Irène Némirovsky

 4 Sterne bei 362 Bewertungen
Autorin von Der Ball, Suite française und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Irène Némirovsky

Irène Némirovsky, geboren 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers, kam während der Oktoberrevolution nach Paris, wo sie französische Literatur studierte. Mit ihrem Roman "David Golder" wurde sie in der Pariser Literaturszene gefeirten. Als Jüdin erhielt sie während des zweiten Weltkriegs unter deutscher Besetzung Veröffentlichungsverbot. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky ins KZ Auschwitz deportiert, wo sie wenig später starb.

Alle Bücher von Irène Némirovsky

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Der Ball

Der Ball

 (47)
Erschienen am 05.11.2007
Suite française

Suite française

 (45)
Erschienen am 06.04.2009
Jesabel

Jesabel

 (43)
Erschienen am 01.07.2008
Die Hunde und die Wölfe

Die Hunde und die Wölfe

 (32)
Erschienen am 03.08.2009
Herr der Seelen

Herr der Seelen

 (21)
Erschienen am 06.04.2009
Die Familie Hardelot

Die Familie Hardelot

 (19)
Erschienen am 10.12.2012
David Golder

David Golder

 (11)
Erschienen am 03.11.2008
Der Fall Kurilow

Der Fall Kurilow

 (11)
Erschienen am 06.11.2006

Neue Rezensionen zu Irène Némirovsky

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Viv29s avatar

Rezension zu "SUITE FRANCAISE" von Irène Némirovsky

Facettenreiches und berührendes Panorama
Viv29vor 4 Monaten

Suite Francaise umfaßt die ersten zwei von fünf Teilen, die Irène Némirovsky als auf 1000 Seiten angelegtes Werk über Frankreich im Zweiten Weltkrieg schreiben wollte. Sie wußte während des Schreibens, daß sie als konvertierte Jüdin im besetzten Frankreich in großer Lebensgefahr war und so erlitt sie 1942 auch das grausame Schicksal von Deportation und Tod. Ihr Manuskript überstand die Kriegswirren und so blieb ihr wundervolles Panorama für heutige Leser zum Glück erhalten. Diese ersten zwei Teile sind in sich abgeschlossen genug, um nicht wie ein Fragment, sondern wie ein vollendetes Werk zu wirken.

Im ersten Teil wird die Panik beim Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich im Sommer 1940 beschrieben. In kurzen lebhaften Kapiteln wird berichtet, wie verschiedene Einwohner von Paris auf die Gefahr reagieren, wie sie flüchten und was ihnen widerfährt. Die Charaktere sind unterschiedlich und bieten somit einen interessanten Überblick über verschiedene Menschen und Situationen - die wohlhabende elitäre Familie, der alternde hedonistische Schriftsteller, der weltfremde Porzellansammler, der opportunistische Bankdirektor und seine Geliebte, das anständige und oft übervorteilte Paar der Mittelschicht. All diese Menschen werden hervorragend dargestellt und es ist faszinierend, wie sie im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten das gleiche Ziel - die Flucht aus Paris - völlig verschieden angehen. Irène Némirovsky berichtet über diese Menschen in einem wunderschön zu lesenden Stil, mit herrlichen Details, die so viel über die Charaktere aussagen. Sie mischt leisen Humor mit tiefer Melancholie, stellt deutlich dar, wie der Überlebensinstinkt oft die Menschlichkeit vertreibt. Ich habe es genossen, von einem Charakter zum nächsten zu reisen, die Wechsel zwischen den Schicksalen waren gut gestaltet, hielten die Geschichte abwechslungsreich und lebendig.

Ein Charakter schlägt die Brücke zu Teil 2, der währen der deutschen Besetzung in einem kleinen französischen Dorf spielt. Die Charaktere des ersten Teils kommen hier nur noch in vereinzelten Randbemerkungen vor - geplant war, sie im dritten Teil wieder zusammenzuführen. So lernt man also hier ganz neue Charaktere kennen und wieder schafft es Irène Némirovsky, die Atmosphäre wundervoll zu gestalten. Man sieht die einfachen Bauernhöfe genau so deutlich vor sich, wie das elegantere Haus einer der reichsten Familien des Dorfes, spürt die Natur, die Stimmung in den kleinen Läden. Es ist ganz meisterhaft geschrieben (um so beeindruckender, da dies ein erster Entwurf war, den Irène Némirovsky noch überarbeiten wollte). Auch hier sind die Charaktere echt und lebendig. Mit wenigen Worten werden ihre Gedanken, Sorgen, Wünsche bemerkenswert dargestellt. Ausgesprochen interessant ist auch die Entwicklung zwischen Dorfbewohnern und den deutschen Besatzungssoldaten über drei Monate hinweg. Die anfängliche Feindseligkeit gegenüber den "Boches" läßt bei vielen Dorfbewohnern recht schnell nach, als sie sehen, daß diese deutschen Soldaten sich angemessen, durchaus höflich verhalten, daß sie ebenso Individuen mit eigenen Wünschen und Sorgen sind. Häufig wird erwähnt, wie jung diese Männer sind, gerade mal um die Anfang 20, daß sie Heimat, Eltern, Ehefrau, Kinder vermissen. Dieser seltsame Zwiespalt zwischen dem Menschen, der einem gar nicht unsympathisch ist und dem Feind, der Teil der Besatzungstruppen und einer grausamen Macht ist, wird hier feinfühlig und vielfältig aufgezeigt. Es ist fazinierend zu sehen, daß die Deutschen manchmal gar nicht verstehen, warum ihnen keine echte Freundschaft entgegengebracht wird, also ob sie selbst vergessen, in welcher Rolle sie in diesem Dorf, diesem Land sind. Manchen ist es wohl bewußt und so wird von einem Deutschen darauf hingewiesen, daß es nach dem ersten Weltkrieg genau umgekehrt war und die Franzosen da nicht verstehen konnten, daß das besiegte Deutschland Groll gegen die Sieger hegte. So wird gut gezeigt, daß es meistens nicht die Menschen sind, die Feindschaft hegen, sondern es ihnen von ihren jeweiligen Ländern aufdiktiert wird. Berührend hier auch der Abzug der Besatzungssoldaten, die nach Russland abkommandiert werden - man weiß, was ihnen dort widerfahren wird, und sie ahnen es auch schon. Die einzelnen Schicksale zeigen auch gut, wie der Krieg Leute zusammenbringen kann, sie in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen aber dennoch oft an Krieg und Politik scheitern müssen.

Es hat Spaß gemacht, die verschiedenen Schicksale zu verfolgen, mit einigen Leuten mitzufiebern, die Situationen auf beiden Seiten zu sehen, dies in einer wundervollen, leichten Sprache, die gerade dadurch oft sehr eindringlich wirkt. Ein bemerkenswertes Buch, daß mich tief berührt hat.

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Der Ball" von Irène Némirovsky

Feine Spitzen
Giselle74vor einem Jahr

Madame und Monsieur Kampf sind zu Geld gekommen. Ihren Aufstieg in die gehobene Pariser Gesellschaft wollen sie mit einem Ball krönen. Besonders Madame will endlich, endlich das Leben genießen und zwar möglichst ohne ihre 14jährige Tocher Antoinette. Daher wird letzterer die Teilnahme an dem großen Fest verweigert. Das rächt sich bitterlich...

Diese nicht sehr lange, aber nichtsdestoweniger böse Geschichte spielt Ende der zwanziger Jahre in Paris. Iréne Nemirovsky gelingt es meisterhaft, die Charaktere der beteiligten Personen zu zeichnen, von der Gouvernante über Antoinette bis zu Madame Kampf. Ganz besonders deutlich zeigt sich das Konkurrenzdenken der Mutter gegenüber der Tochter, aber auch die Angst vor dem, was die eigenen Dienstboten und /oder die Gesellschaft denken könnten. Die Sprache ist sehr pointiert, nicht ausladend, sondern läuft zügig in Richtung Finale, spitzzüngig, funkensprühend und ein bißchen grausam. Literatur wie ein geschliffener Diamant...

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Sikals avatar

Rezension zu "Zu zweit" von Irène Némirovsky

Alles verändert sich
Sikalvor einem Jahr

Die Autorin Irène Némirovsky wurde 1903 geboren, in Paris zum Star der dortigen Literaturszene, bevor sie während des zweiten Weltkrieges verhaftet und deportiert wurde und schlussendlich in Auschwitz starb. Eine Auswahl ihrer Werke wurde vom Knaus Verlag neu herausgegeben, eines davon ist „Zu zweit“ („Deux“).

Paris, nach dem ersten Weltkrieg: Die Protagonisten Marianne und Antoine erleben im Verlauf ihrer Beziehung sämtliche Schattierungen eben dieser – vom anfänglichen Begehren verlieren sich die Gefühle im Laufe der Zeit, Streitigkeiten, Seitensprünge, Verletzungen, Lügen stehen nunmehr an der Tagesordnung. Während sich Marianne immer weiter von ihrem Ehemann entfernt, ihn nicht mehr als Partner wahrnimmt und für ihre beiden kleinen Kinder lebt, genießt Antoine sein wieder auferstandenes Begehren mit Mariannes Schwester Evelyne. Das Doppelleben Antoines wirft einen Schatten auf alle Beteiligten, langsam kommt auch die Wahrheit immer weiter hervor – diese hat eine furchtbare Auswirkung.

Die Autorin schreibt über die Gefühlswelt der Protagonisten mit großer Empathie, sehr detailliert und aufschlussreich. Sie schafft es, Gefühle großartig zu beschreiben. Die Veränderung im Laufe des Lebens ist die große Unbekannte, alles wird anders – die Liebe, die gegenseitigen Anziehung, das Leid … Doch die Protagonisten sind nicht bereit, die eigenen Fehler zu reflektieren, an der Beziehung zu arbeiten, es verbinden noch die gemeinsamen Kinder und das Geld, welches Antoine ausreichend verdient. Ist das nicht oftmals auch heute noch so? In dieser Hinsicht hat sich wohl nicht allzu viel verändert.

Der Roman stellt diese Veränderungen und die Gefühle der Protagonisten in den Fokus, was auch teilweise ziemlich deprimierend wirkt. Es wirkt für mich generell alles etwas düster, was durchaus der Nachkriegszeit geschuldet sein kann. Letztendlich hofft man als Leser trotzdem auf eine positive Wendung.

Für mich hatte der Roman eine zu melancholische Grundstimmung, die Charaktere waren mir zu distanziert und somit nur 3 Sterne.

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Zusätzliche Informationen

Irène Némirovsky wurde am 24. Februar 1903 in Kiew (Ukraine) geboren.

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