Ein Roman über eine reale Frau – und ein Leben, das sich nicht erklären lässt.
Irene Dische: Prinzessin Alice
Dieser Roman ist eine stille Wucht. Irene Dische erzählt vom Leben der historisch verbürgten Prinzessin Alice von Battenberg (25. Februar 1885, Windsor Castle – 5. Dezember 1969, Buckingham Palace, London), Mutter von Prinz Philip, Schwiegermutter von Queen Elizabeth II. und Mutter von insgesamt fünf Kindern – einem Sohn und vier Töchtern. Doch Dische wählt keinen biografisch-erklärenden Zugang. Stattdessen spricht Alice selbst. Die Erzählung ist konsequent subjektiv, historische Kontexte werden selten präzise benannt, sondern als gegeben vorausgesetzt. Geschichte erscheint hier nicht als Hintergrundwissen, sondern als Erfahrung, die über ein einzelnes Leben hinwegzieht.
Besonders eindrucksvoll ist der Umgang mit Alice’ vermeintlicher psychischer Erkrankung. Ob sie tatsächlich krank war oder ob ihr die Krankheit zugeschrieben wurde, bleibt bewusst offen. Dische zeigt, wie schnell Eigenwilligkeit, religiöse Radikalität und weibliche Autonomie pathologisiert werden können – gerade im aristokratischen und medizinischen Kontext des 20. Jahrhunderts.
Das Leben der Prinzessin verläuft nicht durchgehend dramatisch, sondern in einem wechselnden Rhythmus aus Brüchen und ruhigem Fließen. Diese formale Zurückhaltung verstärkt die Wirkung. Auf nur rund 150 Seiten entsteht ein präzises, unpathetisches Porträt einer Frau, die sich den Zumutungen ihrer Zeit nicht vollständig beugen ließ.
Ein Buch, das nachklingt – und genau darin seine literarische Stärke zeigt.

















