Warnung an Deutschland
Mit dem Titel "Der Schlüssel würde noch passen" hat mich Irina Scherbakowa auf ihr Buch neugierig gemacht. Allein dieser Satz beinhaltet so viel. Erinnerung, Hoffnung, vielleicht Zukunftspläne.
Irina Scherbakowa musste ihre Wohnung, ihre Heimat, zusammen mit ihrem Mann plötzlich verlassen. Moskau ist die Stadt, die sie liebt, in der sie gearbeitet hat, und der Ort, in dem sie Großes geleistet hat. Sie ist Gründungsmitglied der Menschenrechtsorganisation "Memorial", deren Ziel es war, die Erinnerung an die Opfer der Schrecken des Stalinismus wach zu halten. 2022 hat Memorial den Friedensnobelpreis erhalten, zur selben Zeit wurde diese Organisation von Putin liquidiert. Die Regierung Putins, de facto eine Diktatur, ist der Grund, warum Irina Scherbakowa nicht mehr nach Russland zurückkehren kann.
Ihr Buch beinhaltet nicht nur Erinnerungen an ihre Heimat, es erzählt ein halbes Jahrhundert russischer Geschichte, und auch wie dieses Land den Pfad der Demokratie verlassen hat, bis es zu einem Land geworden ist, das unter einer Diktatur steht, in der die Stalin-Zeit verherrlicht wird, und deren Höhepunkt der Krieg gegen Ukraine ist.
Ich bin sehr beeindruckt. Irina Scherbakowa hat mich berührt, aber sie hat mir auch eine gute Lektion in russischer Geschichte erteilt. Ihre Erinnerungen an unbeschwerte Sommer auf der Krim in sowjetischen Zeiten und im ukrainischen Schychany noch vor dem Krieg, Orte, die sie jetzt wegen des Krieges nicht mehr besuchen kann. Orte, die allein, weil sie von Irina Scherbakowa mit so viel Liebe beschrieben wurden, auf meiner Liste von sehenswerten Orten gelandet sind.
Eine wichtige Botschaft dieses Buches ist gleichzeitig auch eine Warnung an Deutschland. An einer Stelle erinnert sich Irina Scherbakowa an etwas, was Erik Kästner gesagt hat: Diktaturen können nur erfolgreich bekämpft werden, bevor sie entstehen.
Also Deutschland, worauf wartest du?












