Das kunstseidene Mädchen

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Inhaltsangabe zu „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun

Irmgard Keuns zweiter Roman war im Jahr 1932 ein Sensationserfolg. Ein sozialkritisches Buch, das zugleich unterhaltsam ist! Die zeitgenössischen Kritiker waren - wie diese Sonderausgabe dokumentiert - teils begeistert, teils entsetzt. Ein Jahr später wurden Irmgard Keuns Bücher von den Nationalsozialisten verboten, die Autorin ging ins Exil und konnte später nicht wieder an ihre Erfolge anknüpfen. »Das kunstseidene Mädchen« jedoch geriet nie völlig in Vergessenheit; Doris' Suche nach dem Glück, von ihr selbst in unnachahmlichem Tonfall erzählt, begeistert bis heute Leser und Leserinnen jeden Alters. Der unveränderte Text der Erstausgabe wird in diesem Band durch Briefe, zeitgenössische Rezensionen, eine Auswahlbibliografie und ein informatives Nachwort zur Wirkungsgeschichte des Romans ergänzt. Außerdem erläutert Irmgard Keun ihr System des Männerfangs in einem Feuilleton, das zum ersten Mal seit 1932 wieder veröffentlicht wird. (Quelle:'Fester Einband/01.01.2005')

Gesellschaftskritischer Roman, der zur deutschen Literaturgeschichte gehört, aber nicht meinen Geschmack getroffen hat.

— Dominic32
Dominic32

Schullektüre Deutsch LK

— Sarah_va21
Sarah_va21

Toller gesellschaftskritischer Roman, dessen Protagonistin es aber leider versaut...

— LillianMcCarthy
LillianMcCarthy

süß, traurig, schön

— MaraWinter
MaraWinter

brutal zu lesen, da die Sprache dem sozialen Umfeld von Doris entspricht. Sozialkritisch gut gelungen.

— neuerfingerhut
neuerfingerhut

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  • Ich will ein Glanz sein

    Das kunstseidene Mädchen
    Armillee

    Armillee

    09. March 2016 um 11:24

    In diesem Klassiker spielt der Zeitgeist der 20er Jahre eine große Rolle.
    Mir hat die Geschichte und die Reise in die Vergangenheit sehr gut gefallen.
    Doris ist in ihrer Art zwar etwas gewöhnungsbedürftig und die Schreibweise der Autorin ebenso. Allerdings hebt sich dadurch dieses Buch positiv von der "üblichen" Literatur ab.
    Sollte man einmal gelesen haben!

  • Wenn ich Doris doch umtauschen könnte...

    Das kunstseidene Mädchen
    LillianMcCarthy

    LillianMcCarthy

    19. July 2015 um 14:29

    Inhalt: Doris ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagaus, tagein lange Briefe tippen, sondern ein Star werden. Sie will in die große Welt, ins Berlin der Roaring Twenties… Irmgard Keun hat Doris‘ kunstseidene Abenteuer „naiv und brillant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig“  beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik – eine seltene Einheit. (Quelle: Buch) Vor der Rezension: In Klassik Edition stelle ich euch Rezensionen zu etwas anderen Büchern vor. Bücher, die ich vielleicht im Zuge der Uni gelesen habe, vielleicht auch ein bisschen out-of-comfort privat und die eine Rezension wert sind. Ich spreche von Büchern, die viele unter euch als nervige Schullektüre bezeichnen würden. Mit der Ausnahme, dass die Bücher, die ich hier bespreche weg gehen von dem Lektürekanon. Ich möchte euch mit diesen Rezensionen zeigen, dass Klassiker auch toll sein können und da besondere Bücher auch besondere Rezensionen erfordern, werde ich die Rezensionen der Klassik Edition anders aufbauen als alle anderen. Schreibstil und Co sind bei diesen Büchern nicht wichtig. Der ist eh anders und meistens gewöhnungsbedürftig. Nein, ich möchte Literatur solcher Art kontextualisieren und weg gehen von „Was will der Autor uns damit sagen?“. Und wer weiß, vielleicht kann ich euch ja sogar dazu animieren den einen oder anderen Klassiker zu lesen und zu lieben. Meine Meinung: Das kunstseidene Mädchen ist erstmals 1932 erschienen. Es spielt jedoch in den 20er Jahren. Hier in Deutschland. Wir befinden uns in der Weimarer Republik. Der erste Weltkrieg ist vorbei und die Niederlage sitzt noch tief in den Knochen. Außerdem erwartet die Weimarer Republik mit all ihren Problemen tagtäglich und Arbeitslosigkeit steht ganz oben auf der Problemliste. Mitten in diesem ganzen Chaos befindet sich Doris und, wie es zu dieser Zeit üblich war, sind Politik und das aktuelle Zeitgeschehen im Bürgertum in Vergessenheit geraten. Man will sich nicht mit all den politischen Problemen belasten. Man hat schon wirtschaftliche Sorgen genug. Außerdem boomen gerade Theater, Film und Kultur und das ist die Art, wie man sich zu dieser Zeit amüsiert und versucht die Sorgen zu vergessen. Genauso ist auch der Roman geschrieben. Doris möchte ein Glanz werden und groß herauskommen. Ihr Tagebuch, das wir in Form des Romans lesen, nutzt sie, um alle ihre Erlebnisse und ihren Weg nach ganz oben zu dokumentieren. Schreiben wie Film will sie und so ist der Schreibstil sehr szenisch und wird so interessant zu lesen. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich das Buch als ein Jugendbuch bewerten würde. Auch, wenn hinter dem kunstseidenen Mädchen mehr steckt als nur ein Unterhaltungsroman. Aber welche Botschaft steckt dahinter? In den 20er Jahren gibt es DEN Trend. Er heißt „Die neue Frau“. Viele von euch haben jetzt sicher das Bild einer erfolgreichen Karrierefrau im Kopf, die Familie, Job und Freizeit perfekt unter einen Hut bekommt und dabei auch noch sehr erfolgreich ist. Dieses Frauenbild stand in den 20ern aber noch nicht stellvertretend für die neue Frau sondern eher die Sekretärin. Einfache Mädchen aus der unteren Mittelschicht. Mit der neuen Frau war ein Aufleben der Frau in Kultur und Medien gemeint. Man trug die Haare kurz, zog Hosen an, ging arbeiten und zeigte Interessen an kulturellen Dingen. So wurde die Frau recht schnell zu Werbezwecken genutzt und die konsumorientiere Seite von uns Mädels direkt angesprochen. Allerdings blieb die neue Frau nur ein Modetrend und viel sind an diesem Idel gescheitert. Spätestens mit den Nationalsozialisten ist das Bild völlig verschwunden. Anhand von Doris wird der Versuch eine neue Frau zu sein geschildert. Allerdings auf eine sehr satirische Art denn man könnte nicht mehr scheitern, als Doris es tut. Um ein Ganz zu werden und reich und berühmt zu sein will sie nämlich gar nichts tun. Sie will nicht dafür arbeiten sondern versucht es mit den Mitteln, die Frauen seit jeher benutzen um das zu bekommen, was sie wollen: Männer und Intrigen. Hier kommen wir dadurch auch zu dem Punkt, der mir an dem kunstseidenen Mädchen so gar nicht gefallen hat. Und dieser Punkt ist Doris. Wirklich, satirisch hin oder her, ich habe Doris wirklich gehasst und mal ganz ehrlich: Man will Doris auch einfach nicht als beste Freundin haben. Sie ist intrigant, hat komische Moralvorstellungen und weder Anstand noch Bildung. Aber genau mit Doris wird eben jenes Scheitern der neuen Frau gezeigt und das macht die Botschaft dahinter, die Verzweiflung, die mit diesem Scheitern einhergeht so deutlich. Irmgard Keuns Roman trifft die Mentalität und den Zeitgeist der 20er Jahre also auf den Punkt und stellt die Gesellschaft in dieser Zeit sehr gut nach. Verpackt in einem Roman in Tagebuch-Form kann man Das kunstseidene Mädchen darüber hinaus sehr gut lesen und durch das filmische Schreiben wird das Geschehen sehr lebhaft und szenisch dargestellt. Die Protagonistin Doris war nicht meins und genau das hat mir den Roman sehr verdorben. Dennoch trifft sie genau mit Doris den Zeitgeist und stellt diesen auch sehr satirisch dar. Wenn ihr euch also für die Gesellschaft der 30er Jahre interessiert und über die Protagonistin hinwegsehen könnt bzw. ihr eher negative Charaktere sogar liebt, solltet ihr euch am kunstseidenen Mädchen versuchen. Bewertung: Eigentlich sträube ich mich ein bisschen gegen das Bewerten von Klassikern. Ehrlich. Ich will euch mit schlechten Bewertungen nicht abschrecken noch sind die Bücher, die ich mit 5 Füchschen bewerte für euch auch immer Highlights. Und was für Belletristik gilt, das gilt erst recht für die Klassiker. Dennoch habe ich mich entschieden Füchschen zu vergeben obwohl ich euch dennoch sagen muss: alle Klassiker sind lesenswert! Wagt euch ruhig mal dran und werft einen Blick über den Tellerrand. Es tut gut. Obwohl es im letzten Abschnitt oben den Anschein hat, als hätte mir das Buch sehr gut gefallen und als sei Doris mein einziger Kritikpunkt muss ich sagen, dass genau dieser Kritikpunkt eine sehr große Wirkung auf meinen Lesespaß hatte und ich in dieser Hinsicht wirklich enttäuscht vom Buch war. Deshalb bekommt Das kunstseidene Mädchen von mir nur 3 von 5 Füchschen, da ich mit Doris einfach so gar nicht klar kam. 

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  • Wichtig für die Literaturgeschichte

    Das kunstseidene Mädchen
    worteundwelten

    worteundwelten

    10. November 2014 um 14:07

    Doris, „das kunstseidene Mädchen“, ist 18 Jahre alt, lebt in einer „mittleren Stadt“, arbeitet am Büro und ist in einer Beziehung mit Hubert. Der Roman spielt in den Jahren 1931-1932 und ist 1932 erschienen und der Epoche der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Als Hubert Doris verlässt, da er lieber ein unberührtes Mädchen heiraten will, Doris aus ihrer Stellung am Büro entlassen wird und auch am Theater nicht den Aufstieg schafft und zu alledem einen Pelzmantel (einen „Feh“) stiehlt, beschließt sie nach Berlin zu fliehen und dort neu anzufangen. Ein junges Mädchen aus der Provinz mit dem Vorhaben, eine Berühmtheit zu werden, allein in der Großstadt Berlin – wie soll das nur gut gehen? Doch Doris stellt sich mit ihrem Optimismus und ihrer Naivität allen Widrigkeiten entgegen und ist nach wie vor fest entschlossen „ein Glanz“ zu werden. Ihre Träume und Erwartungen sind glaubhaft geschildert, sodass man als Leser ihre Absichten gut nachvollziehen kann. Dennoch kann man an einigen Stellen über ihre Gutgläubigkeit nur den Kopf schütteln und auch dass sie nicht davor zurückschreckt, ständig neue kurzweilige Affären einzugehen, lässt sie für mich Sympathiepunkte verlieren. Die Handlung an sich finde ich sehr interessant, da auch viele Motive, die in den 1920er-Jahren relevant waren, aufgegriffen werden: die neue Rolle der Frau, die sich zunehmend für Mode interessiert und plötzlich Kurzhaarfrisuren trägt, der Film bzw. das Kino, welches zu dieser Zeit eine große Rolle spielte, die Verstädterung bzw. die Großstadt Berlin, Themen wie die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit, generell der Umgang mit den Folgen des 1.Weltkriegs und noch vieles mehr. All diese Themen machten für mich das Buch interessant und lesenswert; jedoch fand ich den Schreibstil sehr anstrengend: Die Sätze waren oftmals kurz und unvollständig, da z.B. oft das Subjekt fehlte. Doris schreibt ihre Erlebnisse spontan und unreflektiert (tagebuchähnlich) auf, sodass man nah an sie herankommt;  dennoch fiel es mir schwer, der Geschichte aufmerksam zu folgen; sie konnte mich nicht komplett einfangen.Wer sich für die deutsche Literaturgeschichte und –vergangenheit interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen, da dort wichtige Themen behandelt werden. Ich denke, es ist wichtig, als Buchliebhaber, auch über die verschiedenen Literaturepochen Bescheid zu wissen, daher kann es nie verkehrt sein, auch mal ältere Bücher zu lesen. Bewertung: 3 von 5 Punkten!

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    05. January 2013 um 15:39

    Vor genau 70 Jahren veröffentliche Irmgard Keun zum ersten Mal ihren Tagebuch-artigen Roman um die 18-jährige Doris. Zu Beginn lebt diese in einer nicht weiter genannten mittleren Stadt im Rheinland, wo sie in einem Büro arbeitet und langweilige Briefe tippen muss, bei denen sie immer die Kommas vergisst, da Zeichensetzung sie einfach nicht inspiriert. Mit ihrer Kollegin Therese träumt sie von einem besseren Leben, ein Glanz möchte sie werden und berühmt. Sie spürt, dass etwas in ihr ist, das raus möchte und so wirft sie ihren Job hin und beginnt mit einer kleinen Rolle am Theater. Männern macht sie schöne Augen und gefällt auch gut, was sie geschickt mit ihren Alltagsbedürfnissen verbindet. Nur Hubert, den sie liebt, kann sie nicht glücklich machen, denn er muss eine standesgemäße Frau heiraten.

    Nachdem sie einen Feh gestohlen hat, muss Doris flüchten und so kommt sie ins turbulente Berlin, wo sie bei Tilli Unterschlupf findet. Doch ohne Papiere und Anstellung ist das Überleben schwer und irgendwann ist kein Mann mehr da, der sie versorgen kann. Nachdem sie bereits mehrere Tage im tiefen Winter in der Stadt umhergeirrt ist, nimmt Ernst sie auf, weil er selbst gerade so traurig ist. Seine Frau hat ihn verlassen und er sucht nur menschliche Nähe - jedoch nicht körperlich. Die abgemagerte Doris schläft die erste Zeit nur, bis ihre Lebensgeister wieder wach werden und sie geradezu in der Rolle der Ehefrau aufgeht. Sie versorgt den Haushalt und nach und nach entsteht auf beiden Seiten so etwas wie Liebe. Doch Ernst kann seine Hanne nicht vergessen und so steht Doris irgendwann wieder auf der Straße mit der Erkenntnis, dass ein Glanz zu werden vielleicht doch nicht alles ist im Leben.

    Irmgard Keun trifft den Ton eines naiven jungen Mädchens aus der Provinz hervorragend. Die großen Träume, ebenso wie die kleinen Freuden und Enttäuschungen sind glaubhaft geschildert. Schmunzelt man bisweilen über Doris, erschrickt man ein anderes Mal ob der Dreistigkeit, mit der sie die Männer regelrecht ausnimmt. Doch eigentlich hat man Mitleid mit dem Mädchen, das letztlich herzensgut ist und doch auch nur ein wenig Glück verdient hätte.

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    Mayylinn

    Mayylinn

    24. December 2012 um 12:51

    Doris will nicht länger in der Provinz und in einem Bürojob versauern. Sie will nach Berlin und ein Glanz werden. Doch der Weg zum Ruhm gestaltet sie schwierig - vor allem wenn man kein Geld hat und Doris' Plan, sich von Männern aushalten zu lassen, funktioniert nur bedingt...

    Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen" spielt in den 1930er Jahren und ist eine Kritik an der damaligen Zeit. Es gehört zur Literaturgeschichte der deutschen Zeitgeschichte und spiegelt das Weltbild der 30er Jahre mühelos wieder. Man findet sich schnell in Doris' Welt ein, doch manchmal wollte ich einfach nur schreien, wenn sie sich wieder mit einem neuen Mann eingelassen oder über ihre mangelnde Bildung sinniert hat.
    Das Buch ist in Ich-Form verpasst und - ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit - schnörkellos und lebensecht geschrieben, was sich besonders in der flotten Schreibweise widerspiegelt. Keuns Art zu erzählen wirkt zuweilen assoziativ und wie ein Gedankenfluss - was manchmal sehr unterhaltend, teilweise aber auch fürchterlich nervenaufreibend sein kann.

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    winter-chill

    winter-chill

    09. July 2012 um 21:01

    Das kunstseidene Mädchen ist ein anrührendes Zeitdokument, erzählt mit
    sehr viel Witz und Charme und manchmal einem ganz leisen, traurigen
    Unterton. Die Sprache ist dabei frisch und extrem jung. Hautnah erlebt
    der Leser mit, wie Doris versucht, dem Mief der Kleinstadt zu
    entfliehen, um es in der glitzernden Großstadt zu etwas zu bringen,
    dabei immer tiefer abrutscht und doch ihren Mut nie verliert. Das
    Lebensgefühl im Berlin der 30er Jahre kommt wahnsinnig gut rüber und
    schonungslos werden die harten Lebensbedingungen der Arbeiterfamilien
    geschildert. Ein überraschend gutes Buch mit einer sympathischen
    Protagonistin, deren Geschichte einen nicht mehr los lässt.

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    Die_Buecherfresser

    Die_Buecherfresser

    13. April 2012 um 12:10

    "Bubikopf, schlanke Taille, sportlicher Körper. Das Frauenbild der 20er Jahre."

    **

    Inhalt:
    Doris will nicht mehr arbeiten. Sie will ein Glanz werden und sich absondern von der Normalität. Ihr Schicksal führt sie nach Berlin, wo sie ein Leben zwischen besitzen und besitzlos führt. Dennoch gibt sie ihre Ziele nicht auf, hört auf zu arbeiten und umgarnt ältere Männer um gut bis luxuriös leben zu können. Doch selbst dieser Lebensstil vergeht irgendwann …

    **

    Meinung:
    „Das kunstseidene Mädchen“ ist der zweite Roman von Irmgard Keun den ich gelesen habe. Der Roman stammt aus dem Jahre 1932 und beschäftigt sich mit der jungen Frau Doris, die das Bild einer damals modernen Frau widerspiegelt.

    **

    Doris ist die Protagonistin des Romans. Sie hat eine Arbeit und kommt aus normalen bis ärmlichen Verhältnissen. Genau dies ist ihr nicht genug. Sie ist das arbeiten leid, will sich von den anderen absondern und kein tristes Leben der Normalität führen. Durch verschiedene Wendungen landet sie im Berlin der 20er Jahre, erlebt den Saus und Braus und möchte ein Glanz werden. Doch sie braucht Geld um über die Runden zu kommen und genau dies schwatzt sie immer wieder ihren Männern ab.
    All diese Charakterzüge lassen Doris nicht nur entschlossen und träumerisch wirken, sondern auch egoistisch und eingebildet. Mir persönlich hat sie weniger gefallen, da greife ich dann doch lieber auf „Gilgi“, aus dem ersten Roman von Irmgard Keun zurück.

    **

    Der Roman spiegelt trotzdem die damalige Zeit sehr gut wieder und auch das Verhalten von manch einer Frau. Bubikopf, schlanke Taille, wenig Erotik sind plötzlich heiß begehrt bei den jungen Frauen, was an Doris ab und an deutlich wird, ebenso deutlich wie die beängstigende Abhängigkeit, da Doris sich absondern und aus diesem Grund keine normale Arbeit mehr besuchen will. Sie lebt von den Männern, meidet zunächst allerdings gänzlich ernste Verbindungen, lebt mal gut, mal schlecht und sieht es nicht als Abhängigkeit an, einen Mann nach dem anderen auszunehmen. Es ist eher ihre Rache an Männern, da Frauen als weniger wertvoll gelten.

    **

    Das ganze lässt den Roman aus der heutigen Perspektive ein wenig skurril wirken.
    Dennoch auch beängstigend realistisch und modern. Obwohl ich wenig mit Doris als Charakter anfangen konnte, war ihre Geschichte nicht nur interessant, sondern auch sehr informativ und lesenswert, da sich manche Dinge heute drastisch, manche hingegen kaum geändert haben.

    **

    Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Irmgard Keuns Roman spiegelt auch den Schreibstil der Neuen Sachlichkeit wieder. Knapp, zügig und keck. Der Stil scheint wie erlebt, realitätsnahe und keineswegs beschönigend.

    **

    Meine Ausgabe stammt vom List Verlag. Die dicke des Romans täuscht ein wenig, da die Schrift und die Abstände zum Rand hin relativ groß sind und man so die Geschichte schnell ausliest.

    **

    Fazit:
    „Das kunstseidene Mädchen“ ist in jedem Fall lesenswert. Nicht nur um das Frauenbild und die Einstellung der modernen Frau in den 20er Jahren kennenzulernen, sondern auch um mehr über die Zeit zu erfahren und diese mit einer weiblichen Protagonistin zu erleben. Dennoch hat mich Doris nicht so sehr überzeugen können wie es Gilgi getan hat, was letztendlich aber auch an den unterschiedlichen Variationen des Endes liegt.

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    Huebner

    Huebner

    "Ich will schreiben wie Film ... dabei hat richtige Bildung mit Kommas gar nichts zu tun ... denn lieber gar keine Kommas als falsche." Das sagt einiges über Doris, die Titelheldin des Romans (1931/32) von Irmgard Keun (1905 - 1982) aus.
    Doris ist das, was man schon während der goldenen 20er in der Weimarer Republik einen Backfisch oder Schaumschläger hätte nennen können. Aber eben diese Unbedarftheit macht die Figur so reizend und urkomisch.
    Doris will aus der kleinen Stadt in die große Stadt, zum Film und auf die Bühne, zum "Glanz" aber sie ist eben nur eine Sekretärin, tippt Briefe ab und das noch nicht einmal korrekt. Ihr Weltbild misst sich an dem, wie teuer die Zigaretten ihrer männlichen Begleiter ausfallen und dabei gibt es auch ganz ehrliche, gute Seelen, die Doris jedoch nicht gebrauchen kann auf ihrem Weg ganz nach oben.
    Am Tage nämlich, wenn Doris nicht ausgeht, ist sie eine ganz reale, so sparsam, dass sie die Pralinen, die sie nicht mag, wieder zusammenquetscht, dass sie "wie neu aussehen" (S. 15). Ihren Chef schimpft sie ein "Pickegesicht", denn Doris drückt jedem einen Stempel auf und legt sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten und Äußerlichkeit ist auch immer gleich bedeutend mit Innerlichkeit. Sie sammelt ihre "Erlebnisse", die sie in ein Tagebuch schreibt.
    Das Tagebuch ist das Fenster, das den Leser in Doris´ Leben hineinschauen lässt. Doris´ Selbstbewusstsein ist Fassade, aber zunächst groß und sie genießt es, dass sich ihre Freundinnen an ihrem "Schicksal festleben", weil sie "kein eigenes mehr hat [die Freundin] wegen ihrem Verheirateten." (S. 18).
    Doris hat den "Ehrgeiz wegen Weiterkommen" (S. 20). Sie weiß mit ihren Reizen umzugehen: "und guck schon gleich beim Reinbringen [Akten] wie Marlene Dietrich so mit Klappaugen-Marke: husch ins Bett." (S. 23). Sie träumt von einem Dasein als "Gelbstern", weil ihr das passende Wort fehlt und sie wünscht sich silberne Schuhe. Das ist ihr "Tangomärchen" (S. 29). "Und kein Talent haben ist schlimmer als im Zuchthaus sein" (S. 39).
    Und tatsächlich: sie schafft es bis zum Theater, wo eine großartige Konkurrentinnen-Szenerie nicht lange auf sich warten lässt. Konkurrenz ist die "dicke Blonde, die vor Fett quietscht und im Gesicht immer so rot ist wie eine Tomate und Linnie heißt." (S. 33). Aber da gibt es auch "Pilli, die gequetschte Latte" (S. 37) Doris spielt dann auch ironischerweise die Marketenderin in Schillers "Wallentseins Lager" (S. 35) und weiß überhaupt nichts mit dieser Figurenrolle anzufangen. "Und weil die zwei Weiber, die Marketenderin heißen, doch so ein Odeur haben, denke ich mir - es kommt von Marke."
    Fremdwörter werden des Klanges wegen eingestreut und rücken die Heldin in ein lächerliches Licht, "denn imerzu sind in meinem Leben Dinge, die ich nicht weiß" (S. 40). Und dennoch kann sie einem Leid tun, die Doris, die ganz groß heraus wollte. Denn immer zu "spricht er fragende Wort zu mir voll Interesse von oben nach unten und ohne Erotik, was ich mir aber zum Teil auch damit erkläre, dass Mittag war und er noch nicht gegessen hatte" ( S.42). Zweideutige Genüsse stellen sich immer weider neben Gewissenskonflikte bezüglich der Männerschaft.
    Auch scheut Irmgard Keun nicht vor der Rassenfrage, mit der sie privat konfrontiert wurde. Sie geht 1935 ins Exil, nachdem die Nazis ihre ersten beiden Romane "Gilgi - eine von uns" und "Das kunstseidene Mädchen" auf den Index stellten.
    "Wie die Industrie [Metonymisch für einen Industriellen] dann betrunken war, kam es ihr nicht mehr so drauf an [ob die Begleiterin des Abends Jüdin war oder nicht], und sie wollte" (S. 46).
    Die Naivität im Stil spiegelt die Naivität des "künstlichen" Mädchens, immer auf der Suche nach dem Glanz, wider. Kunstseide, keine echte. Nichts ist wirklich glamourös in Doris´ Leben, nichts von Qualität und Dauer. "Man sollte nie Kunstseide tragen mit einem Mann, die zerknautscht dann so schnell, und wie sieht man aus dann nach sieben schnellen Küssen und Gegenküssen? Reine Seide - und die Musik" (S108 f.).
    Schnelligkeit, Praktikabilität, das spricht für die Neue Sachlichkeit in der Weimarer Republik. Und am Ende holt Doris die Realität einer Welt am Vorabend des nächsten Krieges ein und ein Mann, der es ehrlich meinen könnte, aber mittellos ist. Doris macht eine Wandlung durch und gesteht sich in der letzten Zeile ein: "Auf den Glanz kommt es nämlich vielleicht gar nicht so furchtbar an." (S.219).
    Ohne Zweifel der bedeutenste Roman einer großen Autorin, der man autobiografische Anlehnungen an Doris trotz vehementen Abstreitens nicht absprechen mag. Irmgard Keun ist ein Kind zweier Weltkriege, gezeichnet, nie wirklich erfüllt und glücklich.
    I.Hübner

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    nebenmir

    nebenmir

    01. September 2009 um 21:43

    Irmgard Keuns 1932 erschienener Roman erzählt die Geschichte eines "kunstseidenen Mädchens": Doris ist jung, schön und voller Träume: Sie möchte "ein Glanz" sein, schön, berühmt und geliebt. Um ihrem deprimierenden Alltag als Angestellte eines Rechtsanwalts zu entkommen, versucht sie den Sprung ans Theater, der fast geglückt scheint, bis sie der Versuchung eines Pelzmantels nicht widerstehen kann, ihn stiehlt und vor den Konsequenzen und ihrem Leben nach Berlin flieht.
    Ein junges Mädchen allein in der Großstadt, ohne Geld und in einem Milieu, in dem der Glanz in immer weitere Ferne rückt. Naiv und lebenshungrig wirft sich die Ich-Erzählerin in ihre Geschichte, mal tieftraurig, mal rauschhaft und durchweg optimistisch. Es fällt nicht schwer, mit der Erzählerin zu sympathisieren und in ihre Welt einzutauchen. Ein interessanter Einblick in die Neue Sachlichkeit.

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    skathi3000

    skathi3000

    11. September 2008 um 20:32

    eins der besten bücher im deutsch LK

  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    Feli

    Feli

    11. March 2008 um 20:36

    Doris, "Das kunstseidene Mädchen" möchte nicht mehr in der Provinz leben und in einem Büro arbeiten. Sie möchte eine Berühmtheit werden, etwas Großes, ein "Glanz". So geht sie nach Berlin und versucht dort ihr Glück. Doch die kurzweiligen Affären bringen ihr dieses nicht. Wie sie damit umgeht und ob sie doch eine richtige Beziehung eingehen kann, dass erfährst Du erst, wenn Du das Buch liest. Tolle Literatur!

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  • Rezension zu "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun

    Das kunstseidene Mädchen
    Kaba

    Kaba

    04. October 2007 um 12:37

    Sollte man gelesen haben. Es gibt vielleicht bessere Bücher, aber dieses gehört mit zur Literaturgeschichte und -vergangenheit Deutschlands. Ein Muss für jeden Leser, wie ich denke.