Ismail Kadare

 4.1 Sterne bei 119 Bewertungen
Autor von Der zerrissene April, Der Palast der Träume und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ismail Kadare

ISMAIL KADARE, geboren 1936 in der südalbanischen Stadt Gjirokastra. Er studierte in Tirana, dann am Moskauer Gorki-Institut. Bis 1990 lebte er in Tirana; heute lebt er abwechselnd in Tirana und Paris. Der literarische Durchbruch gelang ihm mit dem Roman »Der General der toten Armee«, der in Frankreich mit Marcello Mastroianni und Michel Piccoli verfilmt wurde. Ismail Kadare hat für sein Werk zahlreiche Preise erhalten, zuletzt den Man Booker International Prize (2005). Er ist Mitglied vieler Akademien und Offizier der französischen Ehrenlegion. Seit Jahren gilt er als Anwärter auf den Nobelpreis. Seine Romane sind bis heute in mehr als dreißig Sprachen übersetzt worden.

Alle Bücher von Ismail Kadare

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Der zerrissene April

Der zerrissene April

 (23)
Erschienen am 03.08.2001
Der Palast der Träume

Der Palast der Träume

 (13)
Erschienen am 01.07.2005
Die Brücke mit den drei Bögen

Die Brücke mit den drei Bögen

 (10)
Erschienen am 01.03.2005
Chronik in Stein

Chronik in Stein

 (7)
Erschienen am 25.07.2012
Der General der toten Armee

Der General der toten Armee

 (7)
Erschienen am 01.12.2006
Die Dämmerung der Steppengötter

Die Dämmerung der Steppengötter

 (7)
Erschienen am 22.09.2016
Der Nachfolger

Der Nachfolger

 (6)
Erschienen am 25.08.2006
Das verflixte Jahr

Das verflixte Jahr

 (5)
Erschienen am 01.07.2007

Neue Rezensionen zu Ismail Kadare

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Der zerrissene April" von Ismail Kadare

‚Bis zu dem Tag, an dem er tötete, gab es für ihn kein Leben.'
sabatayn76vor 4 Monaten

‚Bis zu dem Tag, an dem er tötete, gab es für ihn kein Leben. Erst wenn er getötet hatte und selbst vom Tod verfolgt war, begann er zu leben.‘ (Seite 31 der gebundenen Ausgabe von 2001)

Schon zum zweiten Mal liegt Gjorg Berisha auf der Lauer, um den Mann zu töten, der den Tod seines Bruders auf dem Gewissen hat. Beim ersten Versuch wurde der Mann nur verwundet, aber diesmal ist Gjorg erfolgreich und erschießt Zef Kryeqyqe.

Die Nachricht vom Tod Zefs verbreitet sich in dem kleinen albanischen Bergdorf in Windeseile, und Gjorg und seine Verwandtschaft schließen sich in ihrem Zuhause ein, um der Blutrache der Kryeqyqes vorerst zu entkommen. Dann leistet die Familie des Getöteten das kleine Ehrenwort, wodurch dem Blutvergießen 24 Stunden Einhalt geboten wird, und das Dorf entscheidet sich schließlich zum 30-tägigen großen Ehrenwort, was Gjorg einen ganzen Monat der Sicherheit gibt. Doch Gjorg weiß, dass er nach diesen 30 Tagen von einem Familienmitglied der Kryeqyqes getötet werden wird.

Die Geschichte der Blutfehde begleitet die Berishas und die Kryeqyqes seit siebzig Jahren, seit ein Gast der Berishas genau an der Dorfgrenze erschossen wurde:

‚Und wenn du einen Gast geleitest, und er wird vor deinen Augen getötet, dann fällt sein Blut auf dich.‘ (Seite 33 der gebundenen Ausgabe von 2001).

Seitdem gibt es auf beiden Seiten je 22 Gräber, und der Kreislauf des Tötens scheint nicht gebrochen zu werden, solange es noch Familienangehörige gibt, die den Tod eines Familienmitglieds rächen können.

Ich habe ‚Der zerrissene April‘ von Ismail Kadare vor vielen Jahren mit großer Begeisterung gelesen. Nun habe ich das Buch zum zweiten Mal gelesen, bin nach wie vor fasziniert von diesem Roman.

Kadare bietet in seinem bereits 1978 geschriebenen und 1980 erstmals auf Albanisch erschienenen Roman tiefe Einblicke in eine Welt, in der sich alles um alte Traditionen und Bräuche dreht, in der der Kanun, das alte Gewohnheitsrecht der Albaner, den Alltag und das Leben regelt, in der die Blutrache (als Teil des Kanun) mit ihren vielen Riten und dem komplizierten Regelwerk aktiv gelebt und angewendet wird.

In klarer, schnörkelloser Sprache erzählt Kadare seine dicht geschriebene und bewegende Geschichte, die nicht nur Opfer und Täter der Blutrache vorstellt und zu Wort kommen lässt, sondern auch die Profiteure dieser Tradition zeigt, die dafür sorgen, dass der Brauch weiter gepflegt wird.

Kadare nimmt den Leser in seinem Roman mit in die albanische Bergwelt und lässt ihn so an einer Welt teilhaben, die den meisten Lesern fremd erscheinen muss, die jedoch über Jahrhunderte hinweg gelebte Realität war. Nur in den Jahren der kommunistischen Diktatur in Albanien war die Blutrache eingestellt, doch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus erlebte das Land erneut eine Zunahme der Blutrache, die mittlerweile zwar wieder abgeebbt ist, doch nach wie vor gibt es in Albanien zahlreiche Familien, die auch heute noch in (teilweise jahrzehntealte) Blutrachekonflikte verwickelt sind.

‚Der zerrissene April‘ ist ein intensives und brillant erzähltes Buch und gehört nicht nur zu meinen Lieblingsbüchern 2018, sondern steht auch auf der Liste meiner All Time Favorites. Ich empfehle ‚Der zerrissene April‘ jedem, der nach Albanien reisen will oder der sich generell mehr mit dem Land und seinen Traditionen beschäftigen möchte.

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carathiss avatar

Rezension zu "Die Pyramide" von Ismail Kadare

"Von der Geburt eines Weltwunders" oder "Wie die Pyramide ihre Erbauer knechtet"
carathisvor 5 Monaten

Jeder kennt sie - die Pyramiden im Sand der Sahara, Jahrtausende alt und noch immer Symbol einer hochentwickelten - doch vergangenen Kultur. Die Pyramiden von Gizeh, deren Mittelpunkt die Pyramide des Cheops bildet, sind heute das einzige noch erhaltene antike Weltwunder. Welche menschlichen Leiden und Opfer notwendig waren um die große Cheops-Pyramide zu erbauen, davon handelt die Novelle von Kadare.


Eigentlich wollte Cheops gar keine Pyramide bauen. Die Selbstdarstellung seiner Vorfahren verstand er nicht und dachte, sie wäre für ihn auch nicht notwendig. Jedoch überzeugten seine Berater ihn schließlich, dies doch in Angriff zu nehmen, denn angeblich würde sich die Bevölkerung sonst unter dem herrschenden Wohlstand gegen die Obrigkeit auflehnen. 

Also begann das Großprojekt - mit der Anfertigung von Peitschen. Dies als Sinnbild für die folgenden Qualen, die die Arbeiter ertragen müssen, ist nur der kleine Auftakt. Im Buch gibt es ganze Kapitel, die sich nur den Todesfällen widmen, Satz für Satz eine Aneinanderreihung von Pein und Schmerz. Und doch scheinen die Menschen in Ägypten durch ihre Verknechtung nicht die Bewunderung für das Bauwerk und den Pharao zu verlieren.

"Wie sich Licht unter dem schrecklichen Druck der Steine in Dunkelheit verwandelte, um als neuer, diesmal diamantener Glanz wiederzuserstehen, so wurde auch die zur Asche des Hasses verbrannte Bewunderung durch sie in neuer Form wiedergeboren."  S. 106

Ich hatte erwartet, dass man im Roman vielleicht die Gedanken und Pläne von Cheops näher gebracht bekommt, doch das ist nicht der Fall. Kadares Fokus liegt mehr auf der Pyramide selbst, wie sie fordert und begräbt. Nicht nur die Arbeiter, sondern auch den Pharao selbst. Das ist abschnittsweise etwas zäh zu lesen, denn es wird von Person zu Person gesprungen, der Name kurz genannt, doch dann verschwinden die Figuren schon wieder. Dies macht es etwas schwer nah an das Geschehen heranzutreten obwohl die Geschichte eine wichtige Botschaft trägt.  

Erst die letzten zwei-drei Kapitel bilden schließlich den Rahmen der Geschichte und anderen analogen, historischen Vorkommnissen. So kann die Geschichte als kritische Parabel auf die diktatorische und immer wiederkehrende Staatslenkung gesehen werden, wie es der Autor in seinem eigenen Land (Albanien) erlebt hat.   

Das Buch ist geeignet für Leser mit historischem Interesse an den Pyramiden selbst, und Menschen, die politische Instanzen gern kritisch betrachtet sehen. Da das Buch nur 158 Seiten hat, kann man auch über die teilweise trockene Schreibweise hinwegsehen.  

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Dajobamas avatar

Rezension zu "Die Pyramide" von Ismail Kadare

Ismail Kadare - Die Pyramide
Dajobamavor 10 Monaten


"Noch existierte die Pyramide nur auf den Papyri, noch war kein einziger Stein geschnitten, man hatte noch nicht einmal die Steinbrüche bestimmt,  als die Peitschenmacher von Theben . . . die Produktion in ihren Werkstätten verdoppelten." S 21

 

Wir befinden uns im alten Ägypten, unter der Regierung des Pharao Cheops. Nach einigem Zögern entscheidet sich Cheops doch noch, eine Pyramide bauen zu lassen. Hauptgrund für diese Entscheidung ist die Angst vor Unruhen im Volk, sollte der Wohlstand zu groß werden. Die Bevölkerung soll über Jahrzehnte geknechtet und ausgeblutet werden, so dass keinerlei Kraft für Aufstände oder Revolutionen übrig bleibt.

Das Buch umfasst eine große Zeitspanne um den gesamten Pyramidenbau, von der Planung bis zur Fertigstellung. Faszinierend, wie sehr die Bevölkerung mit der Pyramide verbunden ist.  Ein Menschenleben ist nichts wert.  Viele Tausende lassen ihr Leben unter unvorstellbaren Strapazen. Viele wissen von Anfang  an, dass sie nach der Fertigstellung getötet werden,  damit sie keine Geheimnisse weitergeben können. Drakonische Strafen und ständige Ermittlungen über eingebildete oder tatsächliche Sabotageaktionen, sowie eine große Portion Aberglaube, auch bedingt durch den ägyptischen Glauben an verschiedene Götter, tragen das ihre dazu bei, die Menschen starr vor Schreck und damit ruhig zu halten.

 

Toll erzählt, mit vielen bildhaften Vergleichen, wirkt sehr atmosphärisch.  Was mir kaum aufgefallen ist, ist die sehr spärlich eingesetzte direkte Rede. Das Geschehen wirkt trotzdem sehr lebendig. Allerdings hat mir persönlich ein sympathischer Protagonist gefehlt, mit dem man Hoffen und Bangen könnte. Wenn man so will, könnte man die Pyramide selbst als personifizierte Hauptdarstellerin sehen, wenn man ihre Entwicklung über ein halbes Menschenleben begleitet.

 

Bereits im Klappentext wird auf eine Parallele zu totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts hingewiesen. Tatsächlich taucht gegen Ende des Romans das Wort Diktatur auf. Ismail Kadare gilt als berühmtester Autor Albaniens. Sein Heimatland wurde von 1944 bis 1985 von Diktator Hoxha regiert. Dies kann man als Hintergrund dieses ägyptischen Romans sehen. Totalitäre Regimes handeln zu jeder Zeit ähnlich, auch vor 4500 Jahren in Ägypten. In der Beziehung hat sich erschreckend wenig verändert.

 

Wem dies zu weit hergeholt erscheint, der kann das Buch auch einfach nur so als Roman über den Bau der Cheopspyramide lesen. Mir hat es sehr gut gefallen, eine sehr tiefgründige Geschichte mit vielen Interpretationsmöglichkeiten und eine großartige Leistung des Autors.

 

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Ismail Kadare wurde am 28. Januar 1936 in Gjirokastra (Albanien) geboren.

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