Iris Blauensteiner Kopfzecke

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Inhaltsangabe zu „Kopfzecke“ von Iris Blauensteiner

Eine Erinnerung, die verschwimmt, ein Mensch, der immer dünner wird – das ist, was Moni täglich mit ansehen muss. Sie pflegt ihre demenzkranke Mutter, so gut es geht, doch die nimmt ihr die Luft zum Atmen. In einem Wechselspiel aus Distanzierung und Annäherung versucht Moni die Vergangenheit zu rekonstruieren, um die Lücken ihrer eigenen Geschichte zu füllen und sich allmählich zu lösen. In stillen Szenen und poetischen Bildern schafft Iris Blauensteiner Atmosphären, in denen die Figuren nahbar werden. Dazwischen liegen das Unausgesprochene und die Unsicherheit darüber, was Erinnerung und Identität sind. Ein einfühlsamer Roman über einen der schwierigsten Abschnitte im Leben einer Tochter. "Sie sitzt vor mir hinter einer Wand, ungreifbar. Ein Gegenwartsphantom, das wartet, die Zeit fließt langsam durch sie hindurch."

Intensiv, schmerzvoll, hilflos - langer Abschied einer Tochter von der demenzkranken Mutter. Und eine Zecke hängt an meinem Hinterkopf ...

— elane_eodain

Der langsame und schmerzliche Abschied einer Tochter von ihrer demenzkranken Mutter...

— Angelika123

Tolles Thema, interessant geschrieben und doch sehr einseitig

— Tigerlili

rasant, bildliche, starke Sprache, ungewöhnlich, manchmal nicht leicht zu lesen - der lange Abschied einer Tochter von der Mutter

— vielleser18

ein ganz außergewöhnlicher Schreibstil

— Bücherwurm

Demenz, wie geht es weiter...

— dreamlady66

Sprachgewaltig, leise und melancholisch erzählt Iris Blauensteiner vom Verfall und vom Abschiednehmen.

— leselea

Sehr düsteres, sprachlich wunderbar geschriebenes Buch über den Abschied und die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

— Maybeangle

Schwere Kost! Der Leidensweg einer Alzheimer-Erkrankten und ihrer einzigen Angehörigen. Dieses Buch ist leise, eindrucksvoll und intensiv..

— Nepomurks

Ein faszinierendes und zugleich trauriges Buch, das aber so wahre Situationen umreißt!

— Eori

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1780
  • Lesermeinung zu "Kopfzecke" von Iris Blausteiner

    Kopfzecke

    elane_eodain

    06. February 2017 um 14:55

    »Was du nicht sagst, muss ich mir vorstellen. Es ist ein verschwommenes Wissen, das sich in meinen Knochen befestigt hat, und das schwerer und schwerer wird. Ich durchwühle, was die Zeit in Erinnerung verwandelt. Festhalten, damit nichts verloren geht ... « INHALT: Moni pflegt ihre demenzkranke Mutter. Doch es ist nicht nur die Pflege und der nahende Tod der Mutter, die Moni überfordert, sondern auch die von der Vergangenheit überschattete Mutter-Tochter-Beziehung. Moni ist einerseits kühl und distanziert, aufgrund der Erfahrungen, lechzt gleichzeitig aber nach Erinnerungen ihrer Mutter, um zu verstehen. Sie hat Furcht vor dem Moment, indem es keine Möglichkeit mehr gibt, Lücken im Leben ihrer Mutter aber auch ihres eigenen zu füllen. »Da ist jemand, den man nicht mehr kennt. Jemand, der nichts mehr will oder braucht. Jemand, der nicht mehr da ist. Sie isst immer weniger und erzählt nichts [...] Sie zieht sich immer mehr in sich zurück und bald wir sie ganz weg sein. Ich muss mich beeilen. « GEDANKEN: „Kopfzecke“ ist ein Buch, das mich ganz bewusst zum Innehalten veranlasst hat, denn die kurzen Abschnitte, die sprunghafte Art zu erzählen, brachten mir Monis Atemlosigkeit und Furcht sehr nahe. Darauf reagierte ich ganz bewusst mit Langsamkeit, Innehalten und Nachdenken über das Gelesene, um Moni und ihrer Mutter Raum zu lassen und um die Zeit, die Moni nicht hat, irgendwie auszugleichen. Ein seltsamer Gedanke, aber das machte das Buch für mich zu einer intensiven Leseerfahrung. Ich mag den bildhaften Schreibstil der Autorin sehr, die Gedanken der Protagonistin sind so voller Metaphern. Diese Vergleiche erzeugen eine sehr bedrückende Atmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht. Vieles bleibt unausgesprochen zwischen Mutter und Tochter, für vieles ist es bereits zu spät oder es gab nie die richtige Zeit. Ich mag diese kleinen, dahingestellten Sätze, die eine so große Bedeutung haben wie »Ich glaube meiner Mutter immer noch bedingungslos.«, als diese vom Nebelmann spricht und Moni doch eigentlich weiß, dass niemand da ist und ihr dennoch mulmig wird. »"Da ist keiner", wiederhole ich immer wieder, doch was sie sieht, wird dadurch noch realer. [...] Ich weiß, dass es keinen äußeren Grund gibt, doch mir wird mulmig. « Der langsame, doch für Moni viel zu schnelle Abschied ist nüchtern und gleichzeitig voller Emotionen erzählt. Dabei handelt die Geschichte weniger von der Demenzerkrankung und der Pflege selbst, sondern viel mehr von den Gedanken der Tochter und den Gefühlen gegenüber der Mutter und der Vergangenheit. Die Autorin stellt diese Gedanken und Gefühle sehr nah und nachvollziehbar dar und das sowohl mit geschriebenen Worten als auch mit ausgelassenen – das ist großartig! »Eine Zecke hängt an meinem Hinterkopf. Der Klumpen dehnt sich, ist schwer. Ich will ihm in die Augen sehen, will wissen, was in ihm vorgeht. Ich drehe mich um, doch der Zeckenkopf bewegt sich mit, zwei Köpfe an einem Hals. Ich kann nur die Umrisse erahnen. « Moni möchte die letzte Chance unbedingt nutzen, zwanghaft festhalten, verstehen und verstanden werden. FAZIT: Intensiv, schmerzvoll, hilflos. Der Abschied einer Tochter von der demenzkranken Mutter. Und wie eine Zecke bleibt ihre Geschichte an meinem Hinterkopf hängen ... (alle Zitate aus „Kopfzecke“ von Iris Blausteiner)

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  • Gefühle einer Tochter, die die demenzkranke Mutter pflegt

    Kopfzecke

    Frenx51

    08. September 2016 um 11:42

    Moni hat eine schwer zu bewältigende Aufgabe: Sie pflegt ihre demenzkranke Mutter. Für sie eine Aufgabe, die ihr die Freizeit stiehlt und für die sie ihr restliches Leben fast vollständig aufgibt. Während ihre Mutter immer weiter verfällt und sich immer weniger erinnern kann, möchte doch Moni noch so viel über die Vergangenheit wissen. Ein Buch, das auf die ein oder andere Weise berührt. Es beschreibt nicht direkt wie sich die Demenz auf die Erinnerungen und die Mutter auswirkt, sondern eher Gedanken und Gefühle der Tochter, die die Mutter in der Freizeit betreut, an ihre Grenzen gerät, die letzten Erinnerungen der Mutter erfahren möchte und doch dem dahinschreitenden Tod ausgeliefert ist. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, da sie mit ihren Worten bewegt. Die kurzen Kapitel ermöglichen es, dass der Leser nach den Abschnitten eine kleine Verschnaufpause einlegt und Zeit zum Nachdenken hat. Die Worte beschreiben Alltagsdinge, eigentliche Nebensächlichkeiten und Gedanken und Gefühle der Tochter, wie sie diese wahrnimmt. Sie sind dabei so beschrieben, dass man sich mittendrin fühlt, unterschiedliche Gefühle entwickelt. Besonders toll fand ich dass die Sätze so poetisch waren und viele Methapern und andere Wortspielereien enthielten und noch dazu so ungeschönt ehrlich. Zu den Protagonisten kann man nicht so viel sagen, da eher die Gefühlswelt eine Rolle spielt. Von Monis Mutter erfahren wir nicht so viel, außer dass sie alleinerziehend war und wohl immer sehr streng. Moni wird von ihrer aktuellen Situation fast erschlagen. Sie will ihre Erinnerungen und vor allem die der Mutter wieder erwecken und so ihre eigenen Lücken zur Vergangenheit schließen, gleichzeitig ist sie mit der Situation überfordert, da sie sich aufopfert, Beruf und Freizeit vernachlässigt und so an ihre körperlichen und vor allem seelischen Grenzen gelangt. Das Buch ist etwas anders als erwartet, aber es schafft, dass man über das Thema, das eigene Leben und sein Verhalten in dieser Situation nachdenkt. Ein Buch, dass sich durch die ehrlichen und poetischen Worte einer Tochter auszeichnet, die ihre demenzkranke Mutter pflegt. Dabei wird weniger auf das Thema Demenz eingegangen sondern eher auf die Gefühle und alltäglichen Gedanken der Tochter.

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  • Leserunde zu "Kopfzecke" von Iris Blauensteiner

    Kopfzecke

    Verlag_Kremayr-Scheriau

    Worum geht's? "Sie sitzt vor mir hinter einer Wand, ungreifbar. Ein Gegenwartsphantom, das wartet, die Zeit fließt langsam durch sie hindurch." Eine Erinnerung, die verschwimmt, ein Mensch, der immer dünner wird – das ist, was Moni täglich mit ansehen muss. Sie pflegt ihre demenzkranke Mutter, so gut es geht, doch die nimmt ihr die Luft zum Atmen. In einem Wechselspiel aus Distanzierung und Annäherung versucht Moni die Vergangenheit zu rekonstruieren, um die Lücken ihrer eigenen Geschichte zu füllen und sich allmählich zu lösen. In stillen Szenen und poetischen Bildern schafft Iris Blauensteiner Atmosphären, in denen die Figuren nahbar werden. Dazwischen liegen das Unausgesprochene und die Unsicherheit darüber, was Erinnerung und Identität sind. Ein einfühlsamer Roman über einen der schwierigsten Abschnitte im Leben einer Tochter.Iris Blauensteinergeboren 1986 in Wien. Filmemacherin und Autorin. Diplom der Bildenden Kunst und der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien. Etliche Preise und Stipendien, u.a.: Start-Stipendium für Filmkunst des BKA 2014, Award für „Beste Österreichische Nachwuchsfilmerin“ bei VIS 2014 für den Kurzfilm „Schwitzen“, DramatikerInnenstipendium des BMUKK 2013 und Nominierung zum Retzhofer Dramapreis, Finalistin beim Literaturwettbewerb Wartholz 2012. >> Informationen zum Buch >> Leseprobe Bewerbung zur Leserunde:  Wenn ihr mehr wissen wollt, dann sagt uns, was euch an diesem Buch interessiert und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht! Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen. Wir freuen uns auf eure Teilnahme! > Besucht unsere Webseite! www.kremayr-scheriau.at> Folgt uns auf Facebook und Twitter und verpasst keine Neuigkeiten und Buchverlosungen mehr.

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    • 216
  • Abschied vom Leben

    Kopfzecke

    Angelika123

    07. September 2016 um 14:36

    Moni pflegt ihre demenzkranke Mutter. Nebenher muss sie zusätzlich ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Dieser Spagat zwischen Pflege und Arbeit verlangt ihr einiges ab und zehrt stark an ihren Nerven. Für die Beziehung zu ihrem Freund bleibt da weder Zeit noch Kraft übrig. Das führt dazu, dass Moni kaum noch ein eigenes Privatleben hat und sich vollkommen für ihre Mutter aufopfert. Zudem muss sie Tag für Tag hilflos zusehen, wie sich der Zustand ihrer Mutter verschlechtert und sie sich immer weiter von ihr entfernt. Der Weg des Abschieds, der nicht mehr aufzuhalten ist und unweigerlich bevorsteht, ist mit Sorge und Schmerz gepflastert. Während die Krankheit voranschreitet und die Erinnerungslücken der Mutter immer größer werden, versucht Moni, die Erinnerungen von und an ihre Mutter zu wecken und aufrechtzuerhalten. Gedanken an ihre eigene Kindheit mischen sich mit dem Abschiedsschmerz und zeichnen ein Bild von dem wohl schwierigsten Weg, den eine Tochter in ihrem Leben zu gehen hat. Einfühlsam und melancholisch beschreibt Iris Blauensteiner in ihrem Roman „Kopfzecke“ den langsamen und schmerzhaften Abschied einer Tochter von ihrer Mutter. Gefühle, wie Überforderung und Hilflosigkeit, kommen durch einzelne Situations-Fragmente, die anfangs wie willkürlich zusammengewürfelt erscheinen, zum Ausdruck. In einer bildhaften und teilweise fast schon geheimnisvoll erscheinenden Sprache mit vielen Stilmitteln und indirekten, versteckten Bedeutungen oder Botschaften wird die Dringlichkeit, Hoffnungs- und Ausweglosigkeit vermittelt, die eine Demenzerkrankung mit sich bringt. Zudem enthält der Roman viele Gedanken- und Zeitsprünge, die zwischen Gegenwart und lange zurückliegender Vergangenheit hin und her switchen, und dadurch auch die Nachdenklichkeit symbolisieren und das Revue-passieren-lassen von Moni aufzeigen. Ein Buch, das einen definitiv zum Nachdenken bringt und einem auch die Endlichkeit des Lebens ganz deutlich vor Augen führt und dadurch bewusstwerden lässt, dass die beschränkte Zeit, die einem zur Verfügung steht, gut genutzt werden sollte.Mir persönlich ist diese Art von Geschichte leider zu anstrengend und zu sprunghaft, da es sich nicht um eine zusammenhängende, geradlinige Geschichte handelt, sondern vielmehr um spontane, gefühlsbetonte Momentaufnahmen, Situationsfragmente und Gedankenfetzen, die vor Gefühlen und versteckten Bedeutungen geradezu strotzen und vom Leser in mühsamer kleinteiliger (Gedanken-)Arbeit sortiert werden müssen, um einen Sinn zu ergeben. 

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  • rasant und ungewöhnlich, aber traurig

    Kopfzecke

    vielleser18

    "Meine Mutter singt mit oder bewegt nur die Lippen. Wenn sie sich wohlfühlt, trägt sie Lippenstift. Ich halte mir die Ohren zu und wenn es endlich still ist, fehlt mir die Musik." S. 48 Die Geschichte ist ein langsamer Abschied von der Mutter, nicht leicht zu lesen, nicht leicht zu verdauen, schwere Kost. Anders geschrieben, sehr bildhaft, sehr ausdrucksstark, ungewöhnlich aber auf alle Fälle. Moni, inzwischen selber weit über 50 und nicht mehr weit von der eigenen Rente, kümmert sich um ihre demente Mutter. Sie wohnen nicht zusammen, aber neben der täglichen Pflegekraft, die auch vorbeischaut, ist sie die einzige Bezugsperson. Sie weiß, die Erinnerungen ihrer Mutter sind löchrig geworden, sie versucht durch viele Gespräche ihre eigenen Gedächtnislücken aus der Vergangenheit zu füllen. Sie will sich noch ein vollständiges Bild ihrer Mutter machen, bevor es zu spät ist. Doch noch sind es Puzzleteile, nicht alles passt zusammen, viele Teile fehlen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Dabei kommen auch Moni viele Erinnerungen an ihre Kindheit. Den fehlenden Vater, die strenge Mutter. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter war und ist nicht immer einfach. Dennoch kann sich Moni von der Mutter nicht richtig lösen. Iris Blauensteiner hat eine aussergewöhnliche, ungewöhnliche Sprache. Die Seiten im Buch sind nicht vollgeschrieben. Immer wieder nur ein Absatz oben auf der Seite. Dann Leere. Passend zur Geschichte - manchmal nur wie Fragmente wirkende Passagen. Dann wieder Wechsel zur Vergangenheit. Erinnerungen, Erlebnisse, zurückreichend auch zu den Großeltern. "Mein Gesicht ist zu eng, es knittert und bricht. Ich denke, es ist die Pflege, ja und auch etwas anderes, etwas das stochert und ununterbrochen kurz vorm Platzen ist. Ausgesprochen wäre es in der Welt und würde wüten. ....Und dann merke ich, dass ich mich zu weit ausgedehnt habe und konturenlos bin..." S. 14 Nicht immer leicht zu lesen, man muss innehalten um zu verstehen, auch wenn die Autorin von "brechenden Salatherzen", oder vom essenden Großvater erzählt, dessen " Mund ist eine Höhle. Sie beginnt am Tellerrand" (S. 73) oder "ich spüre ein Stechen in der Brust, als würde es bersten, hohe, zerlaufene Töne" (S.155) schreibt. Ein trauriger Roman, bei dem es um einen langen Abschied geht. Ein melancholischer Roman, am Ende mit einem kleinen hoffnungsvollem Zeichen. Ein nachdenklich machender Roman, der zeigt, dass man nicht ewig Zeit hat um sein eigenes "Puzzle" zu vervollständigen.

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    • 7
  • ungewöhnlich

    Kopfzecke

    Bücherwurm

    24. August 2016 um 00:32

    Bevor ich mit der eigentlichen Kritik zum Buch "Kopfzecke" der Autorin Iris Blauensteiner beginne, möchte ich dem Verlag kremayr scheriau für diese aufwendige, liebevolle, ideenreiche und rundum gelungene Gestaltung der Hardcover Ausgabe danken. Ich kann und muss gestehen, dass ich noch nie zuvor ein so schönes Buch gesehen habe. Und nichtsdestotrotz ist die Ausgabe unaufdringlich. Die raffinierte Gestaltung fällt erst bei genauerer Betrachtung ins Auge.Und genau dies trifft auch für den Inhalt des Buches zu.Auch hier ein Geständnis: Ich habe etwas völlig anderes erwartet!Laut Klappentext ein Buch über den Verfall einer demenzkranken Mutter, die für die Tochter unerreichbar wird.Da ich selbst schon mit Demenz im Krankenhaus zu tun hatte, auch Kunden mit Alzheimer hatte, und ein Faible für neurologische Bücher habe, die sich oft um das Thema Gedächtnis, Alterung des Gehirns und auch Fehlleistungen desselben drehen, hatte ich eine gewisse Vorstellung, was mich wohl erwarten wird.Und doch ist dieses Buch, zwar nicht am Thema vorbei, aber doch ganz anders: Auffallend der blumige Schreibstil. Die Autorin scheint mehr mit Beschreibung und Formulierung über Aussehen und Farben der Umwelt beschäftigt, wer jedoch genau hinliest, der wird manche Metapher erkennen können.Die Mutter, welche betroffen ist, lebt noch eigenständig im eigenen Haus, hat sehr viele klare Momente, aber, wie es auch bei sehr alten, nicht dementen Menschen der Fall ist: Der Blick kehrt sich in die Vergangenheit. Und die war, auch politisch bedingt in der Nachkriegszeit, sehr bewegt. Dinge, Taten, Entscheidungen, die jung getroffen wurden, wiegen im Alter plötzlich schwer. Dinge, die man als abgeschlossen ansah, sind plötzlich sehr aktuell. Die Tochter erfährt nun manches, was ihr vorher nie zugänglich war, und sie weiß, hier ist letztmalig die Gelegenheit mehr über die eigene Herkunft, den fehlenden Vater und die Familie, besonders aber über die Mutter als junge Frau zu erfahren.Das Buch ist sehr persönlich. Es beschäftigt sich weniger mit der Diagnose, es ist mehr eine Art Tagebuch einer Tochter, die zur innig geliebten Mutter den Kontakt verliert, Abschied nehmen muss und ihr eigenes Leben neu orientieren muss, nun, da die Hauptperson im alltäglichen Leben fehlt.Jedem Ende folgt ein neuer Beginn. Was mich aber nachhaltig veränderte: Ich habe noch während des Lesens meine Einstellung zu meinem eigenen Leben geändert und Entscheidungen neu überdacht. Ich möchte am Ende meines Lebens nicht feststellen, dass ich verdrängte Probleme nicht verarbeiten konnte.

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  • Ein leises, intensives Buch...

    Kopfzecke

    Nepomurks

    23. August 2016 um 11:53

    Demenz und ein Leidensweg. „Kopfzecke“ von Iris Blauensteiner, ein Roman der wegen der Schwere des Themas unter die Haut geht und nachdenklich stimmt. Alzheimer, eine Erkrankung die nicht nur die Patienten trifft, sondern auch eine ganz besondere Herausforderung für alle Angehörigen und das engere Umfeld darstellt. Dieses Buch behandelt einen solchen Fall. Moni, deren Mutter an Alzheimer leidet, sieht sich durch das Voranschreiten der Erkrankung vor viele neue und ungeahnte innere wie äußere Konflikte gestellt. Die Erinnerungen schwinden und Moni wird immer deutlicher klar, dass sich mit den Erinnerungen auch ihre Mutter immer weiter verflüchtigt. Zudem gibt es doch noch so viele offene Fragen zu Moni‘s Leben, auf deren Antworten Moni nun mehr oder weniger vergebens hofft.Es ist ein stilles, leises Buch. Der Titel hätte nicht passender sein können. Kopfzecke. Das „Tier“ Alzheimer, das förmlich die Erinnerungen aus dem Körper oder dem Hirn der Betroffenen „saugt“. Ein Ungeziefer, gegen das es kein Heilmittel gibt.. Es ist ein nachdenkliches Buch. Man leidet mit Moni mit, aber auch mit der dahin schwindenden Mutter. Man kommt ins Grübeln, wie es wäre, wenn die eigenen Eltern von dieser Erkrankung betroffen wären. Es macht traurig. Durch den wenig aufgeregten und doch intensiven Schreibstil kommen die Emotionen ganz nah an den Leser heran. Die Autorin hat mit sehr viel Feingefühl die Situationen und Empfindungen, die Entwicklung und das Scheitern an den Herausforderungen beschrieben. Moni, die dem Druck kaum gewachsen scheint, immer wieder einbricht und sich doch aufrafft, die Mutter auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Wahrlich kein angenehmes Thema und das Buch spiegelt dies perfekt wider. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der stark genug ist, die hier niedergeschriebenen Emotionen zu ertragen. Mir kamen doch das ein oder andere Mal die Tränen. Trotz der Schwere ein tolles, intensives und eindrucksvolles Buch! 5 Sterne.

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    • 2
  • Moni sagt Tschüss

    Kopfzecke

    TochterAlice

    21. August 2016 um 22:55

    Es ist ein langsamer Abschied, den Moni von ihrer Mutter nimmt, ja gezwungen ist, zu nehmen, denn die Mutter ist dement und entschwindet allmählich. Moni, die ihre Mutter liebt, begleitet sie in dieser schweren Zeit und es ist mehr als das - Moni ist stets für ihre Mutter da, körperlich und auch geistig, versucht ihrerseits weiterhin mit dieser im Dialog zu bleiben.Eine schwierige und qualvolle Zeit, in der doch immer auch die Liebe der Tochter hervorblitzt. Aber nicht nur, denn dies ist kein beschönigendes Buch - Moni durchläuft ein ganzes Spektrum an Empfindungen, wieder und wieder, sie ekelt sich, dann wieder sucht sie ihre alte, ihre echte Mutter, dann ist sie hoffnungslos, dann spürt sie Nähe und, und, und...Dies alles in der sehr eigenen,kraftvollen, dennoch für mich etwas sperrigen Sprache der Autorin Iris Blauensteiner verfasst, hat einen sehr besonderen, eigenen Roman ergeben, der sicher viele bis ins Mark trifft, auf mich jedoch phasenweise befremdend gewirkt hat - befremdend auf eine durchaus bereichernde Art - es sind Wahrnehmungen, in die ich mich schwer hineinversetzen kann, auch der ganz besonderen Umsetzung fällt es schwer zu folgen.Ein ganz besonderer Abschiedsgruß in einer schweren Situation - ein kleiner, harter Roman - schwere Kost im besten Sinne.

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  • Kopfzecke...Demenz, wie geht es weiter?

    Kopfzecke

    dreamlady66

    18. August 2016 um 16:49

    Kopfzecke, ein Roman von Iris Blauensteeiner mit 174 Seiten in 7 Abschnitten mit schönem Einband in Hardcover und violettem Leseband (finde ich sehr gut).Das Cover deutet auf Irrungen und Verwirrungen wie in einem Labyrinth hin.Manche Texte sind nur kurz auf einer halben Seite, also keine durchgehend beschriebene Seite, kannte ich bisher so nicht.Aber es gibt dem Leser die Möglichkeit des Überdenkens.*********************************************************Der Roman beschreibt Moni's Leben mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter. Es ist schon sehr bewegend, wie Moni neben ihrem Beruf ihrer Mutter pflegt, manchmal bis zur Erschöpfung. Aber es gibt auch glückliche Momente, wo beide sich sehr nahe kommen, wie zB in Erinnerungen an die Kindheit.Beispielsweise sucht die Tochter ihren Vater. Wer ist dieser Mann, den die Mutter in ihrem Kopf immer wieder erwähnt? Aber, er bleibt im Nebel...Zu diesem Roman blieben viele Fragen offen, aber auch zum Nachdenken.Daher ist dieses Buch sehr zu empfehlen, da diese Krankheit doch teilweise in der "Tabuzone" steckt und somit zur besseren Aufklärung und Verständnis beiträgt.DANKE an den Verlag_Kremayr-Scheriau für Eure Zusage sowie superschnelle Belieferung - ich freute mich über meine Teilnahme an dieser LR!

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  • Schonungsloses Abschiednehmen

    Kopfzecke

    freiegedanken

    18. August 2016 um 10:59

    Wie ist es, wenn man die eigene Mutter im Sterben begleitet? Was sollte man noch mit der Mutter klären, bevor sie für immer gegangen ist? Wie nimmt man am besten Abschied? Keine leicht zu beantwortenden Fragen. In dem Roman „Kopfzecke“ von Iris Blauensteiner begleitet eine Tochter ihre demenzkranke Mutter an ihren letzten Tagen. Es lässt sich erahnen, dass es schwere Zeiten sind für Moni, die in jeder freien Minute, oft überfordert und gestresst, ihre Mutter in ihrer Wohnung besucht, um sie zu pflegen und bei ihr zu sein. Da die Mutter, in zunehmend geistiger Umnachtung begriffen, immer wieder von einem ominösen „Nebelmann“ spricht, glaubt Moni noch ein Geheimnis aufdecken zu müssen. Ein Geheimnis, welches vielleicht ihre eigene Herkunft, ihren Vater näher erklärt. Und so wird diese kurze Geschichte zwischen Mutter und Tochter sowohl zu einer Art Sinnsuche als auch ein langes Abschiednehmen unter erschwerten Umständen. In vielen kurzen Sequenzen beschreibt Blauensteiner die Gefühlswelt der Hauptprotagonistin, umreißt letzte Begegnungen mit der Mutter und gibt knappe Einblicke in die Vergangenheit der Beiden. Viele Zusammenhänge bleiben Suggestiv, im Dunkeln, dem Leser überlassen. Es kristallisiert sich dabei eine zutiefst einsamen und verängstigte Tochter heraus. Beispielsweise wenn Moni von der Mutter berichtet: „Sie zeigte mir ihre Angst, die mich von ähnlichen Dingen fernhält, die sie enttäuschend erlebt hat.“ (S. 143) Schließlich stirbt die Mutter und sie scheint Monis Verkrampfung und einen großen Teil ihres Unglücks mit ins Grab zu nehmen. Moni bleibt zurück und man erahnt, dass es ihr in einer Art Befreiungsschlag nun besser gehen wird. Dieses kurze Buch hat eine ganz schöne Wucht, weil seine Autorin es versteht den Leser mit allen negativen und brachialen Gefühlen zu konfrontieren, die dieses schwere Thema nun mal mit sich bringt. Schonungslos konfrontiert die Autorin mit dem Beschreiben von schrecklichen Gedanken, Ängsten und Taten, sodass ein beklemmendes aber realitätsnahes Bild entsteht. Man muss aufpassen, dass man von dieser Ehrlichkeit nicht erdrückt wird und sollte öfter mal inne halten. Die Demenz der Mutter und deren Entwicklung bleibt in "Kopfzecke" zweitrangig, stattdessen wird hier eine intensive Beziehung, in der nicht alles geklärt zu sein scheint, beleuchtet und das schwere Abschiednehmen voneinander.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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  • Ereignissplitter, Realitätsschnipsel

    Kopfzecke

    leselea

    18. August 2016 um 09:36

    Kopfzecke: Ein kleines, feines Büchlein aus dem Hause Kremayr & Scheriau. Wenn ein Verlag Geld in die Hand nimmt, um nicht nur einfach Bücher auf den Markt zu bringen, sondern kleine gedruckte Kunstwerke, die durch ihr optisches Design und die hochwertige Verarbeitung bestechen, so darf das in einer Rezension, finde ich, ruhig erwähnt werden. Unbedingt erwähnt werden muss, dass der Verlag einer talentierten Jungautorin Raum für ihre Stimme gewährt – eine Stimme, die gewaltig und klar, dabei aber unheimlich zart daherkommt. Mein Einstieg deutet es vielleicht schon an: Kopfzecke von Iris Blauensteiner ist eines dieser Bücher, die man – oder zumindest ich – hauptsächlich aufgrund der Sprache und des Erzähltons liest. Ein Buch, bei dem man die Sätze immer und immer wieder liest, weil sie so schön klingen, weil sie so wahr sind, weil sie Emotionen auf die genau richtige Weise anfangen. Ein Buch, bei dem Alltägliches und Nebensächliches, kleinste Details, die sonst untergehen, in schöne, starke, feine, wehmütige Sätze verpackt werden, die wirken, die einen treffen, die nachdenklich stimmen. Dabei ist die Syntax keines Falls komplex, im Gegenteil: Es sind kurze, knappe Sätze, die in ebenso kurzen und knappen Absätzen zusammengestellt werden und doch so viel Bedeutung ausstrahlen. Hinzu kommt ein melancholischer, fast schon nebulöser Erzählstil, der bei mir etwas bewirkt hat, das nur selten passiert: Die Lektüre dieses Buches hat mich innerlich ganz ruhig gemacht, lies mich vorsichtig und umsichtig durch die Seiten tapsen; das Lesen des Romans entschleunigte mich, enthob mich der Zeit und des Ortes. Ich muss sie behandeln wie ein Kind, denn sie ist meine Mutter. (S. 126) Selbstverständlich hat der knapp 175 Seiten lange Roman auch einen Inhalt, eine Story – und zwar eine, die hervorragend mit der Art des Erzählens korrespondiert (bzw: umgekehrt: die Art des Erzählens fängt den Inhalt treffgenau ein). Er handelt von Moni und ihrer Mutter, die an Demenz erkrankt ist. Es geht um die Bürde der Pflege und den Alltag mit einem Menschen, der sich selbst, die eigene Tochter, die gemeinsame Vergangenheit vergisst. Gerade diese Vergangenheit nagt aber an Moni: Sie will Antworten, Antworten auf Fragen, die sie gar nicht explizit formulieren kann, die aber die eigene Biografie betreffen, den abwesenden Vater, die Härte der Mutter. Blauensteiners Geschichte bewegt sich zwischen dieser drückenden Gegenwart und der im Dunklen liegenden Vergangenheit, was durchaus eine gewisse Spannung in diesen stillen Roman hineinträgt. Mehr als das Was ist geschehen? steht jedoch die Frage Wie geht man mit dieser Situation um? im Vordergrund. Positiv und beeindruckend ist dabei die durchgängige Nicht-Schönfärberei der Autorin: Schlimme Gedanken, böse Taten, körperliche Gebrechen, Schmerz, Wunden – psychische wie physische, alte wie neue – werden nicht ausgespart, sondern überdeutlich beschrieben und in den Fokus gerückt. Hier darf die Tochter nicht nur Mitleid mit der demenzkranken Mutter haben, sondern auch wütend, genervt, gestresst, lustlos, überfordert sein. Kopfzecke ist somit ein unheimlich ehrliches und authentisches Buch, das dem „Hässlichen“ im Leben, dem „Hässlichen“ der Krankheit viel Raum einräumt. Für mich ist Kopfzecke ein sehr eindringlicher und bewegender Roman, der einem bei aller Schwere der Thematik immer wieder mit seinen sprachlichen Schönheiten zu begeistern weiß. Doch was vom Damals übrig bleibt, zerfällt, sobald man es ansieht, sobald man zerlegt, sobald man meint, etwas in der Hand zu halten, etwas Wirkliches, etwas das stimmt. (S. 92)

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  • Sehr düsteres, zum Nachdenken anregend Buch über den Abschied.

    Kopfzecke

    Maybeangle

    17. August 2016 um 13:28

    Ja, was sag ich nun zu einem Buch, was mich auf der einen Seite zum Nachdenken gebracht hat, aber vor dem ich mich auf der anderen Seite auch angefangen habe zu ekeln und es zeitweise nicht mehr lesen wollte? Iris Blauensteiner hat bewiesen, dass sie mit Worten umgehen kann - in dem Buch finden sich viele schöne Formulierungen, Metaphern und abstrakte Beschreibungen, die, wenn man den Inhalt außen vor lässt, atemberaubend sind. Auch die kurzen Abschnitte, diese Kunst, Pausen zu lassen und dem Leser die Möglichkeit zu geben, inne zu halten, bevor der weiter ließt, ermöglichen es, in die Geschichte einzutauchen. Sofern man das möchte. Ich wollte es nicht. Ich wollte weder Moni noch ihrer Mutter in meinen Kopf, in mein Herz lassen, denn dafür waren mir ihre Gedanken zu düster, ihre Gefühle zu schwarz und ihr Leben zu eintönig und Hoffnungslos. Ich hatte Angst, mit ihnen zu versinken, unter zu gehen und nicht mehr an die Oberfläche zu finden.Ich habe bei dem Buch eine Geschichte um das Thema Demenz erwartet, darum, wie es ist, zu vergessen. Wie man damit lebt. Doch viel mehr ist es ein Buch des Abschiednehmens. Es geht mehr um die schreckliche Kindheit von Erika, Monis Mutter und auch um Monis eigenes Leben - und kaum um die Krankheit selber. Ein wenig habe ich mich gehetzt gefühlt, so wie Moni, weil sie unbedingt das Puzzel, das Leben ihrer Mutter, zusammen setzen möchte, bevor es zu spät ist. Es war anstregend und auslaugend, das Buch zu lesen. Aber bei diesem Thema muss man fast damit rechnen. 

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