Elbmöwen

von Ivonne Hübner 
4,4 Sterne bei8 Bewertungen
Elbmöwen
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verirrtes_irrlichts avatar

Meisterhafte & sprachgewaltige Umsetzung einer Dreiecksgeschichte im historischen Kontext.

Philienes avatar

Großartige Dreiecksgeschich im Biedermeier mit tollen Figuren.

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Inhaltsangabe zu "Elbmöwen"

Dresden, 1840. Der Damastwebergeselle Balthasar gelangt in die turbulente Residenzstadt Dresden, um an der Kunstakademie die Mustermalerlizenz zu erwerben. Ihn spült es anstatt ins Studentenquartier in ein Freudenhaus, wo er sich sein Zimmer verdient. Dem ­Eigenbrötler werden von Professoren und Mitstudierenden Steine in den Weg gelegt. Doch ein ominöser Unbekannter hilft ihm durch drei Jahre strengen Reglements. Während Balthasar sich in den Luftikus Nikolaus und danach in dessen Schwester Antonia verliebt, ahnt er nicht, dass er deren biedermeierliche Ordnung völlig durcheinanderbringt. Ausgerechnet im Puff, unter majestätischem Zwielicht, werden die größten Ideen geboren …
Eine grandios verquickte Dreiecksgeschichte über die Beengtheit des Biedermeiers und der Sehnsucht, ihr zu entkommen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783963110559
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Buch
Umfang:400 Seiten
Verlag:Mitteldeutscher Verlag
Erscheinungsdatum:01.06.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    loewes avatar
    loewevor 16 Tagen
    Wunderschön

    Juhu, endlich habe ich mal wieder was historisches gelesen 

    Ist nicht mein erstes Buch von Ivonne Hübner, daher hoffte ich bereits im Vorfeld auf wunderbare Lesestunden. Was soll ich Euch sagen? Ich wurde nicht enttäuscht!!!

    Der Schreibstil ist sehr angenehm und die Sprache leicht „alt“ aber doch leichtgängig und gut zu lesen, wenn man die ersten Seiten geschafft hat.

    Was mir bei der Autorin immer wieder aufs Neue gut gefällt ist das sensible und liebevolle beschreiben ihrer Figuren. Sie geht so gut auf ihre Protagonisten ein, dass es eine wahre Freude ist sie im Laufe des Buches immer besser kennen zu lernen  Aber nicht nur die Protagonisten sind toll beschrieben, auch Dresden war mir ganz Nahe.  Ich durfte bereits einige Stunden in dieser wunderschönen Stadt verbringen.

    Die Geschichte spielt 1840 und ich habe das Gefühl, dass sich die Autorin wirklich gut mit der damaligen Zeit beschäftigt hat. Wir dürfen den Damastwebergesellen Balthasar begleiten. Er benötigt eine Mustermalerlizenz und möchte diese in drei Jahren auf der Kunstakademie erreichen. Leider geht gleich am Anfang einiges schief und er muss sich seinen Platz mühsam erkämpfen. Es ist sehr interessant mit zu erleben wie Balthasar sich seinen Weg erkämpft.

    Sehr gut wurde auch das Leben von Antonia beschrieben, als Tochter des Dekans ist sie eine gebildete junge Frau, aber leider ist ihr Lebensweg zu der damaligen Zeit eher eine Verheiratung in jungen Jahren. Ihrem  Bruder Nikolaus ist es vergönnt die Akademie zu besuchen, aber sein Interesse daran lässt eher zu wünschen übrig. Sein Vater hofft das Balthasar seinen Sohn mitreissen kann, aber ob dies so gelingen kann?

    Und genau in der Verbindung der beiden Männer hat Ivonne Hübner hier etwas ganz besonderes inszeniert. Sensibel und doch sehr stimmig lässt sie die Luft zwischen den beiden anfänglich mächtig vibrieren. Es hat mir unglaublich gut gefallen wie sie eine Geschichte in der Geschichte aufbaut.

    Ich möchte diesen Roman wirklich empfehlen. Ich selber mochte das Buch kaum aus der Hand legen.

    Ich würde mir wünschen, dass  die Autorin noch viele weitere Ideen für Bücher verwirklichen dürfte!

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    verirrtes_irrlichts avatar
    verirrtes_irrlichtvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Meisterhafte & sprachgewaltige Umsetzung einer Dreiecksgeschichte im historischen Kontext.
    Dieses Buch sollte man keineswegs verpassen!

    Elbmöwen entführt uns in das Dresden des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt 1840. Wir begleiten Balthasar, einen Damastweber aus der Lausitz, bei seinen drei Jahren an der Akademie, um seine Mustermalerlizenz zu erhalten. Dabei entfaltet sich eine Dreiecksgeschichte, die in diesem historischen Setting ihresgleichen sucht. 


    Balthasar, der eigensinnige und für seine Zeit sehr fortschrittlich denkende, junge Weber, wird bereits zu Beginn der Geschichte als starker Charakter eingeführt, der sich so leicht nichts sagen lässt und es doch immer schafft, sich unangenehmen Situationen zu entziehen – wenn auch nicht immer ohne Bestrafung. Seine Loyalität stellt er vor allem zunächst seinem Freund und Mitstudent Nikolaus unter Beweis, den er aus allerlei argen Bedrängnissen befreit, indem er die Schuld auf sich nimmt. Im Verlauf der Geschichte werden die Figuren für den Leser immer greifbarer und lebensechter, weil sie uns auch ihre Fehler und Schwächen miterleben lassen. Ein breites Spektrum unterschiedlichster Emotionen wird von der Autorin so wirkungsvoll transportiert, dass man sich fühlt, als säße man hinter Balthasar im Studium antiker Malerei. Nach und nach bekommt man das Gefühl, die Charaktere persönlich zu kennen. Eine unglaubliche Entwicklung macht dabei Antonia, Nikolaus‘ Schwester, durch, die über die Erzählzeit von einem anfänglich recht blassen Charakter zu einer starken, wenngleich auch sanftmütigen und in einigen Punkten naiven Frau heranreift.  Gekonnt vermittelt die Autorin dabei Einblicke in das damalige Leben und die doch sehr restriktive Rolle der Frau, welcher Antonia zu trotzen versucht. Obgleich die drei Protagonisten sehr authentisch und detaillgetreu ausgearbeitet sind, sind auch Nebencharaktere und Handlungsschauplätze authentisch, sodass man sich im Sog der Geschichte verliert.

    Wer den Schreibstil der Autorin kennt, wird auch von diesem Werk nicht enttäuscht. Fesselnd, bildgewaltig und intensiv werden Charaktere und Handlungen beschreiben, dabei keineswegs ausufernd und stets in einem gekonnten Fluss, sodass man die Elbmöwen gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Kapitel werden dabei aus unterschiedlichen Sichten erzählt, was er ermöglicht, sich in alle Charaktere einzufühlen und ihre Handlungsmotive sowie Beweggründe zu verstehen. Die umfangreiche Recherche der historischen Gegebenheiten bleibt während der gesamten Lektüre spürbar, ohne störend zu wirken, sondern lässt den Leser vielmehr über die damaligen Gegeben- und Gepflogenheiten staunen.

    Hinzu kommt die gelungene Umsetzung der Beziehung zwischen Balthasar und Nikolaus. Wer meint, homosexuelle Bücher nicht lesen zu wollen und deswegen auch dieses hier verzichten will, dem entgeht eine Literaturperle. Die Beschreibung Balthasars innerer Zerrissenheit verdeutlicht, dass er sich nicht sicher ist, wie er mit der Sache umgehen soll. Obgleich Nikolaus sich seiner Gefühle sicher ist, lässt Balthasar den Leser im Unklaren und formuliert allerdings gleichzeitig, dass dies keinesfalls nur mit Nikolaus‘ Geschlecht zu begründen sei, hegt er doch die gleichen Zweifel gegenüber Friederike. Das vermeidet gekonnt eine Herabsetzung von homosexuellen Gefühlen und lässt die Emotionen, die auch bei Balthasar anklingen, zu etwas ganz Normalem werden – genauso, wie wir sie heutzutage sehen sollten.

    Fazit: Eingebettet im historischen Kontext finden sich Themen, die uns auch heute noch bewegen und die die Autorin in einer fesselnden und bildgewaltigen Weise zu schildern weiß. Ein unbeschreiblicher Lesegenuss, den man keinesfalls missen sollte!

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    P
    Pixibuchvor 3 Monaten
    Elbmöwen

    Wer historische Romane liebt, der wird an diesem Buch sicherlich Gefallen finden. Man schreibt das Jahr 1840. Der Weber Balthasar kommt aus der Lausitz nach Dresden, um dort an der Akademie seine Mustermalerlizenz nach dreijährigem Studium zu erhalten. Jedoch sein Aufenthalt in Dresden beginnt mit einem Fiasko. Ihm werden seine sämtlichen Papiere gestohlen, so dass er nicht im Studentenwohnheim unterkommen kann, sondern in einem Freudenhaus ein Zimmer bekommt. Nachdem er sich letztendlich mit großen Schwierigkeiten immatrikuliert hat, verliebt er sich in Antonia, die Tochter des Dekans. Aber auch Nikolaus, Sohn des Dekans, der lieber trinkt und spielt, als sich seinen Studien zu widmen, möchte mit Balthasar ein homosexuelles Verhältnis eingehen. Die Liebe zu Antonia muß im Verborgenen blühen, da sie mit dem Grafen von Stukken liiert ist und auch bald die Verlobung stattfinden soll. Aber auch Antonia findet sich zu dem Weber hingezogen. Da er im Französischen recht schwach ist, verhilft sie ihm inkognito zu guten Noten. Das Buch läßt den Leser in die Zeit dies Biedermeiers versinken, mit seinen strengen und altbackenen Regeln. Hier haben die Frauen nichts zu sagen, sondern sind dem Vater und später dem Ehemann unterstellt, besonders auch in finanzieller Hinsicht. Die Autorin beschreibt diese Zeit gekonnt und voller Farbe. Man sieht die Pracht der reichen Leute und dann wiederum die Armut, den Schmutz, das Ungeziefer, den Gestank in den Außenbezirken. 400 Seiten, die den Leser fesseln und neues erfahren lassen. Auch das Titelbild ist sehr gut gewählt. Es zeigt Dresden zur damaligen Zeit bei Sonnenuntergang.

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    Lisa89vor 3 Monaten
    schöne Idee, Dresden...

    Dresden, 1840. Der Damastwebergeselle Balthasar gelangt in die turbulente Residenzstadt Dresden, um an der Kunstakademie die Mustermalerlizenz zu erwerben. Ihn spült es anstatt ins Studentenquartier in ein Freudenhaus, wo er sich sein Zimmer verdient. Dem ­Eigenbrötler werden von Professoren und Mitstudierenden Steine in den Weg gelegt. Doch ein ominöser Unbekannter hilft ihm durch drei Jahre strengen Reglements. Während Balthasar sich in den Luftikus Nikolaus und danach in dessen Schwester Antonia verliebt, ahnt er nicht, dass er deren biedermeierliche Ordnung völlig durcheinanderbringt. Ausgerechnet im Puff, unter majestätischem Zwielicht, werden die größten Ideen geboren …

    Eine grandios verquickte Dreiecksgeschichte über die Beengtheit des Biedermeiers und der Sehnsucht, ihr zu entkommen.

    Der Klappentext machte mich neugierig, das Cover auch irgendwo aber ich muss im nachhineinsagen bei längerer Betrachtung das ich es irgendwie unpassend finde und es mich nicht direkt anspricht...
    Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, aber etwas oberflächlich, er schafft es mich nicht zu fesseln sonder eher dazu das ich die Seiten überfliege.
    Ich habe mir auch mehr erhofft über Dresden zu erfahren. Die Charaktäre hatte man erwas mehr ausarbeiten können.



    Ich danke der Mitteldeutscher Verlag GmbH für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars

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    Philienes avatar
    Philienevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Großartige Dreiecksgeschich im Biedermeier mit tollen Figuren.
    Die Suche nach dem Platz im Leben.

    In Elbmöwen geht es um den Damastweber Balthasar ,der nach Dresden kommt um die Mustermalerlizens zu bekommen. Leider ist sein Start sehr holprig, da er beklaut wird. So kommt es das er statt im Studentenwohnheim zu wohnen im Puff landet.


    Von hier aus begibt er sich in das Abenteuer seiner drei Studienjahre. Es beginnt eine verzwickte Geschichte zwischen ihm und den Geschwistern Antonia und Nik.

    Das Buch ist großartig. Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr. Sie versteht es einem immer bildlich die Ereignisse zu schildern und der Leser ist auf jeder Seite mitten in der Geschichte. Die Figuren sind toll ausgearbeitet sie haben alle ihre Ecken und Kanten . Ich mag es wie die verschieden sozialen Schichten aufeinanderprallen. Auch die sehr von Männern dominierten Geschlechterrollen haben ihren Platz.
    Gut gefallen hat mir auch das es immer wieder Stellen zum schmunzeln gab.

    Mein Fazit: Ein toller Roman den man kaum aud der Hand legen kann.

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    Mamaofhannah07s avatar
    Mamaofhannah07vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Meisterhafte Geschichte, komplexe Gefühle aufbauend auf brillanter historischer Recherche!
    Zart und rebellisch, lechzend nach Liebe und Freiheit

    Elbmöwen, ein historischer Roman aus dem wild pochendem Herzen Dresdens 1840 aus der Feder von Ivonne Hübner, erschienen im Mitteldeutschen Verlag.

    Viel mehr ist es, als eine Dreiecksgeschichte, eingebettet in die zeitgemäße Kulisse der Studierenden, der Malerei sowie der Weberkust. Denn Balthasar Weber benötigt die ihm erwerbbringende Mustermalerlizens, damit er sein erlerntes Handwerk weiter ausüben darf. Auflagen und hiesige Umstände sind es, die ihn aus dem Lausitzer Oberland an die Kunstakademie nach Dresden führen. Als Praktiker und Freidenker, Vorausschauender seiner Zeit, erschweren ihm diese Eigenheiten den dortigen Aufenthalt. Einen Freund findet Balthasar in dem Luftikus und Mitstudierenden Nikolaus. Und ausgerechnet dessen Schwester Antonia erweckt tiefe Gefühle in Balthasars Herzen. Zwischen dem engen Gürtel des Biedermeiers und der frivolen Freizügigkeit seines Studentenquartiers entfaltet sich eine vergnügliche und tiefsinnige Dreiecksgeschichte, die angenehm zart und authentisch daher kommt.

    Der anfänglich nicht gerade leichtfüßige, geduldaufbringende Schreibstil der Autorin verflüssigt sich zu einer emotional fesselden Wortgewalt, die ihres Gleichen sucht. Die eindrucksvollen, Ivone Hübner eigenen Sätze entfachen ein Feuerwerk an intensiven Farben und Stimmungen. Beschreibend und kraftvoll entstehen im Kopf des Lesers die angefertigten Bilder und Skizzen der Kunststudenten sowie von Balthaser und von Antonia selbst. Die einzigartig recherchierten Bilder Dresdens um 1840 ziehen vorüber und hauchen den alltäglichen Beschäftigungen Leben ein. Mit viel Fingerspitzengefühl schreibt Ivone Hübner eine Liebesgeschichte und ausgeklügelte Auseinandersetzung mit Gefühlen, die zugleich das eineschränkte Bild der Frau klar zeichnet und der Vorreiter für grandiose Ideen ist. Antonias Charakter stark, mutig und leichtsinnig zugleich, besinnt sich auf ihren Freiheitswillen und erarbeitet sich Respekt. Nikolaus, hochmütig und eigennützig, versunken in seiner übermächtigen Männerwelt, stellt sich selbst ein Bein. Und Balthasar, bodenständig und herzensgut, kämpft sich mit seinem Idealismus durch drei harte Jahre Standesdünkel und Blasiertheit. Die Hauptprotagonisten und Nebenfiguren, alle so gegensätzlich, glaubhaft, lebendig, sympathisch, interessant, bemitleidenswert, lachhaft, grotesk, narzisstisch und einfach fantastisch ausgearbeitet, dass es Spaß macht, den Weg mit ihnen zu gehen. Keine Frage bleibt offen, wenn alle gespannten Fäden am Ende zu einem großen Ganzen zusammen laufen.

    Fazit: Die 394 Seiten mit den bezeichnenden passenden Überschriften zu den Kapiteln vermitteln eine Menge Wahrheit und brisante geschichtliche Details. So sehr ich auch versuche, diese Lektüre in Worte zu fassen, es gelingt mir nicht ansatzweise. Vollständig in ihren Bann gezogen, habe ich diesen intelligenten Hochgenuss förmlich inhaliert. Eine Entdeckung für mich, die mich ins Herz getroffen hat. Ein richtig gutes Buch, welches ich gern weiterempfehle.



    Kommentare: 2
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    mitteninsherzs avatar
    mitteninsherzvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein besonderer Roman: tiefe Einblicke in die menschlichen Abgründe, die die biedermeierliche Scheinwelt ins Schwanken bringen. Bravo!
    Vom Suchen und Finden

    Ich liebe Balthasars Geschichte! Anders kann ich es gar nicht beschreiben. Er kommt um 1840 als Landei in die königliche Residenzstadt, ahnungslos und grün hinter den Ohren, und lässt uns Leser die urbane Welt, in die er hineinpurzelt beinahe aus Kinderaugen sehen. Es macht Spaß, mit ihm Dresden zu erkunden, mit ihm das Studium anzufangen (dieser Stress! Leistungsdruck) Und es ist einfach witzig, Balthasars Sturkopf mit zu erleben, wenn er eben kein Musterstudent an der Kunstakademie wird, sondern nach der Manier seines "Lernpaten" Nikolaus gern mal fünfe grade sein lässt.

    Als Hübners Landmännin hege ich eine Affinität zu ihrem Sprachgebrauch, zu ihrer Schreibweise, höre sie geradezu mir ihre Geschichten vorlesen, höre sogar unsere Mundart und bin umso überraschter, dass ihre Schreibe auch in einem eher großstädtischen Metier funktioniert. Über Hübners Eigenart, grandios aus mehreren Erzählperspektiven zu berichten, muss hier, beim siebenten Roman, nicht mehr viel gesagt werden: sie beherrscht es einfach, den Leser mitzunehmen, ihn in die Köpfe der Protagonisten schauen zu lassen, die Gefühlsebenen der jeweiligen Erzählerin mitzunehmen,

    Wie sie die Begebenheiten schildert ist erfrischend. Sie bricht mit der Konvention, indem sie im Präsens erzählt. Das gefällt mir besonders gut, macht das Geschehen schneller und unmittelbar erlebbar.  Geradezu meisterlich beschreibt die Autorin, wie sich zwischen Antonia, ihrem Bruder Nikolaus und Balthasar eine Dreieksgeschichte wider Willen entspinnt. Sie ergründet und hinterfragt wahre und oberflächliche Liebe. Die Beziehungen zwischen den Personen ist vielschichtig. Hinter jeder Seite lauern neue charakterliche Facetten, was das Ganze so spannend macht.

    Spoiler!
    Dass die beiden Protagonisten dann obendrein noch Verhütungsmittelchen im Dresdner Rotlichmilleu etablieren, ist einfach urkomisch, allerdings aus grausiger Notwendigkeit geboren.

    Das Nachwort finde ich sehr interessant, denn hier werden - wie wir es von Hübner Romanen kennen - fundiertes Wissen und der Antrieb für den Roman klar.

    Einen halben Stern würde ich für das cover abziehen wollen, es passt nicht zum Inhalt. Die Farben sind so düster und das angeschnittene Konterfei der Frau (Antonia?) entspricht nicht dem, was ich mir unter einem Titelbild des Jahres 2018 vorstelle. Auch der Schriftsatz ist anstrengend, die Seiten sind vollgepackt bis an den Äußersten Rand.  Doch das ist nicht das Verschulden der Autoren, die dabei wahrscheinlich kein Mitspracherecht haben.

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    NicolePs avatar
    NicolePvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein gutes Buch für angenehme, ruhige Lesestunden.
    Elbmöwen

    Damastwebergeselle Balthasar begibt sich 1840 nach Dresden. An der dortigen Kunstakademie muss er die für seinen Beruf wichtige Mustermalerlizenz erwerben. Der Zufall sorgt dafür, dass Balthasar in einem Freudenhaus statt einer Studentenunterkunft wohnen wird. Neben seinem Studium wird er im Laufe der Zeit eine Art „Mädchen für alles“ im Freudenhaus. Auf der Kunstakademie lernt er Nikolaus und seine Schwester kennen. Es entwickelt sich eine interessante Dreier-Beziehung.

    Die gesellschaftlichen Regeln der damaligen Zeit hat Autorin Ivonne Hübner gut wiedergegeben. Regeln und Zwänge der Gesellschaft bestimmen den Alltag der Menschen. Die drei jungen Leute versuchen auf ihre Art, sich etwas davon zu befreien. Die Figuren und ihre Gefühlswelt samt ihren Irrungen und Wirrungen kommen beim Leser an.

    Trotzdem konnte die Geschichte mich nicht ganz mitnehmen. Dabei ist das Buch gut geschrieben. Die Wortwahl der Autorin passt genau in die damalige Zeit, wobei man dadurch auch auf heute unbekannte oder seltene Wörter trifft. Ich vermisste jedoch eine Spannung der Geschichte, welche mich „am Buch halten“ würde. Die Geschichte verläuft eher ruhig, und so ist es eher der Einblick in eine längst vergangene Epoche, der mich antrieb, das Buch weiterzulesen.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass es ein gutes Buch für angenehme, ruhige Lesestunden ist. Es regt auch zum Nachdenken über die damalige Zeit nach, und Vergleiche zu Heute bleiben nicht aus.

    Ich danke der Mitteldeutscher Verlag GmbH für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Huebners avatar
    Ein siebentes herzliches Willkommen zur Leserunde!

    Meine Lieben,

    ich freue mich, in Kürze meinen 7. Roman "Elbmöwen", der zweite aus dem Mitteldeutschen Verlag, präsentieren zu dürfen. Und danke für die Freistellung von 10 Exemplaren.

    Wie immer starte ich in die Lesereise mit der Leserunde und lade alle herzlich ein, die sich mit einem runden Schmöker den Sommer verschönern wollen.
    Wieder einmal geht die Reise ins 19.Jahrhundert. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich gern auf heimischem Territorium bewege.
    Autoren oder Titel-Cover

    Aus der Zeit der biedermeierlichen Allesliebe

    Dresden, 1840. Der Damastwebergeselle Balthasar gelangt in die turbulente Residenzstadt Dresden, um an der Kunstakademie die Mustermalerlizenz zu erwerben. Ihn spült es anstatt ins Studentenquartier in ein Freudenhaus, wo er sich sein Zimmer verdient. Dem ­Eigenbrötler werden von Professoren und Mitstudierenden Steine in den Weg gelegt. Doch ein ominöser Unbekannter hilft ihm durch drei Jahre strengen Reglements. Während Balthasar sich in den Luftikus Nikolaus und danach in dessen Schwester Antonia verliebt, ahnt er nicht, dass er deren biedermeierliche Ordnung völlig durcheinanderbringt. Ausgerechnet im Puff, unter majestätischem Zwielicht, werden die größten Ideen geboren …
    Eine grandios verquickte Dreiecksgeschichte über die Beengtheit des Biedermeiers und der Sehnsucht, ihr zu entkommen ...

    Und nun zur Leserunde
    Wer bereits "Die Tuchhändlerin", 2013 Dryas, kennt, wird einige Figuren wieder entdecken. Keine Bange. Es handelt sich nicht um eine Fortsetzung, sondern um eine weitere Lebensader einer der Figuren der Damastweber aus dem Zittauer Gebirge, sog. Oberland. (Oberlausitz).

    Wenn du dich auf Balthasars, Nikolaus' und Antonias Pfade begeben möchtest, beantworte zwei ganz klitzekleine Fragen:

    1. Was bedeutet für dich "Biedermeier"?
    (Wir ersparen uns aus Wikipedia oder sonstwoher kopierte Definitionen und Strömungsbegriffsanalysen, mir geht es um dein eigenes Verständnis von dieser Zeit.)

    2. Liest du lieber e-book oder print und warem? Und welches Format soll dir zugeschickt wereden, wenn du gewinnst?

    Ich bin gespannt, freue mich und verfolge die Sache persönlich.

    Herzlich

    Ivonne Hübner

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