Irene Dische Amerikanische Hochzeit

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Inhaltsangabe zu „Amerikanische Hochzeit“ von Irene Dische

Ende der 1960er Jahre stolpert der naive und ungebildete Duke Butler in das Leben einer intellektuellen Familie in der New Yorker Upper West Side, die den jungen Mann aus Florida wie einen Kaspar Hauser bewundert und sich seiner annimmt. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, ist der Südstaatler mit Lili, der einzigen Tochter des Hauses verheiratet, avanciert zum Wein-Connaisseur und Vorzeige-Intellektuellen. Die verträumte Lili dagegen wird als Model entdeckt und zum "talk of the town".
Duke muss lernen, dass der echte New Yorker ganz gut ohne Herz auskommt, nicht aber ohne Ellbogen. Er erkennt, dass es schwierig ist, sich von der Vergangenheit freizustrampeln. Und dass Familie und Ehe einen über Wasser halten können, man darin aber auch untergehen kann – was in einem kultivierten Haifischbecken wie New York verheerende Folgen haben kann...

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  • Sprachliche eine Klasse für sich

    Amerikanische Hochzeit

    michael_lehmann-pape

    27. November 2017 um 08:45

    Sprachliche eine Klasse für sichEin klassisches Drama in modernem Gewand ist es, dass Irene Dische mit diesem fulminanten Roman vorlegt. Und dass es ein Drama werden wird, das weiß der Leser schon nach den ersten Seiten. Nach denen die Geschehnisse vom Rückblick aus dann in die Gegenwart erzählt werden.Wobei zunächst eine „große Liebe“ ihren Weg gegen manche Umstände finden wird, die jenes „Schwarz und Weiß“ als Gegensatz abbilden, der schon in den verschiedenen Hautfarben des liebenden Paares symbolträchtig vor Augen geführt wird. Doch nicht nur die Hautfarbe von Duke und Lili sind verschieden. Von der Herkunft über den Familiensinn, von der Kunst, das Leben vollständig anzunehmen (Duke zunächst) bis zu einer Geschichte alltäglicher Trotzreaktionen (Lili), vom Aufwachsen in der (sehr wohlsituierten) Künstlerszene mitsamt dem „Schatten“ je eines Therapeuten als „Lebensbegleitung“ (Lili) zur Herkunft aus einfachen Verhältnissen, einem dadurch gewachsenen, sehr höflichen, natürlichen Selbstbewusstseins und dennoch wenig erfahren in der Welt, auf die er nun in New York stößt (Duke), eine fast überfließenden innere Emotionalität bindet diese beiden menschlichen Pole untrennbar aneinander.„Dabei handelt es sich hier nicht um Raketenwissenschaft, höchstens Physik für Anfänger. Gegensätze ziehen sich an“. Wobei zunächst einerseits gilt: „Die beiden widersetzten sich der magnetischen Anziehung, weil sie vor ihr Angst haben“.Einerseits.Doch schon beim Kennenlernen in Kenia, das so ganz anders abläuft, als man es allgemeinhin erwarten würde bis zur Heirat, die ebenfalls dann ganz anders vonstattengeht, als es Lili dringend gewünscht hätte, der Magnetismus funktioniert. Durch das gesamte Buch hindurch. Mit intensiven, herrlichen, blutenden, sich schmeckenden und ebenfalls schrecklichen Folgen.Bis dahin, wo Dische mit greifbarer Freude am „Bösartigen“ den Fall der großen Liebe und beider Beteiligten beginnt, voranzutreiben und damit auch der modernen Welt nicht selten einen Spiegel vorhält.Was alles Dische meisterhaft in sorgfältig gestaltete Szenen hineinschreibt und dabei jede einzelne der im Buch auftretenden Figuren (mal mit kurzen, feinen Strichen, mal in die Tiefe vordringend) bestens mit Leben versieht. Meist, indem der Leser Betrachter der Handlungsweisen der verschiedenen Charaktere wird, hier und da einen tiefen Blick gewährt bekommt (wenn Lili klar wird, wie sie wirklich im tiefsten Inneren zu ihrer Mutter steht) du im Verlauf der Lektüre kaum anders kann, als sich vollständig in diese pulsierende Lebenswelt zu begeben.Wobei das anfängliche Versprechen Lili´s, für ihren Duke zur „schönsten Frau der Welt“ werden zu wollen (was sich lange Jahre wenig im Äußeren der jungen Frau abzeichnet hatte), sich mehr und mehr zu erfüllen scheint, ja nachgerade zu erfüllen droht und damit eine Reaktion in Gang setzt, die wie auf Schienen dem Drama seinen Lauf geben wird.Was nicht nur in der Binnenbeziehung der beiden Liebenden seine Folgen zeitigt, sondern natürlich auch das Umfeld, die Welt der beiden mit hineinziehen wird. Hier der „naive“, starke Mann mit der besonderen Begabung, was das Verkosten von Wein angeht, dort die, intuitiv, „mit allen Wassern“ vertraute Frau, die ihren Duke zwar warnt (mit eindringlichen Verweisen auf „das Böse“ hinter den „freundlichen Fassaden“ der „Szene“), aber natürlich zunächst nicht damit zu ihm durchdringen wird.Das Ganze verpackt Dische in eine überaus flüssige, legere, immer und immer wieder genau den gewünschten Punkt treffende Sprache, die es dem Leser schwermacht, das Buch aus der Hand zu legen (auch wenn nach einer gewissen Weile auch einige Längen nicht von der Hand zu weisen sind).Aber da die Ereignisse temporeich vorangehen und „das Böse“ sich (diskret sich anschleichend) immer mehr Thema wird und Dische dies sprachlich dem Leser vor allem emotional sehr, sehr nahe zu bringen versteht, verbreitete sich eines auf keinen Fall bei der Lektüre: Langeweile“. Dafür ist schlicht und einfach kein Platz im Roman.

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  • Krude story mit außergewöhnlichem Nerv- und Gähnfaktor

    Amerikanische Hochzeit

    Babscha

    23. November 2017 um 00:51

    Story:Lili Stone ist die einzige Tochter eines intellektuell ziemlich derangierten Künstlerehepaares der Upper West Side New Yorks. Der lebensuntüchtige Vater Komponist, die mit allen Wassern gewaschene Mutter Journalistin und Grand Madame der Kunstszene, ein reiches, unsympathisches, versponnenes Paar, bar jeder Erdung und jeden Familiensinns, echte Spinner eben. Damit natürlich auch unfähig zur vernünftigen Erziehung des eigenen Nachwuchses. Logische Folge: Die Tochter ein emotional völlig vernachlässigtes, egozentrisches, gerissenes, manipulatives junges Ding, das sich seine Wahrheiten zurechtbiegt, wie es ihm eben passt und seine Eltern, vor allem die Mutter, aus tiefstem Herzen hasst. Das aufgrund seines elfenhaften Äußeren eines Tages die Chance auf eine Modelkarriere erhält, die schnell erfolgreich wird, was die negativen Charaktereigenschaften der jungen Dame sodann zu voller Blüte treibt. Eines Tages steht Duke Butler vor der Stoneschen Haustür, ein junger Schwarzer in der Army, derzeit auf Heimaturlaub, den Lili auf einer Reise nach Nairobi kennengelernt hat, ein naiver, linkischer, weltfremder Typ aus dem Süden. Alle drei Stones sind begeistert von ihm. Und dann geht alles sehr schnell. Lili und Duke erbrennen nach anfänglichem Abtasten in gleißender, unauslöschlicher Liebe, von Lili raffiniert inszeniert und choreografiert und von dem tumben Duke widerspruchslos mitgetragen. Heimlich und schnell wird geheiratet. Die Karrieren explodieren, Lili als Stern am Modehimmel, Duke als später landesweit gefeierter Weingourmet mit eigener TV-Sendung, ein ungebildeter Emporkömmling mit glücklichem olfaktorischem Talent. Die Butlers starten ein dekadentes Leben in Saus und Braus, was natürlich dauerhaft nicht gut gehen kann und sie, eingeholt von ihren Vergangenheiten und psychisch-emotionalen Defekten, irgendwann schwungvoll und mit durchgetretenem Gaspedal auf den Highway to Hell einbiegen lässt.  Meinung zum Buch: Immer wieder habe ich mich bei der Lektüre gefragt: Was genau bezweckt die Autorin eigentlich mit ihrer Geschichte, was ist ihre Intention? Was will sie dem Leser mittels ihrer durchgängig sarkastischen, zynischen, überlegen aus dem Überbau der Wissenden herab regnenden, streckenweise antiquierten, den (letzten) Nerv des Lesers damit aushöhlenden Sprache eigentlich vermitteln? Ist es eine persönliche kombinierte Generalabrechnung mit a) der Verkommenheit und Unvollkommenheit der menschlichen Natur in all ihren Facetten, exemplarisch dargestellt über die beiden wahrlich durchgeknallten Hauptprotagonisten, die in ihrem ganzen abstoßenden Denken und Handeln (insbesondere natürlich Lilis) zumindest bei mir immer wieder an Mickey und Mallory aus "Natural Born Killers" erinnerten bzw. b) dem amerikanischen Establishment und seinen Auswüchsen (hier insbesondere der New Yorker Upper-Class-Gesellschaft mit ihren allseits bekannten Stereotypen), alles gewürzt und unterlegt mit dem ja nie wirklich endenden Schwarz/Weiß-Konflikt und der immerwährenden Diskrepanz zwischen dem reichen, intellektuellen Norden und den hinterwäldlerischen, armen Südstaaten (aus denen Duke stammt)? Oder etwas ganz Anderes, was ich irgendwie überlesen oder nicht mitbekommen habe? Im Gegensatz zu vielen anderen bereits gelesenen amerikanischen Gesellschafts- und Familienromanen habe ich hier bereits nach wenigen Kapiteln irgendwie ein Unwohlsein, eine Gereiztheit beim Lesen verspürt, die ich eigentlich so nicht kenne und die mir sehr schnell die komplette Freude an Buch und Geschichte genommen und mich gleichgültig gegenüber deren Fortgang gemacht hat. Dies lag sicherlich am besonderen Schreibstil der Autorin und der streckenweise einfach nur verschrobenen Sprache des Buches. Es kann ja sehr interessant sein, in Büchern in die verqueren Geister und abgründigen Tiefen der Protagonisten abzutauchen, aber was hier 500 Seiten lang an seelischen Mißbildungen und zwischenmenschlichen Abartigkeiten, zuvorderst natürlich bei Lili, ans Licht gehoben wird, hat zumindest mich irgendwann nur noch abgestoßen und zuletzt gelangweilt. Als Leser habe ich mich keinen Moment den mitwirkenden Figuren in irgendeiner Form verbunden oder nahe gefühlt, alles blieb beliebig, total konstruiert und ohne Gesicht und Tiefgang. Kopfkino ausgeschaltet, Leinwand schwarz. Die Grundidee der story in Verbindung mit den zugegebenermaßen durchaus interessanten Verschachtelungen der diversen Personen aus deren Historie heraus hätte dabei absolut das Zeug zu einem richtig guten Buch gehabt. Schade drum. Vertane Lesezeit.    

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  • Turbolenzen einer Ehe

    Amerikanische Hochzeit

    Clari

    16. October 2017 um 16:25

    In dieser seltsamen Liebesgeschichte geht es um eine Mischehe in New York. Beginnend in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts endet die Geschichte in den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts.Lili ist die weiße und sehr hübsche Tochter eines jüdischen Künstlerpaars in New York, und der mischfarbige Duke kommt aus dem Süden der USA.Die beiden lernen sich kennen und können fortan nicht voneinander lassen. Die liberalen Eltern von Lili begrüßen den Freund ihrer Tochter und nehmen ihn gerne bei sich auf.Nun beginnt eine rasante Geschichte, die von der wirbelnden und umtriebigen Lili mit gesteuert wird. Sie ist Chemikerin, Krankenschwester und zuletzt hoch dotiertes Fotomodell. Duke, ihr schwarzer Freund und bald schon Ehemann, besitzt die seltene Gabe, Weine auf ihre Güte hin zu testen. Er erfährt in dem Geschäftsmann Mr. Perkins einen Partner, der seine Fähigkeiten, Wein zu verköstigen und die Beschreibung dessen, was er mit den Weinen verbindet, sehr schätzt.Irene Dische gibt der Geschichte einen Ton, der sie lebhaft und farbenfroh ausgestaltet. Fast erscheinen einem die Sätze wie im Staccato dahingeschrieben, so schnell und munter wird das gesellschaftliche Bohèmemilieu vermittelt. Die Eltern von Lili verkehren als Komponisten und Journalisten unter Intellektuellen. In ihren Kreisen ist man liberal. Sehr selten nur blitzt die Diskriminierung Farbiger an einigen Stellen durch. Die Liebesgeschichte zwischen Lili und Duke ist innig und überzeugend und außer Konkurrenz. Leider wird der Roman im zweiten Teil ein wenig langatmig, so dass man die Lust zum Weiterlesen verliert. Die zahlriechen Abenteuer, Liebesgeschichten und Irrungen und Wirrungen ermüden auf die Dauer. Immerhin bekommt man ein lebhaftes Bild vom Leben in NY der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit. Dass die Geschichte am Ende recht unversöhnlich in eine Katastrophe mündet, ist nur folgerichtig.Geselligkeit wird in der Erzählung großgeschrieben. Satire und Witz bringen eine gewisse Distanz, mit der die Autorin ihr eigenes Empfinden aus allem heraushält. Ihre lakonischen Sätze betonen diese innere Distanz noch. Die Abstinenz jedweder Empathie teilt sich dem Leser mit, und man weiß zuletzt nicht, wem die Sympathie in der Geschichte gelten soll. Dem schwarz-weißen Liebespaar? Den liberalen Eltern? Über Dukes Herkunft wird so kurz hinweggegangen, dass sie fast überflüssig erscheint. Sie rundet am Ende aber die ganze Geschichte ab.Intellektuelle, Parvenüs, Partys und Wein nebst den entsprechenden Beobachtungen am geselligen Treiben beleben die gesellschaftlichen Zusammenkünfte und machen die Lektüre wenigstens im ersten mit „Norden“ überschriebenen Teil unterhaltsam und anregend. 

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