Jérôme Leroy

 3,7 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor*in von Der Block, Terminus Leipzig und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Jérôme Leroy, geboren 1964 in Rouen, ist Autor, Literaturkritiker und Herausgeber. Er hat zahlreiche Kriminalromane veröffentlicht. Auf Deutsch erschienen bisher »Der Block« (2017), »Die Verdunkelten« (2018) und »Der Schutzengel« (2020) sowie »Terminus Leipzig« (2022), ein Gemeinschaftswerk mit Max Annas. »Der Block« wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2018 in der Kategorie International (3. Platz) ausgezeichnet. Jérôme Leroy lebt in Lille.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jérôme Leroy

Cover des Buches Der Block (ISBN: 9783960540373)

Der Block

 (5)
Erschienen am 01.03.2017
Cover des Buches Terminus Leipzig (ISBN: 9783960542827)

Terminus Leipzig

 (3)
Erschienen am 07.03.2022
Cover des Buches Die letzten Tage der Raubtiere (ISBN: 9783960543138)

Die letzten Tage der Raubtiere

 (1)
Erschienen am 06.03.2023
Cover des Buches Der Schutzengel (ISBN: 9783960542247)

Der Schutzengel

 (1)
Erschienen am 02.03.2020
Cover des Buches Die Verdunkelten (ISBN: 9783960540830)

Die Verdunkelten

 (0)
Erschienen am 10.09.2018
Cover des Buches Le Bloc (ISBN: 9782070453092)

Le Bloc

 (0)
Erschienen am 20.10.2013

Neue Rezensionen zu Jérôme Leroy

Cover des Buches Der Block (ISBN: 9783960540373)
RichardZietzs avatar

Rezension zu "Der Block" von Jérôme Leroy

Fesselnd, spannend, verstörend
RichardZietzvor 2 Monaten

Wie redet, denkt und handelt man »fascho«? Jérôme Leroy wagt mit »Der Block« einen Innenblick in die Mentalitäten des Front National und seiner diversen Helfershelfer – und lässt die Szenerie folgerichtig crashen. Die (politische) Macht mag zwar alles sein, doch auf dem Weg dahin haben sich Mentalitäten angesammelt. Mentalitäten, die zu Eigenmächtigkeiten führen.

Das Bild, dass Jérome Leroy zeichnet, ist verstörend. Ich gebe zu, dass einige aus meinem Bekanntenkreis das Buch »krass«, fanden, bedenklich und ähnliches. Andere teilen meine Begeisterung. Im Grunde beschreibt Jérôme Leroy eine Versuchsanordnung: das, was passieren könnte, wenn Faschisten die Macht in einem westlichen Staat übernehmen. Sicher ließe sich dieses Bild auch »politisch korrekter« zeichnen, weniger explizit und vor allem weniger durch die Blickwarte eines Faschisten. Das Problem nur: eine »korrekte« Zeichnung wäre zwar »korrekt« – würde allerdings der (brutalen) Mentalität, der diese Leute (oder jedenfalls ihr Fußvolk) leitet, nicht so gerecht.

Fazit: ein aufklärerischer Thriller in bester Tradition

Cover des Buches Die letzten Tage der Raubtiere (ISBN: 9783960543138)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die letzten Tage der Raubtiere" von Jérôme Leroy

Wollen wir hoffen, dass dies nur ein Roman bleibt!
Gwhynwhyfarvor 9 Monaten

«Das Gesicht der Gelbwesten-Aktivistin, der es bei einem anderen schwierigen Provinz-Termin in Lunéville gelang, sich für ein paar Sekunden an ihre Autoscheibe zu pressen, zeigte der Präsidentin, wie verzweifelt ihr Land war aufgrund dieser absurden Idee, auf die Vernunft der Reichen zu setzen. Dieses Bild brannte sich ihr ein: die von geplatzten Äderchen durchzogene Haut dieser Frau, ihre hervortretenden Augen, in einem als Folge des übermäßigen Verzehrs von hochverarbeiteten Lebensmitteln aufgedunsenen Gesicht, ihre furchtbare Verzweiflung, ihr verzerrter Mund, der deutlich das Wort ‹Schlampe› formte, was Präsidentin Séchard hinter ihren kugelsicheren Scheiben jedoch nicht hören konnte.

Sie hasste diese Frau, hätte zu gern gesehen, wie ein Hartgummigeschoss ihr die Hälfte ihres hässlichen Gesichts wegreißt. Im nächsten Moment wollte sie am liebsten aussteigen und sie an sich drücken, ihr über ihre dünnen, fettigen Haare streichen und ihr sagen, es würde schon alles gut werden, und dass es ihr leidtäte.»


Es herrscht Chaos in Frankreich: Eine Dürre ist ausgebrochen und das Wasser wird knapp, Waldbrände sind kaum zu bändigen, Gelbwesten blockieren die Straßen, Impfgegner machen mobil; die Polizei setzt einen brutalen Lockdown durch, nur wer einen Passierschein hat, darf sich frei draußen bewegen … Emmanuel Macron im Rock mit langen blonden Haaren, mit Namen Nathalie Séchard: Die Präsidentin ist müde, hat ihren Job satt und will zum nächsten Mal nicht mehr kandidieren; sie will lieber mit ihrem sehr jungen Liebhaber mehr Zeit verbringen. Die Nachricht schlägt wie eine Bombe ein und das Messerstechen um eine:n neue:n Kandidat:in ist eröffnet. Agnès Dorgelles, Führerin des rechtsradikalen Patriotischen Blocks (die eindeutig den Front Nationale von Marine Le Pen verkörpert), und zahlreiche männliche Kulissenschieber auf Regierungsebene, warten nur darauf, der «blonden Cougar» die Präsidentschaft abzuknöpfen. Und für manche stellt sich ein hohes Ziel, egal wie: Agnès Dorgelles im Vorfeld zu verhindern und ebenso jeden anderen Gegner. 


«Es gab Dutzende Tote und Hunderte Verletzte, die in den Fluren der durch das Virus ohnehin stark unter Druck stehenden Notaufnahmen auf ihre Behandlung warteten, Schäden in Milliardenhöhe. Das in der Grünanlage an der Promenade du Peyrou schnell hochgezogene Feldlazarett, die erschöpften und verzweifelten Gesichter, die nach oben schauten, als der Helikopter über sie hinwegflog. Sogar Beauséant, so dermaßen ein Mann von gestern, murmelte in das Mikro seines Headsets: ‹Das sieht hier ja aus wie im Krieg.›»


Innenminister Patrick Beauséant, ein elitärer Nationalist, wird von der Präsidentin unterstützt, als Gegenkandidat stellt sich der linksliberale, grüne Guillaume Manerville, Staatsminister für soziale und solidarische Ökologie. Hier wird alles aufgeblättert: Französische Eliten, die Geschichte der Sozialdemokraten, französische Geschichte über alte Arbeitskämpfe, es geht zurück bis zur Kolonialzeit und nimmt die Macht des Militärs aufs Korn. Auch die heutigen linksradikalen Öko-Aktivisten spielen eine Rolle, als Figur dazu die zwanzigjährige Clio, linke Aktivistin und Studentin einer Elite-Uni, Tochter des Kandidaten Guillaume Manerville, die in eine Intrige gerät, eine Hetzjagd auf sie gestartet wird. Denn Manerville kommt gut an beim Volk – seine Tochter ist sein verletzlicher Punkt.


«Er ist ein Mann um die Fünfzig, fast zwei Meter groß, breitschultrig, hat graue Augen, trägt ständig zerknitterte marineblaue Tweedanzüge, Club-Krawatten und eine Frisur à la Boris Johnson. All das gibt ihm das Aussehen eines leicht zerstreuten und sanftmütigen Oxford-Professors, der an der kritischen Ausgabe eines in Vergessenheit geratenen Sokrates-Vorläufers arbeitet.»


Geheimdienste, die die aus dem Untergrund mitmischen, Kandidaten, die mit allen Tricks agieren, ihre Gegner versuchen auszuschalten, dabei über Leichen gehen. Waldbrände und Wassermangel, was die Bürgermeister vor Ort an den Rand des Wahnsinns treibt, die sich alleingelassen fühlen. Raubtiere, die sich zähnefletschend gegenüberstehen, um ihre Kandidaten durchzubringen. Polit-Noir, ein fast apokalyptischer Ritt durch die französische Politszene … «Dutzende Tote, eine ermordete Ministerin, ein Beauséant, der die gesamte mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht», und der ein richtiges Miststück ist, Anschläge verüben lässt, die er politischen Gegnern anhängt. Ein alter Mann, einer mit Militärhintergrund, stocksteif, konservativ, der am Alten festklebt: «Transistorradio. «Er mag das Knistern, es mag es, mit einer Hand voller Rasierschaum meckernd am Radio herumzudrehen, weil der Sender mal wieder weg ist.» Literarisch gut geschrieben, fein ausgearbeitete Charaktere, Atmosphäre, eine vorstellbare bitterböse Geschichte. Wollen wir hoffen, dass dies nur ein Roman bleibt! Empfehlung!



Jérôme Leroy, geboren 1964 in Rouen, ist Autor, Literaturkritiker und Herausgeber. Er hat zahlreiche Kriminalromane veröffentlicht. Auf Deutsch erschienen bisher Der Block (2017), Die Verdunkelten (2018) und Der Schutzengel (2020) sowie Terminus Leipzig (2022), ein Gemeinschaftswerk mit Max Annas. Der Block wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2018 in der Kategorie International (3. Platz) ausgezeichnet. Jérôme Leroy lebt in Lille.


Cover des Buches Terminus Leipzig (ISBN: 9783960542827)
schillerbuchs avatar

Rezension zu "Terminus Leipzig" von Jérôme Leroy

Ein spannender "vierhändiger" Kriminalroman
schillerbuchvor 2 Jahren

Dieses Buch las ich im Rahmen meiner Juryarbeit für die Stuttgarter Kriminächte. Es interessierte mich auch deshalb, weil ich von Max Annas schon einige Bücher gelesen habe, die mir gut gefielen. Außerdem fand ich das Projekt sehr spannend, daß zwei Autoren gemeinsam einen “vierhändigen” Roman schreiben und dabei jeweils nicht wissen, wie der andere die Handlung im nächsten Kapitel fortsetzen wird. Entstanden ist diese Idee auf dem Quais du Polar, einem internationalen Krimifestival. In einer editorischen Noitz werden Idee und Vorgehensweise beschrieben. Ich bedanke mich beim Nautilus Verlag, der mir ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Der Inhalt

In Lyon wird ein deutsches Ehepaar ermordet, ehemalige Mitglieder einer linksextremen Gruppe. Christine, hartgesottene Kommissarin in einer Antiterroreinheit und nach einer blutigen Aktion gerade erst rehabilitiert, findet am Tatort ein altes Foto: Es zeigt sie selbst als Kind, mit ihrer Mutter, die vor kurzem Selbstmord begangen hat – und einen »Wolfgang«. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf eine Mail desselben Wolfgang im Postfach ihrer Mutter, kurz vor deren Selbstmord.
Zur gleichen Zeit in der Nähe von Leipzig. Das Haus von Wolfgang und Elke am Rand einer Kiesgrube steht kurz vor dem Abriss. Es ist Zeit, einige im Garten versteckte Relikte aus der Vergangenheit auszugraben, zumal Wolfgang wegen seiner antifaschistischen Twitter-Posts massiv bedroht wird. Christine ahnt nicht, dass in dieser Nacht noch andere auf dem Weg dorthin sind – und dass sie schon bald nichts mehr unter Kontrolle haben wird… (© Nautilus Verlag)

Meine Meinung

Dieser schmale Krimi ist der Gattung des politischen Noir-Krimis zuzuordnen, entsprechend verbindet sich in ihm eine rasante Handlung mit einem politischen Thema, dem des Linksterrorismus, den es sowohl in Deutschland als auch in Frankreich in den 70er und 80er Jahren gab. Jerome Leroy zeichnet dabei verantwortlich für die französische Kommissarin Christine, die mir auf keiner Seite auch nur einen Hauch von Sympathie entlocken konnte. Sie ist bereit, über Leichen zu gehen und auch, sich über alle Vorgaben ihrer Vorgesetzten hinweg zu setzen, als sie am Fundort zweier Leichen ein Bild findet, das mit der Vergangenheit ihrer Mutter zu tun hat.

Max Annas ist für die deutschen Handlungspersonen Wolfgang und seine Lebensgefährtin Elke verantwortlich. Der ehemalige Terrorist ist alt geworden, leidet unter Knieproblemen und tobt sich inzwischen mit politischen Parolen in den sozialen Netzwerken aus. Damit zieht er sich den Hass rechter Aktivisten zu. Auch das ist etwas, was Deutschland und Frankreich gemein haben – die immer stärker werdenden Tendenzen rechter Gewalt.

Während zunächst jeweils abwechselnd aus den jeweiligen Perspektiven erzählt wird, verbinden sich die beiden Handlungsstränge im letzten Drittel des Romans und kulminieren in einem äußerst spannenden und ebenso brutalen Showdown im Haus von Wolfgang und Elke – hier fühlte ich mich fast wie in einem Western.

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, es ist wirklich extrem spannend. Ich fand es erstaunlich, wie die beiden Autoren die Handlung ganz ohne Brüche zusammengefügt haben – hätte ich nicht um den besonderen Hintergrund der Entstehung gewußt, hätte ich möglicherweise gar nicht bemerkt, daß hier zwei Autoren auf diese ganz besondere Weise die Handlung entwickeln und vorantreiben. Gelungen fand ich auch, wie das Thema Terrorismus, egal ob vergangener linker oder aktueller rechter, einfach als gesellschaftliche Tatsache im Hintergrund mitläuft, ohne dabei diskutiert oder gewertet zu werden. Ich habe jedoch auch wieder einmal festgestellt, daß die Gattung Noir mir nicht unbedingt liegt – so spannend die Lektüre war, so sehr hat mich die rohe Gewalt darin abgestossen. Das ist jedoch mein persönliches Empfinden und hat nichts mit den Qualitäten des Roamns zu tun.

Fazit: Ein sehr gelungenes literarisches Krimiexperiment! Sollte es fortgesetzt werden, könnte es passieren, daß ich trotz meiner Abneigung gegenüber Noir-Krimis wieder schwach werde.

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