Wenn ein Reisender in einer Winternacht

von Italo Calvino 
3,8 Sterne bei155 Bewertungen
Wenn ein Reisender in einer Winternacht
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Positiv (100):
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Ein Buch im Buch im Buch...

Kritisch (18):
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Experimentelle Erzählform, leider konnte mich keiner der Erzählstränge fesseln- deswegen habe ich nach 75 Seiten abgebrochen.

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Inhaltsangabe zu "Wenn ein Reisender in einer Winternacht"

Wenn ein Reisender eine Buchhandlung betritt und nach dem neuen Roman von Italo Calvino fragt, dann kann er allerhand erleben. Er kauft das Buch und merkt beim Lesen, dass sich die Handlung an der spannendsten Stelle wiederholt. Auch hat die Buchbinderei versehentlich Druckbogen eines anderen Buches mit hineingebunden. Also kauft er das neue Buch und schon ist er mittendrin in einem brillanten Verwirrspiel, bei dem er von einer Geschichte in die nächste gerät, immer auf der Suche nach dem neuen Roman von Italo Calvino.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596904426
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:25.07.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    0_Lavender_0vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch im Buch im Buch...
    Das Spiel mit dem Leser

    Italo Calvino versteht es hervorragend den Leser in seinen Bann zu ziehen und mit einer Erzählung zu starten. Dann allerdings ist das Buch schadhaft und man beginnt ein vollständiges Exemplar zu suchen. Gefunden! Oh nein, es ist eine ganz andere Geschichte. Von neuem gerät man in Bann und....
    Wer in Kauf nimmt, frustriert auf das Ende einer Geschichte zu warten, die doch nicht zu Ende geht - für den wird dieses Buch ein wahrer Genuss werden, jedoch nicht für Ungeduldige, die unbedingt einen perfekten Schluss benötigen.

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    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor 2 Jahren
    Literaturtheoretisches Verwirrspiel

    Italo Calvino ist einer der großen Literaten Italiens. Mein erstes Werk von ihm sollte nun „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ sein, welches 1979 erschien.

    Das Buch hat viel gefordert, mich aber gleichzeitig auch oft zum lachen gebracht, da der Erzähler mich immer mal wieder sehr gut gezeichnet hat.

    Dreißig Seiten hast du inzwischen gelesen, und die Geschichte beginnt dich gerade zu fesseln. - S. 29

    Dies entsteht dadurch, dass das Buch durchsetzt von Buchanfängen ist und zwischen den einzelnen Büchern von einem Leser und später auch von einer Leserin erzählt, die auf der Suche nach dem Ende der jeweiligen Bücher sind. Alle Büchtitel zusammen ergeben folgenden Satz:

    Wenn ein Reisender in einer Winternacht

    Vor dem Weichbild von Malbork

    Über den Steilhang gebeugt

    Ohne Furcht vor Schwindel und Wind

    Schaut in die Tiefe, wo sich das Dunkel verdichtet

    In einem Netz von Linien, die sich verknoten

    In einem Netz von Linien, die sich überschneiden

    Auf dem mondbeschienen Bblätterteppich

    Rings um eine leere Gruppe

    Welche Geschichte erwartet dort unten ihr Ende?

    Jeder Buchanfang für sich ist nicht mit einem vorherigen zu verlgeichen. Die Spielorte, das Personal – alles ändert sich.

    Ein Schwindelgefühl erfasst mich, als stürzte ich unaufhörlich von einer Welt in die andere und erreichte jede kurz nach dem gerade erfolgten Ende der Welt. - S. 61.

    Nur die Verbindung durch den Leser und die Leserin ergibt den roten Faden. Dennoch ist jeder Buchanfang für sich genommen, ein guter, der Lust auf mehr macht. Ein Krimi, ein Agentenroman, ein Liebesroman, ein Roman Indigener Völker, ein depressiver Roman, ein Tagebuch... es ist alles mit dabei.

    Ich bin zu der Einsicht gelangt, daß mir Herrn Kauderers Gegenwart viel bedeutet: Zu sehen, daß jemand heutzutage noch so viel Gewissenhaftigkeit und methodische Sorgfalt aufbringt, hat auf mich – trotz meines Wissens um die Vergeblichkeit allen Strebens – eine beruhigende Wirkung, vielleicht weil es meine unstete Lebensweise kompensiert, die ich trotz aller Schlußfolgerungen, zu denen ich inzwischen gelangt bin, noch immer als schuldhaft empfinde. - S. 63

    Das Buch ist in der Du-Perspektive erzählt, was erst einmal überrascht, gleichwohl aber den Identifikationscharakter erhöht. Calvino spielt ganz deutlich mit den Erkenntnissen des Poststrukturalismus. Allen voran thematisiert er die implizite Leerstelle und den Tod des Autors. Es macht wirklich Spaß, die literaturwissenschaftlichen Erkenntnisse in einem Roman verhandelt zu haben. Vermutlich aber vor allem, wenn man sich selbst damit beschäftigte.

    Doch wenn es stimmt, daß die einzige Wahrheit, die ein Buch enthalten kann, eine individuelle ist, dann kann ich auch gleich meine eigene schreiben. Also das Buch meiner Erinnerungen? Nein, Erinnerungen sind nur so lange wahr, wie sie nicht gerinnen, nicht in eine Form gepreßt werden. Das Buch meiner Wünsche? Auch diese sind nur so lange wahr, wie ihre Treibkraft unabhängig von meinem Willen agiert. Die einzige Wahrheit, die ich schreiben kann, ist die des Augenblicks, den ich erlebe. Vieelleicht ist das wahre Buch dieses Tagebuch, in dem ich die Bilder der Frau auf dem Liegestuhl zu den verschiedenen Tageszeiten so festzuhalten versuche, wie sie mir im wechselnden Licht erscheinen. - S. 191.

    Es handelt sich um ein Verwirrspiel und die Suche nach dem wahren Buch, der Suche nach dem einen Autor, die Frage danach, ob gefälschte Literatur auch schlechte sein muss...

    Parallel entspinnt sich eine kleine Liebe zwischen dem Leser und der Leserin, die aber erst einmal nur distanziert wirkt und eigentlich, so meine ich, nur den Sinn hat, den Lesenden oder die Lesergemeinschaft, ähnlich den Büchern, zu einem Komplex zu gestalten.

    Man wird herausgefordert, man muss konzentriert sein und man wird verwirrt, doch mir hat es wirklich Spaß gemacht. Etwas hat es mich an „Das Schiff des Theseus“ erinnert, welches ich anfang des Jahres gelesen hatte.

    Sollte man sich in literaturwissenschaftlichen Theorien auskennen, dann kann dieses Buch wirkliche erhellend sein.

    Mich hat es im Übrigen zu einer Collage inspiriert.

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    littleowls avatar
    littleowlvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein abenteuerliches Verwirrspiel und ein Fest für alle Literaturliebhaber!
    Wenn ein Reisender in einer Winternacht

    Worum geht’s?

    Alles beginnt damit, dass ein Leser, mit „Du“ angesprochen und bis zum Schluss namenlos, sich in den neuen Roman von Italo Calvino vertiefen will. Doch gerade als „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ richtig spannend wird, bricht das Buch plötzlich ab – ein Fehler beim Druck! Verärgert will er sein Exemplar in einer Buchhandlung umtauschen und lernt dort eine attraktive Leserin kennen, bekommt aber einen völlig anderen Roman in die Hand gedrückt. Das ist nur der Beginn eines literarischen Verwirrspiels, in dessen Verlauf der Leser die Anfänge von 9 Geschichten liest, doch nur eine beenden kann.

    Meine Meinung

    Mit „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ hat Italo Calvino, einer der wichtigsten italienischen Autoren der 20. Jahrhunderts, ein Werk vorgelegt, das sämtliche Genregrenzen sprengt und sich in keine Schublade einordnen lässt. Der Clou: Jeder der 9 Romananfänge ist eine Hommage an eine bestimmte Richtung der modernen Literatur, vom „magischen Realismus“ bis hin zum Gangsterkrimi. Der Roman hat deshalb sicher nochmal einen gewissen Mehrwert, wenn man literaturwissenschaftliches Hintergrundwissen mitbringt, aber man kann ihn auch einfach als „normaler“ Leser genießen. Denn im Grunde geht es Calvino um die pure Freude am Experimentieren mit Sprache und natürlich die Liebe zum Lesen.

    Mir ist es wirklich schwergefallen, den Inhalt dieses Romans zusammenzufassen, denn ab einem gewissen Punkt wird die Geschichte ziemlich surreal. Vom ersten Kapitel an entfaltet sich hier ein spannendes Verwirrspiel, „wendungsreich“ trifft es nicht mal ansatzweise. Um bei all den Missverständnissen, Verwechslungen und Täuschungen am Ball zu bleiben, sind aber auf jeden Fall aufmerksame Leser gefordert. Ich persönlich musste ein paar Mal einen Absatz zweimal lesen oder zurückblättern, um zu verstehen, was eigentlich gerade passiert ist. Die Romananfänge an sich haben mir durchweg gut gefallen, einige dieser Storys hätte ich wirklich zu gerne weitergelesen.

    Obwohl ich selbst ganz begeistert von der Geschichte bin, kann ich nachvollziehen, dass sie von vielen Lesern als langatmig und ermüdend empfunden wurde. Sprachlich ist es auf jeden Fall ein recht anspruchsvolles Werk, mit vielen verschachtelten Sätzen und einigen sehr theoretischen, philosophischen Passagen. Die meisten Kapitel fand ich zwar trotzdem kurzweilig und unterhaltsam, an manchen Stellen musste ich mich aber auch ein bisschen weiterquälen. Als Bettlektüre zum Abschalten ist dieser Roman vielleicht nicht unbedingt das Richtige, doch beeindruckend und fordernd zugleich, wenn man sich darauf einlässt.

    Fazit

    Mit viel Fabulierlust und Fantasie entspinnt Italo Calvino ein komplexes Verwirrspiel voller Überraschungen. Besonders Leser, die sich mit moderner Literatur auskennen, werden an den 9 Romananfängen ihre Freude haben, allerdings kann man den Roman auch ohne Hintergrundwissen genießen. Ein bisschen Muße sollte man jedoch mitbringen, der anspruchsvolle Schreibstil ist stellenweise eine echte Herausforderung.

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    ChubbChubbs avatar
    ChubbChubbvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein muss für alle, die Bücher lieben.
    Viele Romane in einem

    Du bist schon richtig heiß auf den neuen Roman von Italo Calvino "Wenn ein Reisender in einer WInternacht" und er fängt auch richtig gut an. Ein Bahnhof, ein Koffer und eine geheime Übergabe, die mächtig schiefgeht. Dann ist allerdings das erste Kapitel zu Ende und das Buch auch - Fehldruck! Im Buchladen kannst du es umtauschen, bekommst aber ein Buch, das ganz anders anfängt. Auch hier: Nur ein Kapitel. Du suchst und du suchst, aber alles was du und deine neue Bekannte finden, sind weitere Romananfänge und eine verwirrende Geschichte, über einen Übersetzer. 
    Den Roman von Calvino werden echte Bücherratten verschlingen. Man muss dieser Romanschnitzeljagd einfach immer weiter folgen, in der Hoffnung zumindest einen der Romane zu Ende zu lesen. 
    Den Punkt Abzug gebe ich , weil die Ansprache an den Leser, manchmal sehr verwirrt und die Schnitzeljagd am Ende für meinen Geschmack etwas zu sehr aus den Fugen gerät. 

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Verwirrspiel zwischen genialen Diskursen und resignierendem "Was soll das das?"
    Ein Verwirrspiel, eine Suche und viele Fragen

    Das Verlangen, den neuesten Calvino zu lesen führt zu einer Jagd nach dem Wesen des Buches und des Lesens an sich. Verzweifelt treibt der Neugierige von einem Buch zum anderen, Romane, unbekannt, fragmentarisch bis sie auch seine Realität zerfransen.

    Ein Buch, das genial konzipiert wurde und Calvino entweder höllischen Spaß gemacht hat oder ihn mit einem akribischen Aufbau zur Verzweiflung getrieben haben muss. Ich habe die kleinen Spitzen gegen wissenschaftliches Lesen genossen, die schillernden Brillanten der Liebe zur Literatur begeistert ausgegraben und bin an dem Versuch, eine Verbindung zwischen all dem Erzählten herzustellen gescheitert. Das Buch fordert eine Interpretation geradezu heraus! Es ließ mich von Anfang an, an die Diskursanalyse denken, die ich nie begriffen habe. Jeder Romananfang zieht eine Spirale an Assoziationen nach sich, die zu einem weiteren Romananfang führt bis sie sogar die erzählte Realität zu einer Fiktion zerfasern lässt.

    Es ist kein Buch für zwischendurch. Es ist keine Lektüre, die man mal eben als Unterhaltung wegliest. Ein anspruchsvoller Roman, der fordert, sich auf ihn einzulassen, ihn hinzunehmen – bis man vorsichtig eine Sinnsuche wagen kann. Die Lektüre ist amüsant, frustrierend und spannend zugleich. Vermisst habe ich in dieser Ausgabe allerdings den Beitrag aus dem Kindler Literaturlexikon, einen Anmerkungsteil oder ein Nachwort. Gerade dieses Buch sollte mit Hintergrundinformation versehen werden, um dem normalen Leser ein bisschen was an die Hand zu geben. Nicht jeder hat einen literaturwissenschaftlichen Hintergrund oder Spaß an eigenständiger Suche nach dem Sinn seiner Lektüre. Der Lesegenuss wäre mit ein paar weiterführenden Informationen höher, da man dann wenigstens einen Orientierungspunkt hätte, um sich dem Werk zu nähern. Wirklich schade, dass darauf verzichtet wurde, da die Fischer-Klassiker-Reihe sich doch eigentlich durch den Kindler-Beitrag auszeichnet.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Kurzmeinung: "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" ist ein Buch über das Lesen und die Bücher – vor allem jedoch dreht es sich um die Liebe zum Buch.
    Auf der Jagd nach der vollendeten Geschichte

    Italo Calvino schreibt mit WENN EIN REISENDER IN EINER WINTERNACHT nicht ein Buch, er führt durch elf einzelne, vollkommen unterschiedliche Geschichten, von denen bloß eine einzige wirklich zu einem Ende geführt wird. Die Haupterzählung, die sich durch das gesamte Buch hinweg zieht, scheint den Leser gleich zu Beginn direkt anzusprechen: „Du schickst dich an, den neuen Roman Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino zu lesen. Entspanne dich. Sammle dich.“

    Die Hauptfigur des Lesers lehnt sich entspannt zurück, nachdem er den Klappentext kurz überflogen hat, und nimmt die Verfolgung der ersten Geschichte auf, die sich vor ihm aus dichten Nebelschwaden auf einem Bahnhof enthüllt. Es scheint sich um eine Agentengeschichte zu handeln, voller mysteriöser Treffen auf nächtlichen Bahnsteigen und einem Koffer, der ausgetauscht wird. Höchst spannend – bricht die Geschichte an ihrem Höhepunkt ab.

    Nicht nur man selbst als Leser, auch die Hauptperson des Buches, die ein unpersönliches „Du“ bleibt, stockt irritiert. Ob dies wohl Absicht ist?
    Für die Leser des Buches: Es ist volle Absicht. Für die Hauptperson jedoch ist es ein Versehen. Seine Ausgabe ist nämlich ein Exemplar, in dem ein Fehler der Buchbinderei vorliegt. So tauscht er diese fehlerhafte Ausgabe um, und trifft beim Buchhändler auf die Leserin Ludmilla. Sie tauschen die Telefonnummern aus und beschließen, einander zu kontaktieren, sollten sie auf Unstimmigkeiten stoßen. Die lassen nicht lange auf sich warten. Jedes Kapitel beginnt anders, als hätte die Hauptperson zuvor ein völlig anderes Buch in der Hand gehalten.

    Im Laufe der Rahmenhandlung kommen sich Ludmilla und der Leser näher, und gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach dem Ende der zehn Geschichten, die immer an den spannendsten Stellen abzubrechen scheinen – und nach dem richtigen Buch. Dabei treffen sie auf allerhand kuriose Gestalten aus der Welt der Literatur: ein Lektor, ein Professor mit seinen Studenten, ein Schriftsteller in Sinnkrise, schließlich sogar einen Zensor in einem fernöstlichen Land – der sich als großer Literaturliebhaber herausstellt. Im letzten Kapitel finden sie sich in einem Ehebett wieder – jeder mit seiner Bettlektüre. Der Leser bittet im letzten Absatz noch um fünf Minuten, da er gerade dabei sei, „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ zu lesen.

    Italo Calvino, selbst Literaturwissenschaftler, spielt in seinem Buch mit seinem eigenen Metier und den vielen Facetten des Lesens und der Bücherwelt, wie es bislang kaum dagewesen ist. Gleich zu Anfang überrumpelt Calvino die Leser, welche ein klassisches „Es war einmal“ erwarten, und reißt sie aus jeder möglichen bereits vorgeformten Haltung gegenüber seinem Buch. Die Frustration der Leser wächst mit der des Hauptcharakters, je mehr der zehn unvollendeten Geschichten er hinter sich lässt. Auf der abenteuerlichen Reise durch die begonnenen Geschichten, welche allesamt kein Ende nötig zu haben scheinen, spielt Calvino mit der modernen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts. Er parodiert die einen, zollt den anderen Respekt und wechselt bei jedem Mal den Ursprungsort, bewegt sich gewandt zwischen Kafka, südamerikanischem Realismus, Psychothriller, Symbolismus und Gangsterroman hin und her. Durch diese vielen Berührungspunkte wird dieser Roman auch als 'Metaroman' bezeichnet. „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist ein Buch über das Lesen und die Bücher – vor allem jedoch dreht es sich um die Liebe zum Buch.

    WENN EIN REISENDER IN EINER WINTERNACHT erschien 1979 im italienischen Original unter dem Titel „Se una notte d'inverno un viaggiatore“ im Verlagshaus Einaudi, die deutsche Version erschien 1983. Es ist einer der bekanntesten Romane des italienischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Italo Calvino (1923-85).

    Erika

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    wellenschlags avatar
    wellenschlagvor 5 Jahren
    Was für eine Qual

    Ja, dieses Buch verlangt Applaus, weil ich kaum je ein theoretischeres gelesen habe. Zum Sezieren in Schule und Universität ist es mit Sicherheit hervorragend geeignet und die Leistung Calvinos seine Leser geradezu auszulaugen verlangt aufrichtigen Respekt. Eigentlich hätten hier fünf Sterne vergeben werden müssen, zumal die Tarnung dieses Werkes als wahrhaftiges Buch perfekt ist. Zum genüsslichen Lesen, zum Finden und Fühlen (von Frustration und Wut untermalt von beständigem Augenrollen einmal abgesehen) eignet sich "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" allerdings nicht. Selten passiert etwas tatsächlich, es wird beschrieben, in Aussicht gestellt und parodiert, sodass sich gleichsam das monströse Paradoxon eines geplanten und gleichzeitig tatsächlich vorhandenen Romans vor dem fassungslosen Leser erhebt. Man fühlt sich betrogen, mit leeren Händen in einer Art literarischem Fegefeuer zurückgelassen, da ein jeglicher Konzeptgedanke des Autors nur allzu deutlich mitzulesen ist. Der Leser kommt mit seinen Bedürfnissen vor einem Wolkengebilde zu Stehen, dem er verzweifelt Haptisches abzupressen versucht. Dieses Buch ist notwendig-genial und trotzdem gebe ich nur zwei Sterne, weil es mich so unsagbar gequält hat und das kann ich nun einmal nicht verzeihen.

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    Fairyworlds avatar
    Fairyworldvor 5 Jahren
    Eine fabelhafte Idee

    Noch nie war ich in einem Buch so schnell in der Szene vertieft wie in Calvinos "Wenn ein Reisender...". Da werden am Anfang ganz banale Orte, Tätigkeiten und Sachen so gut beschrieben, dass man denkt man sitze selber in diesem beschriebenen Cafe. In diesem Roman machst du dich selbst auf eine Reise durch viele grundverschiedene Geschichten, dadurch springt man von einem Genre ins nächste. Man ist mitten in einem Krimi und ein paar Seiten weiter ist es schon eine Erotische Geschichte. 

    Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es gab nur zwischen durch ein Paar etwas langgezogene Momente die man meiner Ansicht nach etwas kürzer hätte schreiben können. Doch rein Sprachlich und von der Idee her, einfach toll!

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    FrlZitronevor 6 Jahren
    Rezension zu "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino

    Schon am Anfang des Buches merkt man, dass es sich bei Ein Reisender in einer Winternacht nicht um einen gewöhnlichen Roman handelt. Der Autor tritt in ein Gespräch mit dem Leser, dir, erzählt, wie du in eine Buchhandlung gehst und dir ein Buch kaufst, es zu Hause anfängst zu lesen und dann, nachdem du das erste Kapitel beendet hast, merkst, dass das Buch falsch gebunden ist. Du trägst es also zurück in die Buchhandlung und bekommst ein neues Exemplar- und das Spiel beginnt von Neuem. Anstatt einer abgeschlossenen Geschichte bekommt man bei Calvino nur die Anfänge von Erzählungen, die auf verschiedene Klassiker der Weltliteratur anspielen. Man liest ein Buch über das Lesen, über das Schreiben, über das Erzählen. Das kann anfänglich verwirrend sein, zieht einen dann aber immer mehr in seinen Bann und entfaltet nach und nach seine Großartigkeit.

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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor 9 Jahren
    Rezension zu "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino

    Wirklich ein ganz außergewöhnliches Buch. Es saugt den Leser in sich auf, zieht ihn in die Geschichte rein und immer wieder fühlt man sich ertappt und erkannt. Ich würde mich als bibliophil bezeichnen und gerade die Menschen werden sich wohl das ein oder andere Mal beim Lesen dieses Buches überrascht fühlen oder mit einem Laut des Staunens den Mund aufreißen und dümmlich gucken.
    Seien es die ungelesenen Bücher, die einen böse ansehen, wenn man mal wieder neue ungelesene Bücher anschleppt oder das Gefühl des Schutzes, den man hinter einem Buch verspürt, wenn man sich in der Bahn oder sonst wo ganz dahinter zurück ziehen und von der Welt nicht belästigt werden will.
    Grandios fängt Calvino all diese geheimen Gedanken der leidenschaftlich lesenden Bevölkerung ein und strickt daraus eine fantastische schräge Geschichte. Seine im Buch verbastelten Romananfänge enden alle mit einem Knall und lassen einen doch ein wenig unbefriedigt aber neugierig zurück... Man liest weiter, man wird angefixt, man will wissen und dreht sich doch im Kreis und das ist das einzige Manko des Buches, für mich drehte man sich ein paar Mal zu viel. Irgendwann driftet es ins langweilig Banale ab und vermochte nicht mehr mich so zu fesseln, wie zu Beginn. Die fantastischen letzten Zeilen hauen diese Langeweile und zu arge Turbulenz oder Überfrachtung des letzten Viertels wieder raus. Daher bin ich begeistert, aber diese Begeisterung wurde ein wenig getrübt.... dennoch eine ganz besondere Leseerfahrung, die ich nicht missen möchte.

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