Irma Joubert Das Mädchen aus dem Zug

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Inhaltsangabe zu „Das Mädchen aus dem Zug“ von Irma Joubert

Polen 1944: Die kleine Gretel hat zwar alles verloren, aber sie ist schlau und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. In Jakób findet sie einen Beschützer, der das Mädchen mit den jüdischen Wurzeln nach dem Krieg in einem Adoptionsprogramm unterbringt. Dieses bietet Kindern von SS-Offizieren in Südafrika ein neues Zuhause. Für Gretel, die nun Grietjie heißt, ändert sich vom einen auf den anderen Tag alles. Jahre später gerät ihr Leben völlig überraschend in Turbulenzen und sie muss sich mit Fragen auseinandersetzen, die sie bisher verdrängt hat ... Ein Roman über das Leben und die Liebe, der bis zur letzten Seite spannend bleibt, weil die vielen losen Enden auf neue Weise zusammengefügt werden und so für scheinbar unlösbare Konflikte eine überraschende Lösung gefunden wird. Joubert schreibt über Gefühle, ohne dabei sentimental zu werden. (Leserstimme)

Ein wunderschöner historischer Roman ... nur das Ende schwächelt meiner Meinung nach ein kleines bisschen.

— cho-ice
cho-ice

Nachdem ich mich reingelesen hatte konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen! Sehr mitreißend!

— Smilla507
Smilla507

Eines der stärksten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!

— Monika58097
Monika58097

sehr ergreifend!

— hoonili
hoonili

Polen im April 1944: Der Beginn einer tragischen Lebens- und Liebesgeschichte. die einen auch nach dem Lesen nicht so schnell loslässt.

— feee66
feee66

Bewegendes Buch, das zwei Lebensschicksale über mehr als 10 Jahre verfolgt.

— mabuerele
mabuerele

Facettenreich und ergreifend....

— Nirena
Nirena

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    Maerchentraum

    Maerchentraum

    Cover: Das Cover ist in der Farbe gelb gehalten, der Farbe der Hoffnung und zeigt ein junges Mädchen, das sich auf den Weg zu einer Reise macht. Somit passt das Buch richtig gut zum Inhalt und ist auch so sehr liebevoll gestaltet. Super schön! :) Inhalt: Jeder Kapitelanfang ist wunderschön umrandet und der Schreibstil ist wirklich, wirklich gut. Er ist super angenehm und leicht geschrieben und man kann gar nicht mehr aufhören zu lesen, wenn man erst einmal damit begonnen hat. Die Geschichte selber enthält sehr viel Dramatik, das sich im und um das Leben von Millie, der Hauptprotagonistin, abspielt. Aber in der ganzen Dramatik bleibt Millie stark. Vom Inhalt her, ist das Buch nicht sehr leicht, aber da die Geschichte so gut geschrieben ist, findet man sich sofort in dieser Welt wieder und wünscht sich, dass doch noch alles gut wird. Der christliche Aspekt spielt zwar eine Rolle, aber eher subtil. Denn Millie ist in diesem ersten Teil (es kommt aufjedenfall ein Folgeband, auf das ich schon unglaublich gespannt bin) noch dabei ihren eigenen Weg zu finden und auch den Weg zu Gott. So geht es in dieser Geschichte um das Leben und die Tragik, die es enthält, aber auch um wunderbare Freundschaften und Liebe. Fazit: Trotz der ganzen Tragik, die in diesem Buch enthalten ist, ist das Buch so gut geschrieben, dass man in Millies Leben, in ihre Gedanken, Gefühle und Sorgen mit eintaucht. Es ist zwar nicht so leicht, aber das Leben ist auch nicht immer leicht. Trotzdem findet sie letztendlich ihre Leidenschaft und Begabung und ihren eigenen Weg und diesen Weg zu begleiten und dabei zu sehen, was für eine starke Frau Millie wird, kann ich jedem nur empfehlen. Ich fand das Buch unglaublich und es gehört definitiv zu meinen drei Lieblingsbüchern. :)

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    • 3
  • Nach Anfangsschwierigkeiten ein Jahreshighlight

    Das Mädchen aus dem Zug
    Sonnenblume1988

    Sonnenblume1988

    31. December 2014 um 15:01

    Der Anfang des Buches spielt 1944 in Polen: Die 6-jährige Gretel flieht mit ihrer Schwester Elsa aus einem Zug voller Juden Richtung Auschwitz vor dem Tod. Die beiden geben sich als Polinnen aus, um unentdeckt zu überleben. Als Elsa stirbt, wird Gretel vom Studenten Jacób in Obhut genommen, der in der polnischen Widerstandsbewegung gegen die Deutschen kämpft. Vier Jahre lang kann er Gretel bei seiner Familie unterbringen, doch dann werden Platz und Nahrung zu knapp. Das Versprechen, Gretel zu ihrem Onkel in die Schweiz zu bringen, kann er nicht einhalten. Als er von einem Adoptionsprogramm hört, dass verwaiste deutsche Kinder in einer Familie in Südafrika unterbringen soll, trifft Jacób eine Entscheidung… Dieses Buch hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, beim Lesen durchzuhalten. Als Belohnung habe ich einen echten Schatz entdeckt. Zu Beginn des Buches bin ich mit dem Lesen schlecht vorangekommen. Ich musste mich sehr konzentrieren um mich in die Handlung hineinzudenken, mir die Namen zu merken und die Andeutungen, die durch die kindliche-naive Erzählperspektive von Gretel entstehen, zu interpretieren. Doch nach einiger Zeit des Einlesens hat mich die Geschichte gepackt und ich konnte problemlos folgen. Nach den ersten 100 Seiten ließ das Buch sich schnell und flüssig lesen und die Geschichte hat mich mitgerissen wie es schon lange keine Geschichte mehr getan hat. Noch immer staune ich über den Tiefgang des Buches: Die Autorin, die selbst in Südafrika lebt, hat aufwendig über die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg recherchiert. Sie bringt viele politische und historische Geschehnisse mit in das Buch ein. Vor allem Jacób ist politisch sehr engagiert und kämpft erst in der polnischen Heimatarmee, später spricht er sich offen gegen den Kommunismus aus und riskiert dadurch sein Leben in Polen. Ein weiterer Aspekt des Tiefganges entsteht für mich durch Gretels Entwicklungsprozess. Der Leser begleitet sie über fast 15 Jahre. Er erlebt, wie sie von den Geschehnissen ihrer Kindheit verfolgt wird und wie sie versucht, diese aufzuarbeiten. So kann das Ausmaß der psychischen Folgen von den Menschen, die damals die NS-Zeit miterlebt haben, erahnt werden. Da das Buch in einem christlichen Verlag erschienen ist, kommt auf die religiöse Komponente nicht zu kurz. Gretel ist evangelisch getauft, doch als sie bei Jacób lebt, nimmt dieser sie mit in die katholische Kirche. Als Gretel nach Südafrika kommt, landet sie in einer streng protestantischen Familie und muss ihren alten, katholischen Glauben verbergen und sich mit einigen Fragen dazu auseinandersetzen. Nicht zuletzt bietet das Buch auch eine tolle Liebesgeschichte, über die ich noch nichts verraten möchte. Auch die Liebe zwischen Eltern und (Adoptiv-)Kind wird in dem Buch sehr deutlich betont und sorgt für eine angenehme Wärme. Ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen und hoffe, dass von Autorin Irma Joubert noch einige weitere Bücher folgen werden. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach auch gut als Geschenk für Menschen, die nicht an Gott glauben, da der Glaube zwar ständig präsent ist, aber unauffällig eingebracht wird. Fazit: Für jeden, der historische Romane mit Tiefgang liebt, wird sich das Buch lohnen. Wer am Anfang Probleme mit dem Reinkommen ins Buch hat, sollte unbedingt durchhalten. Dann erwartet euch eine mitreißende, außergewöhnliche und berührende Geschichte.

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  • Ein Buch mit unglaublicher Tiefe

    Das Mädchen aus dem Zug
    pallas

    pallas

    02. December 2014 um 08:55

    Die Erzählung dieser ergreifenden Geschichte von Irma Joubert beginnt im Nazideutschland des Jahres 1944.  " Die Dunkelheit ist Euer Freund" sagte Oma.  Mit diesen Gedanken beginnt der Überlebenskampf der kleinen sechsjährigen Gretel. Ihre um viele Jahre ältere Schwester Elsa und Gretel springen aus dem Zug, der die von den Nazis selektierten Menschen nach Auschwitz deportieren sollte. Auf der Weiterfahrt dorthin zerreißt eine fürchterliche Explosion jedoch den Zug und zieht alle Menschen darin in den Tod. Elsa und Gretel ziehen heimlich durch das für sie völlig unbekannte Polen. Der polnischen Sprache ebenfalls nicht mächtig irren sie völlig hilflos durch die feindliche Gegend. Nach geraumer Zeit finden sie schließlich eine Unterkunft bei einer sehr armen Familie.  Vom Schicksal ohnehin arg mitgenommen erkrankt auch noch Gretels ältere Schwester Elsa schwer. Als sie schließlich verstirbt bricht für Gretel vollends die Welt zusammen. Gretel lebt fortan bei der hart arbeitenden Großfamilie Kowalski , die ihren ärmlichen Lebensunterhalt in der Landwirtschaft bestreitet. Jedes Mitglied muss seine Aufgaben erfüllen, damit alle in dieser strengen Zeit überleben können. Auch Gretel bekommt ihre Arbeiten im Stall und anderen Bereichen des Haushalts zugewiesen. Jacob, ein Sohn dieser Familie, wird zu ihrer Bezugsperson. So beginnt für die kleine Gretel fast schon wieder so etwas wie Alltag, wäre da nicht der Krieg in den schließlich auch Jacob mit seinem Bruder hineingezogen werden.  Gretel ist ein sehr kluges und folgsames Mädchen und doch muss sie eines Tages das Heim der polnischen Familie Kowalski verlassen. Jacob bringt sie nach Deutschland in ein Waisenhaus. In diesem werden aus den Anwesenden je fünfzig Mädchen und Jungen - allesamt evangelische Waisen - zur Adoption für Familien in Südafrika ausgesucht.  Gretel trifft ebenfalls das Los und sie tritt folglich die Reise nach Afrika an. Dort lernt sie die liebevolle Familie Bernhard und Kate Neethling samt Bruder Kobus kennen. Dies wird nun ihre wahre Familie und sie beginnt sich wohl zu fühlen. Die Adoptionsfamilie erzieht sie im Glauben und stärkt sie darin.  "Wenn du es so schwer hast,dass du das Brennen des Feuers spürst, dann ist Gott da. Er wird Dich nie zu lange im Feuer lassen" diesen Trost gibt ihr ihr neuer Vater mit auf ihren Lebensweg.  Gretel erlernt schon bald die afrikanische Sprache und schafft es mühelos in ihrem Leben weiter zu kommen. Eines Tages nach vielen Jahren steht plötzlich wieder Jacob Kowalski vor ihr. Sie ist sehr verängstigt, da sie befürchtet, dass über Jacob ihre Vergangenheit wieder ans Licht kommen könnte. Eine Zeit des Schreckens, die sie gerne vergessen hätte. Es ereignet sich viel und die Geschichte setzt sicht wunderbar ergreifend fort.  Irma Joubert ist eine sehr erfahrene Buchautorin und Historikerin. Sie hat schon zahrleiche sehr gute Bücher geschrieben, doch dieses ist das Erste in Deutschland erschienene Werk.  Ihre wunderbare einfühlsame Gabe Ereignisse, Schicksalsschläge und und die Gefühle der Menschen in einfacher Weise und gleichzeitig tief ergreifend dar zu stellen ist nahezu einzigartig. Es gelingt ihr diese fürchterliche Zeit des Grauens und der Unmenschlichkeit in eine packende, sehr emotional mitreißende Strory zu fassen und den Leser so auf eine authentische Reise in diese dunkle Zeit des Schreckens mitzunehmen.  Das Buch ist ein literarischer Hochgenuss gewesen. Ich bin auch nach der Lektüre, beim Verfassen dieser Rezension, immer noch tief beeindruckt vom vermeintlich "Miterlebten". Eine so packende Geschichte und eine so schwere Zeit den Lesern in so flüssiger Art und Weise nahe zu bringen ohne jedoch vom Kern der historischen Tatsachen abzuweichen ist in meinen Augen eine echte Meisterleistung. Die Charaktere hat die Autorin professionel, routiniert und sehr sicher gestaltet. Folglich sind sie authentisch detailliert und sehr lebendig geworden. Mit jeder Zeile fühlte ich die Verzweiflung und die Tragik aber auch gleichzeitig die mutmachende Hoffnung in der Gretel lebte mit. Es ist unmöglich sich nicht emotional an Gretel zu binden. Ihr Schicksal lässt die eigene Seele mitzittern, bangen und mithoffen. Ich schäme mich nicht zu gestehen, dass bei der Lektüre auch schon mal die Tränen liefen, nein laufen mussten! Dieses Werk ist für mich einer der Highlights dieses Jahres unter meinen vielen gelesenen Büchern - sehr empfehlenswert. Ein großer und besonderer Dank an den Francke Verlag, der mir liebenswürdigerweise das Buch zur Verfügung gestellt hat. Ein Kleinod der excellenten Schicksalsromane!!!

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  • Gretels bewegende Geschichte

    Das Mädchen aus dem Zug
    britta70

    britta70

    1944, Polen. Ein Zug mit vielen Juden und Jüdinnen rollt in Richtung Auschitz. Darin Gretel samt Schwester, Mutter und Großmutter. Doch Gretel und ihre Schwester entkommen, indem sie aus dem Zug springen. Beide versuchen sich durchzuschlagen. Zeitgleich plant Jakob gemeinsam mit einigen polnischen Widerstandskämpfern einen Anschlag auf einen Millitärzug. Unweit der Gleise trifft er auf Gretel und die inzwischen schwer kranke Schwester. Er kümmert sich um Gretel und schenkt ihr ein neues Zuhause. Gretel muss sich zum ersten Mal anpassen, niemand darf erfahren, wer sie WIRKLICH ist. Von nun an ist sie Gretz. Doch die Lebensmittelknappheit zwingt Jakob später dazu, sich von dem lieb gewonnenen Mädchen zu trennen. Er ist froh, als er von einem südafrikanischen Adoptionsprogramm für Kinder von SS-Offizieren hört und liefert Gretz in einem Waisenheim ab, in der Hoffnung, sie werde ausgewählt. Und Gretz wird ausgewählt, denn sie ist clever und weiß sich zu helfen. So landet sie bei einer südafrikanischen Familie, die sich liebevoll um sie kümmert. Wieder einmal muss sie sich neu erfinden und anpassen: Aus Gretz, ehemals Gretel, wird nun Grietl und wieder einmal beißt sie sich durch. Die Erinnerung an die traumatischen Kriegserlebnisse und die Sehnsucht nach ihrem Freund Jakob wird die jedoch nie los. Die Vergangenheit holt sie ein und es gilt, Entscheidungen zu treffen... "Das Mädchen aus dem Zug" ist eine sehr bewegende Geschichte über ein Mädchen mit jüdischen Wurzeln, das ständig dazu gezwungen ist, sich neu zu definieren und anzupassen, um eine Zukunft zu haben. Es handelt sich um einen historischen Roman, der die Situation in Polen zu Ende des Zweiten Weltkrieges kenntnisreich und sensibel aufgreift und dies zusammenbringt mit einem weniger bekannten Aspekt: dem südafrikanischen Adoptionsprogramm für Kinder von SS-Offizieren. Glaubensfragen spielen dabei eine große Rolle. Die südafrikanische Autorin, Irma Joubert, hat mich mit der Geschichte der kleinen Gretel, die ihren Platz in einer feindlich gestimmten Umwelt immer neu finden und behaupten muss, ins Mark getroffen: Gretel ist mir sehr ins Herz gewachsen und ihr Schicksal hat mich lange beschäftigt. "Das Mädchen aus dem Zug" gehört zu meinen Jahreshighlights 2014 und wird sicher all jene ansprechen, die tiefgründige und nachdenklich stimmende Bücher mögen. 

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    • 4
    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    27. November 2014 um 09:38
  • Ein Buch, das unter die Haut geht!

    Das Mädchen aus dem Zug
    Smilla507

    Smilla507

    „Eine Bahnfahrt (...) ist wie das Leben selbst. Du bist die ganze Zeit irgendwohin auf dem Weg. Du steigst am Ziel aus, bleibst dort eine Weile, dann steigst du an einer Haltestellt wieder ein und fährst zum nächsten Ziel. Aber der Zug fährt immer weiter, ob du da nun einsteigst oder nicht. Und selbst wenn du nie wieder in den Zug einsteigst, dampft der Zug unaufhaltsam weiter. Es sei denn, jemand sprengt eine Eisenbahnbrücke in die Luft.“ (S. 261) Polen 1944: Die sechsjährige Gretel Schmidt überlebt als Einzige ihrer Familie die Deportation nach Auschwitz. Der Zug, mit dem sie, ihre Mutter und ihre Oma dorthin gebracht werden, stürzt von der Brücke, als sie in die Luft gesprengt wird. Jakób findet das kleine Mädchen und nimmt es auf dem Hof seiner Familie auf. Zwischen ihm und Gretel entsteht eine ganz besondere Freundschaft, die auch durch räumliche und zeitliche Trennungen nie in Vergessenheit gerät. Als es Jakóbs Familie zu viel wird Gretel mit durchzufüttern, sieht er nur noch eine Möglichkeit, wie er für das jüdisch stämmige Mädchen sorgen kann: Er bringt es nach Kriegsende zurück nach Deutschland, wo er sie schweren Herzens in einem Waisenheim abgibt. Dort sucht man nach Kindern von SS-Offizieren, die in Südafrika neue Familien finden sollen. Gretel packt die Chance beim Kragen und beginnt dort ein neues Leben, doch die Vergangenheit holt sie wieder ein... Wow, was für ein mitreißender, packender Roman! Ich habe dieses Jahr bereits einige gute Bücher aus dem Francke-Verlag gelesen und dieses gehört definitiv mit zu den Besten! Zu Beginn fiel es mir ehrlich gesagt ein wenig schwer mich in das Buch einzulesen, was zum Einen daran lag, dass teilweise aus der Perspektive eines kleinen Mädchens und zum Anderen im Präsens erzählt wird. Gretels Perspektive wechselt allerdings oft mit Jakóbs, so dass ich mich recht bald eingelesen hatte. Irma Jouberts Schreibstil ist in jedem Fall etwas Besonderes. Mit einer sanften Eindringlichkeit brachte sie mir die Schrecken des 2. Weltkriegs, das Leben im kommunistischen Polen und später das Land Südafrika sehr nah. Außerdem dachte ich, dass das Buch hauptsächlich zu Zeiten des 2. Weltkriegs handelt. Aber der Roman umfasst einen wesentlich größeren Zeitraum. Das Schicksal um die kleine, pfiffige Gretel hat mich stark berührt. So sehr, dass es mir nur mit großer Willensanstrengung möglich war, das Buch aus der Hand zu legen. Ich begleitete Gretel bis zu einem Alter von 20 Jahren und konnte all ihre Höhen und Tiefen mit durchleben. In Südafrika fängt für sie ein komplett neues Leben an. Eine neue Sprache, ein „neuer“ Glaube, eine neue Familie, ein neuer Name: Grietjie. „Der Zug“ als solches taucht als wichtigstes Fortbewegungsmittel der damaligen Zeit natürlich immer wieder auf und erinnert die beiden Protagonisten auf rußige und schnaufende Weise immer wieder aneinander. Und so nimmt das Buch seinen Anfang im Zug und endet passenderweise im Zug. Der christliche Aspekt bildet eher den Rahmen der Handlung. Sowohl Jakób als auch Gretel wuchsen im christlichen Milieu auf und sind auch gläubig. Hier greift die Autorin die unterschiedliche Glaubensweisen zwischen Protestanten und Katholiken auf und die Interessenskonflikte, die dadurch entstehen können. Dieser Zeitabschnitt der 40er und 50er Jahre ist so gut herausgearbeitet worden, dass regelrecht ein Film vor meinen Augen ablief. Kopfkino pur! Dass die Autorin Historikerin ist, merkt man dem Roman von der ersten Seite an! Ich hoffe, wir werden noch viel von ihr lesen! Fans von Lynn Austin und Elizabeth Musser werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Ein toller Schmöker, der unter die Haut geht und einer Verfilmung würdig ist!

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    • 4
  • Leserunde zu "Das Mädchen aus dem Zug" von Irma Joubert

    Das Mädchen aus dem Zug
    LEXI

    LEXI

    Ich möchte euch ganz herzlich zu einer neuen Leserunde einladen. Der Francke-Verlag stellt sechs Exemplare des Romans „Das Mädchen aus dem Zug" von Irma Joubert zur Verfügung. Vielen Dank an den Verlag für die Unterstützung der Leserunde! Die kleine Gretel hat zwar alles verloren, aber sie ist schlau und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. In Jakób findet sie einen Beschützer, der das Mädchen mit den jüdischen Wurzeln nach dem Krieg in einem Adoptionsprogramm unterbringt. Dieses bietet Kindern von SS-Offizieren in Südafrika ein neues Zuhause. Für Gretel, die nun Grietjie heißt, ändert sich von einem auf den anderen Tag alles. Jahre später gerät ihr Leben völlig überraschend in Turbulenzen. Um ihr Glück zu finden, muss die erfolgreiche junge Frau sich mit Fragen auseinandersetzen, die sie bisher verdrängt hat ... Ein Roman über das Leben und die Liebe, der bis zur letzten Seite spannend bleibt. Link zur Leseprobe: https://www.francke-buch.de/uploads/1408700421-353693.pdf Falls ihr eines der sechs Exemplare gewinnen wollt, bewerbt euch bis zum 30. September 2014, 24 Uhr hier im Thread und beschreibt, weshalb ihr euch für ein Exemplar dieses Buches bewerbt. Im Gewinnfall verpflichten sich die Teilnehmer der Leserunde innerhalb von vier Wochen zum Austausch in jedem einzelnen Leseabschnitt, wobei nicht einfach der Inhalt zusammengefasst, sondern auch auf die anderen Testleser eingegangen und diskutiert werden soll. Die Zurverfügungstellung eines Exemplares beinhaltet zugleich auch die Verpflichtung zum Schreiben einer Rezension im genannten Zeitraum, die nicht nur bei Lovelybooks, sondern auch auf einer anderen Internetseite (amazon, Verlagshomepage…) veröffentlicht wird. Ich möchte zudem darauf hinweisen, dass Bewerber mit „privaten (geschlossenen) Profilen“ sowie jene, die noch keine Rezensionen auf ihrer Profilseite veröffentlicht haben, bei einer Auslosung nicht berücksichtigt werden. Beachtet außerdem, dass es sich um eine CHRISTLICHE LESERUNDE handelt. Der Glaube an Gott spielt in diesem Buch eine Rolle. Ich freue mich auf eure Bewerbungen. Wer ohne Verlosung mitlesen möchte, kann dies natürlich auch sehr gerne tun.

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    • 217
  • Eines der stärksten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!

    Das Mädchen aus dem Zug
    Monika58097

    Monika58097

    04. November 2014 um 16:37

    Polen 1944. Es ist Krieg. Die kleine Gretel ist mit ihrer Mutter, ihrer Großmutter und ihrer Schwester eingepfercht in einem Zug. Einem Zug, der nach Ausschwitz fährt. Gretel und ihrer Schwester gelingt unterwegs die Flucht, doch die Schwester wird sehr krank. Der Pole Jakob findet die kleine Gretel und kümmert sich um sie, doch er weiß, dass das nicht für immer sein kann. Schließlich bringt er sie in ein Waisenhaus nach Deutschland. Gretel soll von einer südafrikanischen Familie adoptiert werden, doch eigentlich ist sie schon zu alt für das Adoptionsprogramm, doch Gretel weiß sich zu helfen. Sie wird von einer liebevollen Familie aufgenommen, heißt von Stund an Grietjie und ihr ist klar, dass sie ihr ganzes bisherigen Leben verleugnen werden muss. Ihre jüdischen Wurzeln großmütterlicherseits und ihre katholische Erziehung. Grietjie wird geliebt. Sie wächst zu einer jungen und schönen Frau heran, doch ihre Vergangenheit kann sie nicht vergessen. Nach vielen Jahren dann eine Begegnung, die ihr Leben in Südafrika komplett auf den Kopf stellen wird. Ist sie dieser Herausforderung gewachsen? Und wie wird ihre Familie darüber denken? "Das Mädchen aus dem Zug" - eine packende Geschichte über ein kleines Mädchen, das trotz aller Widrigkeiten, wie Krieg, Verfolgung und Hunger seinen Weg sucht und findet. Es ist eine packende Geschichte, die einen nicht mehr los lässt. Auch nach Beenden des Romans habe ich mich noch sehr ausführlich mit dem Thema der Adoptionen nach Südafrika beschäftigt, ein Thema, das mir so gar nicht bekannt war. Irma Joubert, die selbst in Südafrika lebt, beherrscht es hervorragend, die Szenerien mit Leben zu füllen. Gretels Leben in Polen, der Krieg, der Hunger, ihre Sehnsucht nach ihrer Familie, die sie verloren hat, die Hoffnung, die sie trotz aller Verzweiflung in sich trägt. Wie das kleine Mädchen um ihr Glück kämpft, um eine Zukunft kämpft, die in Südafrika sein soll. Dann ihr Leben dort, angefüllt mit der Liebe ihrer neuen Familie und doch weiß das Mädchen nicht, wie sie zu ihrer Vergangenheit stehen soll. "Das Mädchen aus dem Zug" - eine Geschichte voller Liebe, Verzweiflung und Hoffnung und trotz der schrecklichen Ereignisse, die dieser furchtbare Krieg mit sich gebracht hat, ist dieses Buch wunderschön. Es ist bewegend. Es ist tragisch. Es ist aufwühlend. Ein großartiger Roman mit großer erzählerischer Kraft. Definitiv eines der stärksten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.

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  • eine sehr ergreifende Geschichte, die man nicht vergisst

    Das Mädchen aus dem Zug
    hoonili

    hoonili

    31. October 2014 um 12:10

    Gretel ist 6 Jahre alt, als sie in einem Zug nach Auschwitz ist. Ihre Mutter lässt sie nach draußen und so kann sie flüchten. Doch sie ist nun ganz alleine in Polen und weiß nicht wohin. Jakob findet sie und nimmt sie mir zu seiner Familie. Der Zug, in dem Gretels Familie saß, ist explodiert und sie hat alles verloren. Sie integriert sich sehr schnell in Jakobs Familie und ist sehr ehrgeizig. Das neue Leben ist nicht einfach für sie, vor allem weil es nicht genug Essen gibt. Das ist auch der Grund warum sie an eine andere Familie in Südafrika vermittelt wird. Noch einmal muss Gretel in ihren jungen Jahren in ein neues Leben starten. Ihr Glaube gibt ihr unheimlich viel Kraft und das wird im Buch sehr verdeutlicht. Doch sie darf keinem erzählen, dass ihre Großmutter Jüdin war. Auch ihr katholischer Glaube darf nicht ans Licht kommen. Dieses Buch entführt den Leser in die schwere Kriegszeit im Jahre 1944. Gretels Persönlichkeit hat mir sehr gefallen und ich habe sehr mit ihr mitgefühlt. Eine Zeit, die wir so gar nicht kennen und in die wir uns durch so ein Buch hineinversetzen können. Ganz wunderbar war auch der Charakter von Jakob. Er hat es auch nicht einfach und kämpft dennoch sehr. Ich habe noch lange über das Buch nachgedacht und ich werde es nicht vergessen. Eine sehr wertvolle Lektüre mit einer wunderbar einfühlsamen Schreibweise!

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  • "Ein Bahnhof ist nur der Anfang oder das Ende einer Reise ... "

    Das Mädchen aus dem Zug
    feee66

    feee66

    27. October 2014 um 00:02

    Beim vorliegenden Roman „Das Mädchen aus dem Zug“ von Irma Joubert, der im Sommer dieses Jahres im Francke-Verlag erschienen ist, handelt es sich um das erste Buch der Autorin, das ins Deutsche übersetzt wurde. In ihrer Heimat Südafrika und in den Niederlanden sind ihre Bücher Bestseller und wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Umso glücklicher schätze ich mich, dass ich eben diesen Roman in einer Leserunde hier auf lovelybooks lesen durfte. Das Buch, bei dem es sich sowohl um einen historischen Roman, als auch um die Lebens- und Liebesgeschichte zweier Menschen handelt, wurde von Irma Joubert überaus gründlich recherchiert, gerade was die historischen Fakten anbelangt. Spannend und erwähnenswert ist hierbei die interessante Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit. Die Autorin wurde zum einen von einer südafrikanischen Geschichte, die sie aus ihrer Kindheit kannte, inspiriert und zum anderen greift sie die Problematik der Adoptionen im Jahre 1948 auf. Fakt ist, dass die südafrikanische Regierung 1948 zur sogenannten arischen Blutauffrischung, die Übersiedelung von deutschen Waisenkindern nach Südafrika veranlasste. Auf diese Weise hat Irma Joubert in ihrem Roman zwei Geschichten zu einer wunderbaren Erzählung verwoben, die in zwei wechselnden Erzählsträngen geschildert, immer spannend bleibt. Es entstand ein historischer Roman, der auf äußerst gründlichen Recherchen basiert und in einer extrem religiös ausgerichteten Gesellschaft spielt. Der Glaube und die Frage danach, welcher Glaube wohl der "richtige" ist, spielt im Buch eine beständige Rolle. Vielleicht sollte es vordergründig gar nicht unbedingt ein christlicher Roman werden, aber der Aspekt ergibt sich wie von selbst. Durch die Extreme im Roman - auf der einen Seite die Schilderungen des Krieges, auch der schlimmen Nachkriegszeit in Polen/Deutschland und auf der anderen Seite der Kraft der Liebe und des Mitgefühls, die im Roman nie zu kurz kommen. Darüber hinaus handelt es sich aber auch einfach um eine wunderbare Lebens- und Liebesgeschichte zweier Menschen, die durch den herrlich flüssigen, leichten, dabei aber nie oberflächlichen, Schreibstil der Autorin getragen wird. Der Klappentext: Polen 1944: Die kleine Gretel hat zwar alles verloren, aber sie ist schlau und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. In Jakób findet sie einen Beschützer, der das Mädchen mit den jüdischen Wurzeln nach dem Krieg in einem Adoptionsprogramm unterbringt. Dieses bietet Kindern von SS-Offizieren in Südafrika ein neues Zuhause. Für Gretel, die nun Grietjie heißt, ändert sich vom einen auf den anderen Tag alles. Jahre später gerät ihr Leben völlig überraschend in Turbulenzen und sie muss sich mit Fragen auseinandersetzen, die sie bisher verdrängt hat... Auf ganz außergewöhnliche Art und Weise gelingt es der Autorin, den Leser in ihre Geschichte eintauchen zu lassen, man springt gerne auf den Zug auf (der Zug, der in diesem Roman eine fortwährend eindrücklich wichtige Rolle spielt – bis zur letzten Seite) und man kann einfach gar nicht mehr abspringen, bevor das Buch nicht zu Ende gelesen ist. Teilweise musste ich persönlich zwar kleine Pausen beim Lesen einlegen, aber das lag einfach daran, dass ich emotional so tief berührt war und für mich selbst eine kleine Gefühlsauszeit brauchte. Interessant fand ich auch den für diese Erzählung gewählten Schreibstil und die Zeitform. Der ganze Roman ist im Präsens, also in der Gegenwartsform geschrieben, was mich anfangs kurz irritiert hat. Zudem schreibt Fr. Joubert überwiegend in kurzen Sätzen, ohne großartig ausschmückende Nebensätze zu verwenden – wenn ich ehrlich sein darf, so eher gar nicht den Stil, den ich beim Lesen und auch beim Schreiben bevorzuge. Ich liebe scheinbare Endlossätze mit ausführlichen Beschreibungen – spannend für mich festzustellen, dass es auch anders geht und eine Geschichte trotzdem so eindrucksvoll sein kann. Mein Fazit: Die Geschichte von Gretel und Jakób hat mich zutiefst berührt, gefesselt, aber auch sehr nachdenklich gemacht. Speziell Gretels innere Zerrissenheit was ihren Glauben und ihre Zugehörigkeit anbelangt und die schlichte Klarheit, mit denen diese Fragen gestellt und auch beantwortet werden, haben mich ganz tief im Inneren erreicht. Somit lässt mich dieses Buch unheimlich ergriffen, durchaus auch schockiert, sehr nachdenklich, aber auch froh zurück und ich kann mit Sicherheit sagen, dass es ein echtes Lesevergnügen war und ich mit Irma Joubert eine neue Schriftstellerin entdeckt habe, nach deren Werken ich Ausschau halten werde.

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  • aus dem Todeszug nach Südafrika

    Das Mädchen aus dem Zug
    irismaria

    irismaria

    26. October 2014 um 14:26

    „Das Mädchen aus dem Zug“ der südafrikanischen Autorin Irma Joubert ist eine berührende Geschichte über die Suche nach Identität in schwierigen Zeiten. Die Geschichte beginnt 1944 in Polen in einem Zug nach Auschwitz. Die kleine Gretel, Tochter einer Jüdin und eines SS-Manns, kann von ihrer Mutter durch eine Öffnung des Zugs gelassen werden und ist frei – aber ganz alleine im fremden Land. Kurz darauf explodiert der Zug durch eine Bombe, die von polnischen Widerstandskämpfern gelegt wurde und eigentlich einen Militärzug treffen sollte. Einer der Widerstandskämpfer ist der junge Jakob, der Gretel findet und das Kind bei seiner Familie unterbringt. Gretel wird nun Gretz genannt und muss ihre deutsche Herkunft verleugnen. Doch der Mut und der Lernwille des Mädchens sind stark und sie findet sogar eine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Als kaum noch Lebensmittel zu bekommen sind, verlangt Jakobs Mutter, dass er Gretz wegbringt. Durch Zufall erfährt er von einem Programm, das deutsche Kinder für arische Familien nach Südfrika vermittelt. Tatsächlich wird Gretel angenommen und darf nach Südafrika. Ihre neuen Eltern nennen sie nun Grietje. Grietje steht wieder vor der Herausforderung, in eine neuer Umgebung, eine neuen Sprache und einer neuen Familie zurecht zu kommen. Ihre jüdischen Wurzeln muss sie genau so verheimlichen wie den katholischen Glauben, in dem sie in Polen Kraft gefunden hat. Dieser Glaube wird auch zum Problem für Jakob, der sich nicht mit den neuen kommunistischen Machthabern und ihrem Verbot der freien Meinungsäußerung abfinden kann.  „Das Mädchen aus dem Zug“ ist eine fesselnde Geschichte, bei der man nebenher etwas über den polnischen Widerstand und die Nachkriegszeit in Polen erfährt sowie das Leben in Südafrika. Es ist aber vor allem eine Geschichte zweier Menschen, die sich unter widrigen Umständen kennen lernen und sich gegenseitig eine Stütze sind, eine Geschichte über den Mut, immer wieder neu anzufangen und die Schwierigkeit, unter immer wieder anderen Bedingungen zu leben und sich trotzdem treu zu bleiben. Es ist eine Geschichte, die lange nachwirkt.

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  • Bewegende Lebensschicksale

    Das Mädchen aus dem Zug
    mabuerele

    mabuerele

    24. October 2014 um 20:42

    "...Unterdrücktes Leid wird irgendwann zu etwas wie ein eiterndes Geschwür...Es muss erst aufplatzen und einen Grind bilden, sonst kann es nicht heilen..." Wir schreiben das Jahr 1944 irgendwo in Südpolen. Zwei Mädchen springen aus einem Zug. Eine von ihnen ist die sechsjährige Gretel. Sie hofft, dass beim nächsten Anstieg auch die Mutter und die Großmutter den Zug verlassen können und sucht inzwischen ihre ältere Schwester Elsa. Jakob Kowalski ist mit weiteren Mitgliedern der polnischen Heimatarmee dabei, Sprengstoff an einer Brücke anzubringen. Es wird ein deutscher Munitionszug erwartet. Doch der Zug kommt eher als erwartet und aus der falschen Richtung. Einige Tage später treffen sich die Lebenswege von Gretel und Jakob. Die Autorin hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der sich über mehr als zehn Jahre erstreckt. Im Mittelpunkt stehen Gretel und Jakob. Gretel ist ein anpassungsfähiges, tapferes und intelligentes Kind. Ihre Großmutter war Jüdin, sie selbst ist evangelisch getauft. Beides muss sie in Polen verschweigen. Jakob wächst in einem strenggläubigen, katholischen Haushalt auf. Die Politik macht vor der Familie nicht Halt. Am liebsten würde er gleichzeitig gegen Deutsche und Russen kämpfen. Das Buch beleuchtet behutsam die Verhältnisse in Polen im letzten Kriegsjahr. Die Uneinigkeit des Widerstandes wird deutlich. Beim Warschauer Aufstand aber finden sich alle Strömungen Seite an Seite.  Die Autorin versteht es ausgezeichnet, zwei Lebensschicksale in die historische Entwicklung einzubetten. Nach dem Krieg kann Gretel nicht in Polen bleiben. Jetzt trennen sich die Wege von Jakob und ihr. Das Buch lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Der Schriftstil ist leicht lesbar, aber trotzdem tiefgründig. Der Autorin gelingt es beeindruckend, die Emotionen ihre Protagonisten in Worte zu fassen. Die Kälte von Jakobs Mutter ist fast mit Händen zu fühlen, die Zuneigung und das Vertrauen, was Gretel Jakob entgegenbringt, ist der Gegenpol dazu. Und die Gefühle von Einsamkeit und Sehnsucht durchziehen das Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Der Roman führt mich von Polen über Deutschland bis nach Südafrika. Er streift wesentliche politische Ereignisse in Polen und Ungarn nach dem Krieg. Die Einstellungen in Südafrika zu den Vorgängen in Europa werden ausgelotet. In jedem Fall werden Land und Leute ausführlich und anschaulich beschrieben. Treffende Metapher und aussagekräftige Dialoge zeichnen das Buch aus. Die Grausamkeit von Krieg und Rassenhass wird deutlich dargestellt und geschickt in die Handlung eingebettet. Eine Person des Buches möchte ich besonders erwähnen. Es ist Grandpa John. Durch seine Lebensweisheit und Güte wird er für  Gretel zu einem wertvollen Begleiter und Ratgeber. Der Glaube durchzieht das Buch permanent, aber nie vordergründig. Und doch ist es bitter, wenn unterschiedlicher Glaube dort trennt, wo die Liebe Christi eigentlich verbinden sollte. Es ist erstaunlich, dass Gretel an diesem Zwiespalt ihres Lebens nicht zerbrochen ist, sondern immer die Kraft gefunden hat, sich anzupassen. Das Cover mit dem jungen Mädchen vor dem Zug passt gut zur Handlung. Züge haben im Buch eine besondere Bedeutung im Buch. Während Zug und Brücke eher zum Beginn des Buches gehören, würde ich die ernste junge Frau dem Ende zurechnen. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Persönliche Schicksale wurden in eine tiefgründige und bewegende Handlung eingebettet.

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  • ein erstaunliches kleines Mädchen

    Das Mädchen aus dem Zug
    eskimo81

    eskimo81

    20. October 2014 um 07:57

    Eine fiktive Geschichte, aufgebaut auf realen geschichtlichen Hintergründe Die kleine Gretl hat alles verloren, das Zuhause, die Familie, das Leben. Jakob nimmt sie während der Kriegszeit auf und bringt sie in einem speziellen Adoptionsprogramm für Waisenkinder von SS-Offizieren in Südafrika unter. Ein fesselndes Buch, dass den Kriegsalltag sehr gut beschreibt. Der Schreibstil ist für mich sehr ungewöhnlich und ich brauchte doch gute 70 Seiten, bis ich mich einigermassen daran gewöhnen konnte. Oftmals waren für mich Sätze, Geschichten "unfertig". Es blieb sehr viel Interpretations-Spielraum - was für mich etwas enttäuschend war. Während der Zeit in Afrika werden viele Wörter auf Afrikaans geschrieben. Das macht das Buch sehr authentisch. Zitat von Seite 137"Derselbe Mond scheint auch über Südafrika. Er scheint über Südafrika und über Polen, über Tschenstochau und Kattowitz, wenn du den Mond siehst, dann kannst du sicher sein, dass ich ihn auch sehe." Ein weiteres wundervolles Zitat von Seite 261"Eine Bahnfahrt, denkt Jakob philophisch, ist wie das Leben selbst. Du bist die ganze Zeit irgendwohin auf dem Weg..." Der Schluss war für mich - ohne zu viel zu verraten - einfach unpassend. Genauer, ohne zu viel zu verraten, kann ich es leider nicht beschreiben... Fazit: Eigentlich ein sehr interessantes und fesselndes Buch über den zweiten Weltkrieg. Über ein tapferes Mädchen... Jedoch mit einem speziellen Schreibstil, teilweise "unfertigen" Geschichten und einem Schluss der unpassend ist... Das Buch macht auf jeden Fall Lust, Lust auf mehr Recherchen, auf mehr Wissen... Ich habe über vieles lesen können, was mir bis anhin nicht bekannt war. Leseprobe: https://www.francke-buch.de/0-0-2185-0@irma-joubert-das-maedchen-aus-dem-zug.html?PHPSESSID=335dbcae7896d67713e556d70be70e98

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  • Facettenreich und ergreifend...

    Das Mädchen aus dem Zug
    Nirena

    Nirena

    26. September 2014 um 11:30

    Meine Intention, dieses Buch zu lesen, bestand darin, dass ich bereits viel aus der Zeit des Dritten Reiches gelesen habe, aus den unterschiedlichsten Perspektiven und mit den unterschiedlichsten Handlungen. Dennoch fasziniert es mich, dass es immer noch Aspekte gibt, von denen ich bisher noch nie gehört habe - in diesem Fall das Adoptionsprogramm aus Südafrika. Zugegeben - am Anfang hatte ich so meine Schwierigkeiten, in das Buch hinein zu finden, da ein Großteil der Handlung aus Sicht von Gretel geschildert wird, die anfangs erst sechs Jahre alt ist und der Schreibstil sich dieser kindlichen Perspektive anpasst. Das war für mich gewöhnungsbedürftig. Der andere Teil der Geschichte wird aus Jakóbs Sicht erzählt und dieser Handlungsstrang ist mitunter bestürzend, denn die damaligen Zustände in Polen waren mir so nicht bewusst. Schon jetzt ist zu erkennen, dass dies kein Buch ist, dass man "mal eben" zwischendurch liest, sondern eines, in das man eintaucht und das einen während und auch nach dem Lesen beschäftigt. Die zweite Hälfte des Buches ist dann weniger bestürzend, aber wird dann sehr ergreifend und berührend. Denn zwar lebt Gretel dann in deutlich besseren und sichereren Umständen, steht aber immer zwischen den Nationen und zwischen den Religionen, die sie - jede für sich - geprägt haben. Man kann dieses Buch nur als facettenreich bezeichnen, dabei sehr emotional und dennoch fundiert recherchiert. Jedem, der sich von tiefgreifender Lektüre nicht abschrecken lässt, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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