Iuditha Balint

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Cover des Buches Brotjobs & Literatur (ISBN: 9783957324986)

Brotjobs & Literatur

 (3)
Erschienen am 28.10.2021

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Cover des Buches Brotjobs & Literatur (ISBN: 9783957324986)C

Rezension zu "Brotjobs & Literatur" von Iuditha Balint

Brotjobs & Literatur
Co_Wintersteinvor 7 Monaten

Brotjobs und Literatur

Dem Beruf der Schriftstellerei als  »Dachstubenromantik« stellt diese Anthologie Essays von Schriftsteller:innen gegenüber, die verschiedene Aspekte ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen aufzeigen . 

Özlem Özgül Dündar zeigt übrigens in ihrem Beitrag das Abhängigkeitsverhältnis auf, in dem sie sich immer wieder befindet, wenn sie um bestimmte Personen buhlen muss, um ihre Lyrik zu veröffentlichen und damit Geld zu verdienen. Das Für-sich-werben kostet viel Kraft, die  lieber ins Schreiben stecken würde, damit ihre Rolle als Autorin nicht ins Schwanken gerät. Ab und zu kommt ihr deshalb der Gedanke, dass sie mit dieser Tätigkeit aufhören möchte. Auch ein sehr sehr wichtiger Beitrag in diesem Buch. 

Böhm und Crauss gehen auf die Wechselwirkungen von literarischem Arbeiten und Brotjobs ein. 

In Philipp Böhms Beitrag wird deutlich, wie schwierig es für ihn war, den gedanken-, identitäts- und zeitaufsaugenden Job bei einer Online-Plattform für kostspielige Yachturlaub von der freien Schreibezeit abzugrenzen. 

Crauss hingegen nennt auch Vorteile am Brotjob. Neben gesichertem Einkommen führt er auch die Regelmässigkeit, die Strukturierung des Alltags an und die daraus resultierende positive Energie. Der Dichter als Klempner, der Poet als Pizzabäcker, der Literat als Bademeister. 

Juliane Ziese stellt einen anderen wichtigen Aspekt dar, nämlich, dass der eigentliche Brotjob die Elternschaft ist. Alle anderen Jobs wären leicht zu kündigen, zu ändern oder ganz aufzugeben, aber die Elternschaft nicht. Sie kostet nicht nur die aktive Zeit, die mit den Kindern verbracht wird, sondern auch die "passive" Zeit, die Müdigkeit und Erschöpfung, der Stress, Faktoren die sich in die aktive Schreibezeit hineinziehen und denen kinderlose Künstler:innen nicht ausgesetzt sind. 

Welche Missachtung dem Beruf des Dichters manchmal zuteil wird, zeigt Adrian Kasnitz auf, der sich in seinem sozialen Umfeld für seine Arbeit rechtfertigen muss und manchmal als Dichterarsch bezeichnet wird. 

Passend dazu schreibt Isabelle Lehn in ihrem Beitrag folgenden wichtigen Satz zur Identitätsfrage von Schriftsteller:innen:

„Als Schriftstellerin leben zu wollen scheint ein unverschämter Wunsch zu sein. ich fühle mich schamlos, wenn ich mich zu meinem Beruf äußere und erst einmal erklären muss, wie viel ich verdiene, um mich so nennen zu dürfen. Wenn ich heute davon leben kann, dann auch, weil ich die Scham überwunden habe, meinen Beruf als Beruf ernst zu nehmen, meine Arbeit als Arbeit anzuerkennen und ihr einen Preis beizumessen (S. 139).“ 

Es gibt so viele weitere spannende Texte von Autor:innen in diesem großartigen Sachbuch. Ich kann sie leider gar nicht alle aufzählen. 

Deshalb nur noch eins: Leseempfehlung!!! Besonders für alle, die dem Schreiben verbunden sind. 

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