Irina Scherbakowa

 4,3 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Der Schlüssel würde noch passen, Memorial und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Irina Scherbakowa ist Historikerin, Kulturwissenschaftlerin und Germanistin. Als Gründungsmitglied von Memorial prägte sie die Arbeit der Organisation über mehr als 30 Jahre hinweg. Heute ist sie Vorsitzende von Zukunft Memorial und lebt im Exil in Tel Aviv und Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Irina Scherbakowa

Cover des Buches Der Schlüssel würde noch passen (ISBN: 9783426446669)

Der Schlüssel würde noch passen

(6)
Erschienen am 03.11.2025
Cover des Buches Der Russland-Reflex (ISBN: 9783896841698)

Der Russland-Reflex

(1)
Erschienen am 07.10.2015
Cover des Buches Memorial (ISBN: 9783406832161)

Memorial

(1)
Erschienen am 15.05.2025
Cover des Buches Zu wissen, dass du noch lebst (ISBN: 9783746670553)

Zu wissen, dass du noch lebst

(1)
Erschienen am 01.04.2006
Cover des Buches Zerrissene Erinnerung (ISBN: 9783835306011)

Zerrissene Erinnerung

(0)
Erschienen am 01.09.2010

Neue Rezensionen zu Irina Scherbakowa

Cover des Buches Der Schlüssel würde noch passen (ISBN: 9783426446669)
abas avatar
Rezension zu "Der Schlüssel würde noch passen" von Irina Scherbakowa

Warnung an Deutschland

Mit dem Titel "Der Schlüssel würde noch passen" hat mich Irina Scherbakowa auf ihr Buch neugierig gemacht. Allein dieser Satz beinhaltet so viel. Erinnerung, Hoffnung, vielleicht Zukunftspläne.

Irina Scherbakowa musste ihre Wohnung, ihre Heimat, zusammen mit ihrem Mann plötzlich verlassen. Moskau ist die Stadt, die sie liebt, in der sie gearbeitet hat, und der Ort, in dem sie Großes geleistet hat. Sie ist Gründungsmitglied der Menschenrechtsorganisation "Memorial", deren Ziel es war, die Erinnerung an die Opfer der Schrecken des Stalinismus wach zu halten. 2022 hat Memorial den Friedensnobelpreis erhalten, zur selben Zeit wurde diese Organisation von Putin liquidiert. Die Regierung Putins, de facto eine Diktatur, ist der Grund, warum Irina Scherbakowa nicht mehr nach Russland zurückkehren kann.

Ihr Buch beinhaltet nicht nur Erinnerungen an ihre Heimat, es erzählt ein halbes Jahrhundert russischer Geschichte, und auch wie dieses Land den Pfad der Demokratie verlassen hat, bis es zu einem Land geworden ist, das unter einer Diktatur steht, in der die Stalin-Zeit verherrlicht wird, und deren Höhepunkt der Krieg gegen Ukraine ist.

Ich bin sehr beeindruckt. Irina Scherbakowa hat mich berührt, aber sie hat mir auch eine gute Lektion in russischer Geschichte erteilt. Ihre Erinnerungen an unbeschwerte Sommer auf der Krim in sowjetischen Zeiten und im ukrainischen Schychany noch vor dem Krieg, Orte, die sie jetzt wegen des Krieges nicht mehr besuchen kann. Orte, die allein, weil sie von Irina Scherbakowa mit so viel Liebe beschrieben wurden, auf meiner Liste von sehenswerten Orten gelandet sind.

Eine wichtige Botschaft dieses Buches ist gleichzeitig auch eine Warnung an Deutschland. An einer Stelle erinnert sich Irina Scherbakowa an etwas, was Erik Kästner gesagt hat: Diktaturen können nur erfolgreich bekämpft werden, bevor sie entstehen.

Also Deutschland, worauf wartest du?

Cover des Buches Der Schlüssel würde noch passen (ISBN: 9783426446669)
Judithas avatar

Rezension zu "Der Schlüssel würde noch passen" von Irina Scherbakowa

Juditha
Sippenhaft für „Ausländische Agenten“

Irina Scherbakowa ist in Deutschland das Gesicht von Memorial geworden, schon lange vor ihrem Buch sah ich sie in Interviews und Zeitungsartikeln. Das – von allen schon lange befürchtete – Verbot dieser bedeutenden Menschenrechtsorganisation in Russland schockte mich nicht, aber es machte mich traurig. Dreißig Jahre mühevolle und engagierte Arbeit waren dahin. Auch der anteilige Friedensnobelpreis 2022 war in meinen Augen nur noch nachträglicher Trost. Der Ukrainekrieg ließ auch meinen Fokus abschweifen von den innerrussischen zu den Kriegsschauplätzen. Ich brauchte noch die Nominierung zum Deutschen Sachbuchpreis als Anstoß, um endlich dieses Buch zu lesen.


Die Autorin beginnt ihre „Moskauer Erinnerungen“ mit ihrer frühesten Kindheit, Urlaube auf der Krim, Leben in Moskau, die Eltern, die Jahre des Stalinismus nach dem Krieg sind ihre Kindheit, die endet nicht mit dem Tod von Stalin, auch nicht mit Chruschtschows Geheimrede, aber sie geht über in eine sowjetische Jugend, sie ist 23 Jahre alt als Breschnew stirbt. Für mich war dieser erste Teil, der rund ein Drittel des Buches beansprucht, nicht sehr erkenntnisreich, über die Jahre der Stalindiktatur mit all ihren Auswirkungen auf die Menschen im Land habe ich schon so viele Bücher gelesen, Filme gesehen, es überrascht mich kaum noch etwas. Ich legte das Buch erst einmal beiseite, denn über Memorial, über das ich wesentlich weniger wusste, erfuhr ich erst einmal nichts.


Beim zweiten Anlauf hat es mich dann doch gepackt und ich habe das Buch mit großem Gewinn schnell zu Ende gelesen. Gern hätte ich noch etwas mehr über Memorial erfahren, aber das hätte vielleicht den Rahmen gesprengt. Besonders beeindruckt hat mich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich über das weite Land bis in kleine Dörfer erstreckte. Der Aufruf, aus der Geschichte der Familie zu berichten, nachzuforschen, was Familienangehörigen in der Stalinzeit geschehen war, was die Familien aushalten mussten, das war eine geniale Idee. Dass daraus rund 40.000 Einsendungen wurden, die Memorial über die Jahre erreichten, zeigt das große geschichtliche Interesse auch in der Jugend. Scherbakowa beschreibt sehr eindringlich, wie dieses Interesse in der Putin-Ära unterdrückt wird, wie die, die sich immer noch für GULags und Stalinmorde interessieren, die den Holodomor in der Ukraine nicht vergessen haben, nicht die Hungerperiode in Russland unter den Tisch kehren, nicht die Tötung Andersdenkender als normal ansehen, wie sie alle als „Nestbeschmutzer“ des „edlen“ Russlands angegriffen und verhöhnt werden.


Ich will hier nur zwei Zitate nennen aus diesem so bedrückenden Buch der Moskauer Erinnerungen:


„Wenn ich heute daran denke, mit welchen Hoffnungen Memorial 1989 gestartet war, welche Hoffnungen die Menschen in Ost wie West zu dieser Zeit gehegt haben, frage ich mich immer wieder: Wie konnte es bloß dazu kommen, dass aus diesen großen Hoffnungen verlorene Illusionen wurden?“ Diese Resignation, der sich Scherbakowa nicht entziehen kann, in Bezug auf die heutige Situation Russlands tut weh. Sie hat sehr richtig erkannt, dass Putin die Menschen ganz geduldig in seine gewünschte Richtung lenkte und immer noch lenkt. Sie hat in ihrem Epilog selbst ein Zitat von Erich Kästner verwendet, das auch mir für Russland keine Hoffnung macht: „Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben.“ Scherbakowa ist nach Beginn des Ukrainekrieges emigriert, es wird ihr nicht viel nützen, wenn der Schlüssel noch passt.


Fazit: Ein Buch, dass für viele der Schlüssel zum „unbekannten“ Russland sein kann. Es bietet den Blick ins tiefe Innere und ist stilistisch gut lesbar, was vielleicht auch Leser anlockt, die sonst eher einen Bogen um Sachbücher machen.


Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

Cover des Buches Der Schlüssel würde noch passen (ISBN: 9783426446669)
theagri_liests avatar

Rezension zu "Der Schlüssel würde noch passen" von Irina Scherbakowa

theagri_liest
Erinnerungen sammeln und Menschen eine Stimme geben

Der Titel dieses Buches hat mich sehr angesprochen und neugierig gemacht zumal es um Moskau und Russland geht. Irina Scherbakowa, Historikerin,  Publizistin und Leiterin der Bildungsarbeit bei der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, erzählt in diesem Sachbuch anschaulich und nachvollziehbar aus den Erfahrungen ihres Lebens und ihrer Arbeit.


Sie berichtet, wie sich ab der Wende bis heute,  Moralvorstellungen verändern, wie Gerechtigkeit schwindet und Gewalt vorherrscht. 

Mit anschaulichen Bildern untermalt die Autorin dies aus ihrem eigenen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Das geht nahe und erschüttert. Erlebte Gewalt, Überfälle und Unsicherheit prägen den Alltag in einem Land, das mit Demokratie keine Erfahrung hat und sie nicht umsetzen kann. 


Obwohl man vieles in den Medien verfolgen konnte, ist es  berührend, dies "hautnah" erzählt zu bekommen. Denn das gelingt der Autorin mit ihrem Erzählstil gut, uns an ihren Erfahrungen teilzunehmen zu lassen. Flüssig, mit klaren Bildern, lernen wir sie selbst und ihre Mitmenschen kennen. Aber auch politische Hintergründe setzt sie gekonnt in den Kontext und schafft so die Grundlage für das Verständnis. 


Besonders beeindruckt hat mich ihre Arbeit bei der Stiftung Memorial (liquidiert 2021), die Erinnerungen und Zeitgeschehen der russischen Bürger überall im Land im Rahmen von Schulprojekten sammelte und archivierte, so dass viele Menschen, die Grausamkeit und Leid durchleben mussten, eine Stimme bekamen.


Sie erzählt von Unrecht, Folter und Verbannung in Gulag's. Berührende Schicksale der Vergangenheit und sie sieht sorgenvoll auf die Wiederholungen in der Gegenwart. Ihre Heimatliebe und die Besorgnis um ihr Land sind spür- und greifbar. Und dennoch leuchtet auch Hoffnung auf eine friedvolle Welt hindurch indem sie nicht aufgibt und weiter "sammelt".


Mir hat dieses Sachbuch sehr gut gefallen. Ich konnte vieles nachvollziehen, ihre Beweggründen verstehen, habe manches gelernt und in neuem Licht gesehen. Vieles war mir bisher unbekannt, hat mich interessiert,  erschüttert und informiert. 



Vielen Dank an NetGalley und den Droemer Verlag für die Bereitstellung des eBooks.  Meine Meinung zu den Sachbuch wurde dadurch nicht beeinflusst. 


Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

15 Bibliotheken

2 Merkzettel

1 Leser*innen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks