Isabelle Autissier

 4.5 Sterne bei 119 Bewertungen
Autorin von Herz auf Eis, Soudain, seuls und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Isabelle Autissier

Frischer Wind aus Frankreich: 1956 geboren in Frankreichs Hauptstadt und aufgewachsen südöstlich von Paris, entdeckt die sechsjährige Isabelle Autissier in der Bretagne ihre Leidenschaft zum Segeln. Sie hat ein Diplom in Meereswissenschaften und ist die erste Frau, die im Rahmen einer Regatta in der Kategorie Einhandsegeln alleine die Welt umsegelt hat. „L’aventure, c’est sortir de ses certitudes“ – Abenteuer sind für die „Yachtwoman of the year 1996“ das Verlassen der Komfortzone. Durch ihre persönlichen Abenteuer inspiriert, widmet sie sich nach einem beinahe tödlichen Unglück dem Schreiben. 2015 veröffentlicht sie ihren zweiten Roman, der für den Prix Goncourt (bester französischsprachiger Roman des Jahres) nominiert wurde. Zwei Jahre später erschien „Herz auf Eis“ bei uns in Deutschland. Heute lebt Isabelle Autissier in La Rochelle und ist seit 2009 Präsidentin von WWF Frankreich.

Neue Bücher

Herz auf Eis

 (118)
Neu erschienen am 15.10.2018 als Taschenbuch bei Goldmann.

Alle Bücher von Isabelle Autissier

Herz auf Eis

Herz auf Eis

 (118)
Erschienen am 15.10.2018
Soudain, seuls

Soudain, seuls

 (1)
Erschienen am 09.11.2016
L'amant de Patagonie

L'amant de Patagonie

 (0)
Erschienen am 26.06.2013

Neue Rezensionen zu Isabelle Autissier

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Herz auf Eis" von Isabelle Autissier

Der Stoff hätte viel hergegeben …
Gwhynwhyfarvor 4 Monaten

Der Anfang: »Sie sind früh aufgebrochen. Es verspricht einer der erhabensten Tage zu werden, die zuweilen in den wilden Breiten herrschen, der Himmel tiefblau, wie flüssig, so klar wie nur hier, am fünfzigsten Breitengrad Süd.«

Louise und Ludovic wollen ein Sabbatjahr nehmen, um «aus der Erstarrung des Pariser Büroalltags auszubrechen». Sie haben sich für ihren Segeltörn ausgiebig vorbereitet. Er ist Manager, ein Typ, der auffällt, einer mit Charisma, sie eine unscheinbare Finanzangestellte und passionierte Bergkletterin. Die beiden Charaktere könnten verschiedener nicht sein. Die Beziehung kriselt, die Reise soll abhelfen. Die Fahrt ist perfekt, das Boot läuft rund, die beiden besuchen wundervolle Orte, das Leben kann schön sein. Auf ihrer Route liegt auch Stromness, eine ehemalige Walfangstation in der Stromness Bay an der Nordküste Südgeorgiens im Südatlantik, die seit ewigen Zeiten stillgelegt ist, auf der 1916 bereits Ernest Shackleton landete. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet und es ist verboten, dort anzulegen. Im Beiboot fährt das Paar die Station an. Ludovic möchte den Berg hinter der Station hinaufklettern, ein wenig ins Landesinnere wandern. Louise erscheint das zu gefährlich, doch sie lässt sich überreden, sie haben weder Funk noch Handys dabei, wollen nicht geortet werden. Das Wetter schlägt um. Als die beiden zurückkehren, tobt die See, sie ziehen das Beiboot an Land und übernachten in der Walfangstation, mitten in Schmutz und Gestank. In der Nacht stürmt es heftig und am Morgen ist das Segelboot verschwunden. Nun müssen sich Louise und Ludovic darauf einrichten, etwas länger auf der Insel zu weilen, vielleicht sehr lange, ganz ohne Ausrüstung …

»Zuerst ist Louise einfach überwältigt, dass so ein schöner Mann mit ihr zusammen ist. Doch immer mehr liebt sie ihn dafür, dass er ihr gibt, was sie nicht hat.«

Zunächst einmal eine aufregende Geschichte und viele Leser mögen diesen Roman. Mir ist die Geschichte auf Grund des Schreibstils nicht nahegegangen. Herz auf Eis, es wird kalt, nicht nur an Land, auch in der Beziehung kriselt es. Das Buch ist kalt, durch und durch. Auf der Insel ist es kalt. Louise ist kalt. Ludovic ist kalt. Die Perspektive, personal aus der Sicht von Louise, sehr distanziert, sehr entfernt. Die Charaktere sind für mich oberflächlich dem Leser präsentiert, teilweise klischeehaft. Die Distanziertheit passt zu vielen Szenen, man möchte nicht dicht dran sein, wenn das Paar reihenweise Pinguine und Robben erschlägt, um zu überleben, das einzige Essbare, was zu finden ist. Naturschutzgebiet hin oder her. Wie Brecht schon sagte: »Erst kommt das Fressen, dann die Moral.«

»Beide bringen ihr Argumente vor, aber im Grunde hat Louise doch Angst, allein aufzubrechen. Selbst in den Bergen hat sie niemals irgendetwas riskiert ohne den Schutz der Seilschaft.«

Der Erzähler erklärt, es gibt wenig Dialoge, immer weit entfernt von den Protagonisten, kaum Gedanken. Auch von der Landschaft ist nichts zu spüren, von der Tierwelt. Gut, kein Blick für die Natur, denn die beiden sind den ganzen Tag mit Nahrungssuche beschäftigt, aber auch diese Verzweiflung kommt nicht durch. Die beiden Protagonisten kommen mir nicht nah, ich will sie nicht unbedingt sympathisch finden (das sind sie nicht), aber ich will sie verstehen. Der Erzähler erklärt oberflächlich und schablonenhaft, was sie tun, er lässt den Leser außen vor, lässt ihn kalt in der Ecke stehen. Überlebenskampf, Verzweiflung und Schuldzuweisungen, ein gutes Thema, aber es prallt von mir ab, die psychischen Abgründe der Protagonisten tun sich nicht vor mir auf. «Diese dramatische Situation macht sie zu anderen Wesen», das steht dort, wie viele andere Aussagen, aber die Autorin schafft es für mich nicht, genau dieses Gefühl zu projizieren. Entscheidungen fällen in Extremsituationen, ein feines Thema, doch der Leser erfährt kein warum. Ich lese, sie befinden sich auf einem Naturschutzgebiet, das als besonders eindrucksvoll gilt. Doch an welcher Stelle im Buch ist genau das verankert? Da ist nichts beeindruckend. Ist das Absicht?

Am Ende nimmt die Autorin auch noch den Medienrummel mit auf, ein Journalist, der die Story gern vermarkten möchte. Hier gilt das Gleiche wie für den Inselabschnitt, es prallt ab. Die Nebenfiguren sind flach und klischeehaft, aber auch die Hauptprotagonisten geben für mich nicht viel her. Das Buch hat 224 Seiten und meist bin ich der Meinung, weniger ist mehr. Hier ist es mal völlig umgekehrt, hier fehlt mir Tiefgreifendes. Am Ende stehe ich da, frage mich, was übrig bleibt. Eigentlich nichts, was nachhallt. Viele Reportagen sind packender erzählt. Bitte nicht falsch verstehen, das Buch ist spannend, die Story interessant, nur berührt es eben nicht. Die Figuren Robinson und Freitag von Daniel Defoe Roman waren mir näher. Anderen gefällts …

Isabelle Autissier, geboren 1956, ist Seglerin und hat als erste Frau die Welt alleine umsegelt. Nach einem beinahe tödlichen Unglück im Südpazifik hat sie 1999 ihre Karriere als Einhandseglerin beendet, nimmt jedoch weiterhin an Regatten auf dem gesamten Globus teil.

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schnaeppchenjaegerins avatar

Rezension zu "Herz auf Eis" von Isabelle Autissier

Interessante Mischung aus Abenteuerroman, psychologischer Studie und Gesellschaftskritik
schnaeppchenjaegerinvor 5 Monaten

Louise und Ludovic sind ein frisch verliebtes Paar, das in Paris lebt. Während sie ihren Arbeitsalltag als eher langweilig empfinden, hat Louisa ihre Erfüllung in ihrem Hobby, dem Klettern, gefunden. Da packt auch Ludovic die Abenteuerlust. Als begeisterter Segler möchte er sich ein Jahr Auszeit nehmen und die Welt per Boot erkunden. Um die noch junge Beziehung nicht zu gefährden, willigt Louise in das Sabbatjahr ein und begibt sich mit Ludovic auf Weltreise. 

Beim Segeln zu den Antillen, über Patagonien und durch den Südatlantik in Richtung Südafrika werden sie ein gutes Team und auch Louise ist begeistert über die Horizonterweiterung. Als sie jedoch an eine Insel gelangen, die Naturschutzgebiet ist und nur zu Forschungszwecken genutzt werden darf, beschließt Ludovic an der Insel anzulegen und eine Bergtour zu machen. Auch als Louise vor einem Wetterumschwung warnt, weigert sich Ludovic, umzukehren. Regen und Sturm ziehen so stark auf, dass das Paar in der alten Walfangstation über Nacht Schutz suchen muss. 

Am nächsten Morgen ist ihr Segelboot unauffindbar mit ihren Vorräten und technischem Equipment verschunden. Louise und Ludovic bleiben nur die Kleidung, die sie am Leib tragen, ein Feuerzeug, zwei Äpfel und Müsliriegel. Sie sind ganz auf sich allein gestellt und keiner weiß, wo sie sich aufhalten. 

Es beginnt ein Kampf um das nackte Überleben, gegen Kälte und Hunger, aber auch die Liebe und Loyalität zu bewahren und auf Schuldzuweisungen zu verzichten. 

Der Roman ist in zwei Teile "Dort" und "Hier" aufgeteilt, so dass man als Leser nicht nur das schier hoffnungslose Abenteuer auf der Insel miterlebt, sondern auch erfährt, ob und in welchem Zustand Ludovic und Louise überleben und das Erlebte verarbeiten werden. 

Auf der Insel richten sie sich aus den Gegebenheiten notdürftig ein Zuhause ein, gelangen aufgrund der Temperaturen und des nahenden Winters, aber vor allem auch aufgrund der eingeschränkten Nahrungsmittel an die Grenzen des Erträglichen. Sie sind gezwungen, Pinguine niederzuknüppeln und sich von den wenig ergiebigen Fleischanteilen zu ernähren. Vier Pinguine pro Person und Tag sind nötig, um den nagenden Hunger zu stillen. Louise und Ludovic bauen körperlich ab, fühlen sich aufgrund ihres barbarischen Verhaltens kaum noch als Menschen. Moral und ethische Grundsätze spielen kaum noch eine Rolle und die Hoffnung auf ein rettendes Forschungsschiff sinkt stetig. Aus einer Reise, die unternommen wurde, um dem Alltag zu entfliehen und Freiheit zu erleben, wird eine Gefangenschaft auf einer unbewohnten Insel, abhängig von den Gegebenheiten der Natur. 

Sehr eindringlich beschreibt die Autorin den Überlebenskampf des Paares auf der Insel und wie sie letztlich physisch und psychisch am Rande ihrer Kräfte zu Einzelkämpfern werden. "Allein leben oder zu zweit sterben" ist die Frage, die sich Louise stellt und kaum mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Wie viel kann eine Liebe ertragen und ist im Überlebenskampf jeder Mensch ohne Rücksicht sich selbst der nächste?

Der zweite Teil des Romans handelt wieder zurück in der Zivilisation und ist lange nicht so spannend geschrieben wie der Aufenthalt auf der Insel. Hier wird Kritik an den Medien laut, die sich auf die Einzelschicksale stürzen und das Abenteuer öffentlichkeitswirksam und gewinnbringend vermarkten wollen, bevor es überhaupt eine Chance geben kann, das Trauma therapeutisch zu verarbeiten. 

"Herz auf Eis" ist eine interessante Mischung aus Abenteuerroman, psychologischer Studie und Gesellschaftskritik. Wie viel Menschlichkeit bleibt in einer derartigen Extremsituation übrig und wie kann das Erlebte und eigene Handeln rechtfertigen, ohne daran zu zerbrechen.    

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Marakkarams avatar

Rezension zu "Herz auf Eis" von Isabelle Autissier

Grenzerfahrung - wie weit würdest du gehen?
Marakkaramvor 7 Monaten

Ludovic ist der Inbegriff der Generation Y: Einzelkind, Eltern in leitender Position, Einfamilienhaus im Vorort von Paris. Es hat ihm an nichts gefehlt.

Ludovic ist schnell gelangweilt, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, zieht er Louise, die etwas zurückhaltender ist, mit. Und so brechen die beiden nicht nur für ein Jahr aus, um die Welt zu erkunden, sie stranden auch aus reinem Leichtsinn auf einer unbewohnten Naturschutz-Insel. Eine Grenzerfahrung, denn aus dem Abenteuer wird ein Kampf ums pure Überleben.

Und hier legt die Autorin ihren Schwerpunkt und den Finger in die Wunde. Wie verhält sich ein Paar, das gegen Hunger, Kälte und Tod kämpft? Wie ändert sich die Rollenverteilung und die Charakterstärken mit der Zeit und wo bleibt bei all dem die Menschlichkeit und Liebe? Entscheidungen müssen getroffen werden, man ist sich nicht immer, um nicht zu sagen, selten einig. Und doch muss man zusammenhalten, um zu überlegen oder geht man ein Wagnis ein, dass der andere nicht zu tragen bereit ist....

Dieser Roman geht unter die Haut, denn man kommt nicht umhin, sich immer wieder selbst zu hinterfragen. Wie hätte ich gehandelt? Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden. Dennoch waren diese Überlegungen bei jedem Schritt präsent. Und das macht dieses Buch aus.

Sympathisch war mir in diesem Kammerspiel keiner der beiden Charaktere. Auch der Schreibstil ist sehr klar, knapp und distanziert, dabei aber unheimlich detailliert und sehr realistisch dargestellt. Es gibt keine Romantik oder gar Heldentum. Es geht um Würde, Menschlichkeit, Schuldgefühle, innere Zerissenheit, Zweifel und Liebe. Und diese Eindringlichkeit hat mich tief berührt und lange zum Nachdenken gebracht.

Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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Gespräche aus der Community

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Mare_Verlags avatar
Liebe Lovelybooks-Leserinnen und Leser,

wir läuten eine weitere Leserunde ein: Am 7. März 2017 erscheint im  mareverlag Isabelle Autissiers Roman Herz auf Eis, der uns auf eine einsame Insel vor Kap Hoorn führt. Ihr habt die Möglichkeit, Euch für eines von 20 Vorableseexemplaren zu bewerben.

Zum Buch:
Sie sind jung und verliebt und haben alles, was sie brauchen. Aber ihr Pariser Leben langweilt sie, also nehmen Louise und Ludovic ein Sabbatjahr und umsegeln die Welt. Bei einem Ausflug auf eine unbewohnte Insel vor Kap Hoorn reißt ein Sturm ihre Jacht und damit jegliche Verbindung zur Außenwelt mit sich fort. Was als kleiner Ausbruch aus dem Alltag moderner Großstädter gedacht war, mündet urplötzlich in einen existenziellen Kampf gegen Hunger und Kälte. Nicht weniger aufreibend ist das psychologische Drama, das sich zwischen den Partnern entspinnt. Wer trägt die Schuld an der Misere? Wer behält die Nerven und trifft die richtigen Entscheidungen? Und was wird aus der Liebe, wenn es ums nackte Überleben geht?

Herz auf Eis wagt sich an die Frage, was mit uns und unseren Beziehungen geschieht, wenn wir unsere Komfortzone verlassen.

Hier geht's zur Leseprobe.

Möchtet Ihr zu den 20 Vorablesern gehören?* Dann bewerbt Euch und beantwortet bis zum 21. Februar die folgende Frage:

Hättet Ihr den Mut, alles hinter Euch zu lassen, um für ein Jahr zu reisen oder gar eine Weltumsegelung zu machen?

Wir warten gespannt auf Eure Antworten und freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen!

Euer mareverlag



*Bedingung ist, dass Ihr Euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.
(Bitte veröffentlicht Eure Rezension nicht vor dem Erscheinungstermin in anderen Portalen.) 
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Isabelle Autissier wurde am 18. Oktober 1956 in Paris (Frankreich) geboren.

Isabelle Autissier im Netz:

Community-Statistik

in 179 Bibliotheken

auf 40 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

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