Jérôme Gemander Die Federn des Kormorans

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Inhaltsangabe zu „Die Federn des Kormorans“ von Jérôme Gemander

„Es gab keine Geräusche, kein Leben, keine Zeit mehr und die einzige Musik für Alphas und Laureens stumme Liebe auf dem hölzernen Fußboden waren die Straßenbahnen, die in der nächtlichen Ferne grollten, die Äste, die in den Baumwipfeln der Parks knarrten und die Müllautos, die in den Vorstädten wie langsam kriechende Ungeheuer zischend den Sperrmüll zerquetschten.“ Die Federn des Kormorans erzählt die Geschichte des in die Jahre gekommenen amerikanischen Modefotografen Aurel Calum, der in Berlin für eine Werbekampagne „provokante Gesichter“ fotografieren soll und deshalb zwei entwurzelte Jugendliche mit Gefängnisvergangenheit als Models für seine Sessions auswählt. Was als kontroverses Kunstexperiment beginnt, gerät jedoch bald außer Kontrolle und bringt Aurel und seine Agentur in höchste Gefahr. Zugleich wird Aurel von den Schatten seiner Berliner Vergangenheit eingeholt und die Verwicklung in einen fünfzehn Jahre alten Kriminalfall und der Tod einer jungen Frau in den Anfängen seiner Karriere drohen ihm zum Verhängnis zu werden. Jérôme Gemander studierte Theater, Medien und Romanistik an der Universität in Bayreuth. 2011 wurde er von der VGF und der Bavaria Film mit dem Stipendium für innovative Nachwuchsfilmemacher ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet heute in der Nähe von München. In seinem ersten Roman „Die Federn des Kormorans“ finden sich viele Anspielungen auf die Bildsprache des deutschen Expressionismus der 20er Jahre und das Kino der Weimarer Republik – ein künstlerisches Erbe, das in Deutschland heute beinah vergessen ist, obwohl es den Grundstein für vieles legte, was später nicht nur in Hollywood, sondern international als „noir“ bezeichnet wurde.

Starke Bilder und ein überraschendes Ende

— Zwuusel
Zwuusel
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    Die Federn des Kormorans
    Zwuusel

    Zwuusel

    01. January 2017 um 14:47

    "Die Federn des Kormorans" ist ein Buch abseits von Mainstream und Genre-Grenzen. Der Plot ist vielschichtig, bleibt trotz der häufigen Perspektivwechsel dicht und nachvollziehbar, und fesselt bis zum Schluss. Auch wenn die Sätze teilweise etwas verschachtelt waren und mir der eine oder andere Kommafehler ins Auge sprang, ließ sich der Text flüssig und angenehm lesen. Vor allem das Ensemble aus markanten Charakteren wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Bis in die Nebenrollen hinein entwirft der Autor plastische und glaubhafte Protagonisten, die der Leser teils in der Ich-Perspektive, teils durch die Augen der anderen Charaketere kennenlernt. Im Mittelpunkt steht der getriebene Fotograf Aurel Calum, der sich mit Leib und Seele seiner Kunst verschrieben hat und dabei so manche gesellschaftliche Grenze überschreitet. Durch das zentrale Motiv der Fotografie enthält die Geschichte ein sehr visuelles Element, das mir gut gefallen hat. Die Settings werden so atmosphärisch und bildhaft beschrieben, dass sie schon fast wie echte Filmkulissen erscheinen. Nicht vielen Büchern gelingt es, auf so unaufdringliche Weise derart starke Bilder zu erschaffen. Mein persönliches Highlight war die überraschende Pointe ganz am Schluss, die für einen letzten Knalleffekt sorgte und die Geschichte zu einem runden Abschluss brachte. Den Stern, den ich für die erwähnten Kommapatzerchen abgezogen hätte, lege ich hier wieder drauf, da ich diese Enthüllung tatsächlich nicht erwartet hätte und etwas Ähnliches auch sonst noch nirgendwo gelesen habe. Alles in allem ein sehr gelungener Roman, den ich gerne weiterempfehle.

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