Iris Hanika Das Eigentliche

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Inhaltsangabe zu „Das Eigentliche“ von Iris Hanika

Hans Frambach ist Archivar im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung. Für seine Freundin Graziela ist Fassungslosigkeit über die Verbrechen der Nationalsozialisten ebenfalls wesentlicher Lebensbestandteil. Das klingt nach einer ziemlich trockenen und sehr deutschen Angelegenheit, doch wenn Iris Hanika in ihrer bestechend lakonischen, sehr genauen Sprache das Leben einiger ziemlich seltsamer Figuren entfaltet, entwickelt das schnell eine ganz eigene, bestürzende Komik: Gerade weil wir beim Lesen immer dunkel spüren, dass wir alle gemeint sind, wenn Iris Hanika über die Verirrungen ihrer Protagonisten spricht und dabei treffsicher auf uns Leser zielt.

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    Das Eigentliche

    Wortklauber

    22. February 2014 um 11:50

    Ein dünnes Buch ist das, gerade mal 175 Seiten. Und dann sind auch noch einige Seiten nur spärlich bedruckt oder gleich ganz leer – „Raum für Notizen“! Was soll denn das? Pure Seitenschinderei? Manchmal beginnen Dialoge in Kleinbuchstaben. Druckfehler? Sätze werden mittendrin umgebrochen. Satzfehler? Und die Perspektive verändert sich auch mittendrin. Plötzlich befindet sich der Leser im Kopf dieser seltsamen Figur, aus deren Sicht der Roman bisher (und nachfolgend) in der Er-Form erzählt wird. Reine Willkür? Und diese ganzen Zitate, Fundstellen, Literaturhinweise – so was gehört doch eher in Fußzeilen, wenn überhaupt!? „Das Eigentliche“ ist der zweite Roman von Iris Hanika, Nachfolger von „Treffen sich zwei“, der es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte. In diesem Roman, erschienen 2010, geht es auch um zwei Menschen, einen Mann und eine Frau, um Hans Frambach, Archivar am Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung, und seine beste Freundin Graziela Schönbluhm. Gemeinsam war ihnen immer das Leiden an der deutschen Vergangenheit; keine Bahn konnten sie besteigen, ohne an die Züge in die Konzentrationslager zu denken. Bis Graziela sich eines Tages durch die Beziehung zu einem (verheirateten) Mann mehr aufs Fleischliche verlegte. Für Hans hingegen ist die Vergangenheit immer noch sehr präsent. Von Alpträumen geplagt, ist so beim Aufwachen in aller Frühe sofort der Gedanke da, dass dies eine gute Stunde für Gestapo-Überfälle sei. Als er nach Schanghai fliegen soll, um einen bislang verschollenen Nachlass eines Überlebenden zu sichern, legt er sich mit der Sekretärin an und gegen seinen Vorgesetzten auf. Aber welche Chancen hat ein kleines Rad wie Frambach gegen so einen Manager des Schreckens, gewieft, immer im Dienste der Ausgabe, die Vergangenheit dem Dunkel zu entreißen und in ein helles Licht zu stellen? Einen Mann, der Mitarbeiter fristlos entlässt, die das verqualmte Treppenhaus despektierlich als Gaskammer bezeichnen und der bedauert, dass kein Geld für Denkmäler da sei, solange es noch so viele zu entschädigende Zwangsarbeiter gäbe? Frambach, neurosengeplagter Einzelgänger am Arbeitsplatz und überhaupt, zweifelt immer mehr am Sinn und Zweck seines Tuns. Auf einer Reise nach Auschwitz-Birkenau erkennt er mit Schrecken, dass er im Begriff ist, den Weg der KZ-Insassen zu den Gaskammern nachzugehen; nicht weitergehen kann er, aber auch nicht umkehren, alles fühlt sich falsch an. Eine kirchliche Gedenkveranstaltung, noch nicht einmal beruflich bedingt besucht, bringt ihn an den Rand des Zusammenbruchs. Höchste Zeit für Frambach, sich zu befreien. Wer sich über leere Seiten ärgert, sollte dieses Buch nicht kaufen.

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