Irène Némirovsky Die süße Einsamkeit

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Inhaltsangabe zu „Die süße Einsamkeit“ von Irène Némirovsky

Eine selbstsüchtige Mutter, die auf ihre heranwachsende Tochter eifersüchtig ist; eine bildhübsche Tochter, die sich mit den Waffen, die sie eigentlich verachtet, dafür rächt: Im Mittelpunkt von »Die süße Einsamkeit« steht ein dramatischer Mutter-Tochter-Konflikt. Gleichzeitig ist der erstmals ins Deutsche übersetzte Roman das Porträt einer Gesellschaft im Umbruch und der verführerischen wie gefährlichen Chancen, die daraus erwachsen.

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  • Rezension zu "Die süße Einsamkeit" von Irène Némirovsky

    Die süße Einsamkeit

    michael_lehmann-pape

    17. October 2012 um 14:02

    Ein Mutter-Tochter Konflikt zu Zeitenwenden 1935 bereits hat Irene Nemirovsky diesen Roman verfasst, in deren Mittelpunkt sie den Konflikt zwischen einer Mutter und ihrer Tochter, oder, je nach Schwerpunkt im Roman, zwischen Tochter und Mutter setzt. Eine Mutter, mit der Helene, die Protagonistin des Romans, es tatsächlich ja durchaus schwer hat, von Beginn an. Helene, die „nur“ ihrem Vater ähnlich sah und diesen oft voller Zärtlichkeit betrachtet. Ein Vater, der seine Tochter nicht in gleichem Maße seinerseits beachten und schätzen kann, denn durch eine erfolgreiche Strategie gelingt es der Mutter immer wieder, alleine sich, ihre Person, ihr Befinden in den Mittelpunkt des familiären (und darüber hinaus) Lebens zu stellen. „Er hatte nur Blicke und Liebkosungen für seine Frau, die mit mürrischer und schlechtgelaunter Miene seine Hand weg schob“. Eine Frau, die nur sich selbst kennt, sich nur um sich dreht. Gut für Helene, dass zumindest in Person der französischen Gouvernanten Mademoiselle Rose, eine ihr zugewandte Person, ein weibliches Vorbild, mit im Hause lebt. Vor allem, da die Mutter noch nicht einmal die Hingabe ihres Mannes, die sie mit ihrem Verhalten immer wieder herauskitzelt, zu schätzen weiß, sondern im Stillen von anderen träumt. Von einem Mann, „von dem man nicht wusste, woher er kam, wie er hieß, den man niemals wieder sah“, dem sie sich aber mit Wollust hinzugeben bereit wäre. Was Wunder, dass „der einzige Kuss“, den Helene schon als Kind akzeptierte und auch gerne erwiderte, der ihres Vaters war. Und als dann noch der Vater seine verantwortungsvolle Arbeit verliert, weil sein Vorgesetzter ihn nicht in Kassen-Angelegenheiten weiter beschäftigen möchte, weil eben der Vorgesetzte misstrauisch auf die Verschwendungssucht der Frau seines Angestellten schaut und befürchtet, dass über kurz oderlang Boris, der Vater und Ehemann, gar nicht umhin könnte, heimlich in die Kasse zu greifen, um die exorbitanten Wünsche seiner Frau zu befriedigen, da werden in einem, kleinen Abschnitt des Buches die Charaktere und Verhältnisse präzise beleuchtet. Eine Entwicklung, die die Familie zunächst trennen wird, , denn der Vater muss sehen, wo es Geld zu verdienen gibt und geht hierzu in die Ferne. Später zieht die Familie ganz von dannen, weg von drohender Armut, über St. Petersburg später Paris, in die leuchtende, elegante Metropole. Ein Weg, auf dem Helene ihre Gouvernante verliert, auf dem sie immer deutlicher Haltung gegen ihre Mutter einnimmt, auf dem sie immer mehr den Mangel an Liebe und Zuwendung zu spüren bekommt. Und es der Mutter heimzahlen will. Auf eine Art, die aber ebenso eine Entwicklung und einen Reifungsprozess in Helene selbst anstoßen wird. Ein Prozess, der sie vielleicht zu einem tieferen Verständnis der Person ihrer Mutter führen kann.. Intensiv lässt Nemirovksy der Entwicklung Helenes Raum und fängt in eleganter und filigraner Sprache sie Atmosphäre in der Familie, das Leiden das Vaters an seiner Frau, das Leiden Helens an der Mutter und dem Mitleid mit dem Vater, aber letztlich auch das Leiden der Mutter an sich selbst ein. Ebenso, wie es ihr gelingt, die Atmosphäre jener Zeit des beginnenden neuen Jahrhunderts nicht nur in der Eleganz des Paris jener Tage und der Sucht nach Reichtum, sondern auch in der Schattenseite der Armut in Russland und Frankreich intensiv zu schildern. Eine trotz ihres Alters wunderbare und zeitlose Lektüre.

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