Irène Némirovsky Suite Francaise

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Inhaltsangabe zu „Suite Francaise“ von Irène Némirovsky

Presents a depiction of a group of Parisians as they flee the Nazi invasion and make their way through the chaos of France. This book follows the inhabitants of a small rural community under occupation who find themselves thrown together in ways they never expected.
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  • Sprachlich hervorragend, inhaltlich überzeugend

    Suite Francaise
    Makollatur

    Makollatur

    06. October 2015 um 15:16

    Das wohl bekannteste Werk Irène Némirovskys schildert die Besatzung Frankreichs in den Kriegsjahren 1940 bis 1942. In zwei inhaltlich voneinander getrennten Teilen werden aus der Sicht einmal des französischen Besitzbürgertums und zum anderen aus jener der Landbevölkerung die Flucht der Massen vor den heranrückenden Deutschen und die Stationierung deutscher Truppen in einer kleinen Ortschaft beschrieben. Typisch für die Autorin ist die Verschmelzung von Gegensätzen und unglücklichen, weil hoffnungslosen Verbindungen. Insbesondere im zweiten Teil der Erzählung kommt dies in Gestalt der (latenten) Liebesbeziehung zwischen einem deutschen Offizier und einer Französin zum Ausdruck. Neben allen detailliert und überzeugend vermittelten Kriegsschrecken und menschlichen Abgründen bleibt vor allem diese zum Scheitern verurteilte Liaison beim Leser haften. Némirovskys Personen sind stets so sauber gezeichnet, dass man ihrer bei der Lektüre fast haptisch habhaft werden kann, die Umstände, unter welchen die Flucht und die Besatzung Gestalt annehmen, stammen aus der Feder einer Person, die selbst die Schrecken der Zeit kennengelernt hat. Der Roman besitzt eine große Glaubwürdigkeit, ist an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas kitschig geraten und (leider, leider) nicht fertig gestellt. Im Anhang befinden sich Notizen der Autorin zur inhaltlichen und formellen Konzeption des Werkes, zusammen mit einem hervorragenden Nachwort. Die von den Nazis deportierte und in Gefangenschaft gestorbene Autorin gehört zu meinen absoluten Favoriten, dieser Roman ist aber für mich nur einer von vielen sehr guten.

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  • Leben mit den Besatzern

    Suite Francaise
    PaulTemple

    PaulTemple

    1940: Der Blitzkrieg tobt und innerhalb von Wochen besiegt die Wehrmacht die französische Armee und besetzt fortan große Teile Frankreichs. Wer jenseits der Fakten einen realistischen Blick davon bekommen möchte, welche Folgen dies für die "normale" Bevölkerung Frankreichs hatte, der kommt an Suite Francaise keineswegs vorbei! Detailreich und mit sprachlicher Finesse berichtet die Autorin vom Schicksal mehrerer Familien aus allen gesellschaftlichen Schichten, die sich von jetzt auf gleich auf der Flucht befinden, ohne große Habseligkeiten, ohne viel Nahrung, getrieben von Angst und Verzweiflung.  Auch der alltägliche Umgang mit den deutschen Besatzern wird thematisiert, was von purem Hass über stillschweigendes Dulden bis hin zu amourösen Abenteuern reicht. Für geschichtsinteressierte Leser, die ein authentisches Bild des Zweiten Weltkriegs erfahren möchten, ist dieses Buch definitiv ein Muss°

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    • 7
  • Ergreifende Charakterstudie unter Extrembedingungen

    Suite Francaise
    Lesestunde_mit_Marie

    Lesestunde_mit_Marie

    04. April 2015 um 10:35

    Suite française, ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter, ergreifender und besonderer Roman wurde posthum erst über 60 Jahre nach dem Ableben der Autorin, Irène Némirovsky, in ihrem bescheidenen Nachlass entdeckt und veröffentlicht. Suite française ist der Titel eines auf fünf Teile geplanten, aber unvollendet gebliebenen Romans. Nachdem sie die ersten beiden Teile des Romans - „Sturm im Juni“ und „Dolce“ -fertiggestellt hatte, wurde Irène Némirovsky, eine seinerzeit bekannte französische Schriftstellerin mit ukrainisch-jüdischen Wurzeln, im Juli 1942 in Pithiviers festgenommen und nach Auschwitz deportiert, wo sie bereits am 19. August 1942 geschwächt an Typhus starb. Das Manuskript der ersten beiden Romanteile sowie der Entwurf des weiteren Handlungsverlaufes ruhte seit ihrer Deportation in einem Koffer, den ihre beiden Töchter aus Angst vor der schmerzlichen Erinnerung zwar sorgfältig aufbewahrten und auch auf ihrer beschwerlichen Flucht retteten, aber nicht lasen. Erst 1998 erkannte Denise Epstein, die ältere ihrer beiden Töchter, dass es sich um ein Romanmanuskript und nicht um Tagebucheinträge handelte. 2004 wurden die beiden Teile dann in einem Band unter dem Namen Suite française auf Französisch veröffentlicht und zum Weltbestseller. 2005 erschien die deutsche Übersetzung von Eva Moldenhauer im Knaus Verlag. Das Buch schildert im ersten Teil „Sturm im Juni“, das 31 Kapitel umfasst, die überstürzte Flucht von Pariser Angehörigen der Bourgeoisie, Intellektuellen und einfachen Bürgern angesichts der drohenden Eroberung der Stadt durch die Deutschen im Juni 1940: Nachdem die ersten Bomben auf Paris gefallen sind und viele Einwohner sich auf das Verlassen der Stadt vorbereiten, um dem vorrückenden Feind aus Deutschland zu entkommen, beginnen die eigentlichen Handlungsstränge mit dem Tagesanbruch des 4. Juni 1940. Hierbei springt der Blickpunkt von Kapitel zu Kapitel zwischen unterschiedlichen Personen und Gruppen hin und her, die verschiedene gesellschaftliche Schichten und unterschiedliche Charaktere darstellen. Nur teilweise gibt es Verbindungen zwischen den verschiedenen Personen, Gruppen und Handlungssträngen. Da gibt es zunächst die großbürgerliche Familie Péricand, die auf ihrer Flucht von der Mutter Charlotte geführt wird. Der Vater, Konservator der staatlichen Museumsverwaltung, muss vorläufig zurückbleiben, um für die Bewahrung von Kunstschätzen zu sorgen. Madame Péricand übernimmt die Verantwortung für ihren vermögenden alten und pflegebedürftigen Schwiegervater sowie vier ihrer fünf Kinder im Alter zwischen 2 und 17 Jahren. Der älteste Sohn ist Pfarrer in der Auvergne, der sich aber gerade in Paris aufhält, um eine 30-köpfige Jungengruppe zwischen 14 und 18 Jahren in die Nähe seiner Gemeinde in Sicherheit zu bringen. Die verwaisten Jugendlichen sind in einer von Großvater Péricand ins Leben gerufenen Stiftung untergebracht. Charlotte möchte mit dem Großvater, der sie bald beerben soll, den Kindern, dem Dienstpersonal und wertvollem wie teilweise unnützem und überflüssigem Gepäck nach Nîmes zu ihrer Familie reisen. Die geplante Reiseroute wird durch unplanmäßige Vorkommnisse begleitet: Bei einem Halt und der überstürzten Abreise aus einem in Brand geratenen Dorf, wird der auf einen Rollstuhl angewiesene Schwiegervater versehentlich zurückgelassen, nachdem der 17-jährige Hubert heimlich die Familie verlassen hat, um sich noch kämpfenden Truppenteilen anzuschließen. In ein Hospital gebracht, lässt der sterbende Péricand einen Notar rufen, dem er ein neues Testament diktiert. Währenddessen wird Philippe Péricand, der älteste Sohn und Pfarrer, von der Jungengruppe in der Nähe der Loire auf die Probe seiner christlichen Nächstenliebe gestellt. Er findet zu den verschlossen wirkenden Jungen keinen Zugang, die aber im allgemeinen gefügig auf die Töne seiner Trillerpfeife reagieren. Als sie in der Nähe eines verlassenen Schlosses lagern, verliert er die Kontrolle über die Jungen. Zwei 18-jährigen, die nachts im Schloss plündern wollen, folgt er und wird von ihnen niedergeschlagen. Die anderen kommen herbei, werfen ihn aus einem Schlossfenster, schleppen ihn zum Teich und bewerfen ihn mit Steinen. Dort bleibt er im Schlamm stecken und stirbt. Im Juli in Nîmes angelangt, erfährt Charlotte Péricand, dass ihr Schwiegervater sowie ihre Söhne Philippe und Hubert ums Leben gekommen seien. Noch bevor das für die Toten anberaumte Requiem stattfindet, taucht aber ausgerechnet, der offensichtlich weniger geliebte Sohn Hubert unversehrt auf. In einem weiteren Handlungsstrang ist Gabriel Corte, ein berühmter und wohlhabender Schriftsteller, der Protagonist. Der Exzentriker befindet sich gerade mitten in der Schaffensphase eines neuen Werkes und möchte die Unglücksnachrichten ignorieren und in Paris bleiben. Viel wichtiger scheint ihm die bisher verwehrte Berufung in die Académie française, um zu den 40 so genannten „Unsterblichen“ zu gehören. Seine Geliebte Florence rüstet dem ungeachtet zum Aufbruch und darf vor allem das Romanmanuskript nicht vergessen. Auf der Flucht wird Corte die Nähe zu Menschen aufgenötigt, mit denen er sonst nichts zu tun haben möchte und ihn abstoßen. Trotz seines Reichtums muss er die Erfahrung machen, dass seine Geldmittel nicht reichen, ihm zum Beispiel in Orléans eine angemessene Unterkunft zu erhalten. Er entschließt sich zunächst Frankreich über Bordeaux zu verlassen. Tatsächlich wird er unter Verzicht auf alle Privilegien für die einfachsten Dinge dankbar, weil er hungrig und durstig ist. Gemeinsam mit Florence gelangt er nach Vichy. Hier bildet sich das von den Deutschen geduldete Vichy-Regime für die „unbesetzte Zone“. Im Grand Hôtel wird er schließlich vom Direktor als Stammgast willkommen geheißen und kann wieder mit seinesgleichen verkehren. Es sind bereits fünf weitere französische Schriftsteller von Rang dort eingetroffen. Er fragt sich jedoch, ob sein angefangener Roman noch in die Zeit passt. Der dritte und komplexeste Handlungsstrang dreht sich zum einen um den Bankdirektor Corbin, seine Concourbine, Arlette Corail, den zweiten Bankdirektor, den Comte de Furière, sowie das kleinbürgerliche Ehepaar Maurice und Jeanne Michaud. Die beide arbeiten in der unter der Leitung von Corbin und Furière stehenden Bank, deren Geschäftsleitung in eine Filiale nach Tours verlegt werden soll. Maurice Michaud ist seit 15 Jahren Buchhalter, Jeanne seit Kriegsbeginn die Sekretärin von Corbin. Ihr einziger Sohn, Jean-Marie, ist zum Kriegsdienst eingezogen. Auf Geheiß ihres Arbeitsgebers sollen sie im Wagen der Familie Corbin mit nach Tours reisen. Da Corbin aber von seiner Geliebten, der Tänzerin Arlette Corail, genötigtt wird, sie im Wagen nach Tours mitzunehmen, verbleibt für die beiden kein Platz und erhalten nun Weisung mit dem Zug nach Tours zu kommen. Der Bahnhof ist allerdings überfüllt, ein Zugang unmöglich, so dass sie sich dem Treck der flüchtenden ärmeren Bevölkerung zu Fuß nach Tours anschließen. Sie geraten in Fliegerangriffe. Da sich unter den Flüchtenden auch Truppenteile befinden, steigen sie auf einen Militär-LKW und erleben, wie ein Bahnhof, an dem gerade ein Zug nach Tours zusammengestellt wird, bombardiert und ein Sanitätskonvoi getroffen wird. In diesem Konvoi befindet sich ausgerechnet ihr Sohn, der verletzte Jean-Marie, der – ohne dass sie es ahnen - auf einen LKW verladen und in ein abgelegenes Bauernhaus transportiert wird. Dort wird er von drei Frauen der Familie Labarie, einer alten und zwei jungen versorgt. Lucienne ist die eigentliche Tochter des Hauses, Madeleine ihre gleichaltrige „Milchschwester“, die dem Sohn des Hauses versprochen ist. Jean-Marie erholt sich vor allem durch die Zuwendung von Madeleine,. Jean-Maries Eltern kehren schließlich, da die Bahngleise zerstört sind, nach 14 Tagen abenteuerlicher Reise nach Paris zurück. Hier nehmen sie alsbald schriftlich Verbindung zur Bank auf. Kein einziger Angestellter hat sich nach Tours durchschlagen können. Auch Corbin hat in der überfüllten und zerstörten Stadt keine Unterkunft gefunden und Arlette Corail verloren. Die flieht mit Corbins Wagen aufs Land, wo sie in einem Gasthof unterkommt und sich um den vor den Deutschen geflohenen Hubert Péricand (Familie aus dem ersten Handlungsstrang) kümmert, den sie in die Liebe einführt. Corbin gelangt nach Paris zurück, wo er mit Furière die über ganz Frankreich zerstreuten Bankangelegenheiten wieder zusammenführt und beginnt sich mit den Deutschen auf Geschäfte einzulassen. Er weiß seine Frau in der freien Zone und Arlette in Bordeaux. Den Michauds wirft er vor, sich zu spät gemeldet zu haben, und lässt ihnen die fristlose Kündigung zukommen, die nur dadurch abgemildert wird, weil es Jeanne gelingt, mit Furière 6 Monatsgehälter als Abfindung auszuhandeln. Jean-Marie Michaud verlässt nach seiner Genesung den Bauernhof, auf den der Sohn Benoît zurückkehrt, nachdem er mit einem Freund aus deutscher Gefangenschaft geflohen ist, und findet in Paris seine Eltern wieder. Schließlich gibt es dann noch Charlie Langelet, einen gut situierter 60-jähriger Junggeselle, dessen ganze Leidenschaft seiner Porzellansammlung gilt und der die allzu große Nähe zu seinen Mitmenschen meidet. Er zählt sich zu den sogenannten „happy few“, zu den wenigen Glücklichen. Ausgesuchte Exemplare seiner Sammlung begleiten ihn auf seiner über Spanien geplanten Flucht. In Lissabon möchte er „das abscheuliche, bluttriefende Europa“ verlassen. Seine Bediensteten haben ihn bereits vor der Abreise verlassen, so dass er gezwungen ist, ohne Dienstboten und allein zu reisen. In der Nähe von Gien geht ihm das Benzin aus und an den Tankstellen gibt es keines mehr. Bei einer Rast übertölpelt er ein junges Paar, um an dessen Reservekanister zu gelangen. Nach halbjähriger Abwesenheit kehrt er, ohne dass seine weitere Reise Erwähnung findet, nach Paris zurück. Dort hat er bereits neues Dienstpersonal engagiert. Als er sich auf den Weg zu einem Treffen mit Bekannten macht, überquert er unvorsichtig eine Straße stürzt und wird vom Auto, der gerade aus Bordeaux zurückgekehrten Arlette Corail erfasst und stirbt mit zertrümmertem Schädel. Der zweite Teil „Dolce“ Der zweite Teil „Dolce“,dessen Titel offensichtlich aus der Musik entlehnt ist und soviel wie sanft, weich, lieblich bedeutet, umfasst 22 Kapitel und handelt von der Einquartierung eines deutschen Regiments in dem kleinen Ort Bussy im Jahr 1941 und von den Beziehungen der Besatzer zur einheimischen Bevölkerung. Das fiktive Dorf Bussy ist im südlichen Burgund im Zentrum Frankreichs, unweit von Moulins und Vichy, also am Rande zur unbesetzten Zone, zu verorten. Am Ostersonntag des Jahres 1941 wird Bussy von deutschen Truppen besetzt. Ein deutscher Offizier, der 24-jährige Bruno von Frank, wird im Anwesen der verwitweten Frau Angellier und ihrer Schwiegertochter Lucile einquartiert. Er bezieht das Arbeitszimmer von Luciles Ehemann Gaston, der sich in Gefangenschaft befindet. Lucile hat sich ihren Ehemann nicht selbst ausgesucht sondern wurde von ihrem Vater verheiratet. Gaston erhoffte sich durch die Ehe wohl einen Zuwachs seines Vermögens. Bald zog er Lucile aber seine vormalige Studentenliebe vor, für die er in Dijon ein Haus gekauft hatte. Dort verbrachte er vor seiner Gefangenschaft fast die Hälfte seiner Zeit. Lucile fügt sich in ihr Leben, ist aber nicht wirklich glücklich. Während die Witwe Angellier dem deutschen Besatzer ihre Abneigung zeigt, fühlt sich Lucile zu ihm hingezogen. Sie stellt damit alle nationalen Zugehörigkeiten für sich in Frage. Bruno von Frank spielt Klavier und möchte am liebsten Komponist werden, nach dem Krieg würde er gerne Lucile abholen und mit ihr auf Reisen gehen. Luciles Schwiegermutter ahnt die gegenseitige Zuneigung der beiden und zieht sich aus Protest in ihr Zimmer zurück, um es es nicht mehr zu verlassen. In den parallelen anderen Handlungssträngen kommt es zu weiteren Beziehungen zwischen Besatzern und französischen Frauen. Die Schneiderin des Ortes gesteht Lucile offen, dass sie mit einem Deutschen Umgang hat; er kommt ihr gepflegter und umgänglicher vor als die Burschen aus der Gegend. Das Haus der Angelliers war bereits im Juni 1940 Zufluchtsort für die Michauds, die sich in einem Brief an Lucile in Erinnerung bringen und ihr noch einmal für ihre Gastfreundschaft danken und von der Rückkehr ihres Sohnes aus dem Krieg berichten. Sie möchten wissen, ob Gaston auch wieder zu Hause ist. Jean-Marie, der Sohn der Michauds, der im ersten Romanteil als sympathischer Großstadtmensch auf dem in der Nähe von Bussy gelegenen Bauernhof die Sympathie von Madeleine gewonnen und erwidert hatte, hatte den aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Benoît Labarie eifersüchtig gemacht. Mittlerweile ist Madeleine mit Benoît verheiratet, der sie mit seiner Eifersucht verfolgt, seit ein junger deutscher Offizier in ihrem Haus einquartiert ist und in dem Bett schläft, in dem Jean-Marie ein Jahr zuvor genesen durfte. Benoît muss seine Flucht aus der Gefangenschaft verschleiern und gibt sich daher als ein aus der unbesetzten Zone Zurückgekehrter aus. Auf die Aufforderung der Deutschen, alle Waffen unter Androhung der Todesstrafe abzugeben, reagiert er nicht und behält sein Gewehr. In einem weiteren Handlungsstrang dreht es sich um die bei Bussy ansässige adelige Familie Montmort – Großgrundbesitzer wie die Angelliers, der Mann ist Bürgermeister, seine Frau kümmert sich um Fürsorgezöglinge. In diesem Zusammanhang organisiert sie mit den von ihr ansonsten verachteten Bäuerinnen einen Paketversand an gefangene Franzosen in Deutschland. Hier geht Benoît stehlen, weil die von den Großgrundbesitzern abhängigen Bauern den durch die Kriegslage entstandenen Mangel zu spüren bekommen. Die Vicomtesse ertappt ihn und möchte, dass ihr Mann ihn von den Deutschen belangen lässt. Als in seinem Haus von den Deutschen nach dem Gewehr gesucht wird, tötet er einen jungen Offizier, der ausgerechnet den Namen einer französischen Hugenottenfamilie trägt. Seine Frau Madeleine bittet Lucile Angellier, Benoît in ihrem Haus zu verstecken, da er dort wegen der Anwesenheit des Offiziers Bruno von Frank am wenigsten vermutet wird. Die Witwe Angellier versteckt ihn in ihrem Wohnbereich. Lucile kann mit falschen Angaben Papiere bei Bruno von Frank besorgen, mit denen sie Benoît nach Paris bringen kann, wo er bei den Michauds unterkommen soll, bis er seine kommunistischen Freunde wiedergefunden haben wird. Die deutschen Besatzer feiern im Schlossgarten der Montmorts den Jahrestag des Siegs über Frankreich. Sie werden von der Nachricht des deutschen Überfalls auf Russland überrascht und bereiten ihren Abzug aus Bussy für den 1. Juli 1941 vor. Sie sind nach Russland abkommandiert. Lucile verabschiedet sich von Bruno von Frank und bittet ihn, zur Erinnerung an sie soweit irgend möglich sein Leben zu schonen.

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  • Der Tod klopft an deine Tür

    Suite Francaise
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    03. December 2014 um 08:30

    Sommer 1940: Die deutsche Armee steht vor Paris. Voller Panik packen die Menschen ihre letzten Habseligkeiten zusammen und fliehen. Angesichts der existentiellen Bedrohung zeigen sie ihren wahren Charakter … Irene Nemirovsky nimmt in Suite francaise die Sicht der Franzosen ein, die 1940, mit der Besetzung Frankreichs durch Hitlers Armee, die Flucht Richtung Süden in die unbesetzte Zone ergreifen. Panisch verlassen viele Pariser mitsamt eines Teils ihrer Besitztümer die Stadt. Dieser Massenexodus führt zu Chaos auf den Straßen und Bahnhöfen, so dass bald kein Durchkommen mehr möglich ist und viele der Flüchtenden nie ihr Ziel erreichen. Dies ist das Thema des ersten Teils, der als Episodenroman angelegt ist. Viele Personen ganz unterschiedlichen Charakters werden eingeführt, die sich in dieser äußerst angespannten Situation sehr unterschiedlich verhalten und ihr wahres Wesen offenbaren. Der zweite Teil des von der Autorin auf fünf Teile angelegten Romans spielt ein Jahr später in einem besetzten Dorf. Dort wird jeder Familie ein deutscher Soldat zum Wohnen zugewiesen. Nachdem viele Franzosen erkannt haben, dass die Mehrheit der Deutschen den Krieg genauso wenig will wie sie, macht in vielen Familien die anfängliche Reserviertheit nach und nach einem zaghaften Miteinander Platz. In Einzelfällen kommt man sich sogar näher. Andernorts beschwört Eifersucht Tragödien herauf. Dieser Teil und damit das Buch endet mit dem Abzug der deutschen Soldaten und deren Verlegung nach Russland. Der Roman bleibt unvollendet. Angelegt war das Werk auf fünf Teile, von denen leider nur der erste ganz und der zweite teilweise vollendet wurde. Es macht mich betroffen und gleichzeitig wütend, dass diese begabte Frau ihr großartiges Werk nicht beenden durfte und in Auschwitz ermordet wurde. Aus diesem Buch spricht jedoch kein Hass auf die Deutschen, auf die Nazis, die jungen deutschen Soldaten im zweiten Teil werden im Gegenteil sehr menschlich geschildert, nicht als gesichtslose Horde von Barbaren. Ebenso wenig sind die Franzosen durch die Bank die Guten, die Opfer. Überhaupt versteht es die Autorin unglaublich gut, Menschen mit aller Ambivalenz in ihrem Verhalten, ihren Gefühlen, ihren Beweggründen zu beschreiben, ohne pathetisch zu werden, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu werten. Irène Némirovsky erzählt multiperspektivisch, schnörkellos, sprachlich reich, voller Zartgefühl und ganz unsentimental. Sie hat mit "Suite Francaise" ein Werk geschaffen, das vor bildlichen Darstellungen nur so blüht und dem Leser von heutzutage einen intimen und detailgetreuen Einblick in die Welt des besetzten Frankreichs von 1940/1941 gewährt. Verständlichkeit der Sprache und der Handlung In wunderschöner Sprache und mit stilistischer Leichtigkeit trotz des ernsten Themas hat mich dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen. Ein eindrucksvolles Werk. Unglaublich schade, dass es unvollendet bleiben musste. Dieses Buch verdient es unbedingt, gelesen zu werden. Vor allem auch wegen des Anhanges, den Notizen zum Weitergang des Romans. Für jeden Leser, der bereit ist, sich darauf offen einzulassen.

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  • Rezension zu "SUITE FRANCAISE" von Irène Némirovsky

    Suite Francaise
    TanjaWekwerth

    TanjaWekwerth

    05. September 2012 um 23:17

    Ohne etwas über das Schicksal der Autorin Irène Némirovski zu erfahren, lässt sich SUITE FRANCAISE, genau genommen ein Romanfragment, nicht vollständig begreifen. SUITE FRANCAISE (entstanden 1941/42) sollte eigentlich, in Anlehnung an die musikalische SUITE (=Zyklus von Musikstücken die in vorgegebener Abfolge ohne längere Pausen gespielt werden) aus fünf Teilen bestehen. Nur zwei Teile konnte Irène Némirovski fertig stellen, „Sturm im Juni“ und „Dolce“. Noch während sie daran schrieb hatte sie wohl erkannt, dass sie keine Chance haben würde, zu überleben. „Mein Gott! Was tut mir dieses Land an?“, schreibt sie im Juni 1940. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 37 Jahre alt, verheiratet, Mutter zweier Töchter und lebt seit über 20 Jahren in Paris. Ursprünglich stammt sie aus Russland. Sie ist in Frankreich eine gefeierte Autorin. Romane wie „Jesabel“ und „David Golder“ haben sie berühmt gemacht. Doch sie ist Jüdin und staatenlos. Ihr Verleger hat sie fallenlassen, Frankreich bietet ihr keinen Schutz. Sie schreibt über dieses Land: „Da es mich von sich stößt, betrachten wir es kalten Blutes und schauen wir zu, wie es seine Ehre und sein Leben verliert.“ In diesem Monat beginnt sie mit der Niederschrift von „Suite Francaise“. Sie beendet Teil 1 „Sturm im Juni“ und Teil 2 „Dolce“ in winziger Schrift, denn Papier und Tinte sind knapp. Dann wird sie verhaftet. Ein letzter Gruß erreicht die Familie: „Mein Geliebter, meine kleinen Herzliebsten, ich glaube, dass wir heute abfahren. Mut und Hoffnung – ihr seid in meinem Herzen, meine Vielgeliebten.“ Kurz darauf stirbt Irène Néminrovski am 17. August 1942 in Auschwitz. Ihr Mann Michel Epstein begreift selbst lange nach ihrer Abreise nicht begriffen, dass die Festnahme gleichbedeutend mit dem Tod zu setzen ist. Jeden Tag wartet er auf Irénes Rückkehr, forschte nach ihrem Verbleib und schreibt schließlich an Marschall Pétain, dass seine Frau von zarter Gesundheit sei. (Zu diesem Zeitpunkt ist sie schon tot). Epstein bittet um die Erlaubnis, in einem Arbeitslager ihren Platz einzunehmen. Die Antwort der Vichy-Regierung lässt nicht lange auf sich warten: Michel Epstein wird im Oktober 1942 verhaftet und am 6. November 1942 nach Auschwitz deportiert, wo er sofort nach seiner Ankunft vergast wird. Als nächstes sollen die beiden kleinen Töchtern Denise und Elisabeth an die Reihe kommen. Fieberhaft wird nach ihnen gesucht. Die Pflegemutter ist so geistesgegenwärtig, die Davidsterne von den Mänteln der Kinder zu lösen und mit ihnen zu flüchten. Sie verstecken sich in einem Kloster, dann in Kellern und Höhlen. Schließlich gelangen sie schwer krank und erschöpft außer Landes. Immer dabei ist ein Koffer mit Familienpapieren, Fotos und dem Manuskript von Suite Francaise. Nach dem Krieg warten die Töchter lange Zeit auf die Rückkehr der Mutter, die als „verschwunden“ gilt. Es dauert lange, bis Genaues bekannt wird. Dennoch wollen Denise und Elisabeth die Hefte nicht öffnen. „Es wäre an ihr gewesen, das zu tun“, sagt Denise Epstein. Erst im Jahr 2004 wird das Vermächtnis der Mutter gelesen und veröffentlicht. In SUITE FRANCAISE beleuchtet Némirovski alle Seiten Frankreichs während der deutschen Besatzung. Sie räumt mit dem Mythos der Résistance auf, wonach die meisten Franzosen gegen die Kollaboration gewesen wären. Opportunismus, Doppelmoral, Nächstenliebe, Patriotismus sind ihre Themen, oftmals mit erstaunlich viel Humor geschrieben. Die Szene in der Madame Péricand ihren alten, siechen Schwiegervater während der Flucht einfach irgendwo VERGISST, ist auf makabere Weise sehr lustig. Sie hat nur an das Silber und den Schmuck gedacht und an die Katze. SUITE FRANCAISE ist das beeindruckende Werk einer Frau, die ihre eigene Lebenssituation und die Gefahr in der sie während des Schreibens schwebte, völlig ausspart. Dennoch bekommt man beim Lesen das Gefühl, diese Frau schreibt so drängend und intensiv, als hätte sie gewusst, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb.

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  • Rezension zu "SUITE FRANCAISE" von Irène Némirovsky

    Suite Francaise
    Thaila

    Thaila

    02. December 2010 um 10:00

    "Suite francaise" besteht aus zwei Teilen eines großen Werkes, das ein Panorama der französischen Gesellschaft während des Zweiten Weltkrieges darstellt. Geplant war dieses Werk auf 1000 Seiten, Némirovsky hat es jedoch nicht mehr beenden können, da sie als Jüdin von den Deutschen deportiert wurde und in Auschwitz starb. Der erste Teil "Sturm im Juni" beschreibt die Massenflucht der Pariser aus der von den Deutschen bedrohten Stadt. Collageartig reiht die Autorin verschiedene Schicksale aneinander. Wie ein Leitmotiv zieht sich die heuchlerische Eigensucht vieler Protagonisten durch den Roman. Angesicht des eigenen Leides verschwindet alles Mitgefühl für die anderen. Nur wenige Charaktere bewahren sich Menschlichkeit. Der zweite Teil "Dolce" spielt in einem Provinzstädtchen unter deutscher Besatzung. Es beschreibt das Verhältnis der französischen Bevölkerung zu den Deutschen, die anfangs mit Misstrauen und Ablehnung begutachtet werden, an die man sich jedoch gewöhnt und mit denen sich vorsichtige Beziehungen anbahnen. Vom Schicksal der Figuren erfährt man in den angehängten Notizen der Autorin. Irène Némirovsky ist eine wunderbare Schriftstellerin, der es besonders gut gelingt, Stimmungen und Atmosphären einzufangen. Die intensiven Landschaftsbeschreibungen stehen häufig im Kontrast zu der brutalen Handlung des Romans. Ihre Sprache ist detailgenau und poetisch. Einziger Schwachpunkt sind manchmal zu holzschnittartigen Figuren, insbesondere die Vertreter der "böses Bourgiousie", die im Roman fast stärker zu Feinden werden, als die Deutschen. In jedem Fall räumt das Buch mit dem französischen Mythos der glorreichen "Résistance" gründlich auf, die meisten Franzosen in ihrem Roman sind von Eigennutz, Kleinmut und Heuchlerei getrieben. Ein sehr interessanter Bericht einer Zeitzeugin!

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  • Rezension zu "SUITE FRANCAISE" von Irène Némirovsky

    Suite Francaise
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. November 2010 um 13:29

    Ohne etwas über das Schicksal der Autorin Irène Némirovski zu erfahren, lässt sich SUITE FRANCAISE, genau genommen ein Romanfragment, nicht vollständig begreifen. SUITE FRANCAISE (entstanden 1941/42) sollte eigentlich, in Anlehnung an die musikalische SUITE (=Zyklus von Musikstücken die in vorgegebener Abfolge ohne längere Pausen gespielt werden) aus fünf Teilen bestehen. Nur zwei Teile konnte Irène Némirovski fertig stellen, „Sturm im Juni“ und „Dolce“. Noch während sie daran schrieb hatte sie wohl erkannt, dass sie keine Chance haben würde, zu überleben. „Mein Gott! Was tut mir dieses Land an?“, schreibt sie im Juni 1940. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 37 Jahre alt, verheiratet, Mutter zweier Töchter und lebt seit über 20 Jahren in Paris. Ursprünglich stammt sie aus Russland. Sie ist in Frankreich eine gefeierte Autorin. Romane wie „Jesabel“ und „David Golder“ haben sie berühmt gemacht. Doch sie ist Jüdin und staatenlos. Ihr Verleger hat sie fallenlassen, Frankreich bietet ihr keinen Schutz. Sie schreibt über dieses Land: „Da es mich von sich stößt, betrachten wir es kalten Blutes und schauen wir zu, wie es seine Ehre und sein Leben verliert.“ In diesem Monat beginnt sie mit der Niederschrift von „Suite Francaise“. Sie beendet Teil 1 „Sturm im Juni“ und Teil 2 „Dolce“ in winziger Schrift, denn Papier und Tinte sind knapp. Dann wird sie verhaftet. Ein letzter Gruß erreicht die Familie: „Mein Geliebter, meine kleinen Herzliebsten, ich glaube, dass wir heute abfahren. Mut und Hoffnung – ihr seid in meinem Herzen, meine Vielgeliebten.“ Kurz darauf stirbt Irène Néminrovski am 17. August 1942 in Auschwitz. Ihr Mann Michel Epstein begreift selbst lange nach ihrer Abreise nicht begriffen, dass die Festnahme gleichbedeutend mit dem Tod zu setzen ist. Jeden Tag wartet er auf Irénes Rückkehr, forschte nach ihrem Verbleib und schreibt schließlich an Marschall Pétain, dass seine Frau von zarter Gesundheit sei. (Zu diesem Zeitpunkt ist sie schon tot). Epstein bittet um die Erlaubnis, in einem Arbeitslager ihren Platz einzunehmen. Die Antwort der Vichy-Regierung lässt nicht lange auf sich warten: Michel Epstein wird im Oktober 1942 verhaftet und am 6. November 1942 nach Auschwitz deportiert, wo er sofort nach seiner Ankunft vergast wird. Als nächstes sollen die beiden kleinen Töchtern Denise und Elisabeth an die Reihe kommen. Fieberhaft wird nach ihnen gesucht. Die Pflegemutter ist so geistesgegenwärtig, die Davidsterne von den Mänteln der Kinder zu lösen und mit ihnen zu flüchten. Sie verstecken sich in einem Kloster, dann in Kellern und Höhlen. Schließlich gelangen sie schwer krank und erschöpft außer Landes. Immer dabei ist ein Koffer mit Familienpapieren, Fotos und dem Manuskript von Suite Francaise. Nach dem Krieg warten die Töchter lange Zeit auf die Rückkehr der Mutter, die als „verschwunden“ gilt. Es dauert lange, bis Genaues bekannt wird. Dennoch wollen Denise und Elisabeth die Hefte nicht öffnen. „Es wäre an ihr gewesen, das zu tun“, sagt Denise Epstein. Erst im Jahr 2004 wird das Vermächtnis der Mutter gelesen und veröffentlicht. In SUITE FRANCAISE beleuchtet Némirovski alle Seiten Frankreichs während der deutschen Besatzung. Sie räumt mit dem Mythos der Résistance auf, wonach die meisten Franzosen gegen die Kollaboration gewesen wären. Opportunismus, Doppelmoral, Nächstenliebe, Patriotismus sind ihre Themen, oftmals mit erstaunlich viel Humor geschrieben. Die Szene in der Madame Péricand ihren alten, siechen Schwiegervater während der Flucht einfach irgendwo VERGISST, ist auf makabere Weise sehr lustig. Sie hat nur an das Silber und den Schmuck gedacht und an die Katze. SUITE FRANCAISE ist das beeindruckende Werk einer Frau, die ihre eigene Lebenssituation und die Gefahr in der sie während des Schreibens schwebte, völlig ausspart. Dennoch bekommt man beim Lesen das Gefühl, diese Frau schreibt so drängend und intensiv, als hätte sie gewusst, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb.

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  • Rezension zu "Suite Francaise" von Irène Némirovsky

    Suite Francaise
    coulomb

    coulomb

    08. December 2008 um 21:43

    Bin gerade auf S.70 und gespannt, wie sich die Geschichte noch entwickelt?

  • Rezension zu "Suite Francaise" von Irène Némirovsky

    Suite Francaise
    Oryx

    Oryx

    17. June 2008 um 12:00

    Ein wundervolles Buch! Ich konnte es kaum aus der Hand legen so interessant und einfühlsam sind die Cahraktere beschrieben.