Elisabeth Frühling wird in wenigen Monaten 75 Jahre alt. Seit 50 Jahren ist sie ausschließlich Hausfrau, Ehefrau, Mutter und Oma. Sie ist keinem Beruf nachgegangen, war niemals im Urlaub und hat noch nicht mal ein eigenes Konto. Von ihrem ihr zugeteilten Haushaltsgeld leistet sie sich nun einen Roman. Und "Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg..." verändert ihr Leben. Denn auf einmal beginnt sie darüber nachzudenken, was sie vom Rest ihres Lebens erwartet. Ein Ehemann der sie auch mit seinen 80 Jahren noch betrügt und eine Tochter, die sie nur bevormundet, kann doch nicht alles sein. Dann trifft sie auf Karl den Großen und mit ihm entdeckt sie sich plötzlich selbst. Doch nun weißt sie das Leben in ihre Schranken . . .
Ich hatte zugegebenermaßen nicht viel von diesem Roman erwartet. Ein preiswertes E-Book, ohne Verlag, mit sperrigem Titel. Etwas Seichtes halt, ohne großen Anspruch. Vielleicht "alte-Damen-Lektüre". Aber welche Überraschungen doch manchmal zwischen zwei Buchdeckeln stecken. . .
Wir erfahren aus den Erinnerungen der naiven Elisabeth eine Menge aus ihrem vermeintlich ereignislosen Leben und sie zeigt uns damit, dass sie sich zwar immer ihren Umständen anpasste, aber trotzdem eine Menge Stärke in sich tragen muss, um ihr Leben gemeistert zu haben. Eine Kindheit im 2. Weltkrieg, ein herrischer "Führer"-Vater, eine Flucht aus der DDR, ein liebloser Ehemann. Man möchte ihren Mann und ihre Tochter durchgehend anschreien und fragt sich, wie es Elisabeth so lange in ihrem Käfig aushalten konnte.
Doch jetzt, mit fast 75, darf sie endlich Liebe erfahren. Das geht beim Lesen sehr zu Herzen und man fiebert durchaus mit ihr mit.
Die Sorge zum oberflächlichen Inhalt verschwindet früh, denn von Kapitel zu Kapitel nimmt die Tragik der Geschehnisse zu. Und trotzdem ist es kein schweres Buch! Humor und Ironie schaffen es, dass die Leichtigkeit der Covergestaltung trotzdem erhalten bleibt.
Der Stil des Buches erinnerte mich persönlich stark an den Stil des Autors der "den Hundertjährigen. . . " geschrieben hat. Wahrscheinlich Absicht, vielleicht eine Hommage.
Eine unerwartete, positive literarische Überraschung der ich 4 Sterne vergebe.





















