Ivan Klima Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 8 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(0)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht“ von Ivan Klima

Prag in den neunziger Jahren. Pavel Fuks, Kameramann und gelegentlicher Regisseur, wurde durch seinen Beruf zum Augenzeugen und aktiven Teilnehmer an den Demonstrationen vor und während der »samtenen Revolution«. Schon in den fünfziger Jahren hatte er einen mißlungenen Fluchtversuch unternommen und dafür einige Jahre im Gefängnis gesessen. Danach ging Pavel zum Staatsfernsehen und drehte dort als Paradestück einen Film über den greisen Staatspräsidenten. Nun, nach der Wende, droht ihm die Entlassung. Da geht er lieber freiwillig, in ein privates Studio, wo er zunächst Werbung, später Sexfilme macht. Ist das die neue Freiheit? Soll das alles sein? Und auch in der Liebe bringt ihm die politische Wende kein Glück. – Klíma erzählt in diesem rasanten Roman, was es mit der neuen Freiheit auf sich hat.

Stöbern in Romane

Die Lichter von Paris

Ganz nett, aber mehr nicht.

sanrafael

Mudbound – Die Tränen von Mississippi

Mitreißendes Buch über Rassismus.

EmmaBunny

Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Zutiefst menschlich sind diese tollen Erzählungen, die einen inne halten lassen.

talisha

Lied der Weite

Was ist ein gelingendes Leben? Warmherziger Roman um diese Frage; Figuren, die man mit nach Hause nehmen möchte. Großartig!

alasca

Die Hauptstadt

Geistreich, ja, stellenweise amüsant, aber zu großen Teilen zäh und verzettelt. 3-4 Sterne.

Apfelgruen

Der verbotene Liebesbrief

Kein klassisches Buch von Lucinda Riley aber dennoch unglaublich fesselnd!

Miii

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht" von Ivan Klima

    Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht

    Beagle

    17. August 2010 um 22:02

    Die „Samtene Revolution“ von 1989 – das ist das Ereignis, das Ivan Klimas Roman „Warten auf Dunkelheit – Warten auf Licht“ zugrunde liegt. Die Geschichte spielt in den Wochen davor, schildert gekonnt das Geschehen der Wende und verläuft sich danach. Pavel Fuks arbeitet als Kameramann beim Tschechoslowakischen Staatsfernsehen. Es sind immer die gleichen Abläufe, die er zu filmen hat: Politsitzungen, Aufnahmen von Arbeitern und wenn es einmal Demonstrationen gibt, filmt er diese zwar, aber sein Material wird von den Vorgesetzten, vorbildliche Parteigenossen, geschnitten, zensiert. Wie gerne würde er seine eigenen Filme drehen, das Drehbuch verwirklichen, an dem er schon so lange schreibt. Oder zumindest wieder Tierdokumentationen machen, wie damals, als er und sein Kollege Sokol nach Mexiko reisen durften, um einen Film über Klapperschlangen zu drehen. Auch das private Glück scheint für ihn mehr oder weniger die Ruhe vor einem herannahenden Sturm zu sein. Eva, die Frau, mit der er seit einer ganzen Weile zusammenlebt, ist nur an seiner Person, nicht aber an seinem Inneren interessiert. Für sie ist es wichtig, dass Pavel jemand ist, eine Berühmtheit vom Fernsehen, jemand, der viel Geld verdient. Und auch, wenn sie dies geschickt zu verstecken weiß, so ist sich Pavel doch stets dieses Zustandes gewiss. Seine Mutter, die in der ehemals gemeinsamen Wohnung zurückgeblieben ist, als er zu Eva zog, wird von Tag zu Tag dementer. Was wäre gewesen, wenn er damals mit seinem Freund Petr den Weg ins Ausland geschafft hätte? Wenn er dafür nicht ins Gefängnis gemusst hätte? Oder, wenn ihn seine damalige Freundin Alice nicht verlassen hätte, von der er ein Kind erwartete? Später verheiratete sie sich mit Petr, seinem Freund. Die Geschichte wechselt immer wieder gekonnt zwischen der Realität und dem Drehbuch, das Pavel Fuks geschrieben hat. Dies ist seinem Leben allerdings so ähnlich, dass die Unterschiede oftmals verschwimmen, ohne den Leser aber zu verwirren. Einzig die sehr ähnlich gewählten Namen können ein gewisses Durcheinander anrichten. Erzählt wird dabei nicht nur von Pavel Fuks, sondern auch von dem Greis, der seit Langem das Land regiert, im Drehbuch wird er als seniler Mann beschrieben, der sich während eines Gespräches schon nicht mehr daran erinnern kann, was zu Anfang gesagt wurde und immer wieder nachfragen muss. Der Präsident sieht immer und überall seine Feinde lauern, die nur darauf warten, dass er einen Fehler macht und sie ihn stürzen können. An allen Ecken scheinen sie ihn zu bespitzeln, er sieht Schuhe unter Wandteppichen, Augen zwischen den Büchern. Mit viel Geschick wird hier auf das alte Pateisystem angespielt, vor dem anscheinend nicht einmal der Präsident selbst sicher war. Wahrscheinlich, so denkt er, werden sie ihn langsam vergiften, oder ihn einfach aus dem Verkehr ziehen, wie seine Frau. Ja, da ist er sicher, auch sie wurde beseitigt, um ihn langsam zu zermürben. Ein tragischer Nebenheld ist Robert. Zusammen mit einem Freund hat er einen Schulbus entführt und wollte so die Ausreise erpressen. Doch der Freund hatte sich zu einer Verhandlung überreden lassen und somit hatten die Polizisten Zeit, einen Panzerwagen zu postieren, der den Bus zerschoss. Der Fahrer und der Freund kamen dabei ums Leben, Robert wurde zum Tode verurteilt, weil er angeblich den Busfahrer erschossen haben soll. Anlässlich eines Staatsbesuchs, schlug man dem Präsidenten vor, eine Begnadigung durchzuführen, was den hohen Gast mit Sicherheit beeindrucken würde. Alles ist arrangiert, doch niemand sagt Robert Bescheid, der somit in der Annahme ist, sie würden ihn zum Galgen bringen und einen fatalen Fehler begeht. Klimas brillante Art zu schreiben, gepaart mir dem geschichtlichen Hintergrund, geben dem Buch einen zündenden Elan, es liest sich spannend, wie ein Politthriller. Geschickt wird das Leben von Pavel Fuks beschrieben, an dessen Beispiel die Wirren der damaligen Zeit nicht spurlos vorübergehen. Der Wechsel zwischen Realität und Fiktion ist derartig vollkommen, dass man sich unweigerlich fragen muss, ob die Dinge, die im Drehbuch stehen, von Pavel nur ausgedacht sind. Einerseits wird die offizielle (was zu Zeiten der Tschechoslowakei erlaubt war) und andererseits die inoffizielle Wahrheit (so, wie es sich jeder dachte, aber niemand zu sagen gewagt hat) erzählt. Was Klima damit ausdrücken will, ist genau diese Wende, die sich 1989 vollzog. In Deutschland ist Ivan Klima allerdings ein noch immer nicht vollends entdeckter Autor. Wenn man von den Tschechen spricht, so steht er meist im Schatten seiner modernen Kollegen Kundera und Hrabal. Doch an Einfallsreichtum und Ironie fehlt es ihm keinesfalls, ebenso wenig an erzählerischem Können, was er gerade mit „Warten auf Dunkelheit – Warten auf Licht“ besonders bewiesen hat.

    Mehr
  • Rezension zu "Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht" von Ivan Klima

    Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht

    Wolkenatlas

    03. September 2008 um 16:25

    Dunkles Licht Warten auf Dunkelheit, Warten auf Licht- ein Roman der Extraklasse ! Ivan Klima ist eine wahre Entdeckung. Ich habe auf Empfehlung "Liebesgespräche" gelesen und mir danach weitere Bücher von Ivan Klima bestellt. Obwohl die Story oberflächlich den Zerfall der (ehemaligen) Tschechoslovakei betrifft, habe ich ihn als Portrait eines Menschen gelesen, der auf der Suche nach Selbstfindung (im Liebesleben, im Beruf, in seiner Beziehung zu seiner Mutter- eigentlich versteht er immer zu spät) scheitert. Ein psychologisch wunderbares Buch, ständig zwischen Filmkapiteln und Kapiteln pendelnd, am Schluß bleibt die Frage offen, was nun Wirklichkeit und was Wahn war.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks