Irma Joubert Sehnsuchtsland

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Inhaltsangabe zu „Sehnsuchtsland“ von Irma Joubert

1905 aus St. Petersburg geflohen, findet die kleine Hildegard mit ihrer Familie auf dem Landgut der adligen Vorfahren in Königsberg ein neues Zuhause. Das aufgeweckte Mädchen steckt voller Energie und Wissensdurst, sehnt sich aber zutiefst nach Liebe und Anerkennung. Als sie dem Studenten Gustav von Langner aus Deutsch-Südwestafrika begegnet, beginnt sie zaghaft zu träumen – vom Sehnsuchtsland Afrika und von Gustav.
Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase. Hildegard ahnt nicht, welch turbulente Zeiten ihr noch bevorstehen. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald im Berlin der 20er-Jahre
leben und nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege wird
meistern müssen. Vor allem aber ahnt sie nicht, welche Umwege das Leben sie noch führen wird, bevor sie endlich das findet, wonach sie sich am meisten sehnt: ein Zuhause.

Spannend und mit jeder Menge historischen Hintergrundwissen ein eher nachdenklicher Roman, der begeistert. 4 1/2 Sterne

— tinstamp

Ein tragisches Schicksal in Deutschland in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mitreißend, aufwühlend, ab und an auch überraschend.

— TochterAlice

Auch Irma Jouberts 3. Roman hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen! Geschichte zum Greifen nah und so fesselnd!

— Smilla507

"Eine fesselnde Geschichte die den Leser durch ein halbes Jahrhundert und durch zwei Weltkriege führt."

— leseratte69

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  • Eine starke Frau auf der Suche nach Frieden

    Sehnsuchtsland

    Sonnenblume1988

    28. December 2016 um 11:08

    Hildegard von Plötzke ist noch keine sechs Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und ihrer Nanny mitten in der Nacht vor den Bolschewisten von St. Petersburg in die Nähe von Königberg fliehen muss. Dort wächst sie in einer adeligen Familie auf, in der sie streng erzogen wird. Großer Trost ist dabei das Klavierspiel für sie. Über Freunde ihrer Eltern lernt sie den Studenten Gustav kennen, der eigentlich in Deutsch-Südwestafrika lebt. Bei ihm fühlt sie sich verstanden und geborgen. Doch bald bricht der Erste Weltkrieg aus und Gustav ist von einem Tag auf den anderen verschwunden. Mit 15 Jahren fängt Hildegard an, ehrenamtlich in einem Lazarett die Verwundeten zu versorgen. Doch das ist erst der Anfang der Geschichte einer starken, mutigen Frau auf der Suche nach Frieden. Insgesamt begleitet der Leser Hildegard, bis sie 47 Jahre alt ist. Das Buch erzählt die vielen Ereignisse und Einflüsse von Hildegards Leben, die viel Leid ertragen muss. Hildegard wird dadurch zur Heldin, dass sie nicht den Lebensmut verliert. Immer wieder ist sie auf Hilfe anderer angewiesen und lebt in Abhängigkeiten. Während sie anfangs ganz arm ist, muss sie im Zweiten Weltkrieg erfahren, was es bedeutet, hungern zu müssen. Das Buch ist sehr lebendig geschrieben. Es gibt viele Dialoge und Gedanken, die mit in das Buch einfließen. Auch wenn Hildegard in den 47 Jahren ihres Lebens vielen Menschen begegnet, wird es nie unübersichtlich. Auch die geschichtlichen Details, die dem Leser Orientierung und Hintergrundinformationen geben, sind kurz, bündig und gut verständlich dargestellt. Immer, wenn ich eine freie Minute hatte, konnte ich das Buch zur Hand nehmen, da es zwar aus langen Kapiteln, aber in sich sehr kurzen Absätzen besteht. In dem Roman kommt der Glaube an Gott zwar immer wieder vor, jedoch nur sehr dezent und am Rande. Hier hätte die Autorin meiner Meinung nach noch deutlicher zeigen können, was der Glaube in Hildegards Leben bedeutet und wie viel Kraft er ihr schenkt. Insgesamt ein toller Roman über das Leben eines wunderschönen klavierspielenden Mädchens, dass zwei Weltkriege überlebt und sich mit viel Mut im Leben behauptet.

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  • Krieg, Tod und Hoffnung

    Sehnsuchtsland

    pallas

    29. September 2016 um 11:20

    Der einmalige Roman "Sehnsuchtsland" von Irma Joubert umspannt beide Weltkriege und das Leben der Menschen zu damaligen Zeit. Hildegard, gerade sechs Jahre alt, muss 1905 über Nacht mit ihren Eltern und ihrer Nanny aus Russland flüchten. Auf dem Landgut der adeligen Vorfahren in Königsberg findet sie ein neues Zuhause. Hildegard ist eine kluge und wissensdurstige Seele und nimmt jede Gelegenheit wahr Neues in sich aufzunehmen und zu verstehen. Sie lernt den Nachbarsenkel Gustav aus Deutsch - Südwestafrika kennen, und träumt davon irgend wann einmal selbst in diesen faszinierenden Teil der Welt reisen zu können. Leider bricht der erste Weltkrieg aus und Hildegards Träume zerstreuen sich über Nacht. Sie hilft in einem Spital die Verwundeten zu trösten und zu versorgen. Durch die brutale Realität wird sie aus ihrer jugendlichen Traumwelt gerissen und sieht sich jäh in der schonungslosen Wirklichkeit der Welt wieder. In dieser für sie sehr bitteren Zeit lernt sie auch den zwanzig Jahre älteren Arzt kennen, der letztendlich über eine mehr oder weniger arrangierte Hochzeit später ihr Ehemann wird und mit dem sie Kinder hat. Sie kann nicht ahnen, dass sie auch noch den Schrecken eines zweiten Krieges durchleben muss. Wird sie ihre Familie, ihre Kinder, dem zweiten Krieg opfern müssen? Ob sie jemals ihren Jugendschwarm Gustav wieder sehen wird? Irma Joubert untermalt die in einer historisch enorm dramatischen Zeit handelnde Geschichte mit sehr interessant gestalteten Charakteren. Ihre Sichtweisen, Lebenseinstellungen und deren Empfinden während der dramatischen Ereignisse lässt den Leser in das Geschehen eintauchen und die dargestellte Welt einer von gesellschaftlichen Umbrüchen und schließlich auch brutalen Kriegsgeschehen aus den Angeln gehobenen Gesellschaft in den unterschiedlichsten Blickwinkeln miterleben und mitfühlen. Hildegard, die sich eigentlich nur nach Liebe und Anerkennung sehnt und doch immer nur Distanziertheit und Kühle zunächst in ihrer Kindheit von den Eltern dann über ihren Mann in ihrer Ehe erfährt, verzagt jedoch nie.  Ganz besonders ist mir der Arzt Mäkinen aufgefallen, der so viel Verständis und Liebe allen Menschen und insbesondere Hildegard entgegen bringt. Er war ihr guter Freund und rettender Engel in der Not. Die Atmosphäre des Romans erschien mir immer etwas düster. Dies ist auch kein Wunder und lässt sich auf die präzise Recherchearbeit und Erzählkunst der Autorin zurückführen. Denn schließlich wird die Story von den beiden Weltkriegen, der damit verbundenen Armut, dem Verlust und den Ängsten der Menschen geprägt, die  sehr eindringlich und genau beschrieben sind. Diese Präzision, mit der die Autorin ihren Roman in den historischen Kontext stellte war für mich schon fast ein wenig zu viel, doch es ist mir klar, dass diese Dinge in der Zeit der Handlung nun leider so statt gefunden haben. Die Autorin bedient sich einer sehr schönen, bildgewaltigen Sprache, die sie besonders gekonnt einsetzt, wenn es darum geht Land und Leute zu beschreiben. Sie schafft somit ein unvergleichliches Kopfkino der Extraklasse. Irma Joubert Geschichte hat über ihr professionelles Wissen die historischen Ereignisse und Fakten vortrefflich zu einer spannenden Geschichte verwoben. Manchmal sind ein paar Längen in den Roman eingebaut, doch im Gesamtwerk verlieren sich diese. Der Autorin ist ein wunderbarer, sehr gut zu lesender Roman in historischem Kontext gelungen, der über viele Emotionen, Hoffnung und Neuanfang berichtet. Die Lektüre ist aus meiner Sicht eine vortreffliche Unterhaltung auf angenehm hohem Niveau.

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  • Ein neues Leben in einem neuen Land

    Sehnsuchtsland

    LEXI

    10. September 2016 um 19:04

    Die Protagonistin Hildegard von Plötzke muss bereits als Kind erfahren, was es bedeutet, alles zurück lassen und ein neues Leben in einem fremden Land beginnen zu müssen. Nach dem Petersburger Blutsonntag im Jahre 1905 flieht ihre Familie vor den Bolschewisten und lebt fortan in einem herrschaftlichen Haus in Ostpreußen, in der Nähe von Königsberg. Irma Joubert stellt ihren Lesern ein trauriges kleines Mädchen vor, deren Eltern eine lieblose Ehe führen, wo es auch keine Zärtlichkeit oder gar Liebe für ihre einzige Tochter gibt. Das einsame Kind wendet sich ihrer geliebten Nanny Miss Jones zu, die sie mit Wärme und mütterlicher Zuneigung überschüttet – Dinge, die sie bei ihren leiblichen Eltern nicht erfährt. Als es in Deutschland zum Krieg kommt, scheint sich der Schrecken der Flucht aus Russland zu wiederholen. Hildegard muss jedoch nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Weltkrieg überstehen, und aus dem verwöhnten, fremdbestimmten Mädchen aus adeligem Hause wird eine selbständige junge Frau, die gelernt hat, sich an die schlimmen Umstände anzupassen. Über kurz oder lang verliert sie geliebte Familienangehörige und Bekannte, aber trotz allen Entbehrungen und allem Leid findet auch Hildegard letztendlich ihr kleines, persönliches Glück.Irma Joubert erzählt in diesem Buch vom Leben einer tapferen Frau, die unerschütterlich ihren Weg geht und es versteht, sich den Gegebenheiten anzupassen. Ihre Protagonistin macht im Verlauf des Buches eine enorme persönliche Wandlung durch und entwickelt sich zu einer charakterstarken und selbständigen Frau. Was diesen Roman auszeichnet, sind die exzellent recherchierten Schilderungen der historischen/politischen Ereignisse des Jahres 1905 bis hin zum Ende des zweiten Weltkrieges. Durch die Person der Protagonistin und etlicher, sehr gut ausgefeilter Nebenfiguren lässt die Autorin diese Zeitspanne für ihre Leserschaft lebendig erlebbar werden. Sowohl der Müßiggang und die Oberflächlichkeit des Adels, als auch die bittere Armut und die tristen Zustände der gesamten Bevölkerung in Kriegszeiten werden dermaßen lebhaft geschildert, dass man nicht umhin kann, ganz tief in diese Geschichte einzutauchen. So liest man von der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit von Millionen Menschen, vom Kampf um die Machtübernahme zwischen den Nationalsozialisten und den Kommunisten in Deutschland, den immer stärker ausartenden Antisemitismus, dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich und den Ausbruch des zweiten Weltkriegs, der Explosion des Zeppelins „Hindenburg“ und letztendlich den Überlebenskampf im ausgebombten Berlin, als die Invasion der Russen einmarschiert. Dieser Flut von Ereignissen wird auf beinahe fünfhundert Seiten Raum gegeben, wobei es der Autorin stets trefflich gelingt, sie kunstvoll mit der Geschichte ihrer Protagonistin zu verweben. Den Schreibstil von Irma Joubert, der Emotionen, Spannung und christliche Werte mit dem Zeitgeschehen verwebt, kann ich nur als brillant bezeichnen. Leider hat die Autorin sich auch in diesem Buch dafür entschieden, ihre Geschichte im Präsens zu erzählen. Eine Schilderung von Ereignissen in der Gegenwartsform, die im Verlauf mehrerer Jahrzehnte stattgefunden haben, irritiert mich stets und behindert meinen Lesefluss erheblich. Bei dieser Neuerscheinung von Irma Joubert bin ich dennoch froh, mich trotz meiner Abneigung gegen den Erzählstil für die Lektüre dieses Buches entschieden zu haben. „Sehnsuchtsland“ war für mich ein gewaltiges Epos, ein Buch, das seine Leser fesselt und nachhaltig zu beeindrucken vermag. Mit diesem Roman ist Irma Joubert ein wahres Meisterwerk gelungen, das ich persönlich als eines meiner Lese-Highlights dieses Jahres bezeichne.

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  • Eine starke Frau

    Sehnsuchtsland

    tinstamp

    06. September 2016 um 17:24

    Ich war eine der beiden Glücklichen, die diesen Roman vom Francke Verlag in einer kleinen, aber feinen Lovelybooks Leserunde lesen durfte. Das Buch stand schon auf meiner (ellenlangen) Wunschliste und deshalb freute ich mich umso mehr. Zu Beginn der Geschichte ist unsere Protagonistin Hildegard ein kleines Mädchen von ein paar Jahren. Als in St.Petersburg der Zar gestürzt wird, müssen Hildegards Eltern vor den Bolschewisten fliehen. Auf dem Landgut in Königsberg wächst Hildegard zuerst unbeschwert auf, auch wenn ihre geliebte englische Nanny und der aus Deutsch-Südwestafrika stammende Student Gustav, ihre einzigen Vertrauten sind. Besonders Gustav ist ihr ein wahrer Freund, der sie nicht wie ein Kind behandelt, sondern mit ihr viele ernstere Gespräche führt und Hildegard von seiner weit entfernten Heimat erzählt. Der Vater ist ein eher kühler und distanzierter Mann und ihre Mutter lebt überhaupt in einer anderen Welt. Als ihre Nanny plötzlich ohne Abschied abreist und auch Gustav bald darauf das Land verlässt, ist Hildegard ein sehr einsames Kind. So wächst sie in einem sehr emotionslosen Umfeld auf. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und erneut ändert sich alles. Hildegard bietet freiwillig ihre Hilfe im Lazarett an. Als gut behütetes Töchterlein geht sie eher etwas unbedarft an die Sache heran und erlebt hier die schrecklichen Folgen des Krieges. Als ihre Eltern alles verlieren, willigt sie in eine arrangierte Hochzeit ein, um ihre Familie vor dem Ruin zu wahren. Von Königsberg zieht sie nach Berlin, nichts ahnend, dass bald der nächste Krieg über sie hereinbrechen wird.... Die Autorin erzählt eine sehr detaillierte und emotionale Geschichte, die aufzeigt, wie viel ein Mensch erleiden kann. Die sehr reale und lebendige Darstellung der beiden Weltkriege lassen den Leser gebannt an den Seiten kleben. Die vielen Bombardments und vorallem der Mangel an Lebensmittel am Ende des Zweiten Weltkrieges werden sehr lebendig geschildert. Ich habe schon viele Geschichten, die während des Weltkrieges spielen gelesen, aber noch in keinem wurde der nagende Hunger und die Furcht so realitätsnah und detailliert erzählt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Autorin in der Gegenwart erzählt, was die Gefühle und Vorkommnisse noch realer macht. Man steckt selbst mittendrin und erlebt die Ohnmacht und die Verzweiflung hautnah mit. Hildegard hat in ihrer Kindheit keine Liebe und Geborgen erfahren und auch in ihrem weiteren Leben wird ihr immer wieder vorgeschrieben, was sie zu tun hat. Trotzdem ist sie eine sehr warmherzige junge Frau, die nie die Hoffnung aufgibt. Sie entwickelt sich zu einer sehr mutigen Protagonistin, die viel Leid erfahren muss und immer wieder vor neuen Abschieden steht....sei es von Menschen oder Orten. Besonders mitgefühlt habe ich, als sie ihre Kinder nicht selbst aufziehen durfte, sondern diese dem Kindermädchen überlassen musste, wie es zu dieser Zeit in höheren Kreisen üblich war. Nachdem sie selbst keine Liebe von ihren Eltern erfahren hat, wollte sie zu ihren eigenen Kindern eine festere Beziehung aufbauen.... Als Mutter tat mir beim Lesen das Herz weh. Im letzten Drittel kommt es zu großen Veränderungen in Hildegards Leben und sie muss abermals fliehen. Ob sie schlussendlich Liebe und Geborgenheit findet, müsst ihr selbst herausfinden.... Gestört hat mich, dass genaue Zeitangaben fehlen. Man weiß oft nicht, wie alt Hildegard oder ihre Kinder sind. Das hat manchmal den Lesefluss gestört, besonders, wenn innerhalb eines Kapitels Zeitsprünge vorkamen und diese eben nicht gekenntzeichnet waren. Auch das letzte Drittel konnte mich nicht mehr so fesseln, wie der Rest des Buches. Deshalb sind es statt 5 Sterne diesmal gute 4 1/2 Sterne geworden. Schreibstil: Irma Joubert hat einen sehr bildhaften und detaillierten Schreibstil. Mein Kopfkino war die ganze Zeit über in Hochform bei den lebendigen Beschreibungen von Menschen und Landschaften, dem Luftschutzkeller oder der klirrenden Hitze in Deutsch-Südwest Afrika. Der Spannungsbogen wurde stets angehoben und man liest sich sehr schnell durch die fast 500 Seiten. Die Erzählform in der Gegenwart lässt die Ereignisse noch viel realer erscheinen. Fazit Ein beeindruckendes Bild einer Frau, die nie die Hoffnung und den Glauben aufgibt. Krieg, Flucht und jede Menge Verluste begleiten ihren Weg - sehr bildhaft, lebendig und detailliert beschrieben. Spannend und mit jeder Menge historischen Hintergrundwissen ein eher nachdenklicher Roman, der begeistert.

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  • Warum führen die Menschen immer Krieg?

    Sehnsuchtsland

    Traeumerin109

    06. September 2016 um 10:26

    Hildegard flieht als kleines Mädchen mit ihren Eltern aus St. Petersburg nach Königsberg, wo sie ihre Kindheit verbringt. Hier lernt sie auch Gustav aus Deutsch-Südwestafrika kennen, der ihr Geschichten über ein wunderschönes Land erzählt. Seitdem träumt sie heimlich, nicht nur von dem fernen Land, sondern auch von dem jungen Studenten. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus, und im Lazarett lernt Hildegard den Schrecken des Krieges kennen. Nach dem Krieg verschlägt es sie nach Berlin, wo sie den Arzt Siegfried heiratet. Aber die turbulenten Zeiten sind noch lange nicht vorbei. Schon bald sieht sie sich als nun erwachsene Frau mit eigenen Kindern erneut einem furchtbaren Krieg ausgesetzt, der diesmal auch direkt vor ihrer Haustür tobt. Es dauert noch einige Jahre, bis Hildegard endlich einen Ort findet, den sie ihr Zuhause nennen kann. Die Autorin Irma Joubert beschreibt in diesem Buch die beeindruckend einfühlsame und tiefgehende Lebensgeschichte einer jungen, mutigen Frau. Hildegard hat sich schon als kleines Mädchen in mein Herz geschlichen, als sie trotz der kalten und abweisenden Haltung ihrer Eltern zu einem warmherzigen Menschen heranwächst. Hautnah darf der Leser ihre Entwicklung verfolgen. Spätestens im Feldlazarett, als 16jähriges Mädchen, zeigt sie, was in ihr steckt. Auch die Jahre danach muss sie viel durchmachen, verliert aber nie ihr Gottvertrauen und ihre Zuversicht. Aber nicht nur die Geschichte von Hildegard wird hier erzählt, sondern auch die zweier Kriege, die die meisten von uns nicht miterlebt haben. Dies geschieht mit teilweise sehr klaren Worten und daher unglaublich einprägsam. Es bleibt nur, die Frage zu stellen, welche auch Hildegard stellt: Warum nur immer wieder Krieg? Die verwundeten Soldaten, die von der Front kommen, geben ein klares und grauenvolles Bild von dem, was in den Schützengräben passiert ist. Und schließlich, in Berlin, erlebt Hildegard, wie die NSDAP an die Macht kommt, was einen weiteren Krieg zur Folge hat. Der ständige Hunger, das Anstehen um Essen, die Angst und die Bomben, die Zerstörung, das Leben in Kellern – dies und noch vieles mehr wird zu einer spannenden Geschichte verwoben. In dieser glänzt nicht nur Hildegard, sondern auch ihre kleine Tochter Esther, ein sehr kluges und fröhliches Kind mitten im Krieg. Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt und nicht mehr losgelassen, die Figuren sind vielschichtig und beispielhaft für die damalige Zeit. Eine Geschichte in dieser schwierigen und verworrenen Zeit spielen zu lassen, ist nicht immer einfach. Ich finde, das ist der Autorin hier meisterhaft gelungen. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen!

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  • Leserunde zu "Sehnsuchtsland" von Irma Joubert

    Sehnsuchtsland

    Sonnenblume1988

    Ich möchte euch ganz herzlich zu einer neuen Leserunde einladen: Der Francke-Verlag stellt drei Exemplare des Buches "Sehnsuchtsland" von Irma Joubert zur Verfügung. Vielen Dank an den Verlag  für die Unterstützung der Leserunde! Zum Inhalt: "1905 aus St. Petersburg geflohen, findet die kleine Hildegard mit ihrer Familie auf dem Landgut der adligen Vorfahren in Königsberg ein neues Zuhause. Das aufgeweckte Mädchen steckt voller Energie und Wissensdurst, sehnt sich aber zutiefst nach Liebe und Anerkennung. Als sie dem Studenten Gustav von Langner aus Deutsch-Südwestafrika begegnet, beginnt sie zaghaft zu träumen – vom Sehnsuchtsland Afrika und von Gustav. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase. Hildegard ahnt nicht, welch turbulente Zeiten ihr noch bevorstehen. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald im Berlin der 20er-Jahre leben und nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege wird meistern müssen. Vor allem aber ahnt sie nicht, welche Umwege das Leben sie noch führen wird, bevor sie endlich das findet, wonach sie sich am meisten sehnt: ein Zuhause." Bitte bewerbt euch bis zum 13. August hier im Thread und beantwortet die Frage, was euch am Buch interessiert. Hier ist der Link zur Leseprobe. Wir bitten euch, vor eurer Bewerbung folgende Punkte zu berücksichtigen:  - Der Gewinner verpflichtet sich dazu, sich innerhalb von ca. 4 Wochen mit den anderen Teilnehmern über alle Leseabschnitte auszutauschen und eine Rezension zu schreiben. - Es können nur Bewerber berücksichtigt werden, deren Profil öffentlich ist und die mindestens eine Rezension in ihrem Profil haben. Bitte beachtet, dass in diesem Buch christliche Werte eine wichtige Rolle spielen. Ich freue mich auf eure Bewerbungen. Wer ohne Verlosung mitlesen möchte, kann dies natürlich auch sehr gerne tun. Eure Rezensionen könnt ihr sehr gerne auch auf anderen Internetseiten veröffentlichen.

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    • 89
  • Wenn Geschichte plötzlich spannend und nachvollziehbar wird

    Sehnsuchtsland

    Smilla507

    03. September 2016 um 11:25

    „...ein ganzes Leben muss sie zurücklassen. Wieder einmal.“ (S. 314)1905 muss Hildegard als kleines Mädchen mit ihren Eltern vor den Bolschewisten fliehen. In Königsberg kommt die adlige Familie bei Verwandten unter. In Königsberg begegnet Hildegard auch Gustav aus Deutsch-Südwestafrika. Doch kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs reist er überstürzt zurück in seine Heimat. Auch ihre englische Nanny wird von ihrem Vater entlassen, ohne dass sich Hildegard von ihr verabschieden kann. Um sich von diesen beiden Trennungen abzulenken pflegt Hildegard verwundete Soldaten. All das Leid, das ihr dabei begegnet, lässt sie den Krieg aus tiefstem Herzen verabscheuen. Und so sieht sie die Entwicklungen zu Beginn der dreißiger Jahre auch mit sehr kritischen Augen. Inzwischen lebt sie in Berlin, erneut geflohen vor den Bolschewisten......und das ist nicht die letzte Flucht für Hildegard. Es gibt noch einige Trennungen für sie, oftmals ohne richtige Verabschiedungen. Träume, die zerplatzen, Sehnsüchte, die begraben werden müssen.Halt in diesen schwierigen Zeiten gibt ihr der Glaube an Gott, von dem ihr die englische Nanny erzählt hat. Hildegard geht in die Kirche, betet und fleht zu Gott. Oftmals schafft sie es nur „Herr, Herr“ zu seufzen. Etwas, was mir sehr bekannt vorkommt. Trotz all der dunklen Stunden hält Gott ein Happy End für Hildegard bereit.Irma Joubert baut von Anfang an eine Spannung auf, die zunächst zwar nur unterschwellig ist, aber sich stetig steigert. In kurzen, schnörkellosen Sätzen, die sich aneinanderreihen wie Perlen auf einer Perlenkette, schildert sie die turbulente Zeit der zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren. Ungewöhnlich ist, dass sie den Roman (wieder) im Präsens geschrieben hat. Irgendwann kam mir die Erkenntnis: Hätte sie alles in Vergangenheitsform erzählt, hätte man das Gefühl ein Geschichtsbuch zu lesen. So aber steckt man mitten in der Handlung, für den Leser wird die Geschichte gegenwärtig und wesentlich greifbarer! Zum ersten Mal konnte ich die Zusammenhänge klar erkennen, die politische Entwicklung und wie diese aus der Sicht der Bevölkerung wahrgenommen wurde. Da kann ich nur sagen: Chapeau, liebe Historikerin! Was ich im Geschichtsunterricht als langweilig und kompliziert empfand, konnte mich auf einmal fesseln!Manchmal fehlte mir eine Zeitangabe, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Glücklicherweise hatte ich ein Interview mit der Autorin gehört und erfahren, dass sie ihrer Protagonistin das Geburtsjahr 1900 gegeben hatte, damit sie selbst nicht so viel rechnen muss, wie alt diese nun sei. Fazit: Wer fundierte, spannende historische Romane mag, sollte bei Irma Joubert zugreifen! Seit „Das Mädchen aus dem Zug“ hat sie sich in mein Herz geschrieben und ich hoffe noch viele Romane aus der Feder der Südafrikanerin lesen zu dürfen.

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  • Ein Mädel aus dem Osten

    Sehnsuchtsland

    TochterAlice

    03. September 2016 um 07:42

    Das ist Hildegard, deren Schicksal wir von Kind auf begleiten. 1905 muss sie ein erstes Mal  - als noch kleines Mädchen - aus Russland vor den dortigen Umwälzungen fliehen. Mit ihren Eltern geht es nach Königsberg, der Heimat ihrer Mutter, wo ein großes Haus mit vielen Bediensteten auf sie wartet. Für Hildegard wird es eher ein Kerker, nein, eine Trutzburg der Kälte, die in ihrer Familie herrscht und die ihr zu schaffen macht. Ein Lichtblick ist der junge Student Gustav aus Deutsch-Südwest, also aus Afrika, der bei seinen Großeltern lebt und ihr als erster Mensch zeigt, wie Wärme und Zuspruch sein können, wie bereichernd es ist, sich selbst zu entfalten.Der erste Weltkrieg verschlägt sie dann nach Berlin und an die Seite eines wesentlich älteren Mannes, der bestimmte Vorstellungen von ihr und ihrem Weg hat, es folgt ein sehr behütetes, ja beschütztes Leben, in dem sie wenig Möglichkeiten zur Selbstentfaltung hat. Doch auf diesem ihrem Weg begegnen ihr Menschen, die ihr zeigen, was Freundschaft und Wertschätzung ist und auch ihr starker Glaube hilft ihr, so manche Situation durchzustehen.Mit Verlust muss sich Hildegard schon früh auseinandersetzen und leider bleibt ihr dies auch weiterhin nicht erspart, der zweite Weltkrieg erschüttert ihr bislang ruhiges Leben grundlegend.Es folgt ein Aufbruch zu neuen Ufern zusammen mit ihrer kleinen Tochter, der sie ans Ende der Welt verschlägt und Unerwartetes birgt - sowohl für Hildegard als auch für den Leser.Ein tragisches Schicksal in Deutschland in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie ich es so bislang noch nicht gelesen habe. Die Autorin Irma Joubert eröffnet neue Perspektiven, Blickwinkel und Aspekte. Manches wird nicht so vertieft, wie ich es mir gewünscht hätte, dennoch habe ich dieses fesselnde Buch nicht aus der Hand legen können. Mitreißend, aufwühlend, ab und an auch überraschend: ein historischer Roman über den Lebensweg einer besonderen Frau, der lesenswert ist!

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  • Ein grandioses Buch

    Sehnsuchtsland

    leseratte69

    26. July 2016 um 20:20

    Klappentext 1905 aus St. Petersburg geflohen, findet die kleine Hildegard mit ihrer Familie auf dem Landgut der adligen Vorfahren in Königsberg ein neues Zuhause. Das aufgeweckte Mädchen steckt voller Energie und Wissensdurst, sehnt sich aber zutiefst nach Liebe und Anerkennung. Als sie dem Studenten Gustav von Langner aus Deutsch-Südwestafrika begegnet, beginnt sie zaghaft zu träumen – vom Sehnsuchtsland Afrika und von Gustav. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase. Hildegard ahnt nicht, welch turbulente Zeiten ihr noch bevorstehen. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald im Berlin der 20er-Jahre leben und nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege wird meistern müssen. Vor allem aber ahnt sie nicht, welche Umwege das Leben sie noch führen wird, bevor sie endlich das findet, wonach sie sich am meisten sehnt: ein Zuhause. Die Autorin Irma Joubert lebt in Südafrika. Sie studierte Geschichte an der Universität von Pretoria und war fünfunddreißig Jahre lang Lehrerin an einem Gymnasium. Nach ihrer Pensionierung begann sie mit dem Schreiben. Die Historikerin liebt es, gründlich zu recherchieren und ihre Romane mit detailreichen Fakten zu untermauern. In ihrer Heimat und den Niederlanden haben sich ihre historischen Romane zu Bestsellern entwickelt und sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Meine Meinung Story Schon nach wenigen Seiten hat mich das Buch gefesselt. Die Handlung beginnt sofort recht spannend, denn wir erleben die Flucht von der kleinen Hildegard und ihrer Familie, die 1905 aus St. Petersburg vor den Bolschewisten fliehen müssen. Man erlebt wie Hildegard auf dem Landsitz ihrer Vorfahren in Königsberg langsam zur jungen Frau heranwächst. Sie hat es nicht immer leicht, denn zu ihren Eltern hat sie stehts ein kühles, sehr distanziertes Verhältnis und ihre Nanny, an der ihr Herz hing, wurde von jetzt auf gleich aus ihrem Leben gerissen. Man erlebt als Lesser mit wie Hildegard sich entwickelt, wie sie den Ersten und Zweiten Weltkrieg meistert und wie sie erneut immer wieder fliehen muss und dabei ihr Hab und Gut zurücklassen muss. Leider hat Hildegard immer jemanden in ihrem Leben, der ihr vorschreibt was sie tun und lassen soll und wer sie zu sein hat. Erst als der Zweite Weltkrieg sie wieder aus ihrem gewohnten Leben reißt, Berlin in Schutt und Asche liegt und sie erneut fliehen muss, lernt sie was Freiheit und Glück bedeuten. Als dieses und vieles mehr hat die Autorin Irma Joubert in eine wahnsinnig spannende und mitreißende Geschichte gepackt, die mich zu 100% überzeugen konnte. Schreibstil Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Einmal begonnen mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Irma Joubert schreibt sehr bildhaft, so das man die Schauplätze und auch die Personen förmlich vor Augen hat, Sie lässt viele reale Ereignisse und historisch belegte Fakten einfließen, besonders über die beiden Weltkriege erfährt man sehr viel Hintergrundwissen. Charaktere Hildegard mochte ich von der erste Seite an. Sie tat mir so unendlich leid, weil ihre Eltern, besonders die Mutter, sehr kühl und distanziert waren. Ich hätte sie so gerne zwischenzeitig getröstet. Man erlebt als Leser ihre Entwicklung vom eigenwilligen Kind bis zur mutigen jungen Frau. Liebe erfährt Hildegard nur selten und es gibt immer jemanden der sie in eine Rolle hinein presst, in der sie eigentlich nicht glücklich ist. Alle anderen Charaktere waren auch sehr authentisch und sehr gut wiedergegeben. Ich mochte Andreas Mäkinen so gerne. In ihm findet Hildegard einen wahren Freund oder man könnte sogar sagen, einen zweiten Vater. Mein Fazit Ein grandioser, fesselnder und sehr spannender Roman mit vielen historisch belegten Fakten. Ein Roman über eine starke, mutige Frau die die Wirren und das Grauen zweier Weltkriege meistert und dabei meistens völlig auf sich gestellt ist. Ein Roman über Hoffnung, Glaube und Neuanfang. Ich vergebe volle fünf von fünf Sterne / Leseratten und eine absolute Leseempfehlung. Wer historisch gut recherchierte Romane mag, die über die Zeit der beiden Weltkriege handelt, ist hier genau richtig.

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