Jérôme Segal

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Rezension zu "Wie ein roter Faden: Eine Familie in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts" von Jérôme Segal

Die Geschichte einer interessanten Familie ...
Bellis-Perennisvor einem Jahr

In diesem Buch erzählt der französich-österreichische Autor die Geschichte von vier Generationen seiner jüdischen Familie. Die Familie Segal ist einst in der k. und. k. Monarchie durch Erdölfunde in Galizien reich geworden. Galizien ist jenes Gebiet der ehemaligen Habsburger-Monarchie, aus dem tausende arme Juden um 1900 nach Wien ausgewandert sind. Während des Zweiten Weltkriegs heiß umkämpft und zerstört, ist das Gebiet heute zwischen Polen und der Ukraine aufgeteilt.  


Der Bogen spannt sich von eben jener reichen Vorvätergeneration über die Familie, die bis zur Machtergreifung der Nazis in Wien lebte und rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannte, nach Frankreich bzw. England floh, der in den 1970er Jahren dem Kommunismus einiges abgewinnen konnte. Der Autor selbst, in Frankreich geboren und aufgewachsen, lebt seit 15 Jahren in Wien.  


Anhand von vielen Fotos und Abbildungen von Dokumenten zeichnet Jérôme Segal ein interessantes Bild seiner Familie. Er beschreibt seine Spurensuche, die ihn in das Österreichische Staatsarchiv führen, aber auch in das ehemalige Galizien. 


Sehr spannend finde ich seine eigene Einstellung dem religiösen Judentum gegenüber. So lehnt er die rituelle Beschneidung der männlichen Säuglinge strikt ab. „Säuglinge nicht mit dem Messer willkommen heißen.“ Er sieht hierin eine Kindesmisshandlung. Jedes Kind hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Er eckt mit dieser Ansicht bei der IKG (Israelischen Kultusgemeinde) gehörig an. Man verweigert ihm vorerst die Aufnahme in die IKG. Erst als er durch Vermittlung einer Bekannten den Nachweis erbringen kann, dass er tatsächlich Jude ist, wird er aufgenommen. 


Mit seiner unkonventionellen Auffassung zur Beschneidung tritt er in die Fußstapfen seiner Vorväter, die dem traditionellem Judentum ablehnend gegenüber standen, die in der Résistance Widerstand gegen die Nazis leisteten und sowie gegen soziale Ungerechtigkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg kämpften.  


Jérôme Segal engagiert sich gegen Rassismus und Nationalismus und für ein friedliches Zusammenleben. Er lebt mit seiner Familie in Paris und Wien. Der Autor setzt sich für die Volksgruppe der Roma ein. Beim Thema Roma sind mir Ungenauigkeiten bei den Bezeichnungen aufgefallen: Roma ist die Überbegriff der verschiedenen Gruppen, die der indoarischen Sprachgruppe angehören. Einzahl Rom (Männlich, Mehrzahl Roma) und Romni (weiblich, Mehrzahl Romnija). Aber das ist Meckern auf höchstem Niveau. 


Im selben Verlag, Edition Konturen, ist auch Jérôme Segals Buch „Judentum über die Religion hinaus“ erschienen, das ich mir auch besorgen möchte.  


Fazit: 


Eine aufschlussreiche Familiengeschichte, deren Abkehr von Traditionen sich „Wie ein roter Faden“ durch die Generationen zieht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.  


 

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