Gegenwart begeben sich Jess und Will auf die Spuren der beiden Liebenden. Die Ereignisse in der Vergangenheit entpuppen sich dabei in vieler Hinsicht als zeitlose, universelle Themen, die sich auch im Leben der beiden jungen Menschen wiederfinden: abwesende, gefühlskalte Eltern, Missbrauch/Misshandlung, Sehnsucht nach Liebe, zerplatzte Träume, Gefühle von Unzulänglichkeit ..., sodass es der Autorin wunderbar gelingt, die beiden Handlungsstränge zu verknüpfen.

Im London des 21. Jahrhundert stößt die junge Jess auf diese besondere Liebesgeschichte, als sie auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Freund in ein leer stehendes Haus einbricht und dort in einer Schachtel alte Briefe findet, die zum Teil noch ungeöffnet sind. Auch Jess sehnt sich danach, eine Liebe zu erleben, wie sie sie in Dans Briefen vorfindet. Es wird rasch deutlich, dass Jess und Stella sich in vielem ähneln: Beide führen ein alles andere als glückliches Leben. Beide sind ohne die Zuneigung und den Halt eines richtigen Elternhauses aufgewachsen und verwechseln Interesse schnell mit Liebe. Auch Jess sucht die Zuneigung der falschen Männer. Beide haben keine oder nur ganz wenige Freunde und sind daher auch emotional recht vereinsamt. Stella hat das Gefühl, unsichtbar zu sein; sie hofft, dass endlich jemand sie wahrnimmt und sich wirklich für sie interessiert. Jess hingegen hofft, dass man ihre Anwesenheit im Haus nicht bemerkt, bzw. dass man sie nicht sieht, während sie durch die Straßen des Vorortes schlendert.
Alles ändert sich, als sie Will kennenlernt. Dieser stammt aus einer wohlhabenden, standesbewussten Familie, ist aber in deren Augen das schwarze Schaf, da er im Gegensatz zu seinem Bruder weder einen prestigeträchtigen Job noch eine vorzeigbare Freundin aus gutem Hause hat; ganz zu schweigen davon, dass er etwas übergewichtig ist und sich durchs Leben treiben lässt. Auch er ist wie Dan kein strahlender Held, sondern punktet mit Komplexen und Traumata.

Die Figuren des Romans – primär die vier Protagonisten – sind facettenreich und besitzen die nötige Tiefe, um wirklich echt und authentisch zu wirken. Iona Grey gelingt es wunderbar, die Emotionen der vier Protagonisten zu vermitteln, sodass man wirklich mitleidet, mitfiebert, mitbangt und mithofft. Es macht auch sehr viel Freude, ihnen dabei zuzusehen, wie sie – getrennt durch die Jahrzehnte – auf der gleichen universellen Suche sind. Andere Figuren spielen nur kleine Nebenrollen: Nancy Price zum Beispiel, Stellas beste Freundin seit ihrer gemeinsamen Zeit im Waisenhaus, eine abenteuerlustige, lebenshungrige junge Frau, die auch auf der Suche nach Liebe ist. Ada, Stellas Nachbarin, die sie darin bestärkt, auszugehen und sich zu amüsieren, als der Pfarrer im Krieg ist.

Eine kleine Schwäche des Romans sind m. E. allerdings die fehlenden Beschreibungen. Grey verzichtet weitgehend darauf; wir erfahren nur selten, wie die Landschaft aussieht, die vor den Fenstern eines Zuges vorüberzieht (und dass damals überall verstärkt Kohl und Kartoffeln angebaut werden, hatte ich spätestens nach der dritten Erwähnung verstanden). Wie sieht es auf der amerikanischen Basis aus? Wie sehen die Personen aus, mit denen Stella tagtäglich Kontakt hat? Wie ist das Haus, in das Jess einbricht, detailliert eingerichtet? Selbst als Stella und Dan ein Wochenende in Cambridge verbringen, ist in den Beschreibungen nur von engen Gassen, honigfarbenen Gebäuden, niedrigen Torbögen die Rede. Das ist angesichts der historischen Bedeutung und des architektonischen Reichtums der alten Universitätsstadt einfach zu wenig; und für die britische Hauptstadt, die wiederholt von der deutschen Luftwaffe angegriffen wird, gilt dies natürlich um ein Vielfaches. Es gibt Autoren, denen es deutlich besser gelingt, fremde Städte und historische Zeiten vor dem Auge des Lesers bzw. Zuhörers lebendig werden zu lassen. Stattdessen beschränkt sich Grey auf die Schilderungen, die für die Handlung relevant sind bzw. diese voranbringen. Das ist ausgesprochen schade, da gerade London und Cambridge viel Lokalkolorit besitzen. Andere Besschreibungen gelingen Grey jedoch deutlich besser: Als Dan und Stella z. B. in Tagträumen versinken und über ihr Traumhaus sinnieren, kann man dies regelrecht vor seinem inneren Auge sehen. Oder wenn die Autorin dem Leser einen kleinen Eindruck davon vermittelt, wie hart der Alltag der Menschen während des Zweiten Weltkrieges war, wenn Verdunklung herrschte oder die Menschen unter der Lebensmittelknappheit zu leiden hatten.

Ein weiteres Manko sind die zwei oder drei Antagonisten, die ein wenig zu eindimensional geraten sind, allen voran Stellas Ehemann Charles, der das Potenzial zu einer großartigen Figur gehabt hätte. Allerdings hat sich die Autorin hier meines Erachtens für den einfachen Weg entschieden. Pfarrer Charles Thorne leidet zutiefst unter den ihm von der Gesellschaft und von seiner Religion auferlegten Zwängen (worum es im Einzelnen geht, soll nicht verraten werden), was ihn zu einem Sympathieträger hätte machen können, wenn Iona Grey ihm nicht doch die simple Rolle eines Bösewichts übertragen hätte, wodurch viel Potential verschenkt wurde.

Über das Hörbuch

Gelesen wird die ungekürzte Ausgabe des Buches von der Hamburger Schauspielerin Jodie Ahlborn (*1980). Die Sprecherin hat eine angenehme, sympathische Lesegeschwindigkeit und spricht sehr deutlich, sodass man ihr gut folgen kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Sprechern, die ich mir in den vergangenen Monaten angehört habe, gibt Ahlborn den einzelnen Figuren durch unterschiedliche Sprechfarben nur begrenzt eine eigene Persönlichkeit, allerdings lernt man gerade Stella und Jess sehr schnell von anderen Figuren zu unterscheiden. Dennoch zieht sich z. B. bei der Figur von Stella eine einzige "Lesart" durchs Hörbuch, gleichgültig, ob die junge Frau laut Geschichte gerade schüchtern, verzweifelt oder hölzern ist/spricht. Allerdings fiel mir auf, dass Ahlborn gerade exotischere Begriffe (z. B. Arkansas, Quilt, Pint) falsch ausspricht, was aber bei einem Werk von ca. 16 Stunden nicht weiter negativ ins Gewicht fällt.

Mein Fazit: Eine zeitlose Geschichte darüber, dass wir die Hoffnung niemals aufgeben dürfen. Darüber hinaus ein dramatischer, zu Herzen gehender Liebesroman, der zu keiner Zeit kitschig ist und trotz einiger Kritikpunkte eine ganze Vielfalt an Emotionen bei mir ausgelöst hat. Ich habe mich mit Stella in den sympathischen Flieger Dan verliebt, ihren Ehemann leidenschaftlich gehasst, Nancys Lebenshunger gespürt und gemeinsam mit Jess und Will gehofft, dass die Liebesgeschichte zwischen Pfarrersfrau und Flieger ein gutes Ende nimmt …

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Rezension zu "Als unsere Herzen fliegen lernten" von Iona Grey

Wundervolle Liebesgeschichte
mone1337vor einem Jahr

Voller großer Gefühle werden zwei Liebesgeschichten, eine bereits langwährende und eine ganz frische, wundervoll aufgebaut vereint.

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