Ivan Klíma Richter in eigener Sache

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Inhaltsangabe zu „Richter in eigener Sache“ von Ivan Klíma

Klímas großer Roman über die Verantwortung des einzelnen unter der Diktatur erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich nicht länger mit der Unmenschlichkeit abfinden will. Die Entscheidung zwischen Opportunismus und Ehrlichkeit wird sein Leben verändern. Ivan Klímas 'Richter in eigener Sache' überzeugt durch die Intensität seiner Erinnerung, die Genauigkeit seiner Analyse der totalitären Gesellschaft und vor allem durch die Anschaulichkeit, mit der er die Konflikte einer ganzen Generation Mitteleuropas in Figuren und Situationen lebendig werden lässt.

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  • Rezension zu "Richter in eigener Sache" von Alexandra Baumrucker

    Richter in eigener Sache
    Beagle

    Beagle

    25. February 2012 um 10:40

    Der Richter Adam Kindl steht vor einem schwerwiegenden Problem – er soll das Verfahren gegen den Doppelmörder Karel Kozlik leiten, der in der Wohnung, in der er zur Untermiete gewohnt hat, das Gas aufdrehte und somit seine Vermieterin und deren Enkelin tötete. Ein umfassendes Geständnis liegt vor, wodurch von Adam stillschweigend die Todesstrafe für den jungen Mann gefordert wird. Dieser ist der Richter aber abgeneigt, hat er doch schon vor ein paar Jahren Artikel für eine Zeitschrift verfasst, in der er sich entschieden gegen die Todesstrafe in der Tschechoslowakei aussprach. Und seit dieser Zeit hat er auch Probleme, sein Amt zu halten, was ihm nur noch mit Hilfe von wohlmeinenden, einflussreichen Freunden gelingt, denn den Kommunisten ist er dadurch ein Dorn im Auge. Mit dem Verlangen soll er nun wieder gutmachen, was er sich damals mit den Artikeln eingebrockt hat. Adams Abneigung gegen die Todesstrafe führt daher, dass er als Jude seine frühe Kindheit im KZ verbringen und zusehen musste, wie dort seine Freunde und Mitgefangene nach der Reihe in die Gaskammer geführt wurden. Und wieder ist es Gas! Aber, kann man Gerechtigkeit schaffen, wenn man die selbsternannten Henker ebenfalls zum Tode verurteilt? Mit diesen schweren, beruflichen Konflikten belastet, flüchtet er sich privat in eine andere Welt. Zwar sind seine denunzierten Freunde „kein Umgang“ mehr für ihn, denn immer wieder wird er von der Staatssicherheit dazu angehalten, sich nicht mehr mit diesen Quertreibern zu umgeben, was einem hohen Richter nicht zustößt, der das Volk vertritt, aber Adam verzichtet doch nicht darauf. Im Gegenteil, immer wieder hilft er seinen Freunden, wo er nur kann. So auch seiner ersten Geliebten Magdalena, deren Ehemann nun aus dem Schuldienst entlassen werden soll. Um die Bestechungsgelder beschaffen zu können, muss Magdalena die wertvollen, von ihrem Vater geerbten Bücher hergeben, wofür Alexandra, die Frau von Adams Freund Oldrich, einen Käufer findet. Alexandra ist dabei so anders als Adams Ehefrau Alena, sie ist lebensfroh und überhaupt nicht häuslich, ihre Sprache und Vorstellungen sind nicht so steif und intellektuell, sie ist Künstlerin, und zieht Adam schon bald in ihren Bann, eine wilde Affäre beginnt. Aber, während Adam die leidenschaftliche Alexandra genießt, hat Alena ein kurzes, irgendwie ungewolltes Abenteuer mit einem Studenten, den sie auf einem Kongress der Bibliothekare kennenlernte. In regelmäßigen Abständen zeichnet Ivan Klima in seinem Roman „Richter in eigener Sache“ die Abgründe und verzwickten Verwicklungen der einzelnen Protagonisten auf, deren Leben sich in gewisser Weise zu gleichen scheint, aber jeder lebt es anders aus. Es ist Resignation, Angst vor dem Verschwinden, vor dem gesellschaftlichen Abstieg und dem über allem wachenden kommunistischen Regime. Geschickt führt er die einzelnen Personen zusammen, um sie sich dann doch wieder entfremden zu lassen. Ein brillantes Buch über die Situation in der damaligen Tschechoslowakei und auch eine gut beschriebene, verworrene Geschichte über Liebe, Leid, Eifersucht und Machtspielen. Die Figur des Richters wird immer wieder mit Selbstzweifeln und der Moral konfrontiert, während andere ihren Alltag scheinbar im Griff zu haben scheinen. Sehr gut ist auch die Einteilung der verschiedenen Kapitel, denn es wird immer wieder abwechselnd aus der Gegenwart und (mit Adam als Ich-Erzähler) die Vergangenheit aufgearbeitet. Langsam führt Ivan Klima das Vergangene und das Jetzt zusammen und Vieles wird erst zum Ende des Buches wirklich klar. Leider ist es nur noch antiquarisch erhältlich.

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