Irvin D. Yalom Das Spinoza-Problem

(42)

Lovelybooks Bewertung

  • 44 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 3 Leser
  • 8 Rezensionen
(20)
(18)
(4)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das Spinoza-Problem“ von Irvin D. Yalom

Der jüdische Philosoph Spinoza und der nationalsozialistische Politiker Alfred Rosenberg. Der eine ein unbeugsamer Freigeist, der wegen seiner religionskritischen Ansichten aus der jüdischen Gemeinde verbannt wurde und heute als Begründer der modernen Bibelkritik gilt. Der andere ein verbohrter, von Hass zerfressener Antisemit, dessen Schriften ihn zum führenden Ideologen des nationalsozialistischen Regimes machten. Zwei Weltanschauungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch bis zu seinem Tod war Rosenberg wie besessen vom Werk des jüdischen Rationalisten. Kenntnisreich und fesselnd erzählt der große Psychoanalytiker Irvin D. Yalom die Geschichte dieser beiden Männer und entführt seine Leser dabei in die Welt der Philosophie und gleichzeitig auch in die Tiefen der menschlichen Psyche.

Inhaltlich hochinteressant, sprachlich eine Qual. Hölzerne, gekünstelte Dialoge - und die Story wirkt sehr konstruiert.

— alasca
alasca

Das Buch ist sprachlich hervorragend formuliert, im Stil wunderbar zu lesen und tief lehrreich: Führt zur eigenen Reflektion.

— JulesBarrois
JulesBarrois

Stöbern in Romane

Kraft

Auf der Longlist... Mir erschließt sich nicht wirklich weshalb...

Bibliomania

Das Glück meines Bruders

Vergangenheitsbewältigung auf verschiedene Arten

locke61

Sieh mich an

Ich weiß, dass dieses Buch viele begeisterte Leser hat, doch mich konnte es leider nicht überzeugen.

loverosie1111

Der Sandmaler

Atmosphärische Schildungen, aber leider ziemlich eindimensionale Charaktere

leolas

Töte mich

Ein schlankes Büchlein, mit einer großartigen Geschichte voller Esprit. Ich fühlte mich gut unterhalten

brenda_wolf

Der Sommer der Inselschwestern

Ein wunderschönes Buch über die Kraft von Frauenfreundschaften und das Leben.

nati51

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Spannung zwischen Individualität, Freiheit und Dazugehören

    Das Spinoza-Problem
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    29. May 2015 um 10:57

    Irvin Yalom wählt einen interessanten und vielversprechenden Ansatz für seinen „Roman“ – er bewegt sich auf zwei weit voneinander entfernten Spuren und kombiniert das Leben von Baruch de Spinoza, dem niederländischen Philosoph und Sohn jüdisch-portugiesischer Immigranten im 16. Jahrhundert mit dem Leben von Alfred Ernst Rosenberg, dem führenden NS-Ideologen im 20. Jahrhundert, über dessen jüdische Wurzel immer wieder gemunkelt wurde. Hier werden nicht nur grandios zwei Zeitebenen und Figuren miteinander verknüpft. Hier spiegeln sich auch die wahren Ab- und Hintergründe in unserer Vergangenheit wieder. Spiegelt Spinozas Leben, das Leben eines Intellektuellen und setzt ihm mit Rosenberg die Banalität des Bösen gegenüber. Hier der Freigeist Spinoza, der im klaren Denken und dem Mut zur Wahrheit Maßstäbe setzte, weil er die erkannten Wahrheiten über Rituale, Angst und autoritäre Traditionen, die nur dem Machterhalt dienen, nicht fallen lassen wollte. Und dort Rosenberg, der aus seiner Persönlichkeit heraus nichts mehr anstrebte, als sich zu binden. Der starre Dogmen und fanatische Behauptungen unreflektiert zu den Maximen seines Handelns machte. Und doch nur nach Liebe und Anerkennung strebt, diese aber wegen seiner eigenen inneren Abwehrhaltung auf seine Weise gar nicht finden konnte. „Das Spinoza Problem ", versucht nichts weniger, als eine zugängliche Einführung in Baruch Spinoza, der Rationalist aus dem 17. Jahrhundert, der das Fundament für die Aufklärung, und eine überzeugende Analyse legte. Und Alfred Rosenberg, der Ideologe, der die Theorien der rassischen Überlegenheit Hitlers artikulierte. Irvin Yalom präsentiert Spinozas Leben als eine Reihe von sorgfältig organisierter Gespräche. Die Gespräche, schaffen ein schönes Gefühl für den Charakter des Philosophen und eine klare Erklärung der großen Ideen dieses Mannes über die Natur, den freien Willen und Vernunft. Es ist aufschlussreich, schon vor 400 Jahre die Linien des modernen Säkularismus und des wissenschaftlichen Rationalismus festgelegt zu sehen. Die alternierenden Kapitel mit Rosenbergs Aufstieg zur Macht schüren eine andere Art von Faszination. Ein verhasster Mann, so pompös und pseudo-intellektuell, dass selbst Goebbels sich über ihn lustig macht: „Beinahe hätte es bei Rosenberg zum Gelehrten, zum Journalisten, zum Politiker gereicht, aber eben nur beinahe.“ (Seite 582) „Das Spinoza-Problem“ ist weit mehr als „nur“ eine romanhafte Doppelbiographie. Yalom versucht den Geist zu erreichen und sehen, wie er funktioniert - und, ja, wie er vielleicht geheilt werden kann. Es ist weniger die alte Geschichte aus dem 20. Jahrhundert, die Yalom interessiert. Er will die Macht von Spinozas philosophischen Erkenntnissen zeigen, die selbst den Geist eines erbärmlich kleinen Monsters, wie Rosenberg zu verunsichern mag. Philosophische Erkenntnisse von Euklid bis eben zu Bento Spinoza vermischen sich mit zwei Lebensgeschichten, psychotherapeutischen Sitzungen, der Darstellung der philosophischen und psychotherapeutischen Ziele von der inneren Freiheit des Menschen aus unguten Gebundenheiten und einer grundlegenden Kritik an religiösen Ritualen und nicht hinterfragten Traditionen oder Dogmen jedweder Art. Ein Manifest der Aufklärung, auch so könnte man dieses Buch betiteln. Eine Darstellung der tiefen Spannung im Menschen, einerseits eigenständiges Wesen zu sein und andererseits ebenso stark Teil der Gemeinschaft sein zu wollen, Teil einer Tradition, eines Mythos, eben nicht herauszufallen aus der Gemeinschaft, der man angehört. Literarisch hochwertig führt Yalom dies Spannung zwischen Individualität, Freiheit und, damit einhergehend, auch Relativität und Unsicherheit als Gegenüber zum „Dazugehören“ aus, zur, nur vermeintlichen, dogmatischen Sicherheit. Und lässt zu keinem Zeitpunkt des Buches den Leser darüber im Unklaren, dass es schlichtweg dem Menschen zwar möglich, aber letztlich ein nicht wirklich gangbarer Weg ist, die Kraft des eigenen Denkens und der erkennbaren Wahrheiten an eine Religion oder eine andere Form des „Glaubens“ (wie den Rassenwahn) zu delegieren. Ein Weg, der in Destruktion und Unfreiheit endet. Das Buch ist sprachlich hervorragend formuliert, im Stil wunderbar zu lesen und ebenso tief lehrreich, wie es zur eigenen Reflektion fast schon zwangsläufig hinführt.

    Mehr
  • Gegensätze oder Übereinstimmungen?

    Das Spinoza-Problem
    dominona

    dominona

    18. November 2014 um 09:12

    Was haben der Philosoph Spinoza und der Nationalsozialist Alfred Rosenberg gemeinsam? Nach diesem Buch könnte man meinen: eine ganze Menge. Der Autor schafft es auf beeindruckende Weise tiefgründige Gedanken vor dem inneren Auge Gestalt annehmen zu lassen. Auch wenn alles nur erdachte Dialoge sind, fußen sie doch auf Tatsachen und das macht das Buch so lebendig. Yalom ist ein wunderbarer Erzähler.

    Mehr
  • Schwierige philosophische Probleme

    Das Spinoza-Problem
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    22. March 2014 um 16:26

    Nach ungefähr der Hälfte des Buches musste ich abbrechen, weil mir die philosophischen Probleme zwischen dem Juden Spinoza und dem Antisemiten Alfred Rosenberg zu kompliziert wurden.Bis dahin gelang es Yalom, die beiden gegensätzlichen Figuren lebendig werden zu lassen.Aber die Haltung von Rosenberg war mir dann eindeutig zu viel und ich habe abgebrochen.

  • Fakt und Fiktion gut kombiniert

    Das Spinoza-Problem
    WildRose

    WildRose

    26. February 2014 um 17:27

    Irvin D. Yalom widmet sich in seinem Roman zwei Männern, die zu unterschiedlichen Zeiten zwei sehr unterschiedliche Leben führten. Da ist zum einen der exkommunizierte jüdische Philosoph Bento Spinoza, dessen revolutionäre Ideen ihn zu einem unvergesslichen Denker gemacht haben, der die Philosophie unglaublich bereichert hat. Auf der anderen Seite beschreibt Yalom das Leben und Denken Alfred Rosenbergs, einen überzeugten Nationalsozialisten, auf dessen Gedanken sich ein großer Teil der Nazi-Ideologie stützte. In seinem Roman gibt Yalom Rosenberg eine Fasziniation für Spinoza mit, die der Nazi selbst nicht recht erklären kann - schließlich war Spinoza Jude! Ausgehend von diesem "Spinoza-Problem" beschreibt Yalom abwechselnd das Leben dieser beiden Männern, wobei viele der von ihm beschriebenen Szenen rein fiktiv sind. Der Roman ist aufschlussreich und sowohl für Philosophieliebhaber als auch für Geschichtefreaks äußerst interessant und informativ. Yalom schreibt sehr flüssig und baut viele Dialoge in sein Werk ein, wodurch es lebendiger und emotionaler wird. Für zwei kleine Kritikpunkte ziehe ich aber einen Stern von der Bewertung ab: In dem Buch kamen Spinozas Ansichten fast ein wenig zu kurz, man erfuhr zwar etwas über die Grundlagen seines Denkens, aber nicht viel mehr, außerdem wirken einige der Dialoge doch etwas konstruiert.

    Mehr
  • Ist Spinoza ein Problem?

    Das Spinoza-Problem
    walli007

    walli007

    24. August 2013 um 16:15

    Auf zwei Ebenen kann die Frage angegangen werden. Der Autor wählt zum einen die Zeit und Person Spinozas selbst, um uns den Philosophen näher zu bringen. Bei der zweiten Ebene handelt es sich um die Person des Alfred Rosenberg, eines Nazi-Führers, diese spielt logischerweise im 20. Jahrhundert. Den Ansatz dieser Gegenüberstellung fand ich sehr interessant. Da sind zum einen die gradlinigen, den Geist anregenden und gleichzeitig beruhigenden Passagen über den großen Denker und Philosophen Spinoza, von dem oder über den ich bisher noch nichts weiter gelesen hatte. Und zum anderen die teilweise widerwärtigen Gedankengänge des aufgeblasenen Möchtegerns Rosenberg, der seine kruden Gedankengänge über die jüdische Rasse im dritten Reich festzusetzen sucht, der sich als den geheimen Lenker des Führers ansieht, welcher Rosenbergs "blendende" Ideen dann als seine eigenen verkauft. Gerade die Passagen über diesen fehlgeleiteten Charakter machen die Lektüre manchmal fast unerträglich und, da im Wechsel geschrieben, ist es regelmäßig eine wahre Wohltat in die Welt Spinozas zurückkehren zu können, um sich von dem rassistischen Gewäsch des anderen zu erholen und sich den klaren, aber sehr schwierig formulierten Sätzen des wahren Philosophen zu widmen. Auch wenn Spinoza sicher aus seiner Welt, persönlichen Entwicklung und Zeit verstanden werden sollte, ist er doch wie ein Diamant gegen diesen Rosenberg, der sich Spinozas Gedanken aneignen will, der jedoch scheitern muss, weil er dem einfach nicht gewachsen ist und sich lieber mit den vermeintlichen Fehlern der anderen beschäftigt, um nicht sein eigenes verfehltes Leben überdenken zu müssen. Dieser Rosenberg kommt mir in seinen Äußerungen manchmal vor wie ein Amokläufer, dessen Genie die anderen ja auch nie erkennen und der deshalb mit Methoden auf sich aufmerksam machen muss, die die Welt nicht tolerieren kann. Eine widerspenstige Lektüre, die ich nur kapitelweise zu lesen vermochte, die mich aber doch sehr beschäftigt und aufgewühlt hat. Rosenberg endete für seine Verbrechen in den Nürnberger Prozessen zum Tod durch den Strang verurteilt zurecht in einem Krematorium wie so viele seiner Opfer. 

    Mehr
  • Rezension zu "Das Spinoza-Problem" von Irvin D. Yalom

    Das Spinoza-Problem
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. January 2013 um 18:50

    Beinahe hätte ich kein Buch des Jahres 2012 nennen können, ich habe im letzten Jahr zu viele Serien und Selfpublishing-Bücher gelesen. Ich habe zwar sehr viel, aber nichts Herausragendes gelesen. Doch dann - tatsächlich in der letzten Woche des Jahres - las ich das "Spinoza-Problem". Erzählt werden parallel zueinander zwei Geschichten. Einmal die Geschichte des Sonderlings Alfred Rosenberg, der von Jugend an ein fanatischer Antisemit ist und unter Hitler Karriere macht und zum anderen die Geschichte des jüdischen Philosophen Baruch Spinoza, der von seiner Gemeinde wegen seiner abweichenden Meinung über die Bibel exkommuniziert und mit einem lebenslangen Bann belegt wird. Verknüpft werden die beiden Geschichten durch sein Hauptwerk "Ethik". Mehr möchte ich nicht verraten… Zugegeben, man muss sich ein wenig für Philosophie interessieren, um das Buch mit der gleichen Begeisterung zu lesen, wie ich das getan habe. Spinoza, der im 17. Jahrhundert in Holland lebte, hat mit der Ethik ein schwer verständliches Buch hinterlassen. In diesem Roman vermittelt der Autor zusätzlich zu einer spannenden Geschichte tiefe Einblicke in die Gedanken, die hinter der Ethik stehen. Tatsächlich wird die Ethik damit verständlich. Das hat mich begeistert und fasziniert. Ein echtes Buch von Wert, das Wissen vermittelt, spannend ist und das ich jedem Philosophie-interessierten nur empfehlen kann! Wenn ich könnte, würde ich dem Buch 6 von möglichen 5 Sternen geben... :-)

    Mehr
  • Rezension zu "Das Spinoza-Problem" von Irvin D. Yalom

    Das Spinoza-Problem
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    21. August 2012 um 14:11

    Weisheit, Philosophie und Psychotherapie Wie schon in seinen vorhergehenden Büchern ist auch das Spinoza-Problem durch Yalom als weit mehr gestaltet als „nur“ eine romanhafte Doppelbiographie. Philosophische Erkenntnisse von Euklid bis eben Bento Spinoza vermischen sich mit zwei Lebensgeschichten, psychotherapeutischen Sitzungen, der Darstellung der philosophischen und psychotherapeutischen Ziele von der inneren Freiheit des Menschen aus (unguten) Gebundenheiten und einer grundlegenden Kritik an religiösen Ritualen und nicht hinterfragten Traditionen oder Dogmen jedweder Art. Ein Manifest der Aufklärung, auch so könnte man dieses Buch betiteln. Eine Darstellung der tiefen Spannung im Menschen, einerseits eigenständiges Wesen zu sein und andererseits ebenso stark Teil der Gemeinschaft sein zu wollen, Teil einer Tradition, eines Mythos, eben nicht herauszufallen aus der Gemeinschaft, der man angehört. Anhand der Lebens-, vor allem aber der „Denkgeschichte“, des Philosophen Bent Spinoza im 17. Jahrhundert und des „Judenhassers“ und NS-Programmatikers Alfred Rosenberg baut Yalom sprachlich hervorragend formuliert, zwei Pole in Bezug auf die innere Freiheit. Hier der Freigeist Spinoza, der im klaren Denken und dem Mut zur Wahrheit Maßstäbe setzte, weil er die erkannten Wahrheiten über Rituale, Angst und autoritäre Traditionen, die nur dem Machterhalt dienen, nicht fallen lassen wollte. „Es ist, als gäbe es nichts Übernatürliches. Sie lassen es so aussehen, als sei alles erklärbar“, sagt Franco zu Spinoza und erhält die einfache Antwort: „Das ist genau, was ich glaube“. Und dort Rosenberg, der aus seiner Persönlichkeit heraus nichts mehr anstrebte, als sich zu binden. Der starre Dogmen und fanatische Behauptungen unreflektiert zu den Maximen seines Handelns machte. Und doch nur nach Liebe und Anerkennung strebt, diese aber ob seiner eigenen inneren Abwehrhaltung auf seine Weise gar nicht finden könnte. Beiden gestaltet Yalom je eine (therapeutische) „Begleitperson“ mit auf den Weg. Empathisch, Reflektierend, Hinweisend und bemüht, den inneren Klärungsprozess der Hauptfiguren zu öffnen und zu begleiten. Den Psychotherapeuten Friedrich, was Alfred Rosenberg angeht, und den Freund Franco, was Spinoza betrifft. Menschen, die jeweils immer wieder in anderen Formulierungen die Grundfrage für ein innerlich freies Leben dialogisch in den Raum setzen: „Wir wollen feststellen, ob Ihre Angst begründet ist“.Eine Grundfrage, die über die Seiten des Buches in das Leben des Lesers hinein reicht. Kann die Erkenntnis, die Vernunft, die Kraft des Verstandes jenen irrationalen und tiefen Ängsten begegnen, die Menschen in sich tragen? Ja, sie kann. Offenkundig da, wo einer bereit ist, sich dem Prozess der Selbsterkenntnis zu stellen. Und könnte durchaus auch bewegen, wo starre Denkmuster das Leben bestimmen. Wenn nicht Rosenberg im Buch aufzeigen würde, das der eigene Wille unabdingbare Voraussetzung zur Veränderung ist. Es ist bei der Lektüre spannend, immer weiter der Frage nachzugehen, ob gerade dieser Rosenberg diese Wendung annehmen können wird. Ganz hervorragend gelingt es Yalom auf jeder Seite, seine Grundfragen in das Buch einzubinden. Die wechselseitige Beeinflussung und Entwicklung in einem „freien Verhältnis“ zwischen Franco und Spinoza, die nur Anerkennung suchende und festgefahrene Beziehung von Rosenberg zu seinem Therapeuten Friedrich. Literarisch hochwertig führt Yalom dies Spannung zwischen Individualität, Freiheit und, damit einhergehend, auch Relativität und Unsicherheit als Gegenüber zum „Dazugehören“ aus, zur, nur vermeintlichen, dogmatischen Sicherheit. Und lässt zu keinem Zeitpunkt des Buches den Leser darüber im Unklaren, dass es schlichtweg dem Menschen zwar möglich, aber letztlich ein nicht wirklich gangbarer Weg ist, die Kraft des eigenen Dankens und der erkennbaren Wahrheiten an eine Religion oder eine andere Form des „Glaubens“ (wie den Rassenwahn) zu delegieren. Ein Weg, der in Destruktion und Unfreiheit endet. Das Buch ist im Stil wunderbar zu lesen und ebenso tief lehrreich, wie es zur eigenen Reflektion fast schon zwangsläufig hinführt.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Spinoza-Problem" von Irvin D. Yalom

    Das Spinoza-Problem
    Chrischan

    Chrischan

    22. July 2012 um 18:27

    Im 17. Jahrhundert lebte in der jüdischen Gemeinde in Amsterdam ein Mann, der mit seinen Ansichten nicht nur der Zeit weit voraus war, sondern auch die Fesseln des religiösen Dogmatismus zu sprengen suchte. Der Name des Mannes war Bento Spinoza, auf hebräisch Baruch, der Heilige. In seiner Kindheit von Vater und den Rabbinern als Wunderkind betrachtet ob der Lernfähigkeit bezüglich der Thora-Texte, entwickelt er schnell einen Geist, der eben nicht alles als Wahrheit annahm, was die religiösen Führer so von sich gaben. Sein rationalistisches, universalistisches Denken führte soweit, dass die Amsterdamer Rabbiner in exkommunizierten. Kein Jude durfte je wieder Kontakt zu Spinoza haben, ein Verbannung auf Lebenszeit. Rund 250 Jahre später wuchs in der alten Hansestadt Reval in Estland ein Junge auf, der durch antisemitische Hetzreden auf sich aufmerksam machte. Sein Name: Alfred Rosenberg. Während seiner Jugend glühender Verehrer von Houston Stewart Chamberlain, geht Rosenberg nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland, genauer gesagt nach München und wird dort Schriftleiter eines rechtspopulistischen Blattes, dass sich später in den "Völkischen Beobachter" verwandelt. Zeit seines Lebens ist Rosenberg fanatischer Verfechter von Rassenwahn und Reinheit des Blutes. Und er ist Zeit seines Lebens gefesselt vom Denken des Baruch de Spinoza. Doch warum? Irvin D. Yalom hat es geschafft. Nach Nietzsche und Schopenhauer haucht er dem dritten großen Philosophen Leben ein. Sein Schreibstil ist flüssig, leicht verständlich und dennoch tiefgründig. Denn ganz nebenbei präsentiert der amerikanische Psychiater eine schlüssige und zusammenhängende Philosophiegeschichte, während er über Spinoza schreibt. Genauso detailliert analysiert er den Charakter eben jenes großen Freidenkers, der für ein universelle Religion eintrat, die schlicht auf Vernunft und Moral begründet sei. Scheinbar spielerisch verwebt er dann in wechselnden Kapiteln das Leben Spinozas mit dem von Alfred Rosenberg, dem späteren Chef-Ideologen der Nazis. Diesen charakterisiert und analysiert er anhand der Schriften Rosenbergs aus der NS-Zeit und aus den Dokumenten der Nürnberger Prozesse. Doch ist Yaloms Werk kein Sachbuch über zwei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Er fügt in jeder Zeit einen fiktiven Bekannten ein, der den beiden Hauptpersonen ihre Ansichten entlockt, die man als Amplituden bezeichnen kann. Wichtig und vor allem sehr aufschlussreich sind der Prolog, Epilog und ein kleiner Text zu "Fakt und Fiktion" am Ende des Buches, die die Beweggründe Yaloms für den Roman sehr anschaulich darstellen. Eine rundum gelungene, teilweise fiktive Biographie zweier konträrer Personen, die über die Jahrhunderte verbunden waren, ein Spaziergang durch die antike Philosophie und ein sehr genauer Blick in die Tiefe der menschlichen Psyche. ©Christian Hesse Juli 2012

    Mehr