Israel Joshua Singer

 4,6 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Die Familie Karnovski, Von einer Welt,die nicht mehr ist und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Israel Joshua Singer (1893 – 1944) war Sohn einer Rabbinerfamilie aus dem Ort Bilgoraj in Polen und der ältere Bruder und literarische Mentor von Isaac Bashevis Singer, der als bisher einziger jiddischer Autor den Nobelpreis für Literatur erhielt. Ab 1916 arbeitete Singer als Mitarbeiter verschiedener jiddischer Zeitungen und Revuen in Warschau und überzeugte schnell mit literarisch hochstehenden Novellen. 1921 wurde er Mitarbeiter der Volkszeitung und des New Yorker »Jewish Daily Forward«. 1934 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus, wo er zehn Jahre später im Alter von 50 Jahren an einer Thrombose starb.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Israel Joshua Singer

Cover des Buches Die Familie Karnovski (ISBN: 9783833301629)

Die Familie Karnovski

(5)
Erschienen am 01.11.2005
Cover des Buches Die Brüder Ashkenazy (ISBN: 9783833301360)

Die Brüder Ashkenazy

(2)
Erschienen am 01.02.2005
Cover des Buches Von einer Welt,die nicht mehr ist (ISBN: 9783833301551)

Von einer Welt,die nicht mehr ist

(2)
Erschienen am 01.08.2005
Cover des Buches Josche Kalb (ISBN: 9783833301636)

Josche Kalb

(1)
Erschienen am 06.10.2006
Cover des Buches Vom Leben im Schtetl (ISBN: 9783988370488)

Vom Leben im Schtetl

(0)
Erschienen am 30.10.2025

Neue Rezensionen zu Israel Joshua Singer

Cover des Buches Von einer Welt,die nicht mehr ist (ISBN: 9783833301551)
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Rezension zu "Von einer Welt,die nicht mehr ist" von Israel Joshua Singer

Leselampe
Mit ihm wäre ich durch das Schtetl gerannt und auf Bäume geklettert

Im Bücherladen um die Ecke, fand ich diese tolle Lektüre, vergraben und versteckt inmitten aufeinander gestapelter Bücher. Ich bin froh, Bestseller beiseite geschoben zu haben um dieses aussergewöhnliche Etwas raus zuziehen. 

Der Einband zeigt ein älteres Ehepaar, auf der Couch einträchtig Zeitung lesend,  darüber hängen an der Wand  Fotografien, eines noch älteren Paares aus dem 19. Jahrhundert. Das Cover zeigt bereits, hier wird tief in die Geschichte und die Seele des Menschen gegriffen. Ohne Pathos und schlicht werden die Dorfbewohner des Schtetls Leoncin in ihren Fehlern, Schwächen, Schönheiten, Siegen und  allen anderen Farben der menschlichen Palette, gezeigt. 

1978 erhielt sein Bruder Isaac den Nobelpreis für Literatur. Wäre Israel J. Singer 1944 nicht in New York gestorben, hätte er die gleichen berechtigten Chancen auf diese Auszeichnung gehabt.

Diese Erzählungen ( autobiographisch ) beginnen mit seiner ersten Erinnerung  "auf den Schultern eines großen bärtigen Mannes " in der Synagoge des Städtchens Bilgoraj in Lublin. Der Fiedler Gimpel spielt dort zur Krönung Nikolaus II, Zar von Polen und Reußen,  zu Zeiten seiner Großeltern, die sich darum kümmern, daß sich seine Eltern durch einen Heiratsvermittler, kennenlernen. Sie verlieben sich. Die Gegensätze in ihrer Ehe erkennen sie schnell und flott wird dieses Problem gelöst. Frau Singer, übernimmt die Rolle ihres Mannes  und Herr Singer, eher mollig und feminin, die seiner Frau. So liebevoll und ungehemmt berichtet Singer über seine Familie, das Dorf Leoncin, in das sie eingebunden und eng in Armut leben. Mit seinem Freund Nathan werden heimlich polkatanzende Mädchen beobachtet, seinem Vater bei der Rechtssprechung zugesehen, die er als Rabbi ( die Prüfung wird aus Ängstlichkeit nie abgelegt ) nachgeht. Von ihm werden Scheidebriefe ausgestellt, Zank um Schafe, Tafelsilber, geschlichtet, Zu Festen wird sich um  Stromer gekümmert und Jeschiwastudenten an die Mädels gebracht. Fraijdel lernen wir kennen, die am liebsten Böden schrubbt und  Tücher bestickt, Baruch Wolf, der gerne einen hinter die Binde kippt und Mythen erzählt, der leidenschaftliche Reb Mosche, der aufgrund eines Leistenbruchs nicht mehr aufstehen kann um seinen Schülern an den Kragen zu gehen und Josef dem Schneider, der es nicht lassen kann, zum Ärger anderer, Streiche zu spielen.
So sieht Israel als kindlicher Beobachter mit der Weisheit eines inzwischen erwachsenen Mannes, Irrungen und Wirrungen der Dorfbewohner. Durch ihren Glauben, sich gerne an ihre Gebote halten und durch ihre Menschlichkeit, sie gerne umgehen. 

Am Ende befindet sich ein Glossar. Hebr und jiddischer Wortschatz wird übersetzt.

Die Sprache ist schlicht, nicht plump. Die Geschichten um Ereignisse und
Personen einfach, nicht anspruchslos. Ein Buch mit viel Inhalt und
Gefühl.

Ohne dieses Buch würde ich auf keine einsame Insel gehen.

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