Irene Dische

 3,8 Sterne bei 453 Bewertungen
Autorin von Großmama packt aus, Prinzessin Alice und weiteren Büchern.
Autorenbild von Irene Dische (© Dominique Nabokov / Quelle: Hoffmann und Campe Verlag)

Lebenslauf

Irene Dische wurde in New York geboren und lebt heute in Berlin und Rhinebeck. Nach einer Weltreise als Tramperin, studierte sie an der Harvard University und veröffentlichte erste Reportagen in amerikanischen Zeitungen. 1993 veröffentlichte Irene Dische ihren ersten Roman „Ein fremdes Gefühl oder Veränderungen über einen Deutschen“. Mit Hans Magnus Enzensberger und Michael Sowa zusammen schrieb sie mit „Esterházy“ ihr erstes Kinderbuch. Dische wurde mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet und erhielt als erste Preisträgerin den Jeanette Schocken Preis.

Alle Bücher von Irene Dische

Cover des Buches Großmama packt aus (ISBN: 9783455020953)

Großmama packt aus

(228)
Erschienen am 05.09.2025
Cover des Buches Prinzessin Alice (ISBN: 9783548074849)

Prinzessin Alice

(64)
Erscheint am 01.10.2026
Cover des Buches Die militante Madonna (ISBN: 9783455014464)

Die militante Madonna

(25)
Erschienen am 04.10.2022
Cover des Buches Der Doktor braucht ein Heim (ISBN: 9783455811865)

Der Doktor braucht ein Heim

(18)
Erschienen am 22.07.2013
Cover des Buches Lieben (ISBN: 9783455811902)

Lieben

(21)
Erschienen am 22.07.2013
Cover des Buches Fromme Lügen (ISBN: 9783455811889)

Fromme Lügen

(14)
Erschienen am 22.07.2013
Cover des Buches Zwischen zwei Scheiben Glück (ISBN: 9783446268258)

Zwischen zwei Scheiben Glück

(9)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Clarissas empfindsame Reise (ISBN: 9783455811612)

Clarissas empfindsame Reise

(12)
Erschienen am 22.07.2013

Neue Rezensionen zu Irene Dische

Cover des Buches Prinzessin Alice (ISBN: 9783546101561)
KlausEffings avatar

Rezension zu "Prinzessin Alice" von Irene Dische

KlausEffing
Lesenswerter biographischer Roman!

Ein Roman über eine reale Frau – und ein Leben, das sich nicht erklären lässt.

Irene Dische: Prinzessin Alice

Dieser Roman ist eine stille Wucht. Irene Dische erzählt vom Leben der historisch verbürgten Prinzessin Alice von Battenberg (25. Februar 1885, Windsor Castle – 5. Dezember 1969, Buckingham Palace, London), Mutter von Prinz Philip, Schwiegermutter von Queen Elizabeth II. und Mutter von insgesamt fünf Kindern – einem Sohn und vier Töchtern. Doch Dische wählt keinen biografisch-erklärenden Zugang. Stattdessen spricht Alice selbst. Die Erzählung ist konsequent subjektiv, historische Kontexte werden selten präzise benannt, sondern als gegeben vorausgesetzt. Geschichte erscheint hier nicht als Hintergrundwissen, sondern als Erfahrung, die über ein einzelnes Leben hinwegzieht.

Besonders eindrucksvoll ist der Umgang mit Alice’ vermeintlicher psychischer Erkrankung. Ob sie tatsächlich krank war oder ob ihr die Krankheit zugeschrieben wurde, bleibt bewusst offen. Dische zeigt, wie schnell Eigenwilligkeit, religiöse Radikalität und weibliche Autonomie pathologisiert werden können – gerade im aristokratischen und medizinischen Kontext des 20. Jahrhunderts.

Das Leben der Prinzessin verläuft nicht durchgehend dramatisch, sondern in einem wechselnden Rhythmus aus Brüchen und ruhigem Fließen. Diese formale Zurückhaltung verstärkt die Wirkung. Auf nur rund 150 Seiten entsteht ein präzises, unpathetisches Porträt einer Frau, die sich den Zumutungen ihrer Zeit nicht vollständig beugen ließ.
Ein Buch, das nachklingt – und genau darin seine literarische Stärke zeigt.

Cover des Buches Prinzessin Alice (ISBN: 9783546101561)
B

Rezension zu "Prinzessin Alice" von Irene Dische

Buchstabenhexe
Das bewegte Leben der Schwiegermutter der Queen

Die weit verzweigten familiären Verstrickungen der europäischen Adelshäuser sind beachtlich. Wo in anderen Fällen wegen Inzucht die Ehen verboten wären, wurden sie an den königlichen Höfen gefördert. Alice von Battenberg, später Mountbatten, eine Enkelin von Königin Victoria, heiratet den Prinzen Andrew von Griechenland und hat mit ihm vier Töchter und einen Sohn, Philipp, den späteren Prinzgemahl der Königin Elisabeth die Zweite von England. Prinzessin Alice war auch mit dem Hause Romanow von Rußland verwandt und mit vielen deutschen Fürstenhäusern. Ihr Leben ist wie ein Roman: taub geboren, lernt sie trotzdem in mehreren Sprachen Lippen lesen, sprechen und schreiben. Alles ohne Zeichensprache, denn Ende des 19. Jahrhunderts galt die Zeichensprache als “Affensprache”. In den Jahren des Exils in Paris, wo sie auf die Unterstützung ihrer weit verzweigten Familie angewiesen ist, findet sie zu Gott und wird zu einer extrem religiösen Frau, die im täglichen Gebet ihre Erfüllung findet. IRene Dische schreibt, dass sie von ihren Kindern entfremdet ist, in anderen Quellen aber wird die innige Beziehung zwishcen Mutter und Töchter beschrieben. Auf jeden Fall spielen ihr ihre eigene Mutter und ihre Schwägerinnen ganz böse mit. Edwina ist die Ehefrau von Alices Bruder Dickie, während Maria Bonaparte (ja, aus der Familie) einen der Brüder von Alice's Gemahl geheiratet hat. Alice wird zwangsinterniert in zwei psychiatrische Kliniken, in der einen werden ihre Eierstöcke mittels Röntgenbestrahlung zerstört, in der anderen wird sie zweieinhalb Jahre gefangen gehalten. Was hat Alice ihren Schwägerinnen und ihrer Mutter nur angetan, dass sie sich derart brutal und zerstörerisch in ihr Leben einmischen? 

Als die Monarchie in Griechenland in den dreißiger Jahren wieder eingeführt wurde, zieht sich Alice nach Griechenland zurück, lebt da bescheiden und zurückgezogen, die Öffentlichkeit meidend. In der Zwischenzeit haben ihre vier Töchter in den deutschen Hochadel geheiratet, haben aber, laut Dische, keinen Kontakt zur Mutter. Als die Deutsche Wehrmacht die Nebenfront in Griechenland eröffnen muss, wegen der Unfähigkeit der italienischen Armee, beginnt Alice im Untergrund jüdische Familien bei der Flucht zu unterstützen und nimmt Familie Cohen bei sich auf. Das wird ihr posthum hoch angerechnet, im Jahr 1994 wird ihr in einer feierlichen Zeremonie der Titel “gerechte unter den Völkern” verliehen, bei der Prinz Philipp auch teilnahm. 

Das Buch wird von Prinzessin Alice erzählt, wir erfahren ihre Sicht der Dinge, wie übel ihr mitgespielt wurde. Trotzdem hegt sie weder Rachegedanken, noch Neid oder Missgunst. Das viele Gute, das sie im Leben getan hat, ist mit ihren Augen betrachtet nicht so einzigartig, nicht so großartig, sondern ihre einfachste Menschenpflicht. Noblesse oblige heißt es, Prinzessin Alice vereint den Standesadel mit dem Adel des Herzens, eigentlich der einzig wahre Adel. 



Cover des Buches Prinzessin Alice (ISBN: 9783546101561)
sabatayn76s avatar

Rezension zu "Prinzessin Alice" von Irene Dische

sabatayn76
‚Wenn du mit Gott sprichst, ist das Beten. Wenn Gott mit dir spricht, ist das Schizophrenie.‘

‚Wenn du mit Gott sprichst, ist das Beten. Wenn Gott mit dir spricht, ist das Schizophrenie.‘ (Seite 5, Zitat von Szasz)

Victoria Alice Elizabeth Julia Marie Prinzessin von Battenberg, die Ende des 19. Jahrhunderts im Windsor Castle geboren wurde und in den 1960er Jahren im Buckingham Palace in London starb, war die Mutter von Philip Mountbatten, dem Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II. und Vater von König Charles III, so dass Prinzessin Alice von Battenberg die Großmutter von Charles III war.

Sie wurde offiziell als wahnsinnig diagnostiziert und erzählt hier ihre Geschichte sowohl die Geschichte ihrer Schwägerin Marie Bonaparte und einer dritten Schwägerin, Edwina Mountbatten.

Ich kannte die Geschichte von Alice von Battenberg bis zur Lektüre von Irene Disches Roman nicht, und ich interessiere mich eigentlich auch nicht für Königshäuser, aber sehr für das Thema Schizophrenie, weshalb ich dieses Buch gelesen habe.

Prinzessin Alice, die seit ihrer Geburt gehörlos war und in mehreren Sprachen Lippenlesen lernte, war eine recht schillernde und eindrückliche Person. Die Schilderungen im Buch, bei denen Fiktion und Fakten teilweise verschwimmen, sind spannend, wenngleich ich letztendlich nicht richtig ins Buch finden konnte.

Einige Episoden im Buch haben mir wirklich Freude bereitet, und vor allem die Sprache der Autorin hat mir gut gefallen. Gefallen hat mir auch, dass im Buch immer wieder die Grenzen zwischen Realität, Religion und möglichem Wahn verwischen, sodass man als Leser manchmal nicht genau weiß, ob Alice rechtmäßig oder unrechtmäßig mit Schizophrenie diagnostiziert wurde - ob die Behandlung, die unter anderem durch Sigmund Freud initiiert wurde, aus der Luft gegriffen oder ob Alice tatsächlich psychotisch war, bleibt offen, was ich gelungen fand, weil das auch im echten Leben immer wieder so ist, dass man Psychose nicht klar von Fakten und Realität trennen kann.

Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich mich vor der Lektüre nicht ausführlicher mit der tatsächlichen Geschichte der Mountbattens/von Battenbergs befasst habe, denn ich hätte das Buch wahrscheinlich etwas anders gelesen, wenn mir die historischen Tatsachen besser geläufig gewesen wären.

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