Die Familie Hardelot

von Irène Némirovsky 
4,1 Sterne bei19 Bewertungen
Die Familie Hardelot
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Genial, wie Némirovsky auf wenigen Seiten ein gefühlvolles Epos vor dem Hintergrund der Katastrophe zeichnet!

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Die Familie Hardelot

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Inhaltsangabe zu "Die Familie Hardelot"

Der große Familienroman aus der französischen Provinz
Satt, selbstzufrieden und in der wohligen Gewissheit, dass sich nie etwas ändern wird: Die Fabrikantenfamilie Hardelot aus der französischen Provinz wiegt sich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in trügerischem Glück. Doch innerhalb einer Generation wird ihre bürgerliche Welt für immer hinweggefegt. Irène Némirovskys Roman, der unmittelbar vor »Suite française« entstand, ist illusionsloser Abgesang auf ein Bürgertum, das feige vor der Wirklichkeit die Augen verschließt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442744954
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:10.12.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 04.11.2010 bei Random House Audio erschienen.

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    Beusts avatar
    Beustvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Genial, wie Némirovsky auf wenigen Seiten ein gefühlvolles Epos vor dem Hintergrund der Katastrophe zeichnet!
    Sie waren beisammen, sie waren glücklich

    "Die Familie Hardelot" ist die gefühlvolle Zeichnung des Lebens von Pierre und Agnès vor dem brennenden Hintergrund der Katastrophe des 20. jahrhunderts und auf dem bleischweren Fundament der Familientraditionen des 19. Jahrhunderts. Beide Liebenden ertragen die Widrigkeiten ihrer Generation und das Erbe der Familien, indem sie einander treu sind: "Sie waren beisammen, sie waren glücklich", lautet der programmatische erste Satz des Romans.

    "Die Güter dieser Welt" (Les biens de ce monde) lautet der französische Originaltitel in der wörtlichen Übersetzung, und gemeint ist: Wert haben nur die Menschen, ihre Gefühle und ihr Charakter sind die wahren Güter dieser Welt.

    Der Roman ist eine Übung für Némirovskys Meisterwerk "Suite francaise". Man liest auch die Hardelots mit dem bitteren Beigeschmack des Wissens, dass die Jüdin Irène Némirovsky das Ende des Krieges nicht erlebt hat, weil sie1942 von den Deutschen in Auschwitz ermordet wurde.

    "Das Gedächtnis der Völker ist etwas Schreckliches. (...) Sie erinnern sich, dass sie gelitten haben, aber sie wissen nicht, warum ..." (S. 205)

    Ein großs Buch - 4,5 Sterne, denn 5 sind der "Suite francaise" vorbehalten.

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    Saralondes avatar
    Saralondevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Die Familie Hardelot
    Die Familie Hardelot

    Frankreich, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Industriellenfamilie Hardelot steht an der Spitze der Gesellschaft in Saint-Elme. Der Sohn Pierre ist standesgemäß mit der Tochter einer weiteren wohlhabenden Familie verlobt. Dumm nur, dass er heimlich in Agnès Florent verliebt ist, deren Familie zwar durchaus gut situiert, aber eben nicht standesgemäß ist. Es kommt alles anders als geplant und durch die beiden Weltkriege gerät die heile Welt der Familie gründlich aus den Fugen.

    Ich habe mich unerwartet schwer getan mit dem Buch. Mein Interesse an Schicksalen aus der Zeit der Weltkriege ist sehr groß und dieses Buch ist noch während des 2. Weltkrieges entstanden. Die Autorin ist schließlich in Auschwitz gestorben. Das Buch ist zweifellos schön und sehr einfühlsam geschrieben und liest sich flüssig. Auch ein feinsinniger Humor blitzt hie und da durch. Doch das reicht leider nicht, um mich wirklich mitzureißen. Ich habe die Charaktere als eher flach empfunden und konnte mich nicht recht in sie hineinversetzen. Mir persönlich sind die Charaktere allerdings sehr wichtig, deshalb kann ich das Buch nicht unter meine Lesehighlights einordnen.

    Ich habe auch den “Verfall” der Familie als weniger dramatisch empfunden als etwa in “Buddenbrooks”. Der Wandel der Gesellschaft kommt, wie ich finde, nicht so sehr deutlich zum Ausdruck.

    Fazit: lesenswert, aber es hat mich nicht umgehauen

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    lesemauss avatar
    lesemausvor 5 Jahren
    Die Familie Hardelot

    Das erste Buch von Irène Némirovsky war „Suite française“, aber nicht weil es ein Beststeller ist, sondern weil mich der Inhalt angesprochen hatte. Ich wurde nicht enttäuscht, sondern erfreulich überrascht. Danach versuchte ich über meine Bibliothek weitere Bücher zu bekommen und diese waren „Die Hunde und die Wölfe“, viel mehr gab es nicht. Erst durch den Bibliothekswechsel (Umzug) kam ich an mehr Bücher ran.

    Dieses Buch hat mich wieder in ihre Welt hineinversetzt. Irène Némirovsky schreibt sehr dichterisch, anfangs noch verwirrend für mich, aber dann ein herrlicher Genuss, die Sätze hin schwebend zu sehen.

    Mit genauem Blick beschreibt Irène Némirovsky das Leben der Familienmitglieder Hardelot vor, zwischen und in den Weltkriegen. Trotz unterschiedlicher Charaktere und Lebenseinstellungen halten die Menschen zusammen und unterstützen sich in Notsituationen. Auch kommt hier wieder die Liebe stark zu tragen, denn diese hält den Menschen aufrecht und macht aus deren Sicht das Leben lebenswert.

    Trotz der Kriege lassen sich die Personen nicht schwächen und unterkriegen. Sie kämpfen dafür ihre Kinder und ihre Liebsten wiederzusehen.

    Der neben Thomas Mann doch aus Sicht einer Französin das Leben erleben möchte, lege ich dieses Buch ans Herz.

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    L
    Lesemanievor 6 Jahren
    Irène Némirovsky: Die Familie Hardelot

    Die Familie Hardelot lebt in Saint-Elme, in der französischen Provinz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts geht es der Familie gut. Der immer noch rüstige Großvater, selbst der Enkel eines Bauern, hat von der industriellen Revolution profitiert, führt seine eigene Papierfabrik, und die Familie mit eiserner, seiner Meinung nach wohlmeinender, Hand.

    Allerdings kommt kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges Unruhe in das satte und zufriedene Leben der Familie. Nicht die aktuelle politische Lage ist dafür verantwortlich, sondern das Verhalten des einzigen Sohnes – Pierre. Dazu bestimmt die wohlhabende Waise Simone zu heiraten, deren Mitgift eine willkommene Finanzspritze für die Expansionspläne des Patriarchen darstellt, wendet er sich auf einmal gegen die Familie und heiratet Agnès Florent. Die bringt nur eine bescheidene Mitgift mit. Ihr verstorbener Vater – nur ein Bierbrauer. Die Mutter, Madame Florent kommt aus Paris und musste sogar – mon Dieu! – vor ihrer Heirat selbst arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Keine Frage, dass so eine Partie nicht den Plänen des alten Hardelots entspricht. Pierre wird der Fabrik  verwiesen und von seinem Großvater nicht mehr empfangen.

    Diese persönlichen Entwicklungen nehmen die Familien Hardelot und Madame Florent vollends in Anspruch. Nachrichten eines kommenden Krieges nehmen sie zunächst wenig ernst. Als es dann tatsächlich so weit ist und Pierre eingezogen wird, erklärt sein Vater bestimmt, „ daß ein Weltkrieg fast ohne Blutvergießen verlaufen muß.“

    Auch die Zerstörung Saint-Elmes erschüttert die Familie Hardelot kaum. Der Patriarch, ein bisschen älter aber immer noch rüstig, macht sich an den Wiederaufbau von Ort und Fabrik. Simone, die verprellte Verlobte, bringt durch einen interessanten Twist doch noch ihr Erbe in die Fabrik mit ein, und das Leben scheint so weiterzugehen, als sei der Krieg nie gewesen. So berührt das Herannahen des zweiten Weltkriegs den Alltag der Familie erneut nur wenig. Agnes und Pièrre sorgen sich vielmehr um ihre beiden Kinder. Besonders der Sohn macht ihnen Kummer. Genau wie sein Vater einige Jahrzehnte zuvor, hat er in Liebesdingen seinen ganz eigenen Kopf.

    Némirovsky beherrscht die Kunst, elegante Wendungen in die Geschichte einzubauen, die zu überraschenden Ergebnissen führen. Langweilig wird das Buch nie. Auf den ca. 250 Seiten passiert mehr als auf 500 Seiten in manch anderem Buch. Die Autorin prangert die Feigheit und Weltferne des französischen Bürgertums an, das seinen Kopf wieder und wieder in den Sand steckt. Gleichzeitig gesteht sie der Familie Hardelot in all ihrer Verbohrtheit doch eine wunderschöne Sache zu – Liebe.  Und das macht dieses Buch, das zwei Weltkriege umspannt, zu einem wunderschönen und kurzweiligen Leseerlebnis.

    Diese Rezension wurde auch auf lesemanie.com veröffentlicht.

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    M
    michael_lehmann-papevor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Familie Hardelot" von Irène Némirovsky

    Familientraditionen

    Pierre de Schlote hat sich an alle Traditionen gehalten. Immer. Wie es über die Generationen hinweg in seiner Familie üblich war. Etikette, Verbindungen, das Netzwerk der gesellschaftlichen Verpflichtungen aufrecht erhalten und, vor allem, die Papierfabrik der eigenen Familie durch alle Fährnisse der Zeit hinweg erhalten.

    Alles andere war nicht wichtig. Durchaus wohlhabend, aber das Geld zusammenhaltend. Durchaus mit Möglichkeiten, aber sich selbst beschränkend im kleinen Umfeld von St. Elme in der französischen Provinz, Ein Ort. an dem die Zeit über Jahre und Jahrzehnte hinwegstrich, ohne zu großartigen Veränderungen zu führen. Aber genau das waren ja auch die Motive, immer nur der sichernden Vernunft zu folgen, bei der Auswahl der Frauen ebenso, wie bei der Erziehung der Kinder und in allen geschäftlichen und gesellschaftlichen Unternehmungen.

    Träge sind die Mitglieder der Familie Hardelot, nicht aus dem Überfluss heraus, sondern aus erstickten Sehnsüchten, aus gesellschaftlichen Ressentiments heraus. Und glauben, dies sei der Preis für die Kontrolle über die Vorgänge des Lebens und damit für eine immer dauernde und gefestigte Sicherheit. Ein Preis, der selbst mit den eigenen Kindern keine Gnade kennt, wenn diese die gefügten Traditionen der Familiengeschichte drohen, zu durchbrechen.

    Doch diese tief bürgerliche Welt wird zerbrechen. An den Umständen der Zeitgeschichte zwischen den beiden Weltkriegen ebenso, wie an der inneren Starre der Familienmitglieder und der über Generationen hinweg gewachsenen Unfähigkeit zur Erneuerung und Veränderung.

    Den Niedergang des Bürgertums zu Beginn des 20. Jh. schildert Iréne Némirovsky auf gerade einmal 250 Seiten. Aber mehr noch. Die Suche und Sucht des Menschen nach Kontrolle und Sicherheit und die Unmöglichkeit, diese über das Leben wirklich zu erlangen sind die tieferen Themen ihres 1941 vollendeten und 1947 erstmals erschienenen Buchs.

    Das Streben nach Kontrolle und Sicherheit lässt innerlich erstarren und aus der Angst heraus nur mehr agieren. Dramatische Wendung des Lebens, dass gerade aus dieser Suche nach Bewahrung des Vertrauten jene Kräfte abhanden kommen, die das Vertraute mit neuen Mitteln auch durch stürmische Zeiten des Lebens und der Zeitgeschichte bringen könnten. Und auch jene Kräfte erlahmen lassen, die in der Lage wären, aus den Verlusten neues entstehen zu lassen.

    Der konservativen, bürgerlichen Haltung des beginnenden 20. Jh. und der verzweifelten, weil unmöglichen Tendenz des Menschen zur absoluten Bewahrung hält Iréne Némirovsky meisterhaft ihren, auch noch heute ernüchternden, Spiegel vor. Mit dem Hoffnungsschimmer der Liebe, die starre Formen zu durchbrechen vermag, auch wenn nicht immer ein Happy End winkt.

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    Volponas avatar
    Volponavor 3 Monaten
    billîs avatar
    billîvor 2 Jahren
    bernauerins avatar
    bernauerinvor 3 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    ClaudiaWenks avatar
    ClaudiaWenkvor 3 Jahren

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