Ira Byock Sterben

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  • Rezension zu "Sterben" von Ira Byock

    Sterben

    gst

    24. November 2010 um 10:15

    "Der Tod ist eine kosmische Glocke, deren Läuten wir ... schon am Anfang unseres Lebens hören. Wie schwer muss es sein, offen zu bleiben, wenn dieses Läuten uns in den Ohren zu dröhnen, in der Brust zu schmerzen beginnt", schreibt der Arzt Ira Byock in diesem Werk. Die tödlichen Krebserkrankung seines Vaters und dessen bis zuletzt zu Hause begleitetes Sterben beeinflusste seine Einstellung zur medizinischen Versorgung terminal Kranker. "Man kann das Sterben nicht auf eine Sammlung von Diagnosen reduzieren", sagt er und beanstandet, dass sich die klinische Ausbildung von Ärzten viel zu wenig mit dem unvermeidlichen Lebensende befasst. Anhand diverser Beispiele zeigt der Autor auf, warum eine rein medizinische, problemorientierte Sichtweise der konkreten Sterbeerfahrung nicht gerecht wird. Individuell reicht diese von der größten Qual bis zu höchster Seligkeit - "die meisten Fälle werden irgendwo dazwischen liegen". Byock ist der Überzeugung, dass es zum Lebensende für jeden noch innerfamiliäre Zwistigkeiten zu regeln gibt. Erst wenn der Todgeweihte seine Gefühle mit den Kindern und anderen ihm nahe stehenden Menschen teilt, kann ein Gefühl von Vollendung und innerem Frieden entstehen. Der Leser erfährt in diesem Buch, wie unterschiedliche Religionen zur Erfahrung von Leid stehen, aber auch, welche Gespräche den Sterbenden zur Ruhe bringen können. Selbst Gedanken über die Legalisierung des assistierten Selbstmordes sind nicht ausgeschlossen - wobei der Autor ihn unnötig findet, sobald dem Sterbenden entsprechende Aufmerksamkeit (und damit Liebe) entgegengebracht und für weitestgehende Schmerzfreiheit gesorgt wird. Auf den letzten 50 der insgesamt knapp 400 Seiten beantwortet Byock Fragen von Angehörigen und stellt auch hier die ganzheitliche Medizin (also für Körper und Seele) in den Mittelpunkt. Die zahlreichen Adressen von deutschen Hospizen im Anhang sind vielleicht - im Gegensatz zu diesem Buch - nicht mehr alle aktuell, immerhin wurden sie bereits 1997 zusammengetragen. Der Übersetzerin Maria Zybak ist es gelungen, diese schwere Kost aus dem Amerikanischen in leicht lesbares Deutsch zu übertragen.

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