Jóanes Nielsen

 3.3 Sterne bei 3 Bewertungen

Alle Bücher von Jóanes Nielsen

Die Erinnerungen

Die Erinnerungen

 (3)
Erschienen am 08.03.2016
Die Erinnerungen

Die Erinnerungen

 (0)
Erschienen am 12.08.2019

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Rezension zu "Die Erinnerungen" von Jóanes Nielsen

Die Erinnerungen
czytelniczka73vor 2 Jahren

"Popularität war vergänglich.Respekt und Würde hingegen hatten weitaus tiefere Wurzeln in der menschlichen Seele."


Inhalt:

"Es war, als tauchte der Nebel die Inseln ineine eigene Welt ... Eigil Tvibur ist auf den Färöern aufgewachsen, in einem Holzhäuschen am eisblauen Fjord, inmitten von Fischern und Walfängern. Begleitet vom Schrei der Möwen, den Duft von getrocknetem Tang in der Nase, die schmalen Schafspfade entlang der steilen Klippen vor Augen. Schon seine Vorfahren hatten hier gelebt. Doch wie diese ist er immer ein Außenseiter geblieben. Liegt es daran, dass er sich vor dreißig Jahren auf den Friedhof geschlichen und einen unverzeihlichen Fehler begangen hat? Oder hat es mit seiner Familiengeschichte zu tun? Eigil beginnt nachzuforschen …"


Meinung:

Da ich bis jetzt die Literatur von den Färöer Inseln noch nicht kannte ,war ich auf "Die Erinnerungen" sehr gespannt.Es war für mich ein kleines Experiment etwas völlig Neues auszuprobieren,leider lässt mich dieses Buch mit gemischten Gefühlen zurück.

Die Geschichte beginnt leicht skurill in der Gegenwart.Egil Tvibur steht auf dem Friedhof vor dem Grab des Nationalhelden Napoleon Nolsoe.Egil hat gerade die Stadtratswahlen verloren,weil er vor Jahren eben dieses Grab geschändet hat.Sehr abrupt wird dann die Geschichte ins Jahr 1846 zurück versetzt,die Lebenszeit von Napoleon Nolsoe und der großen Masernepidemi.Ich fand die "alte" Geschichte sehr interessant,leider wird sie nicht durchgehend,sondern in Episoden erzählt.So bald ich etwas fesselnd fand,hörte es sehr unerwartet auf und die Geschichte setzte an anderen Stelle an.Dabei fehlte oft jeglicher Zusammenhang und die Handlung verliert sich oft in unnötigen,uninteressanten Details.Deswegen ist es auch nicht einfach dem Geschehen zu folgen und zu erkennen was wichtig und was unwichtig für die Geschichte ist.Die Sprache ist relativ einfach,leider an manchen Stellen unnötig vulgär und auch die vielen fremden Namen erschweren das Lesen enorm.Auch das Ende belohnt den Leser nicht fürs durchhalten,irgendwie bleibt der tieferer Sinn der Geschichte für mich verborgen.Es gab durchaus interessante Momente und Episoden ,die mich gefesselt haben,aber dazwischen fehlte einfach alles.


Fazit:

"Ein Roman ist voller Türen und hat seine eigene Gesetze"

Nun leider sind die meisten Türen in diesem Roman nur spaltbreit offen und lassen den Leser nicht rein.

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Rezension zu "Die Erinnerungen" von Jóanes Nielsen

Färöische Anekdoten
serendipity3012vor 3 Jahren

Färöische Anekdoten

Literatur von den Färöer Inseln kommt eher selten nach Deutschland. Jóanes Nielsens Roman „Die Erinnerungen“ war, so ist im Buchumschlag zu lesen, in Dänemark ein Beststeller und wurde mit dem Literaturpreis der Färöer ausgezeichnet. Eine große Familiensaga wird da versprochen, ein Eintauchen in eine andere Welt. Leider, so viel gleich vorweg, kann der Roman diese Versprechungen nicht einhalten.

Es sind die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, als der Roman einsetzt und wir Eigil Tvibur begegnen. Viel erfahren wir nicht über ihn. Auf einem Friedhof ist er mit Karin verabredet, die aber nicht auftaucht. Dort befindet sich das Grab von Napoleon Nolsøe, einem ehemaligen Landeschirurg, der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte. Eigil hatte dessen Grab in der Silvesternacht 1980 geschändet, was ihm nun, da er zum wiederholten Mal als Stadtrat kandidieren möchte, zum Verhängnis werden könnte. Diese etwas schräge Ausgangssituation ist es, die uns, die Leser, nun zurückkatapultiert ins 19. Jahrhundert, von wo aus uns verschiedene Episoden aus der Vergangenheit der Färöer erzählt werden. Eine große Masernepidemie, die viele Menschen tötete und Leid über Familien brachte, Familiengeschichten überhaupt, Geschichten darüber, was diese Menschen wann taten, aber leider zum großen Teil Geschichten, die einem nicht im Gedächtnis bleiben.

Der Leser wird von Beginn an mit vielen Namen konfrontiert, mit Personen, zu denen aber jeweils nur wenige Hinweise geliefert werden, sodass man Mühe hat, sich später wieder an sie zu erinnern. Personen, die teilweise wichtig sind im weiteren Verlauf der Geschichte, und andere, die nicht wieder auftauchen werden, ein Unterschied, den man als Leser bei ihrem ersten Auftreten aber nicht erkennen kann. Anekdoten werden erzählt, ohne dass dabei in die Tiefe gegangen wäre. Die Figuren bleiben blass und farblos, mit dem Ergebnis, dass es schwierig ist, als Leser dranzubleiben, mitzufiebern. Nielsen erzählt diese Episoden einfach hintereinander weg, reiht sie einerseits aneinander und springt andererseits vor und zurück, sodass man höllisch aufpassen muss, um den Faden nicht zu verlieren, was immer schwieriger wird im Laufe des Romans. Kein großer Bogen, keine zusammenhängende Geschichte wird geliefert.

„Die Erinnerungen“ ist ein seltsam blasser Roman. Eine Entwicklung bleibt aus, und es dauert lange, bis der Zeitstrang aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts mit den Ereignissen der Vergangenheit eindeutig verbunden wird. Hinzu kommt, dass es einige Male ganz unerwartet obszön bzw. vulgär wird, worüber man vielleicht hinwegsehen kann, allerdings geschieht dies immer so unvermittelt, dass diese Stellen irritieren.

„Die Erinnerungen“ erzählt leider keine zusammenhängende Geschichte, blasse Charaktere treten auf, deren Handeln nicht immer nachvollziehbar ist, deren Schicksal einen seltsam wenig rührt. Die Frage bleibt, wieso dieser Roman in Dänemark bzw. auf den Färöern ein solcher Erfolg werden konnte. Sollte es allein die eigene Geschichte, das eigene Land sein, über das erzählt wird, das den Unterschied macht und die Leser anzieht? Lesen die Menschen in Dänemark anders? Was immer es ist, Nielsens Geschichte zerfällt in ihre Einzelteile, kann nicht fesseln, nicht unterhalten. Leider kein guter Roman.

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Rezension zu "Die Erinnerungen" von Jóanes Nielsen

Es sind die Gegensätze, die diesen Roman bestimmen
Haversvor 3 Jahren

Die Färöer sind eine Inselgruppe im Nordatlantik, die zwischen Norwegen, Island und den schottischen Inseln gelegen sind. Die klimatischen Bedingungen sind rau, von Sturm, Regen und Kälte geprägt. Fruchtbarer Boden ist rar, aber Gras für die großen Schafherden ist reichlich vorhanden. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in der Vergangenheit die Mehrzahl der Färinger von der Schafzucht und dem Verkauf der Wolle lebte. Und dann ist da noch das Meer, das die Färöer umschließt, und demzufolge war und ist die Fischereiwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftszweig für die Inselbewohner.

Jóanes Nielsen ist ein färöischer Schriftsteller und Autor des Romans „Die Erinnerungen“. Geboren und aufgewachsen in der Hauptstadt Tórshavn, arbeitet er nach Beendigung der Schule auf See. Seine ersten literarischen Gehversuche macht er mit Gedichtsammlungen, es folgen Essays, Novellen und Kurzgeschichten. Sein erster Roman wird 1991 veröffentlicht. „Die Erinnerungen“ ist sein vierter Roman, 2012 erhält er dafür den Literaturpreis der Färöer. Politisch wird der Autor dem linken, gesellschaftskritischen Spektrum zugeordnet, was mit Sicherheit daran liegt, dass der Fokus seines literarischen Schaffens auf dem Leben der kleinen Leute liegt. Ihre harten Lebensbedingungen, ihren Kampf ums tägliche Brot, versucht er in realistischen Beschreibungen abzubilden.

So auch in „Die Erinnerungen“, einem an Umfang und Themen reichen Roman, der seinen Anfang Mitte des neunzehnten Jahrhundert hat, als eine verheerende Masern-Epidemie die Inseln heimsucht. Und natürlich trifft es wieder einmal die Ärmsten der Armen am heftigsten, bieten doch ihre katastrophalen Lebensbedingungen Krankheiten aller Art den idealen Nährboden. Die sich daraus entspinnenden Ereignisse werden als historische Komponente knapp vierzig Jahre fortgeführt. Zeitgeschichtlich befinden wir uns im zweiten großen Erzählstrang gut hundert Jahre später und begleiten den Außenseiter Eigil Tvibur auf seiner Suche nach der Wahrheit. Und dazu muss er tief in die Geschichte seiner Familie eintauchen…

Es sind die Gegensätze, die diesen Roman bestimmen. Reale Personen und historisch verbürgte Ereignisse wechseln sich ab mit fiktivem Geschehen. Es geht um Armut und Reichtum, um Leben und Tod, um Gewalt und Frieden und um Liebe und Hass. Die Vielzahl der Personen, die die Handlung bevölkert, erschwert die Lektüre, da nicht immer klar ersichtlich ist, ob man sich im Bereich Fakt oder Fiktion befindet. Der Autor wechselt zwischen den Zeiten, den Handlungsorten und den Personen wild hin und her, was den Lesefluss bisweilen behindert. Und dennoch habe ich „Die Erinnerungen“ sehr gerne gelesen, merkt man diesem Roman doch an, dass er mit Herzblut geschrieben ist, dass die Sympathien des Autors immer bei denjenigen sind, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

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