Iwan A. Gontscharow

 4,3 Sterne bei 103 Bewertungen
Autor von Oblomow, Die Fregatte Pallas und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Iwan A. Gontscharow

Iwan Alexandrowitsch Gontscharow (1812-1891) zählt zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum seines Werks stehen die Romane "Eine einfache Geschichte" (1847), "Oblomow" (1859) und "Die Schlucht" (1869). Sie schildern die russische Gesellschaft im Widerstreit von altem Adel und aufstrebendem Unternehmertum. Gontscharow studierte in Moskau und arbeitete dreißig Jahre lang in Sankt Petersburg als einflussreicher Beamter. 1852-1855 bereiste er als Sekretär des Admirals Putjatin England, Afrika und Japan.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Iwan A. Gontscharow

Cover des Buches Oblomow (ISBN: 9783446238749)

Oblomow

 (84)
Erschienen am 27.02.2012
Cover des Buches Eine gewöhnliche Geschichte (ISBN: 9783446269255)

Eine gewöhnliche Geschichte

 (2)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Herrlichste, beste, erste aller Frauen (ISBN: 9783351035396)

Herrlichste, beste, erste aller Frauen

 (2)
Erschienen am 19.08.2013
Cover des Buches Eine alltägliche Geschichte (ISBN: 9783538066243)

Eine alltägliche Geschichte

 (3)
Erschienen am 01.01.1989
Cover des Buches Oblomow (ISBN: B08PF228RD)

Oblomow

 (1)
Erschienen am 30.11.2020
Cover des Buches Oblomows Traum (ISBN: 9783150022443)

Oblomows Traum

 (0)
Erschienen am 01.01.1986
Cover des Buches In der Heimat (ISBN: B0028F47EU)

In der Heimat

 (0)
Erschienen am 01.01.1961

Neue Rezensionen zu Iwan A. Gontscharow

Cover des Buches Eine gewöhnliche Geschichte (ISBN: 9783446269255)Vabaloups avatar

Rezension zu "Eine gewöhnliche Geschichte" von Iwan A. Gontscharow

Faszination des Gewöhnlichen
Vabaloupvor 5 Monaten

„Eine gewöhnliche Geschichte“ ist der erste der drei Romane von Iwan Gontscharows, die jeweils im Abstand von 10 Jahren veröffentlicht wurden und von denen „Oblomow“ der wohl bekannteste ist. Nach Jahrzehnten wurde der Roman von Vera Bischitzky neu übersetzt und erschien im März 2021 bei Hanser.

Erzählt wird darin die Geschichte des jungen Alexander Adujew, der mit Anfang 20 aus der Provinz nach St. Petersburg kommt und voller Tatendrang seinen jugendlichen Träumereien nachjagt. Mit seinen romantischen Vorstellungen von ewiger Liebe und wahrer Freundschaft fällt es ihm von Anfang an schwer, sich in der Großstadt zurecht zu finden. Verkörpert wird die Unnahbarkeit der Stadt durch seinen Onkel, der die Rationalität und Nüchternheit zu seinen Maximen erhoben hat. Während sich Alexaner dem "echten" Leben unterzieht, sich verliebt, betrogen wird und betrügt, schlägt seine anfängliche Euphorie zunehmend in Enttäuschung um. Schließlich mündet sie in einen Pragmatismus, gegen den - trotz allen Aufbäumens - nicht anzukommen ist.

Iwan Gontscharow muss ein außergewöhnlich guter Beobachter gewesen sein, so anschaulich und lebendig wirken die beschriebenen Szenen. Die Dialoge sprühen vor Witz, feiner Ironie und Anspielungen, die genau den richtigen Ton treffen und das Lesen zu einem echten Vergnügen machen.

Insgesamt hat der Roman wenig Fundamentales, was man sonst häufig bei russischen Schriftstellern findet. Vielmehr geht es um gewöhnliche Probleme gewöhnlicher Menschen mit ihren gewöhnlichen Ängsten und Schwächen. Die Verzweiflung bleibt bei Gontscharow eine persönliche.

Zugleich eröffnet der Roman einen lohnenden Blick auf die russische Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts, auf den Gegensatz zwischen dem alten, beschaulichen Russland und der umtriebigen Großstadt. Nebenbei wird das Verständnis von Arbeit und Pflichterfüllung, Familie, überkommenen sozialen Gefügen und modernen Lebensformen, Unabhängigkeit, Individualismus, Vereinzelung betrachtet und auseinander genommen.

Die Schlussfolgerungen bleiben jedoch dem Leser überlassen und so spürt man die Zerrissenheit des Helden, der seinen Platz in der Welt immer verzweifelter sucht, hautnah. Gerade in der ersten Hälfte hat mich fasziniert, wie es gelingt, eine Nähe zu seinen Protagonisten aufzubauen, für die auch Jahrhunderte kein Hindernis darstellen.

Ich bin froh, dass ich hier auf die Neuübersetzung aufmerksam wurde. Eine gewöhnliche Geschichte, ungewöhnlich gut geschrieben und übersetzt.

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Cover des Buches Oblomow (ISBN: 9783446238749)Gallowglass avatar

Rezension zu "Oblomow" von Iwan A. Gontscharow

Erstaunlich!
Gallowglasvor 2 Jahren

Erstaunlich , wenn man bedenkt, dass Oblomow vor zirka 150 Jahren veröffentlicht wurde. Das Thema, die Oblomowerei, zieht heutzutage auch ihre Kreise.

Der Autor Gontscharow ist eine interessante Person. Vielleicht erfährt in seinen anderen Büchern noch ein bisschen mehr über ihm. Er ist ja ein sehr erfolgreich in seinem Job und hat dadurch nie recht Zeit gehabt Oblomow fertigzuschreiben.

Die ersten 150 Seiten des Buches waren langatmig und ohne viel Handlung. Aber wahrscheinlich macht es genau das aus. Dass man wirklich merkt, wie es Oblomow im Leben geht. Teilweise wiederholen sich die Gedanken und Beschreibungen auch. Vielleicht erstrahlt der Rest des Buches dadurch sogar noch mehr wie er ohnehin schon tut.

Die Übersetzung von Vera Bischinsky ist mega gut gelungen.
Lesenswert.

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Cover des Buches Oblomow (ISBN: 9783898132671)sabatayn76s avatar

Rezension zu "Oblomow" von Iwan A. Gontscharow

‚Das, das ist eine Oblomowerei.‘
sabatayn76vor 4 Jahren

‚Und immer dasselbe?‘
‚Ja, bis zum Grabe. Das ist das Leben!‘
‚Nein, das ist nicht das Leben!‘
‚Was ist es dann deiner Meinung nach?‘
‚Das, das ist eine Oblomowerei.‘
‚Ob-lo-mowerei! Ob-lo-mo-we-rei! Worin besteht denn deiner Ansicht nach das Lebensideal? Nicht in der Oblomowerei? Streben denn nicht alle nach dem, wovon ich träume? Alle streben doch nach Ruhe und Stille.‘

Ilja Iljitsch Oblomow entstammt dem russischen Adel und ist mit materieller Sicherheit aufgewachsen. Als Erwachsener ist er unfähig, sich um seine Angelegenheiten zu kümmern, verbringt seine Tage und Nächte in seiner Wohnung in der Petersburger Gorochowaja, versucht zwar, der permanenten Schläfrigkeit und Trägheit zu entfliehen, verschiebt jedoch alles, was sein Diener Sachar an ihn heranträgt, auf den nächsten Tag, so dass das väterliche Gut Oblomowka immer mehr verfällt, sich die Rechnungen immer weiter auftürmen und wichtige Briefe nicht beantwortet werden.

Oblomows Freund Stolz, ein Deutschrusse, versucht, Oblomow aus seiner Lethargie zu reißen, zwingt ihn, ihn zu Veranstaltungen zu begleiten, empfiehlt ihm - genau wie Oblomows Arzt - einen Auslandsaufenthalt und macht ihn mit Olga bekannt. Nach Stolz‘ Abreise nach Paris, wo er auf den Freund wartet, der jedoch nie erscheint, bemüht sich Olga um Oblomow, und die beiden verbringen jeden Tag miteinander.

Doch die Beziehung mit Olga scheitert, und dann gerät Oblomow durch seine Prokrastination und durch einen Betrug seines Bekannten Tarantjew in finanzielle Nöte und schafft es nicht, sich den Problemen zu stellen und gegen die Widrigkeiten anzugehen.

Die erste Ausgabe von ‚Oblomow‘ erschien 1859 in der russischen Monatszeitschrift Otetschestwennye Sapiski und im gleichen Jahr als zweibändige Buchausgabe. Der Roman war bereits zu Lebzeiten Iwan Alexandrowitsch Gontscharows ein internationaler Erfolg und gilt heute als bedeutendster Roman des Autors. Obwohl ich russische Autoren des 19. Jahrhunderts sehr schätze, war das Hörbuch zu ‚Oblomow‘ meine erste Begegnung mit Gontscharow, der übrigens - wie der Titelheld - selbst aus reichem, adligem Hause stammte.

Gontscharow ist in seinem Roman ‚Oblomow‘ eine hervorragende Charakterisierung der Protagonisten gelungen. Vor allem Oblomow selbst mit seiner Faulheit und Prokrastination, seinen Ängsten und Wünschen wurde überzeugend gezeichnet, und beim Lesen kann man die Lethargie, die ihn immer wieder überfällt und gegen die er sich nicht zur Wehr setzen kann, auf jeder Seite nachvollziehen und verstehen.

Gelungen fand ich auch die Gegenpole im Buch: der treue Diener Sachar, der immer wieder versucht, seinen Herrn anzutreiben und zum Handeln zu bewegen, versus Olga, die nur vorsichtig fordert und sich schließlich zurückzieht; Stolz als Vertrauter und Freund, der Oblomow helfen und aus seinem Loch ziehen möchte, versus Tarantjew, der Oblomows Lage ausnutzt und ihn in den Ruin zu treiben versucht.

Mit seinen eindrücklichen Beschreibungen bietet Gontscharow dadurch sowohl einen wertvollen kulturgeschichtlichen Einblick in die Welt der russischen Adligen im 19. Jahrhundert als auch einen universellen und zeitlosen Einblick in die Mechanismen der Prokrastination.

Das Hörbuch wird von Otto Sander (Erzähler), Axel Milberg (Oblomow) und den anderen Sprechern ausdrucksstark und authentisch gelesen. Durch die eingespielten Töne wie Vogelzwitschern und Musik wird man als Hörer sofort an einen anderen Ort versetzt und kann ganz ins zaristische Petersburg und die Geschichte um Oblomow eintauchen.

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Zusätzliche Informationen

Iwan A. Gontscharow wurde am 17. Juni 1812 in Russland geboren.

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