Irène Némirovsky Herr der Seelen

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Inhaltsangabe zu „Herr der Seelen“ von Irène Némirovsky

Ein genialer Außenseiter auf der Suche nach Anerkennung im Paris der 1920er Jahre. Ein junger Arzt ist voller Hoffnung mit seiner Familie von der Krim nach Frankreich eingewandert. Aber er bekommt im Nizza und Paris der 1920er Jahre keine Chance, sich zu beweisen. Bis er sich entschließt, die Schönen und Reichen mit einer neuartigen Heilungsmethode zu beeindrucken und ihm als Scharlatan ein atemberaubender gesellschaftlicher Aufstieg gelingt. Er wird zum Herr der geschundenen, dekadenten Seelen – und zum Sklaven seines Ehrgeizes … Von der Autorin des Bestsellers „Suite française“.

Fast ein wenig altmodisch dieser Schreibstil, aber superb.

— MonicaS
MonicaS

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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  • Rezension zu "Herr der Seelen" von Irène Némirovsky

    Herr der Seelen
    mecedora

    mecedora

    18. March 2011 um 16:16

    "'Sie wohnen doch schon so lange in Frankreich!... Sie sind fast einer von uns!'" Dieses Wort 'fast' umfaßte für ihn eine ganze Welt unerklärbarer Gefühle, bitterer Erfahrungen. Er hatte keine Freunde, keine Verbündeten, keine Verwandten. Nichts konnte bewirken, daß er sich berechtigt fühlte, hier zu sein. Gegen seinen Willen betrachtete er sich wie ein Tier, das aus seinem unterirdischen Bau hervorkommt, überall Fallen wittert, Zähne und Klauen schärft, da es weiß, daß ihm nur von ihnen Hilfe kommt." (S. 112) "Herr der Seelen" erzählt die Geschichte von Dario Asfar, Arzt, métèque und Ausgegrenztem in Frankreich, der, um seine Frau und seinen Sohn zu ernähren, zum Scharlatan wird. Er, von Geldmangel und Not getrieben wie ein Tier, führt Abtreibungen durch, um das erstrebte Gut, Geld, zu erlangen. Niemand traut ihm, er ist der kleine dreckige Ausländer, ein Arzt, den man höchstens dann an sich und seine Lieben heranlässt, wenn niemand anders erreichbar und die empfundene not groß ist. Bis er sich schließlich der Scharlatanerei verschreibt und die Reichen und Schönen von Paris mit einer neuartigen Seelentherapie behandelt - und dafür hohe Honorare verlangt. Er wird vom gejagten Tier zum Jäger, zum Jäger nach immer mehr Geld, um seine linear mit dem Reichtum anwachsenden Schulden zu bedienen, er wird zum "Herr der Seelen", der vor kaum etwas zurückschreckt, um zu erreichen, was er erstrebt: Geld und Ansehen in einem Land, das ihm von Vornherein mit allergrößtem Misstrauen begegnet. "Herr der Seelen" ist ein schreckliches, eigentümlich eindringliche und düsteres, ein hastig erzähltes Buch. Es ist der Bericht einer schamlosen, mit Verleugnung seiner Selbst und seiner Prinzipien einhergehenden Assimilation, ein in die Immigration verlegter Faust-Mythos. Auch Dario wird, um seines vermeintlichn Wohles und Erfolges willen, seiner Seele beraubt. Irène Némirovsky, selbst Einwanderin in Frankreich, gelingt mit ihrem zuerst 1939 in Episoden in der Zeitschrift "Gringoire" veröffentlichten Roman ein großartiges Buch, das noch lange nachwirkt und erstaunlich aktuell ist. Meiner Meinung nach absolut empfehlenswert!

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  • Rezension zu "Herr der Seelen" von Irène Némirovsky

    Herr der Seelen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    16. January 2010 um 17:06

    Der Leser entdeckt immer wieder einen neuen Autor, die Verlage indes immer wieder Autoren, die die dunklen Jahre des 2. Weltkrieges nicht überlebten, sehr jung verstarben oder aus ihrem Heimatland geflohen sind. Doch dabei zu Lebzeiten oder in ihrer Heimat berühmt waren. Vor einigen Jahren wurden die Romane des ungarischen Autors Sandor Marais wieder entdeckt, die noch heute mit Begeisterung gelesen werden. Mit dem Roman „Suite francaise“ gelangt die gebürtige Russin Irene Nemirovsky mehr als 60 Jahre nach ihrem Tod wieder in das literarische Rampenlicht, der zu den sprachgewaltigsten Werke über die deutsche Besatzung in Frankreich gilt. Nun sind weitere ihrer Werke erschienen, darunter auch ihr Roman „Herr der Seelen“, der vor allem deutlich macht, was ein Meisterwerk auszeichnet: das Allgemeine im Besonderen zu schildern. --- DER HERR DER SEELEN --- Dario Asfar ist Arzt, gut ausgebildet, jedoch in Frankreich aufgrund seiner Herkunft ein gesellschaftlicher Außenseiter. Von der Halbinsel Krim stammend und heraus aus den ärmlichen Verhältnissen hat es den jungen Mann gemeinsam mit seiner Frau Clara in den Westen nach Nizza verschlagen, immer mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Als Clara ihren kleinen Sohn Daniel auf die Welt bringt, gerät Dario unter Druck. Wie soll er seine Familie ernähren, wenn die Einkünfte nur spärlich fließen? Denn keiner hat so richtig Vertrauen zu dem Mediziner. Und ihr erstes Kind hat bereits ihre Armut nicht überlebt und ist als Baby an Hunger verstorben. Eines Tages beauftragt Darios Vermieterin, eine russische Generalsgattin, ihn, eine Abtreibung an ihrer Schwiegertochter vorzunehmen. Daraufhin erhält er die Möglichkeit, von ihr eine größere Summe Geld zu leihen. Die verlangt jedoch die Vermieterin wenig später zurück. Erneut muss Dario Schulden aufnehmen, um vor allem auch den Anschein zu wahren und zu zeigen, dass er als Arzt ein gutes Einkommen hat. Der nächste Patient lässt schließlich nicht auf sich warten. Es ist Philippe Wardes, ein reicher Industrieller, der an Schlaflosigkeit und Ängsten leidet, sich an seiner Spielsucht und Affären berauscht ohne Rücksicht auf seine Frau Sylvie und die kleine Tochter. Dario behandelt den Unternehmer und wird magisch von dessen Frau Sylvie angezogen, die Abbild seiner erwünschten Welt aus Reichtum und gesellschaftlicher Kultur ist. Wardes bittet Dario, ihm ein spezielles Aufputschmittel zu verschreiben, dies lehnt er jedoch ab. Sylvie verlässt wenig später ihren Mann und zieht Schließlich ein Dario ein Angebot: Er kann in einer Gemeinschaftspraxis in Paris einsteigen. Wenig später wird er erneut zu Wardes gerufen: die Beginn seiner Behandlung bedeutet den Aufstieg von Dario zu einem der renommiertesten und reichsten Medizinern seines Faches. Auf der Grundlage der Freudschen Psychoanalyse soll er seine Patienten behandeln – auch wenn er und seine Kritiker nicht an den Erfolg seiner Methode glauben. Dario weiß, dass er ein Scharlatan ist, als sogenannter „Herr der Seelen“ die Menschen betrügt. Doch der Erfolg hat seine Schattenseiten: Dario betrügt seine Frau, die bereits Anzeichen einer schweren Krankheit zeigt. Und der Reichtum und das Ansehen muss immer wieder finanziert werden, auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten, die auch der Mediziner zu spüren bekommt. Mit einem speziellen Geschäft mit der neuen Frau von Wardes ignoriert Dario erneut die moralischen Pflichten eines Mediziners. Sein nunmehr nahezu erwachsener Sohn erfährt davon – der Abstieg des Scharlatans beginnt. --- REICHTUM VS. MORAL --- „Herr der Seelen“ erzählt so eine spezielle Entwicklung, allerdings mit Blick auf Anstand und Tugend, Moral und Gewissen eine negative. Aus einem Mann, der aus einfachen Verhältnissen stammt, der seine kleine Familie schätzt und liebt, wird mit der Zeit ein Mann, der eine Rolle spielt in seiner eigenen von Reichtum, Affären und Lügen gezeichneten Welt, der seinen Lebenstraum, ein ehrenhafter und friedlicher Mensch zu werden, verrät. Der Glaube, trotz Ausbildung und Hoffnung, ein Taugenichts zu bleiben, hat ihn den Weg des geringsten Widerstandes gehen lassen. Und gerade in dieser negativen Entwicklung des „Helden“ offenbart sich, warum dieses Buch ein wahres Meisterwerk ist. Irene Nemirovsky erschafft dafür weder eine Heerschar an Figuren noch einen fiktiven Ort. Die Französin russischer Abstammung blickt genau in die damalige Gesellschaft der 20er und 30er Jahre und beobachtet die unterschiedlichsten Schichten mit ihren speziellen Verhaltensweisen. Dario ist Abbild jener ausländischen Einwanderer, die, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, ihre Heimat hinter sich lassen. Obwohl sie nicht gern gesehen werden. Das Ziel ist ein Platz in der oberen Schicht. Doch die geht ihren eigenen, ignoranten Weg, ohne wirklich nach rechts und links zu schauen. Sie nimmt sich, was sie braucht; und seien es nur die Dienste eines ausländischen Arztes. Doch der dreht den Spieß um - denkt er. Eher verstrickt er sich immer weiter in Unmoral und Lügen, ohne einen sich einen Deut aus der Abhängigkeit zu befreien. Dafür entfernt er sich immer weiter von seiner Familie, die ihm eigentlich die Heimat ersetzen, die ihm in jeder Zeit zur Seite steht. Kein Wunder, dass schließlich der eigene Sohn auf die Barrikaden geht. Denn Daniel ist auch das ganze Gegenteil des Vaters. Geld und gesellschaftliche Stellung interessieren ihn nicht, lieber vergräbt er sich in Bücher und die Faszination der Kunst, auch mit Hilfe von Sylvie Wardes, jene Frau, die sein Vater angebetet hat. Doch auch er kann die Bewegung des Vaters in den Abgrund nicht aufhalten, weil dieser seinen eigenen Sohn nicht versteht, nicht einmal reagiert, als mit Claras Tod der Abstieg seinen Lauf fortsetzt. In jener Handlung, die eben wie ein Meisterwerk das Allgemeine im Besonderen spiegelt, allgemeine Charaktere und Gefühle in einem speziellen Schicksal bettet, ist kein Wort, kein Dialog, keine Beschreibung eines Ortes zu viel. Alles fügt sich zueinander, um eine Kraft und Wirkung auszustrahlen, die nur große Kunst vermag. Die Spannung liegt in der Entwicklung des Helden und die Reaktionen seines Umfelds, vor allem auch im langsamen, aber umso gewaltigen Abstieg. Gefühle und Gedanken erscheinen in ihrer Vielfalt, in ihren verschiedenen Auswüchsen, je nach Stimmung und Situation. Die vollkommene sprachliche Ausgestaltung zeigt sich zudem in ausdrucksstarken und bildhaften Vergleichen. Liest man jedoch die kritischen Anmerkungen der Charaktere über Ausländer, vor allem jüdischer Abstammung und aus Osteuropa kommend, kann man erahnen, dass die Autorin aus speziellen politischen, auch antisemitischen Lagern Zuspruch bekam, wie es Olivier Philipponat und Patrick Lienhardt - Autoren der 2007 erschienenen Biografie über Irene Nemirovsky - in ihrem Nachwort schildern und dieser Fehlinterpretation korrigieren. Vor allem mit einem grundsätzlichen Blick in die Biografie der bekannten und geschätzten Autorin, die selbst jüdischer Abstammung (siehe Die Autorin) ist und die wenig später vor der deutschen Besatzung und ihrem Rassenwahn fliehen muss. Einmal mehr zeigt sich in ihrem Schicksal die ganze Wucht politischer Entwicklungen, die vor Kunst und ihrem Schaffer keinen Halt macht. --- DIE AUTORIN --- Irene Nemirovsky hat den nachfolgenden Krieg nicht überlebt. Die in 1903 in Russland geborene Jüdin stirbt im Juli 1942 wenige Wochen nach ihrer Verhaftung im Konzentrationslager Auschwitz. Vor der deutschen Besatzung war sie mit ihrem Mann und den Töchtern aus Paris in die Provinz geflohen. Schon zu Lebzeiten machte die junge Schriftstellerin, die an der Sorbonne Literaturwissenschaft studierte, auf sich aufmerksam. Mit dem Roman „David Golder“ wird die junge Frau in der Pariser Literaturszene schlagartig berühmt, die in den Wirren der russischen Oktoberrevolution 1918 gerade 15-jährig mit ihren Eltern aus Russland über Finnland und Schweden nach Frankreich geflohen war. Viele weitere Veröffentlichungen folgten daraufhin. Ihr literarisches Vermächtnis „Suite francaise“, mit dem Nemirovsky auch hierzulande bekannt wird, hat ihre Tochter Denise Epstein 2004 herausgegeben, nachdem sie das Manuskript entziffert hatte.

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  • Rezension zu "Herr der Seelen" von Irène Némirovsky

    Herr der Seelen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. June 2009 um 09:45

    Wieder mal ein grandioser Roman mit viel Tiefgang von meiner Lieblingsautorin.

  • Rezension zu "Herr der Seelen" von Irène Némirovsky

    Herr der Seelen
    yoko

    yoko

    19. May 2009 um 22:38

    Dieses Buch glänzt durch seine Qualität, die man in zeitgenössichen Werken heute schrecklich vermisst. Man bleibt oft in den gehaltvollen Sätzen hängen als hätte jemand eine unsichtbare Schnur zwischen den Augen und den Buchstaben gespannt - so unglaublich gut sind die Gedanken und Worte gewählt. Irène Némirovsky erzählt die Geschichte von einem jungen Arzt von der Krim, der nach Frankreich einwandert, dort jedoch mehr schlecht als recht mit seiner Frau und seine Sohn durchkommt, was nicht an seiner Qualifikation hängt, sondern nur, weil er keiner von den Franzosen ist, sondern ein Ausländer. Doch eines Tages rächt er sich an den Reichen und Schönen so raffiniert, dass selbst der Leser freudig seine Hände reibt. Ich empfehle Lesern russischer Literatur sowie anspruchsvollen Bücherwürmern dieses wunderbare Werk, das in einer Zeit geschrieben worden ist, die vielen von uns fern ist und bleibt.

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