Die Pyramide

von Ismail Kadare 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Die Pyramide
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Die große symbolische Beschreibung der Unterdrückung eines Volkes. Erzählstil ein wenig gewöhnungsbedürftig.

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Eine politische Parabel oder eine ägyptische Geschichte über den Pyramidenbau

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Inhaltsangabe zu "Die Pyramide"

Ein ewiges steinernes Rätsel, so liegen die Pyramiden in der Wüste. Ismail Kadares 'ägyptischer Roman' nimmt die Errichtung der sagenumwobenen Cheops-Pyramide zum Gegenstand einer vielsagenden politischen Parabel, aus der die Erfahrung totalitärer Herrschaft spricht.

Als der junge Pharao Cheops verkündet, keine Pyramide errichten lassen zu wollen, erfasst die Berater des Herrschers große Unruhe: Ein Ägypten ohne Pyramiden ist unvorstellbar. Ein altes Papyrus gibt Aufschluss über ihren Ursprung. Stets ging ihrer Errichtung eine Staatskrise voraus. Nur eine Sache von solch grandioser Überflüssigkeit wie die Pyramiden vermag es, jene aufrührerischen Kräfte zu binden, die aus Überfluss und Wohlleben entstehen. Nach außen verschaffen sie Ruhm und Anerkennung, im Inneren stärken sie die Herrschaft des Pharao. Und so wird auch Cheops seine Pyramide errichten lassen: Ein Monster, das die Ägypter unterdrückt, peinigt und auszehrt, bevor es zuletzt den Körper des Pharao verschlingt.

So liegen die Pyramiden nun in der Wüste, ein Grab und eine Metapher für das Scheitern monströser Utopien und den Verfall großer Weltreiche. Im Spiegel eines längst vergangenen Weltreiches erzählt Ismail Kadare von der Brutalität des Despotismus, nicht zuletzt vor dem Hintergrund totalitärer Herrschaft im 20. Jahrhundert.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596191277
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:25.01.2018

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    carathiss avatar
    carathisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Die große symbolische Beschreibung der Unterdrückung eines Volkes. Erzählstil ein wenig gewöhnungsbedürftig.
    "Von der Geburt eines Weltwunders" oder "Wie die Pyramide ihre Erbauer knechtet"

    Jeder kennt sie - die Pyramiden im Sand der Sahara, Jahrtausende alt und noch immer Symbol einer hochentwickelten - doch vergangenen Kultur. Die Pyramiden von Gizeh, deren Mittelpunkt die Pyramide des Cheops bildet, sind heute das einzige noch erhaltene antike Weltwunder. Welche menschlichen Leiden und Opfer notwendig waren um die große Cheops-Pyramide zu erbauen, davon handelt die Novelle von Kadare.


    Eigentlich wollte Cheops gar keine Pyramide bauen. Die Selbstdarstellung seiner Vorfahren verstand er nicht und dachte, sie wäre für ihn auch nicht notwendig. Jedoch überzeugten seine Berater ihn schließlich, dies doch in Angriff zu nehmen, denn angeblich würde sich die Bevölkerung sonst unter dem herrschenden Wohlstand gegen die Obrigkeit auflehnen. 

    Also begann das Großprojekt - mit der Anfertigung von Peitschen. Dies als Sinnbild für die folgenden Qualen, die die Arbeiter ertragen müssen, ist nur der kleine Auftakt. Im Buch gibt es ganze Kapitel, die sich nur den Todesfällen widmen, Satz für Satz eine Aneinanderreihung von Pein und Schmerz. Und doch scheinen die Menschen in Ägypten durch ihre Verknechtung nicht die Bewunderung für das Bauwerk und den Pharao zu verlieren.

    "Wie sich Licht unter dem schrecklichen Druck der Steine in Dunkelheit verwandelte, um als neuer, diesmal diamantener Glanz wiederzuserstehen, so wurde auch die zur Asche des Hasses verbrannte Bewunderung durch sie in neuer Form wiedergeboren."  S. 106

    Ich hatte erwartet, dass man im Roman vielleicht die Gedanken und Pläne von Cheops näher gebracht bekommt, doch das ist nicht der Fall. Kadares Fokus liegt mehr auf der Pyramide selbst, wie sie fordert und begräbt. Nicht nur die Arbeiter, sondern auch den Pharao selbst. Das ist abschnittsweise etwas zäh zu lesen, denn es wird von Person zu Person gesprungen, der Name kurz genannt, doch dann verschwinden die Figuren schon wieder. Dies macht es etwas schwer nah an das Geschehen heranzutreten obwohl die Geschichte eine wichtige Botschaft trägt.  

    Erst die letzten zwei-drei Kapitel bilden schließlich den Rahmen der Geschichte und anderen analogen, historischen Vorkommnissen. So kann die Geschichte als kritische Parabel auf die diktatorische und immer wiederkehrende Staatslenkung gesehen werden, wie es der Autor in seinem eigenen Land (Albanien) erlebt hat.   

    Das Buch ist geeignet für Leser mit historischem Interesse an den Pyramiden selbst, und Menschen, die politische Instanzen gern kritisch betrachtet sehen. Da das Buch nur 158 Seiten hat, kann man auch über die teilweise trockene Schreibweise hinwegsehen.  

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    Dajobamavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Eine politische Parabel oder eine ägyptische Geschichte über den Pyramidenbau
    Ismail Kadare - Die Pyramide


    "Noch existierte die Pyramide nur auf den Papyri, noch war kein einziger Stein geschnitten, man hatte noch nicht einmal die Steinbrüche bestimmt,  als die Peitschenmacher von Theben . . . die Produktion in ihren Werkstätten verdoppelten." S 21

     

    Wir befinden uns im alten Ägypten, unter der Regierung des Pharao Cheops. Nach einigem Zögern entscheidet sich Cheops doch noch, eine Pyramide bauen zu lassen. Hauptgrund für diese Entscheidung ist die Angst vor Unruhen im Volk, sollte der Wohlstand zu groß werden. Die Bevölkerung soll über Jahrzehnte geknechtet und ausgeblutet werden, so dass keinerlei Kraft für Aufstände oder Revolutionen übrig bleibt.

    Das Buch umfasst eine große Zeitspanne um den gesamten Pyramidenbau, von der Planung bis zur Fertigstellung. Faszinierend, wie sehr die Bevölkerung mit der Pyramide verbunden ist.  Ein Menschenleben ist nichts wert.  Viele Tausende lassen ihr Leben unter unvorstellbaren Strapazen. Viele wissen von Anfang  an, dass sie nach der Fertigstellung getötet werden,  damit sie keine Geheimnisse weitergeben können. Drakonische Strafen und ständige Ermittlungen über eingebildete oder tatsächliche Sabotageaktionen, sowie eine große Portion Aberglaube, auch bedingt durch den ägyptischen Glauben an verschiedene Götter, tragen das ihre dazu bei, die Menschen starr vor Schreck und damit ruhig zu halten.

     

    Toll erzählt, mit vielen bildhaften Vergleichen, wirkt sehr atmosphärisch.  Was mir kaum aufgefallen ist, ist die sehr spärlich eingesetzte direkte Rede. Das Geschehen wirkt trotzdem sehr lebendig. Allerdings hat mir persönlich ein sympathischer Protagonist gefehlt, mit dem man Hoffen und Bangen könnte. Wenn man so will, könnte man die Pyramide selbst als personifizierte Hauptdarstellerin sehen, wenn man ihre Entwicklung über ein halbes Menschenleben begleitet.

     

    Bereits im Klappentext wird auf eine Parallele zu totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts hingewiesen. Tatsächlich taucht gegen Ende des Romans das Wort Diktatur auf. Ismail Kadare gilt als berühmtester Autor Albaniens. Sein Heimatland wurde von 1944 bis 1985 von Diktator Hoxha regiert. Dies kann man als Hintergrund dieses ägyptischen Romans sehen. Totalitäre Regimes handeln zu jeder Zeit ähnlich, auch vor 4500 Jahren in Ägypten. In der Beziehung hat sich erschreckend wenig verändert.

     

    Wem dies zu weit hergeholt erscheint, der kann das Buch auch einfach nur so als Roman über den Bau der Cheopspyramide lesen. Mir hat es sehr gut gefallen, eine sehr tiefgründige Geschichte mit vielen Interpretationsmöglichkeiten und eine großartige Leistung des Autors.

     

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    Ein literarischer Triumph.

    Der Fischer Verlag hat gut daran getan, dieses Werk, das 1992 zuerst auf Französisch erschien, nun doch noch auf Deutsch herauszubringen.

    eine schlanke Parabel über ein Thema oder Problem, das der Gegenwart selbst auf den Nägeln brennt; poetische Verdichtung zieht der Albaner epischer Breite allemal vor.

    Kadare schreibt hier in einem fast satirischen Tonfall – für seine Bücher ungewöhnlich, für den Leser aber sehr angenehm.

    Der in französischer Sprache verfasste Roman – meisterhaft ins Deutsche übertragen – ist ein parabelhaftes Epos über die Grausamkeit totalitärer Systeme.

    Schlank, klar, auf nur 158 Seiten entwickelt er aus dem Bauwerk eine Geometrie der Unterdrückung.

    Von beklemmender Wucht und ätzender Genauigkeit ist Kadares Menetekel über die Paranoia totalitärer Herrschaft […]. Keiner wagt sich tiefer hinab in die Verliese der Macht.

    Kadare beweist sich einmal mehr als grandioser Erzähler und Spezialist bizarrer Machtverhältnisse.

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    TheCoons avatar
    TheCoonvor 3 Monaten
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