Isolde Cars

 4.5 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Mauerflieger.

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Cover des Buches Mauerflieger (ISBN: 9783426214565)

Mauerflieger

 (5)
Erschienen am 02.09.2019

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Rezension zu "Mauerflieger" von Isolde Cars

Glückspilze
R_Mantheyvor einem Jahr

Dieses Wort wäre vielleicht auch zutreffend für sich und seine Frau, schreibt Hans Christian Cars in seinem letzten Satz aus diesem beeindruckenden Buch. Es erzählt die Geschichte einer Flucht aus der DDR, die sehr ungewöhnlich war.

Cars lernte seine spätere Frau in einem Zug nach Prag kennen. Sieht man sich die Bilder von damals an, dann kann man sofort verstehen, dass sich der junge Schwede auf der Stelle in dieses Mädchen verlieben musste. Er fuhr ihr gleich anschließend nach Budapest nach. Irgendwann später schickte sie ihm ihre Adresse in Ostberlin. Ihre Liebe gedieh in den wenigen Besuchstagen, die Cars in Ostberlin hatte. Und schließlich beschlossen sie, dass sie zusammenbleiben wollten, was nur möglich sein könnte, wenn es Isolde gelingen würde, aus der DDR zu fliehen.

Es spricht für Cars und seine Gefühle, dass er keinen Fluchtweg befürwortete, bei dem das ganze Risiko nur auf seinem Mädchen lasten würde. Isoldes Flucht sollte ein gemeinsames Werk mit gemeinsam ertragenem Risiko werden. Cars beschloss, Fliegen zu lernen, um dann später Isolde mit einem Kleinflugzeug über die Grenze bringen zu können. Wenn man die Grenzsicherungsanlagen zum Westen kennt, dann weiß man wie irrsinnig diese Idee von Anfang an war.

Zunächst einmal lernt man in diesem Buch den Beginn der Liebe zwischen den beiden jungen Menschen kennen. Gleichzeitig hat man es dabei auch mit einem Zeitdokument zu tun, denn was insbesondere Cars in diesem Buch des Ehepaars beschreibt, sind seine Erlebnisse der ostdeutschen Zustände, die von seiner Frau aus ihrer Sicht kommentiert werden.

Wirklich spannend wird es dann bei der Beschreibung der Vorbereitungen und der Durchführung der geglückten Flucht. Tatsächlich erwies sich dieses Unterfangen als eine logistische Höchstleistung, die nur die beiden alleine vollbrachten. Zu dieser Zeit gab es keine Handys, die eine zeitnahe Abstimmung ermöglicht hätten. Isolde musste also zur richtigen Zeit am vereinbarten Landepunkt stehen, das Wetter musste mitspielen, die geliehene Cessna durfte nicht ausfallen, die Landungen kurz hinter der Grenze auf einem Feld musste ebenso reibungslos funktionieren wie der anschließende Start zurück in den Westen. Und schließlich durften die Grenzer nicht das Feuer eröffnen, wenn das Flugzeug in minimaler Höhe zwischen den Türmen hindurchflog. Dass das alles geklappt hat, ist in der Tat ein Wunder.

Man kann dieses riskante Abenteuer detailliert im Buch mitverfolgen. Ehrlich gesagt bewundere ich den Mut der beiden, denn es hätte alles Mögliche schief gehen können. Was übrigens auch geschah, denn Cars brauchte tatsächlich zwei Versuche.

Vielleicht muss man bei einem solchen Unterfangen neben einer großen Liebe auch eine gehörige Portion Naivität besitzen. Cars war tatsächlich ebenso mutig wie naiv. Seine Naivität kann man übrigens daran festmachen, dass er offenbar bis heute nicht versteht, wieso seine Isolde später im westdeutschen Auffanglager so lange verhört wurde. Man wollte von ihr wissen, wer der Pilot war, denn mancher der kaum glaubwürdigen, aber gelungenen Fluchtversuche war tatsächlich eine Einschleusung von Ostspionen.

Ein überaus lesenswertes Buch über eine große, bis heute andauernde Liebe. Und ein Buch über die Zustände dieser Zeit, das sich übrigens auch sehr schön liest.

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Rezension zu "Mauerflieger" von Isolde Cars

Authentisch und echt
Hope23506vor einem Jahr


  • INHALT:
    1965 begegnen sich Isolde und Hans in einem Zug. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch diese Liebe hat keine Zukunft. Isolde lebt in Ost Berlin und Hans in Schweden und die Mauer ist vor vier Jahren errichtet worden. Zwischen ihnen und ihrer Liebe steht diese unüberwindbare Mauer. Doch ihre Liebe ist gross, so gross, dass sie einen wagemutigen Plan fassen. Hans soll den Flugschein machen und so Isolde über die Grenze fliegen. Nach langen neun Monaten und vierzig Flugstunden hält Hans seinen Pilotenschein in den Händen und nun hält ihn nichts mehr auf und er will Isolde über den eisernen Vorhang holen.
    MEINE MEINUNG:
    Gerade zum 30 jahrigen Mauerfall beschäftigt sich das Buch mit einem hochaktuellen Thema. Eine besondere Brisanz kommt noch hinzu, denn es ist eine wahre Geschichte, die wahre Geschichte von Isolde und Hans. Mit diesem Augenmerk wird das Buch zu etwas ganz besonderem und ich habe es auch beim Lesen so empfunden. Die Autoren lassen uns an ihrem Leben, ihrer Liebe und ihrer Flucht hautnah teilhaben, wir sind vom Kennenlernen über die Planung der Flucht bis hin zur Durchführung des Planes dabei. Und ich fand wirklich alles sehr interessant und spannend. Es wird alles sehr detailreich erzählt. Man merkt die Zerrissenheit von Isolde, die Entschlossenheit von Hans und dann doch die Ängste von Beiden. Ihr beider Leben hängt von dem Gelingen des Planes ab, aber keiner traut sich an ein Versagen zu denken oder darüber zu reden. Ganz straight wird der Plan von beiden durchgezogen. Bewundernswert fand ich, dass sie sich auch oftmals so lange nicht gesehen haben und doch war da dieses riesengrosse Vertrauen zueinander. Und es ist lange nicht klar, ob sie es auch schaffen werden.
    FAZIT:
  • Authentisch, echt und sehr persönlich. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für dieses wunderbare Buch.

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Rezension zu "Mauerflieger" von Isolde Cars

Die Daseinsberechtigung der Liebe
BettinaR87vor einem Jahr

Man sieht sich, verliebt sich, geht aufeinander zu und baut sein gemeinsames Leben auf. So simpel ist es in der Regel, doch vor ein paar Jahrzehnten war das in Deutschland, beziehungsweise Europa mit dem Eisernen Vorhang gar nicht so einfach.

Der junge schwedische Student Hans Christian ist auf Reisen und trifft in einem Zug die DDR-Bürgerin Isolde. Auf Anhieb sind sie sich sympathisch, aber so richtig fliegen die Funken nocht nicht, doch damals verheilt man sich anscheinend anders als heute: Man kann es sich fast nicht vorstellen – anstatt im Zug nach Genf weiter zu fahren, macht HC den Umweg über Budapest. Nur, um Isolde dort quasi um ein Date zu bitten. Solche Gesten gibt es heutzutage doch gar nicht mehr, oder? Es kommt, wie es kommen muss: Sie verlieben sich natürlich, doch so sehr sie sich zueinander hingezogen fühlen, so unvorstellbar ist es, dass beide in der DDR leben. Flucht – die einzige Lösung.

Doch diese Lösung könnte ganz schnell zum Ende der Beziehung führen, sei es durch Einkerkerung oder den Tod, der so viele Flüchtlinge bereits ereilt hat.

An sich ist es wirklich erstaunlich, welchen Weg das Paar gegangen ist, denn sie bauen ihre Liebe aktiv und gegen alle Widerstände auf. Das ist ein Aspekt, der immer wieder auftaucht: Trotz der Zweifel, trotz der Widrigkeiten in Form von Trennung von der Familie, ein wahrscheinlicher Tod, politische Inhaftierung – das alles muss im Hintergrund massiv auf die Gemütslage schlagen und noch stärkere Zweifel säen. Heutzutage geben die meisten schon auf, wenn der Wind ihnen zu viel Staub auf die Nasenspitze pustet. Deprimierend und inspirierend zugleich!

Umso überraschender wirkt es daher, dass dieser Fluchtbericht genau das ist – ein Bericht mit vergleichweise wenig Emotionen. Ja, es gibt große Gesten, aber zwischen den Zeilen merkt man wenig von Todesängsten, Hoffnung, Freud und Leid. Weil es so lange her ist? Weil die Erinnerung manchmal trügt? Weil es einfach nicht die Art der Autoren ist, sich emotional in die Karten blicken zu lassen? Es bleibt unklar. Ein sehr schönes Gimmick sind die abgedruckten Originaldokumente, die von Fotos bis Landkarten und Kritzeleien reichen. So wird die erzählte Geschichte noch einmal eine ganze Nuance realistischer und erlebbarer.

Sehr interessant, durchaus persönlich, aber nicht so recht die Romanze zwischen politischen Grenzen, die man sich als Leser möglicherweise erwartet – das aber ist eine äußerst subjektive Einschätzung!

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