Ich halte ein DIN A5 großes Hardcover in den Händen. Der Originaltitel des 2025 erschienenen Buches lautet The Novel Life of Jane Austen, A Graphic Biography.
Viele Austen-Biografien bewegen sich zwischen Forschung und Spekulation. Mit diesem bebilderten Buch verhält es sich laut Vorwort ähnlich, doch im Glossar wird die Faktenspur, der diese Geschichte folgt, nachgezeichnet. Hier gibt es auch ein nützliches Personenverzeichnis. Denn in den Comicbildern reicht der Platz dafür nicht aus. Erst nach Abschluss der Lektüre habe ich in diesem Anhang Erklärungen gefunden, die ich mir während des Lesens gewünscht hätte. Mir wäre es lieber gewesen, sie stünden direkt hinter jedem Kapitel.
Gleich beim Aufschlagen des Buchs fällt auf, dass die Zeichnungen in gedecktem gelb, blau, grau und weiß gehalten sind. Das soll die Eintönigkeit von Austens Leben widerspiegeln. Im Gegensatz dazu wurden die Passagen, in denen die Autorin ihrer Vorstellungskraft freien Lauf lässt, in leuchtend pinken Farben dargestellt.
Die vorliegende Biografie umspannt die Zeit von 1796-1817 in drei Perioden: ihre Zeit in Bath (Titel aufstrebende Autorin), Southampton (erfolglose Künstlerin) und Chawton (veröffentlichte Autorin). Sie erzählt, wie sie als unverheiratete Frau und Autorin mit Geldsorgen und Enttäuschungen zu kämpfen hatte. Eine wichtige Rolle spielt dabei ihre Schwester Cassandra, zu der sie zeitlebens ein inniges Verhältnis hat. Beide waren unverheiratet, aber voller romantischer Träume, woraus sich viel Romanmaterial ableiten lässt.
Das Buch liest sich wirklich wie ein klassischer Comic mit Sprech- und Gedankenblasen. Ganz originell finde ich witzige Einschübe, in denen der Leser direkt angesprochen wird, z.B. diesen hier, der auf ein Schild mit vermeintlichem Schreibfehler gerichtet ist:
„Für alle Scharfsichtigen: Dies ist kein Druckfehler!“
Ich mag sowas. Die Biografie ist zwar durch die Comics schon keine besonders schwere Kost, aber solche Einschübe lockern die Lektüre noch zusätzlich auf.
Die Zeichnungen wirken eher kindlich mit einfachen Körperproportionen, was dem Ganzen eine zusätzliche Leichtigkeit verleiht.
Die historische Sprache ist ziemlich amüsant eingefangen.
„Ein Mensch, ob Herr oder Dame, der kein Vergnügen an einem guten Roman hat, muss unerträglich stumpfsinnig sein.“
„Heute wird die Sonne nicht gebraucht. Mir ist warm vor Bewunderung.“
Mir hat das Buch viel Spaß bereitet. Es ist eine schöne Abwechslung und eine witzige Idee, eine Biographie in Bildern zu erzählen.
Man muss nicht alles am Stück lesen, weil es in Zeitabschnitte und kurze unzusammenhängende Kapitel gegliedert ist, so daß man auch den Handlungsfaden nicht verliert, wenn man ein paar Tage nicht reinschaut.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Ich würde auch gerne weitere Biographien in der Form lesen.










