Israel Finkelstein David und Salomo

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Inhaltsangabe zu „David und Salomo“ von Israel Finkelstein

Das Bild der legendären Könige David und Salomo hat Judentum und Christentum maßgeblich geprägt. Die Legenden über sie wurden im Laufe vieler Jahrhunderte immer wieder im Interesse politischer und religiöser Machtansprüche umgearbeitet und erweitert. Doch das Jerusalem des 10. Jahrhunderts v. Chr. war keine stattliche Festung, sondern ein unbedeutendes Bergdorf.»Die beiden israelischen Autoren setzen unzählige Einzelbefunde zu einem faszinierenden Mosaik des Vorderen Orients zu Beginn der Eisenzeit ab 1000 v. Chr. zusammen.« Der Tagesspiegel

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  • Rezension zu "David und Salomo" von Israel Finkelstein

    David und Salomo
    wolfschwerdt

    wolfschwerdt

    08. June 2010 um 21:35

    So neu und überraschend, wie die bisherigen Rezensionen des Buches „David und Salomo“ es erscheinen lassen, sind die Erkenntnisse der beiden renommierten Archäologen, Israel Finkelstein und Neil A. Silbermann, für Kenner der Materie nun auch wieder nicht. Und mit Sicherheit wird dieses Buch keine wirklich neuen Diskussionen in der wissenschaftlichen Welt hervorrufen. Zum einen ist die amerikanische Originalausgabe der 2009er dtv- Neuerscheinung bereits 2006 publiziert worden, zum anderen spiegelt die hervorragende Arbeit der beiden Autoren letztendlich den heutigen archäologischen state of art wider. Vor diesem Hintergrund ist das Buch in vielerlei Hinsicht sehr empfehlenswert. Denn es dokumentiert so ganz nebenbei die moderne archäologische Methodik der sogenannten Clusterforschung, die sich mit strukturellen Erforschungen von Gebieten und Zeiträumen und nicht mehr mit der Konzentration auf einzelne Ausgrabungsstätten befasst. Und so ist es natürlich auch kein Wunder, wenn im Rahmen moderner Archäologie gerade Erkenntnisse der Bibelforschung, wie die Autoren von „David und Salomo“ anschaulich darstellen, nicht nur in Frage gestellt, sondern auch widerlegt oder völlig neu bewertet werden. Diskussionen wird es in der Archäologie natürlich immer geben. Im Bereich so sensibler Felder wie Glaube und Religion, aufgrund ganz unterschiedlicher Interessenlage und Zielsetzungen, umso mehr. Viele Archäologen waren froh, wenn sie auf archäologische Stätten gestoßen sind, die in der Bibel beschriebene Orte und Ereignisse zu bestätigen schienen. Diese biblisch „bestätigten“ Funde dienten in einem Zirkelschluss dann jedoch dazu, wiederum die biblischen Aussagen zu bestätigen. Und so hatte sich eine biblisch-archäologische Geschichtsschreibung entwickelt, die, scheinbar wissenschaftlich belegt, vom überwiegenden Wahrheitsgehalt der historischen und auch zeitlichen Aussagen der Bibel ausging. Diese Geschichtsschreibung hat sich bis heute weitgehend in unseren Köpfen festgesetzt und daher ist das Buch in seiner wissenschaftlichen Konsequenz außerordentlich erfrischend. Finkelstein und Silbermann haben sich nun nicht etwa der minimalistischen Fraktion der Wissenschaftler angeschlossen, die den historischen Wahrheitsgehalt der Bibel nahezu vollständig bestreiten. Die beiden Archäologen haben stattdessen in diesem Spannungsfeld eine systematische Neubewertung der Archäologischen Funde und der biblischen Texte vorgenommen. Es beginnt - schließlich heißt das Buch „David und Salomo“ - mit dem biblischen Helden David, dem Begründer des davidischen Königshauses im 10. Jahrhundert vor Christus. In dieser Zeit wird der in den späten biblischen Schriften zum idealisierten Herrscher hochstilisierte David von den beiden Wissenschaftlern als Banditenführer der Wüste Juda identifiziert. Saul fungiert als Erinnerung an einen Führer eines nordisraelischen Stammesbundes der gleichen Zeit. Und Jerusalem ist in jener Zeit ein kleines Dorf im dünn besiedelten Juda. Schicht für Schicht analysieren Finkelstein und Silbermann die biblischen Schriften, ordnen Geschichten und Erzählstränge der verschiedenen biblischen Bücher, die sich mit David und Salomo befassen, der konkreten archäologischen Fundlage zu und vermitteln dem Leser Stück für Stück die Zusammenhänge zwischen den biblischen Schriften und den in ihrer jeweiligen Entstehungszeit vorherrschenden politischen Ereignisse und Grundlagen. Denn dem Leser wird schnell klar: die Bibel ist vor allem ein politisches Werk, das die Herrschaft des Hauses David über ein idealisiertes geeintes Königreich unter ganz unterschiedlichen überregionalen Machtkonstellationen legitimieren sollte. Vor diesem Hintergrund wird am Ende auch erklärlich, warum sich David und Salomo nach dem Untergang erst Israels, dann auch Judas, schließlich des Jerusalemer Tempels und am Ende auch der davidischen Linie selbst, dennoch bis in die Zeit der europäischen Aufklärung als idealisierte Grundlage des königlichen, gottberufenen Herrschertums sowohl in der abend- als auch in der morgenländischen Welt erhalten konnten. Gerade der wissenschaftlich nachvollziehbare Wandel einer auf Überlieferungen beruhenden und immer wieder angepassten politisch- ideologischen Legitimationsschrift, der in der Zeit der Infragestellung und des Untergangs der nationalen Integrität die Identitätsstiftende Kraft des Göttlichen und der strengen gemeinsamen Rituale hinzugefügt wurden, zeigen, wie sich erst in den letzten Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung die jüdisch – christliche Religion entwickelt hat. Und zwar als idealisiertes Abbild, einer in das Überirdische verlagerten, längst vergangenen politisch- historischen Epoche. Insofern darf der Untertitel „Archäologen entschlüsseln einen Mythos“ als ungewöhnlich treffend bezeichnet werden. Und um es ganz deutlich zu formulieren. Das Buch „David und Salomo“ ist weder eine Stellungnahme für oder gegen Gott, noch für oder gegen Glauben. Es ist ein an- und aufregendes archäologisch- historisches Werk.

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