Ivana Sajko

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autorin von Rio Bar, Liebesroman und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ivana Sajko

Ivana Sajko, 1975 in Zagreb, Kroation, geboren, ist Dramaturgin, Autorin und Regisseurin und eine bedeutende literarische Stimme Südosteuropas. Sie absolvierte ein Studium an der Dramen Akademie in Zagreb, bevor sie ihre erste Theatergrupper gründete. Bis heute inszeniert und performt ihre Stücke meist selbst. Ihre Werkewurden in diverse Sprachen übersetzt und auf internationalen Bühnen aufgeführt. Sowohl für ihre Dramen wie auch ihre Prosa wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Alle Bücher von Ivana Sajko

Rio Bar

Rio Bar

 (3)
Erschienen am 01.03.2008
Liebesroman

Liebesroman

 (0)
Erschienen am 11.10.2017
Trilogie des Ungehorsams

Trilogie des Ungehorsams

 (0)
Erschienen am 19.03.2012
Archetyp: Medea. Bombenfrau. Europa

Archetyp: Medea. Bombenfrau. Europa

 (0)
Erschienen am 22.02.2008

Neue Rezensionen zu Ivana Sajko

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Rezension zu "Rio Bar" von Ivana Sajko

„[...] nach den Soldaten mit Gewehren werden Frauen voller Hass kommen [...]"
MilaWvor 9 Monaten

„Es ist nichts Besonderes geschehen. Die übliche Scheiße: Zuerst die Faust, dann der Ziegelstein, dann die Kugel und am Ende eine Bombe.“ S. 140

In Kroatien ist Krieg, eine Frau sitzt im Bunker. Sie trägt noch ihr Brautkleid, der Bräutigam ist verschollen, genau wie ein Großteil der Gäste. Doch sie wird überleben, egal was es kostet.
In Kroatien ist der Krieg vorbei, eine Frau sitzt in der Rio Bar in einem namenlosen Küstenort und betrinkt sich, denkt über ihr Leben nach. Nachts geht sie mit Männern mit, an deren Gesichter sie sich morgens nicht mehr erinnern kann und doch kann sie ihrer Vergangenheit nicht entfliehen.


Ivana Zajko ist eine umstrittene Autorin. Unschwer zu verstehen weswegen. Sie präsentiert eine strikt weibliche Sichtweise auf den Krieg. Ohne eine einzige Szene an der Front und ohne Schilderung der Kriegsereignisse schafft sie es, die Schrecken des Krieges klarzumachen. Dabei erzählt sie von unrühmlichen Dingen, die in einer Erzählung über Kriegshelden keinen Platz haben, dem Alltag des Überlebenskampfes, der Menschen zu MörderInnen, Huren, Mafiosis, AlkoholikerInnen, Arbeitsunfähigen, Traumatisierten… kurz menschlichen Wracks macht. Aber auch die Bürokratie im Umgang mit den Verschollenen des Krieges ist ein bestimmendes Thema.
Die Prägung der Autorin im Theatermilieu ist spürbar. Die einzelnen Szenen sind nur lose verbunden, es gibt unvermittelte Zeitsprünge und erst mit der Zeit ergibt sich ein Gesamtbild. Genres, Textsorten und Erzählweisen werden chaotisch gemischt, dazwischen immer wieder Monologe der Braut, die zwischen Wut und Verzweiflung schwanken.
Das Ganze ist schwer zu lesen, oft schwer verdaulich (ich habe über Wochen immer Abschnitte gelesen), aber insgesamt sehr nahrhaft, zumindest, wenn man sich Zeit zum Nachdenken lässt.
Zajkos Hauptperson spuckt einen ihren ganzen Hass und ihre ganze Verzweiflung entgegen. Das ist oft brutal und obszön, mit sehr klaren Worten. Es gibt viel Erbrochenes, (Menstruations)-blut, Fäkalien, Eier, ertränkt in Alkohol und gekrönt mit Schokosauce. Sofern man nicht allzu zart besaitet ist, entdeckt man aber klare Worte und viele starke Szenen.
Es gibt Anmerkungen, die die realen Ereignisse, auf denen der Text basiert, anhand von Lexikonartikeln und Zeitungsartikeln nüchtern dargestellt. Das macht eindrücklich klar, dass der Text einen realen Hintergrund hat und die Wunden noch lange nicht geheilt sind. Trotzdem wird der Text ohne Grundkenntnisse über den Jugoslawienkonflikt schwer zugänglich sein.
Eine sehr ungewöhnliche Herangehensweise an den Krieg, die blinde Flecken beleuchtet und weder Helden noch unschuldige Opfer präsentiert, sondern eine fast unerträgliche Studie des menschlichen Hasses auf alles was „anders“ ist.

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