Ivan Ivanji

 4 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Tod in Monte Carlo, Geister aus einer kleinen Stadt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ivan Ivanji

Ivan Ivanji, 1929 im Banat geboren, war unter anderem Journalist, Diplomat und Dolmetscher Titos. Romane, Essays, Erzäh­lungen und Hörspiele. Er lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Wien und Belgrad. Im Picus Verlag erschienen zahlreiche Romane, darunter »Bar­ba­rossas Jude«, »Das Kin­der­fräulein«, »Der Aschen­mensch von Buchenwald«, »Die Tänzerin und der Krieg«, »Geister aus einer kleinen Stadt«, »Buchstaben von Feuer«, die Neuauflage seines Erfolgs »Schattenspringen«, »Mein schönes Leben in der Hölle« und seine Familiensaga »Schlussstrich«. 2019 erschien »Tod in Monte Carlo«, 2020 »Hineni«. 2021 erscheint »Corona in Buchenwald«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ivan Ivanji

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Cover des Buches Geister aus einer kleinen Stadt (ISBN: 9783711750761)

Geister aus einer kleinen Stadt

 (3)
Erschienen am 01.11.2011
Cover des Buches Tod in Monte Carlo (ISBN: 9783711720771)

Tod in Monte Carlo

 (3)
Erschienen am 23.01.2019
Cover des Buches Hineni (ISBN: 9783711720931)

Hineni

 (2)
Erschienen am 04.03.2020
Cover des Buches Buchstaben von Feuer (ISBN: 9783854526728)

Buchstaben von Feuer

 (1)
Erschienen am 01.02.2011
Cover des Buches Mein schönes Leben in der Hölle (ISBN: 9783711720085)

Mein schönes Leben in der Hölle

 (1)
Erschienen am 11.02.2014
Cover des Buches Ivan Ivanji: Kaiser Diokletian (ISBN: B003M5MIKA)

Ivan Ivanji: Kaiser Diokletian

 (1)
Erschienen am 01.01.1985
Cover des Buches Titos Dolmetscher (ISBN: 9783853718483)

Titos Dolmetscher

 (0)
Erschienen am 15.12.2016
Cover des Buches Die Tänzerin und der Krieg (ISBN: 9783854524564)

Die Tänzerin und der Krieg

 (0)
Erschienen am 01.03.2002

Neue Rezensionen zu Ivan Ivanji

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Rezension zu "Hineni" von Ivan Ivanji

Eine liebevolle Mahnung zur Verständigung
Sigismundvor 7 Monaten

REZENSION – Es ist kein biblischer Text, und doch ist es eine Geschichte aus der Bibel: „Hineni“, der aktuelle Roman des serbischen Schriftstellers Ivan Ivanji (91), schildert – ohne biblischen Pathos, sondern eher augenzwinkernd geschrieben – die modern erzählte Lebensgeschichte Abrahams, der vor 4 000 Jahren auszog, um als „Vater vieler Völker“ im „gelobten Land“ Kanaan alle dort lebenden Stämme zu vereinen, ein eigenes Volk zu gründen und dem einen allmächtigen Gott zu dienen. „Hineni“ ist ein versöhnlicher Roman, geschrieben von einem Überlebenden der KZs Auschwitz und Buchenwald. Der 1929 in Serbien als „zufälliger Jude“ Geborene versteht sich noch heute, Jahrzehnte nach dem Zerfall Jugoslawiens, als Bürger des einst von General Tito zusammengehaltenen Vielvölkerstaates, dessen Dolmetscher Ivanji war. Dies zu wissen, hilft die Botschaft seines lesenswerten Romans zu verstehen.

Ivanji erzählt die Lebensgeschichte Abrahams als historischen Tatsachenroman, hält sich nach Vergleich von Thora, Koran und Bibel – wichtig deshalb auch sein diesbezügliches Nachwort – an überlieferte Fakten, scheut sich allerdings auch nicht, mit fiktiven Zutaten und eigener Interpretation der drei heiligen Schriften eine spannende Geschichte daraus zu machen. Bei ihm ist Abraham ein einfacher Kaufmann in der Handelsstadt Haran. Erst viele Jahre später zieht er als Vasall des politisch modern denkenden Pharaos Amenemhet I. in sein „gelobtes Land“
Kanaan, um die dort von Ägypten unabhängig lebenden Stämme zu vereinen und mit ihnen und eigenen Nachkommen sein eigenes Volk zu gründen. Dass der große Plan Abrahams schon in der nachfolgenden Generation seiner Söhne Ismael und Jakob misslingt, ist eine andere Geschichte.

So ernst dem Autor der Gedanke der Völkerverständigung und des friedlichen Miteinanders auch ist, schildert der Autor seinen Helden Abraham keineswegs als weise, von Gott geleitete biblische Persönlichkeit. Abraham scheint eher oft hilflos, wenn er grübelnd auf dem Flachdach seines Hauses steht und seinem Gott laut „Hineni – Hier bin ich“ zuruft. Dies klingt durchaus nicht als Ausdruck höchster Dienstbereitschaft und ist nicht der Ausruf eines von Gott Berufenen, sondern gleicht eher dem Ausruf Luthers: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!“ Wie oft zweifelt Abraham an seinem Gott: „Hatte er selbst diesen Gott erfunden, weil er ihn brauchte für die Erfüllung seiner irdischen Vorhaben? …. Mit Sicherheit nicht! Elohim würde es richten. Hoffentlich. Gewiss! Amen!“

In dieser Hilflosigkeit meint Abraham in allen eigenen Gedanken, aber auch in Ratschlägen seiner Vertrauten die Stimme seines Gottes zu hören. Und wenn es ihm nicht gelingt, seinen Willen – also Gottes Willen – bei seinen noch mehrheitlich die heidnischen Gottheiten anbetenden Untertanen durchzusetzen, dann muss eben auch mal ein göttliches Wunder her, bei dem Abraham etwas nachhilft, oder ein paar Geschichten, „die interessanter und daher glaubwürdiger waren als die fade Wirklichkeit“. So fragt ihn Lot nach dem Untergang Sodoms und dem Tod seiner Frau: „Wieso Salzsäule?“ Und Ivanji lässt Abraham antworten: „Was weiß ich. Das klingt doch nach einer guten Geschichte, das werden die Leute sich merken.“

Ivan Ivanjis nachdenklich stimmender Roman „Hineni“ könnte mit seiner Ironie und seinem Witz manchem Bibelgläubigen missfallen. Doch er ist ein ernster Aufruf zur Verständigung zwischen Juden und Arabern als Nachkommen Abrahams, des „Vaters vieler Völker“. Dieser Roman passt als Mahnung ins 75. Jahr der KZ-Befreiung und in die Zeit des Corona-Virus, der doch alle Völker auf Erden gleichermaßen trifft – ohne Ansehen von Rasse und Religion.

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Rezension zu "Hineni" von Ivan Ivanji

Wege in Abrahams Schoß
aus-erlesenvor 9 Monaten

Die Geschichte ist bekannt: Abraham, der damals noch Avram hieß, verließ sein Land, um frei zu sein. Er suchte nach dem einen Gott und der erhörte ihn. Hireni – ich höre Dich! Das, was Ivan Ivanji aus dieser Geschichte macht, wie er sie interpretiert, ist es wert sich noch einmal mit Abrahams Weg – belassen wir es bei diesem Namen, unter dem ist er schließlich bekannt geworden – zu beschäftigen.

Wer bibelfest ist, dem kommen beim Lesen vielleicht einige Zweifel, ob der Autor da nicht was verwechselt hat. Keine Angst, Ivan Ivanji weiß worüber er schreibt. Im letzten Kapitel, das den vielsagenden Titel „Spurensuche“ trägt, erlöst er den Zweifler von seiner Skepsis. Da die Forscher den Fortgang Abrahams nicht exakt bestimmen können, es lediglich Ansätze für seine Existenz und seine Auswandererpläne gibt, hat sich Ivanji selbst als Forscher hervorgetan und ihn in die Amtszeit des Pharaos Amenemhet I. transformiert. Das war ca. 1980 bis 1970 vor unserer Zeitrechnung. Auch hat er ein bisschen die Reihenfolge der alttestamentarischen Überlieferung verändert. „Hireni“ sollte ja auch kein Sachbuch werden, sondern ein Roman. 

Mission erfüllt! Wer sich bisher kaum bis gar nicht mit den Grundlagen der westlichen Zivilisation und ihren christlichen Ursprüngen beschäftigt hat, trifft in diesem Buch auf viele bekannte Namen. Namen, die, wenn man in einer Quizshow auftritt, für Verwirrung sorgen. Wie war das doch gleich? Wer mit wem wann? Ob es wirklich so gewesen ist, diese Frage stellt sich nicht. Aber es könnte so gewesen sein. 

Die einzigartige Leistung Ivanjis besteht darin dem starren Text, der nur allzu viel Spielraum für Interpretationen lässt, ein relativ stabiles Grundgerüst zu geben. Die Sprache ist modern, und lässt keinen Zweifel daran, dass es sich hier um wahre Begebenheiten handeln könnte. Mord, Intrigen, aber auch Liebe sind die Zutaten dieser leicht zu lesenden Variante des ältesten Buches der Welt. 


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Rezension zu "Tod in Monte Carlo" von Ivan Ivanji

Ein sehr leiser, ernster und poetischer Kurzroman
Sigismundvor 2 Jahren

REZENSION - Es ist ein sehr leiser, ein fast stiller Roman des serbischen Schriftstellers Ivan Ivanji (90), der kürzlich unter dem Titel „Tod in Monte Carlo“ im österreichischen Picus-Verlag erschien. Wir begleiten 1939/1940 den serbischen Arzt Moritz Karpaty im neutralen Fürstentum Monaco in dessen Einsamkeit, in seinen Selbstgesprächen und auf seiner Suche nach dem Ort absoluter Stille, einer Camera silens, wie der humanistisch gebildete Jude aus dem damals noch jugoslawischen Banat es selbst nennt. Hitlers Krieg tobte bereits, aber Jugoslawien war neutral. „Ich bin ja Jugoslawe, habe einen gültigen jugoslawischen Reisepass, fühle mich nicht in erster Linie als Jude, das Judentum hat mich nie besonders interessiert“, schreibt Karpaty, der einst seinen Familiennamen Kohn hatte ändern lassen, in sein Tagebuch.
Als Mann reifen Alters hatte sich Moritz Karpaty von seinem reichen Freund, dem Zuckerfabrikanten Viktor Elek, zum kurzen Männer-Urlaub in Monte Carlo überreden lassen. Es war überhaupt der erste Urlaub, den sich Moritz Karpaty, sonst Tag und Nacht für seine Patienten im Einsatz, sich erlaubt hatte. Gleich beim ersten Casino-Besuch gewinnt er über eine Millionen Franc und beschließt, das Geld gleich an Ort und Stelle wieder auszugeben. Nachdem sein Freund Viktor wieder nach Hause abgereist ist, richtet sich Moritz im Hotel Hermitage in einer Suite häuslich ein. Doch was als sorgloser Urlaub beginnt, wird bald vom Kriegsgeschehen in Europa getrübt. Noch wähnen sich die betuchten Hotelgäste – teils sind es reiche, zurückhaltend auftretende Juden aus Deutschland, teils selbstbewusst lärmende Wehrmachts- und SS-Offiziere in Zivil, aber auch Wohlhabende aus anderen Ländern Europas – im Schutz der politischen Neutralität im Fürstentum sicher und leben ihr luxuriöses Leben scheinbar unbehelligt am Strand, auf der Promenade und im Casino. Es ist eine unwirkliche Welt in todbringender Zeit. Auch Moritz genießt sein luxuriöses Leben fern des Berufsalltags und fern der Familie. Er verliebt sich sogar in eine junge russische Tänzerin, hält sich aber im Wissen um sein Alter schamvoll zurück.
„Habe ich mich zu schämen, weil ich mich meiner augenblicklichen Bequemlichkeit so hingebe? Wird sich das rächen? Bin ich ein Sünder? Mea culpa, mea maximal culpa. Aber es ist so schön in Monte Carlo.“ Moritz ist zögerlich, unentschlossen: Soll er zu seiner Frau, seiner Familie ins neutrale Jugoslawien zurück? Oder soll er wie andere wohlhabende Juden das Fürstentum verlassen und nach Übersee auswandern, vielleicht zu seiner Tochter in die Vereinigten Staaten? Moritz Karpaty kann sich nicht entscheiden. In Monte Carlo ist er nicht Jude, sondern ein angesehener Arzt, der seine Suite in bar bezahlt. Moritz genießt die Annehmlichkeiten dieses neuen Lebens – bis der Moment der Entscheidung vorüber ist. Sogar im mondänen Hotel Hermitage wird dem Juden Moritz Karpaty anonym mit Mord gedroht. In seiner Verzweiflung ertränkt sich Moritz im Meer. Ist dort sein Ort absoluter Stille? Im August 1942 wurden alle im Fürstentum Monaco lebenden Juden verhaftet und an die Deutschen ausgeliefert.
Moritz hieß auch der Großvater von Ivan Invanji. Auch dieser Moritz reiste mit seiner Frau noch vor Kriegsausbruch nach Monte Carlo, kehrte aber frühzeitig in die Heimat zurück. Erst nach dem Einmarsch deutscher Truppen wählten beide den Freitod. Davon ausgehend, entwickelte der Autor einen berührenden, zu Herzen gehenden, dabei überaus poetischen Kurzroman um die Gefühle und Hoffnungen, um die Unsicherheiten und Ängste jüdischer Mitbürger in damaliger Zeit. Wie Moritz Karpaty versuchten sie sich unsichtbar zu machen, waren unentschlossen und warteten ab – die meisten zu lange.

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