Irmgard Keun

 3.9 Sterne bei 312 Bewertungen

Lebenslauf von Irmgard Keun

Eine humorvolle und bedeutende Autorin des letzten Jahrhunderts: Die deutsche Schriftstellerin Irmgard Keun wurde 1905 in Charlottenburg geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Berlin und ab 1913 in Köln, wo sie ihren Abschluss 1921 an einer evangelischen Mädchenschule machte, später auf eine Handelsschule ging, dann aber Privatunterricht in Stenographie und Schreibmaschine an einer Belitz School nahm. Sie arbeite zunächst als Stenotypistin und ging von 1925 bis 1927 auf die Schauspielschule in Köln. 1929 beendete sie ihre Schauspielkarriere um ihren Anfang als Schriftstellerin zu machen, was ihr zwei Jahre später mit ihrem Roman "Gilgi - eine von uns" gelang, der sie berühmt machte. 1933 allerdings wurden ihre Bücher verboten und sie ging ins Exil nach Belgien und später in die Niederlande. Nach Einmarsch der Nationalsozialisten in die Niederlande kam sie nach Deutschland zurück und lebte dort bis 1945 durch falsche Papiere und Falschmeldungen über ihren Tod in der Illegalität. Nach dem Krieg arbeitete sie als Journalistin, konnte allerdings literarisch nicht mehr an ihre früheren Erfolge anschließen. Später litt sie an Alkoholismus, ihr fehlte Geld, und sie wurde schließlich 1966 entmündigt und in die psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses Bonn eingeliefert. Dort blieb sie acht Jahre lang und lebte danach zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Bonn. Später jedoch, durch ein Porträt im Spiegel und eine Lesung in Bonn, kam sie ab 1977 unerwartet wieder zu Erfolgen und schuf sich finanziellen Freiraum. Gestorben ist sie 1982 an Lungenkrebs.

Alle Bücher von Irmgard Keun

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Cover des Buches Das kunstseidene Mädchen (ISBN: 9783548609041)

Das kunstseidene Mädchen

 (161)
Erschienen am 09.09.2009
Cover des Buches Kind aller Länder (ISBN: 9783462048971)

Kind aller Länder

 (29)
Erschienen am 18.02.2016
Cover des Buches Gilgi - eine von uns (ISBN: 9783548602677)

Gilgi - eine von uns

 (25)
Erschienen am 01.10.2002
Cover des Buches Nach Mitternacht (ISBN: 9783898616768)

Nach Mitternacht

 (23)
Erschienen am 09.10.2006
Cover des Buches D-Zug dritter Klasse (ISBN: 9783546453684)

D-Zug dritter Klasse

 (3)
Erschienen am 01.07.1983
Cover des Buches Ich lebe in einem wilden Wirbel (ISBN: 9783546453844)

Ich lebe in einem wilden Wirbel

 (1)
Erschienen am 01.07.1988

Neue Rezensionen zu Irmgard Keun

Neu

Rezension zu "Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen" von Irmgard Keun

Schade, dass das letzte Werk von Irmgard Keun so wenig Beachtung findet.
Stiefelchenvor einem Jahr

Ferdinand kehrt aus der Kriegsgefangenschaft in das zerbombte Köln zurück. Dort versuchen die Menschen zu überleben und wieder einen Alltag aufzubauen. Es wird getauscht und geklaut, entnazifiziert und mit dubiosen Geschäftsideen Geld gemacht. Ferdinand hält sich dabei immer aus allem raus und philosophiert lieber. Nebenbei versucht er auch seine Verlobte loszuwerden, die sich einst einfach neben ihn gesetzt hat und ihm von da an Briefe in den Krieg geschickt hat.

Das alles wird trotz einer melancholischen Grundstimmung sehr humorvoll geschildert. Die Charaktere sind stets liebenswert, vor allem haben mir der eifrige Geschäftsmann gefallen und die Mutter, die einfach einschläft, wenn ihr alles zu viel wird.  

Titel und vor allem Cover des Buches finde ich nicht passend. Aber bitte nicht davon abschrecken lassen, ich kann dieses kleine Buch nur empfehlen.

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Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

Weibliche Satire der 1920er Jahre
Paperboatvor einem Jahr

„Das kunstseidene Mädchen“, das ist Doris; jung, lebenshungrig, und ihr steht die Welt offen, meint sie, nachdem sie ihre Stelle im ihr provinziell anmutenden Köln im Büro kündigt, nachdem ihr Chef ihr sexuelle Avancen angetragen hat. Doris möchte aber nicht das Liebchen eines alten Knackers sein, sondern sich ihre Liebschaften selbst aussuchen. Und vor allem eins: Ein Glanz sein und als Star gefeiert werden.
Durch ihre Mutter erhält sie eine Stelle in einem Theater, und durch die Flunkerei, sie hätte ein Verhältnis mit dem Regisseur, wird ihr ein wenig Respekt der Theatergruppe zuteil. Einen Auftritt ergattert sie sich dadurch, dass sie eine Konkurrentin im Theater auf der Toilette einsperrt und fortan ihren Satz sprechen darf. Dass sich ihre Daseinsberechtigung im Theater einzig auf die Annahme stützt, sie sei dem Regisseur nahe, ist sich Doris im klaren darüber, dass ihre Zeit dort begrenzt ist. Als sich dann ihre verflossene Liebe Hubert ausgerechnet an dem Tag für ein Treffen ankündigt, als sie nur in einem nicht vorzeigbaren Regenmantel im Theater ist, stiehlt sie kurzerhand einen Pelzmantel, den Feh, der sie ab sofort immer begleiten wird, und trifft sich mit Hubert. Die Zusammenkunft der beiden ist ernüchternd, und da sich Doris mit dem Diebstahl die Rückkehr ins Theater verbaut hat, entscheidet sie sich nach Berlin zu gehen, das für sie der Inbegriff eines aufregenden Lebens und ihre größte Chance ein Glanz zu werden, darstellt.

In Berlin wohnt sie zunächst bei einer Bekannten, und durch ihre offene und laszive Art ergeben sich auch dort schnell erste Kontakte zu Männern, die Doris aber leider nie dorthin führen, wo sie hin will. Sie kann die Männer sehr gut einschätzen und durchschauen, und dies kommentiert sie oftmals so, dass es dem Leser etwas zwischen einem Grinsen und einem lauten Lachen entlockt. Als Beispiel:“Er hätte auch Geist. Und Grundsätze: Männer dürfen und Frauen dürfen nicht. Nun frage ich mich nur, wie Männer ihr Dürfen ausleben können ohne Frauen? Idiot.“ Trotz dieser Raffinesse in Sachen Männer fehlt es ihr an wirklicher Bildung, sie kommt über die Wahrnehmung als junges, liebenswertes Dummchen mit viel Erotik nicht hinaus. Weil Doris in Berlin nicht arbeiten kann, da sie fürchten mus bei einer Anmeldung von der Polizei für den gestohlenen Feh zur Verantwortung gezogen zu werden, ist sie immer auf Hilfe von außen angewiesen. Sie lebt erst bei einer Bekannten, freundet sich mit einer Prostituierten an, hat wechselnde Männerbekanntschaften und verliert irgendwann das Dach überm Kopf und ist obdachlos. Die Annäherungen Karls, der obdachlos ist und in einer Gartenlaube wohnt, lehnt sie in ihrem restlichen Stolz ab. Da wird sie von Ernst aufgelesen, der die müde und unterernährte Doris mit zu sich nach Hause nimmt. In der Nacht und den ersten Tagen vermutet Doris einen Perversen, der sich an ihr vergehen will, aber Ernst macht keine Anstalten ihr sexuell näher zu kommen, obgleich er sich Doris ansonsten nahe fühlt. Es stellt sich heraus, dass er seiner einstigen Liebe nachtrauert und schlicht nicht alleine sein will. Doris, die sich bietende Situation erst zu ihren Vorteilen nutzend, überwindet ihre anfängliche Abneigung gegen ihn, den sie erst als Waschlappen wahrnimmt, und entwickelt irgendwann Gefühle für Ernst, die jedoch nicht erwidert werden. Durch einen Umstand wird ihr klar, dass sie Ernst nie komplett für sich gewinnen können wird. Sie hat für sich aber gelernt, dass es keinen Glanz braucht, um sich gut und geliebt zu fühlen. Sie ergreift ihre letzte Chance nach Karl, der sie doch früher schon gewollt hat, und macht sich auf die Suche nach ihm.

Der Roman verwendet eine sehr anschauliche und blumige Sprache. Ernst beispielsweise betitelt sie als ihr Grünes Moos, weil er eine Stimme hat, die sie an ein solches erinnert. Irmgard Keuns Wortschaffungen sind aber immer aufschlussreich und erzeugen in ihrem Leser ein unverwechselbares Bild. Keun hat mit Doris einen komplizierten Charakter geschaffen, da sie in Männerdingen so bewandert zu sein scheint, in tieferer Ebene die Männer jedoch nicht für sich halten kann. Ihre Gewitztheit, so bewundernswert sie auch scheint, ist letzten Endes eine Bauernschläue, die vor wirklicher Bildung nicht standhalten kann. Es ist eben nur Kunstseide, keine echte Seide.

Zur Ausstattung des Ullstein-Hardcovers möchte ich gerne noch anmerken, dass es ein wunderschönes Bändchen ist. Das Format ist in der Länge kleiner als eine ausgestreckte Hand und fand daher sogar in meiner Jackentasche platz. Das schwarz-weiße Cover entfaltet seine ganze reizende Wirkung erst mit dem pinkfarbenen Schriftzug. Die Ausstattung beinhaltet ein Lesebändchen in tiefrosa, ebenso ist das Kapitalband in derselben Farbe gehalten. Es handelt sich hierbei wirklich um eine schicke kleine Ausgabe!

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Rezension zu "Kind aller Länder" von Irmgard Keun

Eine Kindheit im Exil
Durga108vor 2 Jahren

Bin ich froh, dass es sich um eine ungekürzte Fassung handelt, denn das Hörbuch ist jede Minute ein Genuss, tief berührend und  liebenswert.

Bevor ich mit der eigentlichen Rezension beginne, möchte ich unbedingt den Hörern nahe legen, sich mit der recht unbekannten Autorin Irmgard Keun zu beschäftigen. Den Einstieg hierfür bietet ein Interview mit Volker Weidermann, am Ende des Hörbuchs. Was für eine Frau! 1933/34 wurden ihre Bücher verboten und sie selbst lebt von 1936-40 im Exil in Belgien und in den Niederlanden. Dort lernt sie Joseph Roth kennen, der Kullys Vater im Hörbuch darstellt. Nach dem Krieg lebt sie verarmt, alkoholkrank und völlig unbekannt in Köln. Erst kurz vor ihrem Tod sorgt ein Artikel im Stern für Keuns Wiederentdeckung.

Keun schreibt über ihre Erlebnisse und schlüpft in die Rolle der  Protagonistin Kully, einem 10jährigen Mädchen und Erzählerin. Obwohl der Roman aus kindlicher Sicht geschrieben ist, ist er niemals naiv und schon gar nicht süß. Kully war u.a. schon in Wien, Warschau, Prag, Paris, Amsterdam und New York City. Obwohl Kully scheinbar alles ganz harmlos erzählt, erkennt der Hörer schnell die Tragik in der Geschichte. Die Eltern fliehen nämlich vor den Nazis und reisen nicht aus Spaß oder Fernweh. Der Vater ist Schriftsteller, versucht sowohl mit der Schriftstellerei, aber auch mit allerhand halbseidener Geschäfte an Geld zu kommen. Was ihm oft nicht gelingt, zumal er dem Alkohol und schönen Frauen sehr zugetan ist. Trotz des rastlosen Lebens und vielen ausweglosen Situation gelingt Keun ein tragikomischer Erzählstil, dadurch dass sie ein Mädchen erzählen lässt. Dennoch lenkt sie nicht vom Ernst der Lage ab. Kinder bekommen meist viel mehr mit, als Erwachsene denken und eine materielle Beständigkeit ist oft gar nicht so wichtig, so lange das familiäre Umfeld stabil ist.

Eine schöne Erzählung deutscher Geschichte einer bemerkenswerten Autorin.

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Gespräche aus der Community

Neu
Cover des Buches Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften
Herzlich willkommen zu einer weiteren Leserunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur"!

Im Oktober lesen wir zusammen "Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften" von Irmgard Keun.

Über die Autorin:
Irmgard Keun, geboren 1905 in Berlin, war nach dem Abschluss des Mädchenlyzeums und dem Besuch einer Handelsschule als Stenotypistin tätig, bevor sie in Köln die Schauspielschule besuchte. Ihre Schauspielkarriere beendete sie früh und veröffentlichte 1931 ihren ersten Roman »Gilgi, eine von uns«, der sie schlagartig berühmt machte. Der Verkaufserfolg ihres zweiten Romans »Das kunstseidene Mädchen« (1932) hält bis heute an. Nach dem Verbot ihrer Bücher und der Ablehnung ihrer Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer ging Keun ins Exil, zunächst nach Ostende, lebte und reiste zwei Jahre zusammen mit Joseph Roth und kehrte 1940 zurück nach Deutschland, wo sie bis 1945 in der Illegalität lebte. 1979 erlebte sie ihre späte Wiederentdeckung und starb 1982.

Die Leserunde startet am 1. Oktober und wir freuen uns über jeden, der mit uns lesen möchte!
185 Beiträge
Letzter Beitrag von  ElkeMZvor 2 Jahren
Von mir aus auch.

Zusätzliche Informationen

Irmgard Keun wurde am 06. Februar 1905 in Charlottenburg (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 399 Bibliotheken

auf 34 Wunschzettel

von 5 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

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