Irène Némirovsky Herbstfliegen

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Inhaltsangabe zu „Herbstfliegen“ von Irène Némirovsky

Ein bewegendes Porträt aus der Feder der französischen Bestsellerautorin Nichts in Frankreich kann der betagten Tatjana Iwanowna den geliebten russischen Winter ersetzen. Während sie in Gedanken noch in der Heimat weilt, stürzen sich die Jüngeren der Emigrantenfamilie atemlos in das Pariser Leben. - Irène Némirovsky (1903-1942), die in den 1920er-Jahren zum Star der französischen Literaturszene avancierte, bezaubert mit einer atmosphärisch dichten Herbstgeschichte.

"Herbstfliegen" zeichnet auf wenigen, aber umso intensiveren Seiten, das Leben getriebener Menschen und ihr Ankommen in der desillusionierten Fremde, die ihnen nie zur Heimat werden wird, nach. Ein wundervoll zartbesaitetes Büchlein einer Autorin, die viel zu schnell vergessen wurde

— HeikeG
HeikeG

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  • Rezension zu "Herbstfliegen" von Irène Némirovsky

    Herbstfliegen
    HeikeG

    HeikeG

    21. August 2008 um 20:23

    Nostalgisches Russland "Sie gingen hin und her, von einer Wand zur andern, schweigend, so wie die Herbstfliegen, wenn die Hitze und das Licht des Sommers vorüber sind, mühsam, matt und gereizt über die Fensterscheiben kriechen, ihre toten Flügel nachziehend." Gemeint ist eine adlige, ehemals wohlhabende russische Emigrantenfamilie, die 1918 durch den bolschewistischen Mob von ihrem großzügigen Landsitz und letztendlich aus ihrer Heimat vertrieben wurde und in Paris eine neue, wenn auch äußerst bescheidene Bleibe gefunden hat. Mit ihnen kommt ihr altes Kindermädchen. Doch in der Fremde findet sich die alte Frau nicht mehr zurecht. Ihr fehlt der russische Winter und vor allem der Schnee. Ein leises, melancholisches Werk der französisch-russischen Autorin Irène Némirowky, deren Name der Rezensentin bis dato nicht bekannt war. Die 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geborene Autorin floh mit ihrer Familie gleichfalls vor der Oktoberrevolution nach Paris, heiratete dort einen wohlhabenden Weißrussen und bekam zwei Töchter. Mit ihrem ersten Roman "David Golder" wurde sie schlagartig berühmt und zum Star der Pariser Literaturszene. 1942 starb sie im Konzentrationslager Auschwitz. Hinterlassen hat Irène Némirowky ein kleines Oeuvre (u. a. "Der Ball", "Der Fall Kurilow", "Die Hunde und Wölfe" sowie ihr viel beachtetes "Suite française"), das nach sechzig Jahren wieder neu entdeckt wird. "Herbstfliegen", ein schmales Büchlein, welches die Autorin 1931 schrieb, hat - wie schon ihre vorangegangen Werke - die Sehnsucht nach der alten Heimat zum Inhalt und ermöglicht wunderbar, sich der Autorin und ihrem feinen, zarten und melancholischen Schreibstil zu nähern. Auf nur knapp 100 Seiten umreißt sie die russische Revolution, Angst, Tod, die Flucht über Odessa, Konstantinopel, Marseille, nach Paris, wo man ein neues Leben aufbauen muss. Melancholie entwurzelter und wandernder Seelen Die historischen Daten und ihre dramatischen Verwicklungen bilden dabei nur den Hintergrund eines Einzelschicksals, das der Tatjana Iwanowna, des 70-jährigen Kindermädchens und der ehemaligen Amme der Familie Karin. Sie folgt ihren Herrn auf deren Flucht in grenzenloser Treue. Obwohl es keiner von ihr erwartet hat, begräbt sie zuvor die Toten und verhilft mit dem im Saum ihres Kleides eingenähten Schmucks der Hausherrin, der Familie in der Fremde zu überleben. Beklemmend zeigt die Autorin in dieser Symbolhaftigkeit nicht nur die Spaltung der Generationen, sondern setzt den Verbannten ein würdiges Denkmal: der Geist der alten Tatjana überlebt die Flucht, das alte Russland jedoch nicht. Letztendlich machen die Russen in Paris ihr Leben. Tatjana jedoch bleibt in ihren alten, anachronistischen Erinnerungen gefangen. Sie kommt mit der neuen Welt nicht zurecht. "Soll ich die Koffer der Kinder wieder auspacken? Wann reisen wir wieder ab? (...) Wie konnten all diese Leute nur in diesen schwarzen Häusern eingesperrt leben? Wann würde der erste Schnee kommen? (...) Diese niedrigen Decken erstickten sie." Durch die ungezwungene Leichtigkeit, mit der Irène Némirowky ihre Figuren zeichnet und die mit großer Sensibilität wiedergegebenen Gefühle der alten Dame - sicherlich bereichert durch ihre eigenen Erfahrungen während der Flucht und des Exils ihrer Familie - fängt die Autorin die Melancholie der entwurzelten und wandernden Seelen ihren Protagonisten im Gegensatz zu ihrer nach außen getragenen unbekümmerten Existenz auf wundervolle und schmerzliche Weise ein. Letztendlich lässt sie ihre Geschichte in einem sublimen und dramatischen Geheimnis ausklingen. Fazit: "Herbstfliegen" zeichnet auf wenigen, aber umso intensiveren Seiten, das Leben getriebener Menschen und ihr Ankommen in der desillusionierten Fremde, die ihnen nie zur Heimat werden wird, nach. Ein wundervoll zartbesaitetes Büchlein einer Autorin, die viel zu schnell vergessen wurde, in einer authentischen, den Klang Irène Némirovsky vortrefflich aufgreifenden Übersetzung von Eva Moldenhauer.

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