Irmgard Keun Nach Mitternacht

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Inhaltsangabe zu „Nach Mitternacht“ von Irmgard Keun

Frankfurt, 1936: Die 19-jährige Sanna hat große Pläne – zusammen mit ihrem Freund will sie einen Zigarettenladen aufmachen. Doch Franz wird von einem Konkurrenten, einem SA-Mann, denunziert und verhaftet. Nach seiner Freilassung rächt Franz sich bitter und Sanna muss sich plötzlich entscheiden: für oder gegen ihre große Liebe...
Irmgard Keun erzählt in ihrem ersten Exil-Roman, der 1937 erschien, über den Alltag der Menschen in der nationalsozialistischen Diktatur – zwischen Angepasstheit und Widerstand.

Hörspiel mit Lisa Wagner u.v.a.
2 CDs | ca. 1 h 36 min

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  • Vielleicht zu stark gekürzt? (Hörspielrezension)

    Nach Mitternacht

    Starbucks

    04. February 2018 um 00:04

    Ich habe Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“ als Hörspieladaption, erschienen im DAV-Verlag (der Audio-Verlag) gehört. Das Hörspiel ist erschienen auf 2 CDs mit einer Gesamtlänge von ca. 1½ Stunden. Der Papphülle liegt auch ein sehr interessantes Booklet bei. Insgesamt spielen und sprechen hier 13 Sprecher, unter ihnen Lisa Wagner und Britta Steffenhagen. Produziert wurde das Hörspiel für das Kulturradio des rbb. Hintergrund: Der Roman „Nach Mitternacht“ gehört zur Exilliteratur, denn da bekannte Werke der Autorin auf der schwarzen Liste der Nazis standen, entschloss sich die Autorin, 1936 das Land zu verlassen. Nur wenige Deutsche hatten die Möglichkeit, so über Nazi-Deutschland zu schreiben wie Irmgard Keun. Sicher lohnt es sich, den gesamten Roman zu lesen, denn das Hörspiel wurde wohl stark gekürzt, vielleicht sogar zu stark. Hörspielinszenierung: Die Inszenierung ist meisterhaft gelungen. Durch die verschiedenen Sprecher und die Geräuschkulisse wird eine Atmosphäre aufgebaut, die den Hörer in die Gefahren und Widrigkeiten der Nazizeit zurück versetzt. Lebhaft und auch düster wirkt das Stück, und vor allem auch das Kind, das ein Gedicht rezitiert, ist meisterhaft gelungen. Hier hat ein Hörspiel m.E. immer mehr zu bieten als jedes Hörbuch. Zum Inhalt: Der Klappentext des Hörspiels ist ein wenig irreführend, denn der Schwerpunkt des Hörspiels liegt m.E. weniger auf der Beziehung von Sanna und Franz, als auf der Protagonistin Sanna selbst. Die noch sehr junge Frau erlebt das Nazi-Deutschland aus ihrer – zum Teil noch sehr naiven – Sicht, und so kommentier sie vieles kritisch, naiv, aber vor allem gerade heraus und ehrlich. Es geht hier um Denunziationen, Mischbeziehungen, Rassengesetze, Hitlers Auftritt in Frankfurt und die Straßensperren mit Sicherheitsleuten, die auch über Leichen gehen. Ganz viele Themenbereiche werden angerissen. Interessant wird das Geschehen vor allem, weil der Hörer es aus der Sicht Sannas sieht, die zum Teil sehr unwisend ist und daher frei heraus sagt, was sie denkt. Die Geschichte bekommt damit etwas Unbedarftes, das eine große Wirkung entfalten kann, denn der Hörer weiß ja, worauf alles hinausläuft. Mein Fazit: Dies ist großartiger Literaturstoff, der ebenso großartig aufbereitet und akustisch hinterlegt wurde. Dennoch hatte ich manchmal Probleme, hier folgen zu können. Es gibt viele Namen und viele Episoden, aber es bleibt auch das Gefühl, dass hier möglicherweise zuviel gekürzt wurde. Daher werde ich mir das Buch bestellen und die Lücken damit schließen, außerdem das Hörspiel auf jeden Fall noch ein zweites Mal hören. Was bleibt, sind sehr gute vier Sterne. 

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