Iris Radisch

 3,8 Sterne bei 49 Bewertungen
Autor*in von Camus, Die Schule der Frauen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Iris Radisch, geboren 1959, ist Literaturredakteurin der Wochenzeitung "Die Zeit". Sie war Mitglied des "Literarischen Quartetts", ist seit 2003 Juryvorsitzende des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt und moderiert seit Herbst 2006 für das Schweizer Fernsehen und 3sat die Büchersendung "Literaturclub". Die "Schule der Frauen" ist ihr erstes Buch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Iris Radisch

Cover des Buches Camus (ISBN: 9783499628016)

Camus

(23)
Erschienen am 24.10.2014
Cover des Buches Die Schule der Frauen (ISBN: 9783442155064)

Die Schule der Frauen

(7)
Erschienen am 11.08.2008
Cover des Buches Wir haben es satt! (ISBN: 9783701715763)

Wir haben es satt!

(6)
Erschienen am 20.09.2011
Cover des Buches Die letzten Dinge (ISBN: 9783499631115)

Die letzten Dinge

(4)
Erschienen am 21.10.2016
Cover des Buches Die Besten (ISBN: 9783492247900)

Die Besten

(3)
Erschienen am 01.03.2008
Cover des Buches Mein Jahrhundertbuch (ISBN: 9783518455548)

Mein Jahrhundertbuch

(1)
Erschienen am 05.11.2003
Cover des Buches Die Besten 2007 – Klagenfurter Texte (ISBN: 9783492051194)

Die Besten 2007 – Klagenfurter Texte

(1)
Erschienen am 01.10.2007

Neue Rezensionen zu Iris Radisch

Cover des Buches Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben (ISBN: 9783498058142)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben" von Iris Radisch

Trishen77
Mit viel Esprit durch die französische Literatur seit 1940

"Ein französischer Schriftsteller benötigt keine Gebrauchsanweisung für Paris, weil er sie seit jeder kennt: Für die ersten Küsse kommen nur der Pont Neuf oder der Pont Alexandre III in Frage. Selbstmord begeht man von der Pont Mirabeau. Begraben wird man auf dem Friedhof Montparnasse. […] Obwohl der starke Einfluss zumal der deutschen Philosophie auf die Pariser Schriftsteller nicht zu übersehen ist – kein Sartre ohne Hegel, Heidegger und Husserl, kein Camus ohne Nietzsche –, bilden die Fußnoten ihrer literarischen und philosophischen Essays noch immer ein Kompendium ausschließlich französischer Nationalliteratur. Paris hat an sich selbst genug.“


Frankreich nach dem 2. Weltkrieg – es gibt einiges aufzuarbeiten. Nicht die ganze französische Bevölkerung war in der Resistance, Vichy ist noch ein Tabu, langsam aber sicher entsteht ein Selbstbewusstsein in den afrikanischen und den Übersee-Kolonien und nach dem Quasi-Ausscheiden des Faschismus werden die beiden Ideologien Kommunismus und markwirtschaftlicher Kapitalismus zu Projektionsflächen für allerhand Theorien, Diskussionen und Werke zur Verbesserung und Neuordnung der Welt und des Menschenschicksals, mitsamt den Heilsversprechen und Dämonisierungen.


Iris Radisch hat den Einstieg gut gewählt, nicht nur weil sie ihr Buch so mit ein paar der prägendsten und heute noch populären französischen Autor*innen und Denker*innen beginnen kann – Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir etc.; Gestalten und Namen, die bis heute eine bedeutsame (wenn auch dann und wann eher popkulturelle) Aura umgibt und deren Werke auch in heutigen Debatten noch eine Rolle spielen, ob es nun um Feminismus, Postkolonialismus oder das Individuum in einer durchstrukturalisierten Gesellschaft geht.

Sondern auch, weil dieser Moment tatsächlich einen Umbruch in der frz. Literatur darstellt. Vor dem 2. Weltkrieg, vor allem in den Roaring Twenties, war Paris das Zuhause der Lost Generation, die zu großen Teilen aus ausländischen Autor*innen bestand, aber auch der Surrealisten und Expressionisten, sowie der letzten Überbleibsel der Intellektuellen und Dichter*innen des Fin de Siècle.


Diese Mischung brachte sehr viel progressive neue Formen und Ideen hervor und machte außerdem viel Furore. Aber die wesentlichen Akzente der (post-)modernen französischen Literatur, vor allem der Roman- und Essay-/Theorieliteratur, die heute immer noch den wichtigste Bestandteil der Produktion darstellt – mit dem Anspruch der Gesellschaftsdurchdringung, zwischen Weltanschauung und Darstellung angesiedelt – hat ihre Wurzeln in den 40er und 50er Jahren, bei den Existenzialisten und ihren Antipoden.


Bei ihnen beginnt Radisch ihre launige Reise durch die neuere französische Literaturgeschichte und wirft zahllose Schlaglichter auf die Arenakämpfer und Außenseiter der Jahrzehnte zwischen 1940 und 2015. Diese Reise wirkt dann und wann etwas ungeordnet, aber fesselt so gewandt und locker, fast schon spielerisch, dass einem die Sprunghaftigkeit, das Wechseln von Verlaufen und Bündeln, nicht wirklich negativ auffällt.


Bemerkenswert ist, wie es Radisch gelingt, den vielen Protagonist*innen ihres Buches gerecht zu werden, weder ihre Verdienste noch ihre blinden Flecken und Verfehlungen zu favorisieren, sondern beides auf anschauliche Weise einander gegenüber zu stellen und so Ambivalenzen, Stärken und Schwächen hervorscheinen zu lassen. Immer wieder arbeitet sie außerdem geschickt die höheren Korrespondenzen, die Bezüge und Einflüsse heraus. In späteren Abschnitten wechselt sie dann und wann aus der Geschichtenerzählerinnenrolle in die Rolle der protokollierenden Interviewerin, wenn es um Zeitgenossen geht, die sie selbst noch getroffen hat. Sie versucht jedem Charakter auf eigenen Weise nachzuspüren.


Herausgekommen ist ein fabelhaftes Buch, das ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Gewiss, es ist keine erschöpfende Studie und die Lust am spitzen Kommentar und am Esprit wird Radisch vielleicht zum Vorwurf gemacht werden; auch die persönliche Auswahl bietet natürlich Angriffsflächen. Aber bei solchen Einwänden würden die Kritiker*innen übersehen (oder verschweigen), dass dieses Buch mit einer solchen Leidenschaft für die Literatur und ihre Möglichkeiten geschrieben wurde, dass zumindest ich bereit bin, im Sog dieser wunderbaren Heranführung an Werke, Gestalten und Anekdoten, nicht noch irgendwelche zu kurz greifenden Kritteleien anzubringen – die vielleicht hier oder da greifen mögen, aber das Buch in seinen Intentionen und, ja, seiner Schönheit, nicht ernst nehmen würden.


Wer nicht nur einen guten Überblick über die neuere französische Literatur bekommen, sondern dabei auch gern noch Spaß haben und neue Lust auf ganz unterschiedliche Lektüren bekommen will, dem empfehle ich „Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben“. Es ist ein wunderbares Buch. Und zusätzlich empfehle ich eine Lektüre der vorgestellten Werke, insbesondere der von Albert Camus und Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir (und Simone Weil, die leider keinen Platz im Kosmos dieses Buches bekommt). Denn Radisch trifft es auf den Punkt, wenn sie schreibt:


„Bis heute hat sich die Anziehungskraft ihrer Motive – großzügig und verschwenderisch in schneller, freier Fahrt zu leben, ohne materielle oder metaphysische Anschnallgurte, ohne Angst vor Irrtum und Zufall – nicht verloren. Im Gegenteil. Ihre Fragen nach Freiheit, nach persönlicher Verantwortung und nach einem authentischen Leben sind in Zeiten umfassender Überwachung und Steuerung durch anonyme Systeme drängender denn je. Vertieft man sich in die Romane und Tagebücher der Existenzialisten, ist es, als kehre man nach Hause zurück.“

Cover des Buches Die letzten Dinge (ISBN: 9783499631115)
Federfees avatar

Rezension zu "Die letzten Dinge" von Iris Radisch

Federfee
Kaum Erkenntnisse für andere ältere Menschen

Ich hatte es so verstanden, wie mir die Einleitung vorgegaukelt hat, dass sich alte Menschen - hier nur Schriftsteller - zum Alter äußern und dass man aus diesem Buch etwas mitnehmen könnte, weise Gedanken, Anregungen, Überlegungen.


So habe ich es aber nicht empfunden. Friederike Mayröcker sagt: "Wo ich nichts exzerpieren kann, lese ich auch nichts." (126) Demnach hätte ich dieses Buch überhaupt nicht lesen müssen. Um bei der Wahrheit zu bleiben: ab ungefähr der Mitte habe ich die Interviews nur noch überflogen, mache der Befragten als sehr unsympathisch und unglücklich empfunden wie z.B. den Polterer Reich-Ranicki, und habe mich gewundert, dass sie aus ihrer Alterssicht so wenig zu diesem Thema zu sagen haben und dass es bei einigen um Gott und Religion geht. Vielleicht lag es aber auch an den Interviewfragen?


Wer sich für die Äußerungen alternder Schriftsteller interessiert (Grass, Walser, Butor, u.a.), dem mag das Buch etwas bieten. Mir hat es nicht gefallen. Ich dachte: Thema verfehlt.

Cover des Buches Camus (ISBN: 9783499628016)
UteSeiberths avatar

Rezension zu "Camus" von Iris Radisch

UteSeiberth
Lebensgeschichte eines für mich wichtigen Literaten

Mit großem Interesse habe ich diese Biografie von Iris Radisch gelesen,bei der man deutlich merkt,dass sie Camus und seine
Bücher sehr gut kennt.Es ist eine schöne Würdigung zum 100.
Geburtstag von Camus und zeigt sein Leben,das in einer armen Gegend in Algerien beginnt bei einer Mutter,die nicht sprechen kann
um in Paris Sartres Gegenspieler zu werden.Camus ist mir noch sympathischer geworden durch seine philosophischen und moralischen Ansichten,die ich so genau nicht gekannt hatte.
Schade,dass er so früh verstorben ist !Wer weiß,was er noch
alles geschrieben hätte!

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