Als Leserin mit kirgisischem Hintergrund hat mich dieses Buch an vielen Stellen enttäuscht. Es vermittelt ein sehr einseitiges und negatives Bild meines Herkunftslandes Kirgistan – basierend auf einem Einzelfall, ohne differenzierte Betrachtung. Auch die Darstellung der sogenannten Russlanddeutschen wirkt pauschal und verletzend. Ich frage mich: Warum wird der Begriff „Russlanddeutsche“ pauschal auf alle Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion angewendet?
Auch die Beschreibung der sogenannten „Russlanddeutschen“, also der Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion bzw. den GUS-Staaten, ist stark pauschalisierend. Der historische Vergleich mit „Russlanddeutschen unter Zarin Katharina der Großen“
Ich möchte gern ein paar meine Gedanken dazu teilen, weil ich merke, wie oft dieser Vergleich vorkommt. Ich frage mich dabei: Worauf genau bezieht sich diese Verbindung – und für wen gilt sie überhaupt noch heute? Daher meine Fragen – als Denkanstoß, nicht als Vorwurf:
• Ist es sinnvoll, heutige Menschen mit Herkunft aus Zentralasien oder Osteuropa immer noch mit einer Zuwanderungsbewegung aus dem 18. Jahrhundert gleichzusetzen?
• Warum wird die Herkunft aus der Sowjetunion automatisch mit Russland gleichgesetzt, obwohl es sich um ein Vielvölkerreich mit 15 Republiken handelte?
• Kann man von einem Menschen, der nie in Russland gelebt hat und russisch nur als Amtssprache kannte, wirklich sagen, er oder sie sei „Russlanddeutsch“?
Ich finde: Wenn wir über Identitäten sprechen, brauchen wir mehr Differenzierung und mehr historische Genauigkeit. Der Begriff „Russlanddeutsche“ mag in bestimmten historischen Kontexten berechtigt sein – aber er passt nicht automatisch auf jeden Menschen, der als Deutscher in der Sowjetunion geboren wurde.
Die Aussage, es sei „kaum möglich gewesen“, in Deutschland als Ärztin anerkannt zu werden, ist sachlich nicht korrekt. Schon um 2000 gab es viele russischsprachige Ärzte in Deutschland. Es ist aus meiner Sicht völlig nachvollziehbar, dass dafür ein Praktikum, eine Approbation oder sogar eine Umschulung notwendig ist. Das hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit der Sicherstellung von Qualität, Sicherheit und Professionalität in einem hochregulierten System. Die Sprache, das Wissen über gesetzliche Pflichten, Abläufe und Verantwortlichkeiten – all das gehört dazu, wenn man in einem neuen Land erfolgreich und auf Augenhöhe arbeiten möchte.
Wer lernen und sich weiterentwickeln wollte, hat es geschafft – auch als Lehrer, wenn auch seltener, was strukturelle Gründe hat. Die sowjetische Pädagogik war mit dem westlichen System schwer vereinbar, was Fortbildungen nötig machte – das ist nachvollziehbar, wird im Buch aber nicht thematisiert. Einige Aussagen fand ich zutreffend andere hingegen haben mich als in Kirgistan geborener Spätaussiedlerin aus der ehemaligen Sowjetunion tief verletzt. Ich hätte mir mehr Tiefe und Respekt gewünscht.




