Isaac Rosa

 4,2 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Im Reich der Angst, Glückliches Ende und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Isaac Rosa

Isaac Rosa, geboren 1974 in Sevilla, schrieb Erzählungen, ein Theaterstück und zwei Romane. Er erhielt mehrere prestigeträchtige Preise. »Im Reich der Angst« wurde in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Sein letztes Buch, »Die Farbe Rot«, wird zurzeit verfilmt.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Im dunklen Zimmer (ISBN: 9783954381517)

Im dunklen Zimmer

Neu erschienen am 22.08.2022 als Gebundenes Buch bei Liebeskind.

Alle Bücher von Isaac Rosa

Cover des Buches Im Reich der Angst (ISBN: 9783608938944)

Im Reich der Angst

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Erschienen am 12.07.2011
Cover des Buches Glückliches Ende (ISBN: 9783954381241)

Glückliches Ende

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Erschienen am 18.01.2021
Cover des Buches Das Leben in Rot (ISBN: 9783627001520)

Das Leben in Rot

 (2)
Erschienen am 25.08.2008
Cover des Buches Im dunklen Zimmer (ISBN: 9783954381517)

Im dunklen Zimmer

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Erschienen am 22.08.2022
Cover des Buches El Vano Ayer / Yesterday's False Hope (ISBN: 9788432211867)

El Vano Ayer / Yesterday's False Hope

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Erschienen am 30.06.2005

Neue Rezensionen zu Isaac Rosa

Cover des Buches Glückliches Ende (ISBN: 9783954381241)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Glückliches Ende" von Isaac Rosa

Rückwärts erzählt zum glücklichen Ende
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Der erste Satz «Wir wollten zusammen alt werden.»


der Satz, der wie ein Mantra, mehrfach über die erste Seite schwingt. Nach dreizehn Ehejahren stehen sie vor den Scherben ihrer Ehe, Ángela hat die Kisten durch ein Umzugsunternehmen auf die Reise gegeben, steht in einer leeren Wohnung, die voller sichtbarer «Lebensspuren» steckt: Kratzer hier und da, sie kann sich erinnern, wann jeder einzelne entstanden ist; Kinderkritzeleien an der Wand, Staubränder von Möbeln. Der zeitgenössische Roman hat ein glückliches Ende, denn er wird als Kammerspiel im Zwiegespräch rückwärts erzählt. Am Anfang gibt es harte Verletzungen, der Rückblick wird immer weicher – bis hin zum Kennenlernen, zur Entstehung einer Liebe. Risse in der Beziehung, Brüche. Wann hat es begonnen? Oder ist Liebe eine Illusion, der Bruch eine schleichende Erosion, die vorauszuahnen war, weil irgendwann alles abgenutzt ist?


Der Roman ist in zwei Teile aufgeteilt. Es beginnt mit der Trennung, mit verletzenden Vorhaltungen, die typische Abrechnung bei einer Trennung. Die Figuren werden immer weicher, die Auseinandersetzung geht über in eine ernste Begegnung auf Augenhöhe, eine Analyse in intellektueller Form; sie schwelgen in Erinnerung an ihr gemeinsames Leben. In diesem Kammerspiel scheint es, als sei man als Leser zunächst an einem Briefwechsel beteiligt. Abwechselnd machen sich die Beteiligten in längeren Passagen Vorhaltungen, der andere widerspricht in langen Abschnitten. Je weiter wir zur Mitte und zum Ende kommen, umso enger rücken die beiden zusammen. Der Leser fühlt sich irgendwann als heimlicher Zuhörer eines Gesprächs. Es geht am Ende sogar so weit, dass sich das Paar gegenseitig angefangene Sätze beendet – sie klingen wie frisch Verliebte. Das ist dramaturgisch großartig gesetzt.


«Diese ganzen Freiheiten können nur Menschen genießen, die sich eine gute Schule leistenkönneneine vernünftige Krankenversicherung, ein Auslandsstudium, unbezahlte Praktika, die ihre Familie mit einem einzigen Gehalt ernähren können, für die jemand putzt und sich um die Alten und Kinder kümmert, die eine Geliebte haben, die sich scheiden lassen können, und wir, die wir uns soviel Freiheit nicht leisten können, sind die Gelackmeierten ...»


Aber das Abbild einer Familie ist auch gleichzeitig das Abbild einer Gesellschaft. Am Anfang der Ehe hatten sich das paar ein altes Haus auf dem Land gekauft, das sie Stück für Stück renovieren wollten, um irgendwann dort einzuziehen, zunächst ein Wochenendtraum, dann das eigene Häuschen. Ángela war in ständiger Planung – doch das alles blieb nur ein Traum mangels Finanzierung. Ángela ist eine verbeamtete Lehrerin in Elternzeit, die ihre zwei Töchter genießen will, sich um sie kümmern, was sie als bedürfnisorientierte Elternschaft bezeichnet. Sie steht im Konflikt mit der Schwiegermutter, die sich für eine Feministin hält, das lange Stillen ablehnt und meint, Frauen sollten ebenso wie Männer Karriere machen. Diese Frau wiederum begibt sich in die zweite Ehe mit einem absoluten Patriarchen – man muss sich absichern, er sei ein wenig schwierig, aber ein guter Mensch. Antonio steht unter Leistungsdruck, regelt sein Leben durch optimiertes Selbstmanagement. Früher einmal Ressortleiter einer Zeitung, muss der Journalist heute als Freiberufler um jeden Auftrag kämpfen, er muss die Familie ernähren, für den Sohn aus erster Ehe Unterhalt zahlen. Er schläft nur vier Stunden pro Nacht, doch das Geld reicht geradeso hin. Ziemlich spät realisiert er für sich, wie er unter Strom steht, Ángela sich entspannt um die Kinder kümmert. So stellt Antonio resigniert fest: «Liebe ist etwas für Leute, die sie sich leisten können.» Eine Situation fand ich auch prägnant für das heutige Spanien (Altersheime gibt es kaum): Als Antonios Mutter sich scheiden lässt, bekommt sie eine hübsche Summe vom Ehemann ausgezahlt, will das Geld den Kindern überlassen – z.B. für den Ausbau des Landhauses. Die Kinder lehnen ab mit der Begründung, die Mutter solle sparen, denn wahrscheinlich könne man sich später nicht um sie kümmern, weil man selbst arbeiten muss, wenn sie alt und gebrechlich sei. Sie brauche dann eine Pflegekraft, die wahrscheinlich die Kinder auch nicht werden finanzieren können. Wirtschaftskrise, Feminismus, die neuen Mütter, Kindererziehung, der Riss zwischen arm und reich, es gibt eine Menge gesellschaftlichen Stoff in dieser Geschichte. Auch sich scheiden lassen muss man sich erst einmal leisten können ...


«Väter in winzigen Wohnungen, für die sie sich vor ihren Kindern schämen, oder die zu ihren Eltern in ihre einstigen Jugendzimmer zurückgekehrt sind, ... Geschiedene, die auf einem Campingplatz wohnen.»


Antonio zieht zurück zu den Eltern, Ángela mit beiden Mädchen in eine kleine Dreizimmerwohnung, bittet Antonio um Unterhalt für die Mädchen, damit sie sich die Wohnung leisten kann. Antonio will lieber in Naturalien für die Mädchen zahlen. Die Scheidung wird jedem etwas abverlangen, nicht nur in der Seele brennen. Antonio hat sich bereits neu arrangiert mit einer ziemlich jungen Freundin. In diesem Roman ist niemand gut oder böse – es ist passiert. Isaac Rosa dringt tief in eine Beziehung ein, legt männliche wie weibliche Einstellungen offen, Generationskonflikte, gesellschaftliche Schieflagen. Alleine die Dramaturgie ist außergewöhnlich gut konstruiert. Eine gescheiterte Beziehung – sie steht für alle anderen Paare, denen ähnliches passierte, ein Stoff, in dem sich letztendlich jeder wiederfinden kann. Doch auch, was Isaac Rosa hier an sprachlicher Prägnanz abliefert, ist schlicht hervorragend – Literatur vom Feinsten! Ich mag dieses gute Buch nicht unter Liebesroman einordnen, es käme in das falsche Regal, das es allerdings aufhellen würde. Die Übersetzer Marianne Gareis und Luis Ruby haben jeweils den weiblichen, bzw. männlichen Teil übersetzt, am Ende die Übersetzung des anderen gegengelesen.


«Es ist schwer, Liebe in Worte zu fassen, ohne dabei zu denken, dass alles schon gesagt ist, dass wir nichts anderes tun, als überlieferte Sprüche zu wiederholen, Dialoge in Kinofilmen. Es ist schwer, zu lieben, ohne zu erwarten, dass im nächstbesten Moment die Scheißgeigen erklingen. Es ist sogar schwer, zu vögeln, ohne zu erkennen, dass man Stellungen aus dem Kino imitiert, dass selbst das Stöhnen geliehen ist. Die scheußliche ironische Distanz, die alles verseucht, eine schnelle Nummer genauso wie eine Beerdigung.»


Isaac Rosa, geboren 1974 in Sevilla, gehört zu den wichtigsten Stimmen der spanischen Gegenwartsliteratur. Seine Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Premio Rómulo Gallegos, dem Premio Cálamo und dem Premio Andalucía de la Crítica. International bekannt wurde er mit seinem Bestseller »Das Leben in Rot«, der erfolgreich verfilmt wurde. Isaac Rosa ist als Kolumnist für verschiedene Magazine, Tageszeitungen und Nachrichtenportale tätig. Er lebt in Madrid.


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Cover des Buches Glückliches Ende (ISBN: 9783954381241)ichundelaines avatar

Rezension zu "Glückliches Ende" von Isaac Rosa

"Wir wollten zusammen alt werden"
ichundelainevor einem Jahr

Ich sage es laut, um mich zu hören und merke, wie melodramatisch es klingt: Wie wollten zusammen alt werden.“
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Woran scheitert eine Beziehung, die anfangs so perfekt war? Weshalb beschließt ein Paar, sich nach 13 Jahren und zwei Kindern zu trennen? Wer hat Schuld? Die Individuen oder die Gesellschaft/ der Markt, der suggeriert, dass es bestimmt irgendwas besseres gibt? Oder sogar Social Media, weil jede Konversation auf Verführung hinausläuft? Oder alles zusammen?

Antonio hockt auf einem kaputten Sofa in einer leergeräumten Wohnung und ein Zwiegespräche mit seiner nicht-anwesenden Ex-Frau Angela entspinnt sich, bei dem sich die beiden nichts schenken. Offen und ehrlich sprechen sie über ihre Beziehung über das „was ihnen passiert ist“, über das Sterben der Leidenschaft, über die Müdigkeit, einseitige Helikopterelternschaft, Feminismus und die finanziellen Sorgen. Beide sitzen im selben Boot, wähnen sich aber in unterschiedlichen Schächten und unterhalten sich schreiend durchs Mauerwerk.
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Der Aufbau des Zwiegesprächs verstärkt sich nicht nur durch den Stil sondern auch durch die Tatsache, dass hier zwei Übersetzer:innen beteiligt waren, von denen jeder einem der Partner:innen seine/ihre Stimme gab. Das funktioniert mehr als gut, gibt dem Text einen sehr dynamischen Charakter und ich fühlte mich wie der Therapeut, der zwischen den beiden sitzt während sie vor mir ihre Beziehung sezieren.
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Das hier ist allerdings mehr als eine Beziehungskiste, das ist ein gesellschaftlicher Spiegel, eine Warnung an all die smug happy insta-couples und das ist wahnsinnig gut geschrieben. Es weckt auf, es ist zeitweise unangenehm und teilweise so verdammt bekannt. Bitte mehr von so was!

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Cover des Buches Im Reich der Angst (ISBN: 9783608938944)W

Rezension zu "Im Reich der Angst" von Isaac Rosa

Rezension zu "Im Reich der Angst" von Isaac Rosa
WinfriedStanzickvor 11 Jahren

„Ganz allmählich dehnt die Angst in der Stadt ihren Herrschaftsbereich aus, mit einer Vorliebe für öffentliche Orte. Selten nur zieht sie sich von einem bereits eroberten Territorium zurück, stattdessen gewinnt sie weitere hinzu, die sie ihrem Besitz zuschlagen kann. Genaugenommen sind wir es, die wir uns zurückziehen, wir geben nach, verlassen einen Raum, der fortan der Angst ausgeliefert ist. Manchmal leisten wir Widerstand, wir kämpfen, ertragen die innere Unruhe, weil wir einen Raum, der uns gehört, nicht aufgeben wollen, und verlassen den Platz schließlich doch, wir betreten diese Ecke des Parks nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr, meiden dieses und jenes Viertel, spazieren nicht nach Herzenslust am Stadtrand herum und nehmen ab einer gewissen Uhrzeit ein Taxi und nicht die U-Bahn. Dieselben Orte, die nun der Angst gehören, waren früher Räume des Spiels, Territorium der Kinder und Heranwachsenden, ein Ort des Versteckspielens, des Rückzugs, der ersten Küsse und Berührungen, der vor den Augen der Erwachsenen verborgenen Handlungen.“

Nach etwa einhundert Seiten dieses unter die Haut gehenden Romans des Spaniers Isaac Rosa („Das Leben in Rot“) reflektiert der Protagonist Carlos mit diesen Gedanken nicht nur seine eigene Angst, sondern die einer ganzen Schicht. Es ist eine „Angst davor, zu verlieren, nicht zu haben, nicht zu sein, vor dem Monatsende blank dazustehen, im Alter mittellos zu sein, sich nicht mehr so viel leisten, keinen Urlaub machen zu können, zu fallen und nicht mehr auf die Beine zu kommen, außen vor zu bleiben.“

Die Angst von Carlos ist typisch für die Mittelschicht, jene die viel zu verlieren haben, aber sich nicht wirklich schützen können. Immer wieder, parallel zur Handlung des Buches, lässt Isaac Rosa seinen Protagonisten über seine Angstvorstellung und seine Panik nachsinnen. Denn sie besteht schon vor und unabhängig von dem, was ihm und seiner Familie geschieht. Als Sara, die Ehefrau von Carlos –beide haben einen gut dotierten Job- feststellt, dass in der letzten Zeit immer wieder persönliche Gegenstände aus der Wohnung verschwinden, verdächtigen sie die dunkelhäutige Putzfrau, die ohne Papiere bei ihnen arbeitet, und sie werfen sie hinaus.

Diese Entscheidung ist Teil einer, Carlos durchaus bewussten, Fremdenfeindlichkeit, die einen nicht geringen Teil seiner Phobien ausmacht, und derer er sich phasenweise wieder schämt, weil er ja nicht so einer „von denen“ ist. Dennoch könnten viele seiner die Handlung immer wieder unterbrechenden Überlegungen aus dem Buch von Thilo Sarrazin abgeschrieben sein.

Der Leser ahnt es von der ersten Seite und wird dann bald auch in seiner Vermutung bestätigt: es ist der gemeinsame Sohn Pablo, 12 Jahre alt, der seine Eltern seit Wochen bestiehlt. Die Eltern verdrängen das Naheliegende so lange, bis eines Tages Pablo, voller Schrammen, blauer Flecken und Wunden, verstört aus der Schule kommt. Ein Junge aus seiner Klasse erpresst seit längerer Zeit Pablo, und der, um in Ruhe gelassen zu werden, muss immer wertvollere Gegenstände und vor allem immer wieder Geld aus Mutters Geldbörse seinem Peiniger abliefern.

Carlos handelt, indem er seinen Sohn fortan zur Schule bringt, und ihn dort auch abholt. Dass er damit über eine lange Zeit seinen eigenen Job vernachlässigt, zeigt keine Folgen, sehr wohl aber seine erfolglosen und kleinmütigen Gespräche mit dem Klassenlehrer und dem Direktor. Der Erpresser und Peiniger ist minderjährig, seit langen immer wieder durch solche Straftaten auffällig, doch die Offiziellen sagen, sie könnten nichts tun. Man kann als Vater eines Sohnes beim Lesen die Gefühle von Carlos nachvollziehen, auch die kalte Wut und die Ohnmacht, die in ihm aufsteigen. Doch da ihn die Angst schon seit jungen Jahren vollständig im Besitz hat, hat Carlos keine Kraft, dem Jungen als kräftiger Erwachsenen und mutiger Vater entgegenzutreten. Er wird über kurz oder lange selbst zum Erpressten und gibt dem Jungen immer mehr Geld. Gleichzeitig schmiedet er mit seinem Sohn Pablo ein Schweigekomplott gegenüber der ahnungslosen Mutter, die von beiden in dem Glauben gelassen wird, das Problem sei längst gelöst.

Doch er kann nicht heraus aus dem „Reich der Angst“. Selbst als sich durch die Hilfe eines verwandten Polizisten eine Lösung anzubahnen scheint, setzt ihre Herrschaft sich fort. Isaac Rosa führt seinen Leser in die Abgründe der menschlichen Angst und zeigt gleichzeitig mutig und angreifbar, wie eine schwache Gesellschaft voller Angst sich quasi kampflos der Gewalt und dem Terror ergibt. Insofern ist dieser Roman eine kritische Zeitansage nicht nur für Spanien. Nicht umsonst ist dieser Roman mittlerweile in zwölf verschiedene Sprachen übersetzt worden, glücklicherweise in diesem Jahr für Klett-Cotta auch von Luis Ruby ins Deutsche.

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