Ivan Ivanji

 3.8 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Tod in Monte Carlo, Geister aus einer kleinen Stadt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ivan Ivanji

Ivan Ivanji, 1929 im Banat geboren, war unter anderem Journalist, Diplomat und Dolmetscher Titos. Romane, Essays, Erzählungen und Hörspiele. Er lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Wien und Belgrad. Im Picus Verlag erschienen zahlreiche Romane, darunter »Barbarossas Jude«, »Das Kinderfräulein«, »Der Aschenmensch von Buchenwald«, »Die Tänzerin und der Krieg«, »Geister aus einer kleinen Stadt«, »Buchstaben von Feuer«, die Neuauflage seines Erfolgs »Schattenspringen« sowie 2014 »Mein schönes Leben in der Hölle«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ivan Ivanji

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Cover des Buches Tod in Monte Carlo (ISBN:9783711720771)

Tod in Monte Carlo

 (3)
Erschienen am 23.01.2019
Cover des Buches Geister aus einer kleinen Stadt (ISBN:9783711750761)

Geister aus einer kleinen Stadt

 (3)
Erschienen am 01.11.2011
Cover des Buches Buchstaben von Feuer (ISBN:9783854526728)

Buchstaben von Feuer

 (1)
Erschienen am 01.02.2011
Cover des Buches Mein schönes Leben in der Hölle (ISBN:9783711720085)

Mein schönes Leben in der Hölle

 (1)
Erschienen am 11.02.2014
Cover des Buches Ivan Ivanji: Kaiser Diokletian (ISBN:B003M5MIKA)

Ivan Ivanji: Kaiser Diokletian

 (1)
Erschienen am 01.01.1985
Cover des Buches Ein ungarischer Herbst (ISBN:9783854522805)

Ein ungarischer Herbst

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Erschienen am 01.01.1995
Cover des Buches Die andere Seite der Ewigkeit (ISBN:9783854522690)

Die andere Seite der Ewigkeit

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Erschienen am 01.01.1994
Cover des Buches Der Aschenmensch von Buchenwald (ISBN:9783854524298)

Der Aschenmensch von Buchenwald

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Erschienen am 01.01.1999

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Rezension zu "Tod in Monte Carlo" von Ivan Ivanji

Ein sehr leiser, ernster und poetischer Kurzroman
Sigismundvor 6 Monaten

REZENSION - Es ist ein sehr leiser, ein fast stiller Roman des serbischen Schriftstellers Ivan Ivanji (90), der kürzlich unter dem Titel „Tod in Monte Carlo“ im österreichischen Picus-Verlag erschien. Wir begleiten 1939/1940 den serbischen Arzt Moritz Karpaty im neutralen Fürstentum Monaco in dessen Einsamkeit, in seinen Selbstgesprächen und auf seiner Suche nach dem Ort absoluter Stille, einer Camera silens, wie der humanistisch gebildete Jude aus dem damals noch jugoslawischen Banat es selbst nennt. Hitlers Krieg tobte bereits, aber Jugoslawien war neutral. „Ich bin ja Jugoslawe, habe einen gültigen jugoslawischen Reisepass, fühle mich nicht in erster Linie als Jude, das Judentum hat mich nie besonders interessiert“, schreibt Karpaty, der einst seinen Familiennamen Kohn hatte ändern lassen, in sein Tagebuch.
Als Mann reifen Alters hatte sich Moritz Karpaty von seinem reichen Freund, dem Zuckerfabrikanten Viktor Elek, zum kurzen Männer-Urlaub in Monte Carlo überreden lassen. Es war überhaupt der erste Urlaub, den sich Moritz Karpaty, sonst Tag und Nacht für seine Patienten im Einsatz, sich erlaubt hatte. Gleich beim ersten Casino-Besuch gewinnt er über eine Millionen Franc und beschließt, das Geld gleich an Ort und Stelle wieder auszugeben. Nachdem sein Freund Viktor wieder nach Hause abgereist ist, richtet sich Moritz im Hotel Hermitage in einer Suite häuslich ein. Doch was als sorgloser Urlaub beginnt, wird bald vom Kriegsgeschehen in Europa getrübt. Noch wähnen sich die betuchten Hotelgäste – teils sind es reiche, zurückhaltend auftretende Juden aus Deutschland, teils selbstbewusst lärmende Wehrmachts- und SS-Offiziere in Zivil, aber auch Wohlhabende aus anderen Ländern Europas – im Schutz der politischen Neutralität im Fürstentum sicher und leben ihr luxuriöses Leben scheinbar unbehelligt am Strand, auf der Promenade und im Casino. Es ist eine unwirkliche Welt in todbringender Zeit. Auch Moritz genießt sein luxuriöses Leben fern des Berufsalltags und fern der Familie. Er verliebt sich sogar in eine junge russische Tänzerin, hält sich aber im Wissen um sein Alter schamvoll zurück.
„Habe ich mich zu schämen, weil ich mich meiner augenblicklichen Bequemlichkeit so hingebe? Wird sich das rächen? Bin ich ein Sünder? Mea culpa, mea maximal culpa. Aber es ist so schön in Monte Carlo.“ Moritz ist zögerlich, unentschlossen: Soll er zu seiner Frau, seiner Familie ins neutrale Jugoslawien zurück? Oder soll er wie andere wohlhabende Juden das Fürstentum verlassen und nach Übersee auswandern, vielleicht zu seiner Tochter in die Vereinigten Staaten? Moritz Karpaty kann sich nicht entscheiden. In Monte Carlo ist er nicht Jude, sondern ein angesehener Arzt, der seine Suite in bar bezahlt. Moritz genießt die Annehmlichkeiten dieses neuen Lebens – bis der Moment der Entscheidung vorüber ist. Sogar im mondänen Hotel Hermitage wird dem Juden Moritz Karpaty anonym mit Mord gedroht. In seiner Verzweiflung ertränkt sich Moritz im Meer. Ist dort sein Ort absoluter Stille? Im August 1942 wurden alle im Fürstentum Monaco lebenden Juden verhaftet und an die Deutschen ausgeliefert.
Moritz hieß auch der Großvater von Ivan Invanji. Auch dieser Moritz reiste mit seiner Frau noch vor Kriegsausbruch nach Monte Carlo, kehrte aber frühzeitig in die Heimat zurück. Erst nach dem Einmarsch deutscher Truppen wählten beide den Freitod. Davon ausgehend, entwickelte der Autor einen berührenden, zu Herzen gehenden, dabei überaus poetischen Kurzroman um die Gefühle und Hoffnungen, um die Unsicherheiten und Ängste jüdischer Mitbürger in damaliger Zeit. Wie Moritz Karpaty versuchten sie sich unsichtbar zu machen, waren unentschlossen und warteten ab – die meisten zu lange.

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Rezension zu "Tod in Monte Carlo" von Ivan Ivanji

Die Geschichte einer Reise, einer Familie und Europas
aus-erlesenvor 9 Monaten

Die Region Banat teilen sich heute Serbien, Ungarn und Rumänien. Aus dieser Region stammt auch er Autor dieser anrührenden, aufwühlenden, verschwenderischen Geschichte. Und auch die Hauptfigur, Moritz Karpaty hat enge Verbindungen zu Ivan Ivanji. 
Es ist Spätsommer 1939, Europa bebt, es brennt noch nicht lichterloh, doch die Glutnester sind gelegt. Der jüdische (das muss aufgrund der Zeit, in der die Geschichte spielt leider erwähnt werden) Arzt Moritz Karpaty macht zum ersten Mal Urlaub. Weit über siebzig Lenze zählt er. Sein Freund, der Zuckerfabrikant Viktor Elek (auch keine fiktive Figur, sondern real) überredet ihn nach Monte Carlo zu fahren. Das mondäne Monte Carlo klang in dieser Zeit schon wie das Elysium aller, die Träume wahr werden lassen wollten. Die Zeit mit Viktor – die Familie bleibt zuhause – genießt der Arzt. Ebenso das Klima, die festlichen Tafeln und das Casino. Und siehe da: Der bisher nur im winzigen Rahmen spielende Doktor hat Glück im Spiel. Und wie! Ein Millionengewinn darf er sein eigen nennen. 
Viktor rät ihm gleich zu einer sicheren Anlage, zuhause im Banat. Auch wenn die politische Situation in Europa auf mehr als wackligen Füßen steht, so ist er felsenfest davon überzeugt, dass das Geld in der Heimat am sichersten angelegt ist. 
Die Nachrichten künden hingegen von den ersten Bomben des Krieges. Polen wurde zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion aufgerieben und aufgeteilt. Deutsche, Schweizer, Franzosen – Europa trifft sich in Monte Carlo und diskutiert aus sicherer Entfernung die Lage des Heimatkontinentes. Das Übel, das allen Gegnern widerfährt, ist vielerorts noch ein Gerücht. Selbst, wer genau Bescheid weiß, sträubt sich sein Wissen zu teilen. 
Neben dem Glück im Spiel – Viktor ist inzwischen abgereist und lässt den Doktor allein an der azurblauen Küste zurück – bahnt sich auch das Glück in der Liebe an. Maurice, wie er sich nun nennt, hat beschlossen nicht auf den Rat seines Freundes zu hören und will stattdessen die Millionen lieber in Monte Carlo verjubeln. Die russische Tänzerin Ira hat es ihm angetan. Und sie erwidert seine Avancen. Gen Heimat schickt er Briefe voller Urlaubsschwärmereien, im Gegenzug bekommt er Post voller Sehnsucht nach dem Gatten. Er und Ira sind unzertrennlich, während Europa sich immer weiter aufspaltet und Keile zwischen die Völker getrieben werden. Kann so eine Geschichte gut enden? Darf so eine Geschichte Gewinner haben?
Ivan Ivanji plaudert nicht einfach nur aus dem familiären Nähkästchen. Er zeichnet ein dunkles Kapitel europäischer Geschichte anhand seiner eigenen Familie nach. Blauäugigkeit und abgrundtiefer Hass treffen an einem Ort aufeinander, der auf den ersten Blick kaum unpassender zu sein scheint. Doch die Idylle des kleinen Landes trügt. Auch die Landesherren wussten geschickt die bald neuen Herren Europas zu umgarnen. Diplomatie hin oder her. Die Grimaldis kämpften an allen Fronten während dieser Zeit. Monte Carlo als sicherer Hafen, diese Illusion wurde mitten Krieg aufs Perfideste zerstört, als Juden ausgeliefert wurden, um in deutschen Konzentrationslagern ihr Ende zu finden. Der Tod in Monte Carlo ist ein symbolischer. Für Moritz Karpaty kam er in Gestalt des Alters…

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Rezension zu "Geister aus einer kleinen Stadt" von Ivan Ivanji

Rezension zu "Geister aus einer kleinen Stadt" von Ivan Ivanji
HeikeGvor 11 Jahren

"Das Leben ist doch schön, oder nicht?"

Warum hinterfragt Ivan Ivanji diese Aussage in seinem neuen Buch "Geister aus einer kleinen Stadt"? Natürlich ist das Leben schön, möchte man sofort antworten. Doch der Autor hat es von einer anderen Seite - einer tiefschwarzen - erlebt. Als Sohn einer jüdischen Ärztefamilie aus dem Banat, einer historischen Region im Königreich Ungarn, wurde er 1944/45 in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald interniert.
Bei einem Besuch seiner Heimatstadt, als er durch vertraute Gassen schlendert, begegnen ihm die "Geister" seiner toten Mitbürger, Menschen die umgebracht wurden, weil sie nicht dem "Ideal" einer selbsternannten "Herrenrasse" entsprachen.

"Oh glücklich, wer noch hoffen kann, aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!" Diese Worte aus Goethes "Faust" legt der Autor in seinem Roman einem SS-Schergen in den Mund, der zuvor einem Juden eine Lagerumsiedelung vorlog, der Einstieg in den Transport-LKW am nächsten Morgen jedoch für ihn, seine Familie und tausende Anderer den Tod bedeutet.
Hoffnung, für viele das letzte, was noch blieb. Nur für die Wenigsten erfüllte sie sich.

Ein eindringliches, ein schockierendes, aber auch ein liebe- und humorvolles Werk hat Ivan Ivanji geschrieben. Er wirft einen unbestechlichen, mit autobiographischen Linien durchzogenen Blick auf die Vergangenheit seiner Heimat. Hier im Banat, einer Region zwischen dem heutigen Serbien-Montenegro und Rumänien hat der Autor seine Handlung angesiedelt. In einem gut lesbaren Stil, mit kurzen Sätzen und Dialogen und einer atmosphärisch dichten, pointierten Sprache behandelt er souverän - wie bereits in seinen letzten Werken (u. a. "Der Aschenmensch von Buchenwald", "Die Tänzerin und der Krieg") - emotionell und politisch stark belastete Themen ohne vordergründige Rache- oder Abrechnungsgelüste.

Er setzt mit seinem Roman seiner Stadt und ihren "Geistern" - den ehemaligen Bewohnern - ein literarisches Denkmal. Ivanji versetzt sich dafür ans Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts.

"Frieden" hat er sein erstes Kapitel überschrieben. Und wahrlich war man zu dieser Zeit mit sich und aller Welt noch im Reinen. "Dass in Deutschland ein Herr Hitler, der Schäferhunde über alles liebte, angeblich schöne blaue Augen besaß, auf österreichische Weise Damen die Hand küssen konnte und zum Tee Mehlspeisen konsumierte und sich als Antialkoholiker und Vegetarier bezeichnete, an die Macht gekommen war, interessierte in der Stadt am Kanal, der sich stolz Fluss nannte, weder die Hunde noch die Menschen, vorläufig noch nicht einmal die Juden."

Nicht nur die Menschen interessieren den Autor. Jeder Familie stellt er einen oder mehrere treue Gefährten an die Seite: ihre Hunde.
Liebevolle Alltagsgeschichten bestimmen den ersten Teil des Romans. Ivanji betritt Haus um Haus und schaut in die Wohnzimmer seiner Bewohner. Da sind das jüdische Ärzteehepaar und deren zwei Kinder mit ihrem Zwergpudel Zucki, der Herr Apotheker und Dackel Waldi oder aber der Eisenbahner Atschanski, der zusammen mit seinem Foxterrier im Garten des Herrn Doktor wohnt. Ivanji berichtet über den Holzhändler und seine beiden Doggen, den Herrn Rechtsanwalt mit der schönen Stimme und dessen deutscher Frau, den Zigeunerkönig mit seinem Schäferhund, den Kunsttischler und seinen Boxer oder die Modistin mit ihrem kranken Dalmatiner und ihrem Sohn, dem am Ende des Buches noch eine besondere Rolle zukommt.

Eine kunterbunte Melange verschiedenster Nationalitäten lebt hier nebeneinander - oft sogar befreundet. Natürlich kommt es zu allerlei Reibereien - es "menschelt". Die Rasse spielt bei beiden - Hund und Mensch - (noch) eine eher untergeordnete Rolle. Es sind die Klassenunterschiede, die den gemeinsamen Verkehr dirigieren und abgrenzen.

Doch "die menschliche Beziehung ist komplizierter als die Verhältnisse unter den Tieren". Der Krieg erreicht auch diese friedliche Region. Und nichts ist mehr wie es war. "Die ersten Serben werden erschossen, die ersten Juden gehenkt." Was folgt ist schockierend und emotional erschütternd. Nur die wenigsten überleben das Grauen. "Tatsache ist, dass in meiner Heimatstadt eintausendzweihundertachtundsiebzig Juden interniert worden sind und achtunddreißig überlebt haben. Achtunddreißig.", konstatiert der Autor.

"Die Lebenden müssen entscheiden, wie es weitergehen soll. Wie sie leben wollen.", schreibt Ivanji - sichtlich bewegt - in seinem dritten und letzten Kapitel mit dem Titel "Frieden nach dem Krieg". "Die Toten haben darauf keinen Einfluss mehr. Oder doch?"

Fazit:
Liebevoll gezeichnete Menschenbilder und Alltagszenen wechseln mit schockierenden und ergreifenden und harten Szenen in Ivan Ivanjis neuem Roman "Geister aus einer kleinen Stadt" ab.
Eine eindrucksvolle, eine emotional bewegende Spurensuche auf dem Pfad seiner Kindheit.

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