Ivo Andric Das Fräulein

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 9 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 4 Rezensionen
(1)
(2)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das Fräulein“ von Ivo Andric

Nachwort v. Bitschkowski, Silvia 240 S. (Quelle:'Flexibler Einband/01.02.1998')

Dieses Buch wurde für meinen Geschmack ein wenig zu langsam erzählt, die Sprache und die Hintergründe sind aber gewohnt brillant.

— Samtpfote
Samtpfote

Es gehört zu meinen Lieblingsbüchern, da es wirklich absolut erstklassig geschrieben ist.

— Moni 3007
Moni 3007

Stöbern in Romane

Die Geschichte der getrennten Wege

Der Schreibstil ist erklassig, die Handlung aber erwartbar und die Entwicklung zunehmend unsympathisch.

MrsAmy

Töte mich

Ein herrlicher Spaß mit subtilen Anspielungen.

miss_mesmerized

Kraft

Auf der Longlist... Mir erschließt sich nicht wirklich weshalb...

Bibliomania

Das Glück meines Bruders

Vergangenheitsbewältigung auf verschiedene Arten

locke61

Sieh mich an

Ich weiß, dass dieses Buch viele begeisterte Leser hat, doch mich konnte es leider nicht überzeugen.

loverosie1111

Der Sandmaler

Atmosphärische Schildungen, aber leider ziemlich eindimensionale Charaktere

leolas

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Das Fräulein

    Das Fräulein
    Samtpfote

    Samtpfote

    22. April 2016 um 23:01

    Inhalt: Rajka Radaković ist erst fünfzehn Jahre alt, als sie ihren Vater verliert. Zuvor hatte sie zugesehen, wie er verarmt war und nach und nach an Ansehen verloren hatte. Dies würde ihr nie passieren, schwor sie sich und als ihr Vater ihr dann auf seinem Sterbebett das Versprechen abnimmt, immer sparsam, gewissenhaft und streng zu sich und anderen zu sein, nimmt sie seine Worte vielleicht ein bisschen zu ernst. Nach seinem Tod beginnt sie, den Haushalt und immer mehr Geldgeschäfte selber in die Hand zu nehmen. Immer strenger ist sie ihrer Mutter und ihren anderen Verwandten gegenüber. Sie spart eisern an allen Ecken und Enden. Am Tag ihrer Volljährigkeit lässt sie sich ihr Geld von der Versicherungsgesellschaft auszahlen und hat nun die Möglichkeit, mit kleinen und immer grösser werdenden Anlagegeschäften ein Vermögen zu verdienen. Dass sie dabei immer einsamer wird, ist ihr anfänglich nicht so wichtig. Doch nach und nach nagen Zweifel an ihrer strengen Haltung. Meine Meinung: Dass ich die Bücher von Ivo Andrić eines nach dem anderen verschlinge und dass ich nach der Lektüre dieser kritischen, mit Liebe zu Land und Leuten erzählten und sehr anspruchsvoll geschriebenen Erzählungen immer total begeistert bin, das sollte euch nicht entgangen sein. Mit dem Fräulein hingegen hatte ich ein wenig mehr und länger zu kämpfen. Dieses eigentlich nicht so umfangreiche Buch hat mich länger beschäftigt und nicht immer so gut unterhalten, wie ich gedacht hatte. Die Erlebnisse dieser durch den Tod ihres Vaters traumatisierten und dadurch an ein zu ernst genommenes Versprechen gebundene junge Frau sollen zum Nachdenken anregen und tun dies auch. Der Leser begleitet die Protagonistin durch die Zeit der Annexion Bosniens und der Herzegowina, den ersten Weltkrieg und die darauf folgenden Hochs und Tiefs der Wirtschaft und innerhalb der Bevölkerung und nimmt schneller als ihr Umfeld und sie selber wahr, dass aus ihrer Abschottung nur eine Vergrämung resultieren kann. Rajkas Umgang mit ihrer Mutter, den weiteren Angehörigen und den Hausangestellten sind herzlos und generell wirkt es so, als wären sämtliche ihrer Gefühle zusammen mit ihrem Vater gestorben. Nur selten nimmt man die Andeutung einer Regung, das leise Aufblitzen und sofortige Verglimmen eines Funken Mitleids oder ein wenig Verständnis für ihre Mitmenschen wahr. Meistens sind ihre Gefühle aber hinter der Maske einer unbarmherzigen alten Frau verborgen, die nur für sich und ihre Million arbeitet. Auch politische Umstürze im Land scheinen sie nur so viel zu kümmern, wie ihre Geschäfte direkt davon betroffen sind und so wundert es auch nicht, dass sie sich stets jener Gesinnung zumindest scheinbar zuwendet, die ihr den grössten Gewinn oder den geringsten Schaden versprechen. Der Schreibstil hat mir sehr zugesagt, wieder zeichnen eine gute Beobachtungsgabe und eine genaue Beschreibung die Erzählung aus. Nur wurde mir die ganze Geschichte irgendwann zu langatmig und auch ein wenig vorhersehbar. Immer zäher wurden die Abschnitte, immer länger die Kapitel und ich war dann schliesslich doch froh, als ich das Buch gelesen hatte. Ih muss allerdings anmerken, dass mir der zweite Teil des Buches, der in Belgrad spielt, deutlich besser gefallen hat, als der erste Teil. Aber auch dort stellte sich irgendwann wieder der "alte Trott" ein. Vielleicht ist es vom Autor beabsichtigt, auf der Grundproblematik des Geizes zu beharren. Dann ist ihm das gut gelungen. Ansonsten darf man aber wahrscheinlich schon davon sprechen, dass diese Erzählung ein wenig zu gestreckt daher kommt. Fazit: Auch dieses Buch von Ivo Andrić sit ein erzählerisches Meisterstück, nur stockt die Handlung manchmal ein wenig zu sehr und die Spannung geht verloren. Zusätzliche Infos: Autor: Ivo Andrić Taschenbuche: 284 Seiten Sprache: Deutsch Originalsprache: Serbokroatisch Übersetzt von: Edmund Schneeweis ISBN 3-518-39989-6

    Mehr
  • Rezension zu "Das Fräulein" von Ivo Andric

    Das Fräulein
    Moni 3007

    Moni 3007

    23. June 2010 um 16:24

    Vor dem Hintergrund des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Sarajevo und Belgrad zeichnet er in diesem eindrucksvollen Roman das Bild einer von Geiz und Besitzgier besessenen Frau, des "Fräuleins"", wie sie allgemein genannt wird. Auf dem Sterbebett hatte ihr Vater das Gesetz des kalten Egoismus eingeschärft; ihr Streben ist fortan nur auf Geld und Besitz gerichtet. Wie Geiz und Habsucht alle anderen menschlichen Regungen in ihr verdrängen, wie sie aber schließlich auf grausame, groteske Weise von einem Hochstabler getäuscht und betrogen wird, und wie danach ihr Leben in völliger Versteinerung zu Ende geht - das hat er in dieser großartigen Charakterstudie eindringlich gestaltet. Ich habe das Buch zufällig in unserem Urlaub in einem Secoundhandbuchladen gefunden und natürlich gekauft. Gott sei Dank. Er ist auch Literaturnobelpreisträger. Ich habe mir auch schon die Nobelpreisträgerliste für Literatur mehrfach angeschaut. Allerdings ist er mir dort leider nicht großartig aufgefallen. Ich war von dem Buch ganz und gar überwältigt. Es gehört für mich ganz und klar zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Sein Schreibstil ist einmalig und ich werde mir ganz bestimmt auch noch andere Bücher von ihm kaufen. Ganz eindeutig gehört es zu meinen Lieblingbüchern und ich kann es nur 100% -ig empfehlen. Bitte lesen. Es ist ein Meisterwerk!

    Mehr
  • Rezension zu "Das Fräulein" von Ivo Andric

    Das Fräulein
    emeraldeye

    emeraldeye

    "Du mußt gegen Dich und andere unbarmherzig sein. Spare immer und überall und mit allem, und kümmere Dich um nichts und niemand." Das schärft Rajkas Vater, einst einer der angesehensten serbischen Geschäftsleute Sarajewos und infolge seiner Gutmütigkeit bankrott gegangen, seiner Tocher auf dem Sterbebett ein. Streng hält sich die Fünfzehnjährige an seinen Rat, unterjocht die sanfte Mutter; und bald wird ihr ganzes Leben nur noch vom Traum von der "Million" bestimmt. Wie die Geschäfte des "Fräuleins" gedeihen, wie sie erfolgreich alle menschlichen Regungen verdrängt und schließlich bei der Begegnung mit dem jungen Ratko doch ihre Prinzipien über Bord zu werfen bereit ist, das erzählt dieser großartige, immer tiefere Schichten aufdeckende Roman vom Leben einer Frau in den Metropolen Sarajewo und Belgrad während der österreichischen Herrschaft, der Wirren des 1. Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Nur durch Zufall ist mir dieser Roman in die Hände geraten. Ich wußte nicht, dass Ivo Andric, ein bosnischer Schriftsteller, den Nobelpreis für Literatur bekommen hat und deshalb war ich neugierig. Ich bin nicht enttäuscht worden. Die Sprache des Romans mag altmodisch und ein wenig umständlich sein, das "Fräulein" ist sicher als Charakter auch nicht gerade eine Identifikationsfigur für uns moderne, "emanzipierte" Frauen des 21.Jahrhunderts. Wenn es dem Leser/der Leserin aber gelingt, sich von der eigenen Gegenwart zu lösen und die Geschichte als das zu lesen, was sie ist, nämlich die Beschreibung eines Frauenlebens zu Beginnn des 20.Jahrhunderts, dann hat sie in ihrer Kernaussage auch heute noch Gültigkeit. Frauen haben es immer noch schwer, trotz aller Emanzipationsbestrebungen, sich in einer immer noch in weiten Teilen männlich dominierten Welt zu behaupten. Daran ändern auch die Pille und die Möglichkeit, sein Leben selbstständig zu leben, nichts. So gesehen ist das "Fräulein" sehr modern, weil sie ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, auch wenn sie ohne den Rat und die Hilfe von Männern nicht auskommen kann. Was dieses bis ins kleinste Detail ausgefeilte Porträt einer zwanghaften Persönlichkeit so spannend macht, ist, dass sie die vielen Möglichkeiten, die sie hat, ein anderes, vielleicht erfüllteres Leben zu leben, so rigoros und so endgültig verwirft. Und dass es letztendlich doch die Männer und ihre Erinnerungen an sie sind, die sie ihre unendlich mühsam erkämpfte Unabhängigkeit zerstören lassen. So wird diese Frau am Ende doch ein wenig sympathisch und menschlich. Es ist ihr unmöglich, die Weichheit in ihr endgültig zu töten und sie muß sie, auf eine sehr eigene, beschränkte Weise, ausleben, obwohl ihr klar ist, dass dies ihr Ruin und ihr Tod sein wird.

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Das Fräulein" von Ivo Andric

    Das Fräulein
    Hallogen

    Hallogen

    30. December 2009 um 13:47

    Von den drei im Zweiten Weltkrieg entstandenen Romanen Andrić' gilt dieser als der schwächste, und das sagt viel über das Niveau der anderen beiden Werke aus, denn was Andrić hier entwirft, ist ein faszinierendes Bild eines Sonderlings. Dieser weibliche Geizhals erscheint mir psychologisch völlig überzeugend (v. a. in dem Bestreben Ereignisse vorherzusehen und daraus Profit zu schlagen), wenngleich diese totale Fixierung auf die Million sicher nicht jeder nachvollziehen kann. Ähnliche Geschichten gab es zwar schon zuvor - man denke etwa an Balzacs 'Eugénie Grandet' - doch ist es der besondere Stil des Autors, der dieses Buch vor einer bloßen Kopie der Vorgänger schützt. Allein die architektonische Symbolik ist schon so umfangreich, dass es zweifellos ein eigenständiges Werk ist.

    Mehr