Jón Kalman Stefánsson

 4.3 Sterne bei 123 Bewertungen
Autor von Das Knistern in den Sternen, Der Schmerz der Engel und weiteren Büchern.
Jón Kalman Stefánsson

Lebenslauf von Jón Kalman Stefánsson

Jón-Kalman-Stefánsson wurde am 17. Debzember 1963 in Reykavik, Island geboren. Beruflich probierte er so einiges aus: er arbeitete etwa in der Fischindustrie, als Maurer und für kurze Zeit auch als Polizist. Von 1986 bis 1991 studierte er Literaturwissenschaft an der Hochschule von Island (Háskóli Íslands). Das Studium hat er nicht abgeschlossen. Trotzdem unterrichtete er acht Jahre lang an einer Schule Literatur und schrieb parallel dazu Artikel für eine Zeitung und einen Radiosender. Heute ist er freier Schriftsteller und lebt in Mosfellsbær.

Alle Bücher von Jón Kalman Stefánsson

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Das Knistern in den Sternen

Das Knistern in den Sternen

 (20)
Erschienen am 01.11.2008
Der Schmerz der Engel

Der Schmerz der Engel

 (18)
Erschienen am 09.10.2012
Himmel und Hölle

Himmel und Hölle

 (18)
Erschienen am 01.11.2011
Sommerlicht, und dann kommt die Nacht

Sommerlicht, und dann kommt die Nacht

 (15)
Erschienen am 01.08.2011
Fische haben keine Beine

Fische haben keine Beine

 (9)
Erschienen am 03.04.2017
Das Herz des Menschen

Das Herz des Menschen

 (6)
Erschienen am 14.04.2014

Neue Rezensionen zu Jón Kalman Stefánsson

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yellowdogs avatar

Rezension zu "Himmel und Hölle" von Jón Kalman Stefánsson

Kraftvoll und poetisch
yellowdogvor 7 Monaten

Eine isländische Geschichte über Fischer und das Meer, kraftvoll, sehr dicht und poetisch geschrieben. Dabei relativ unspektakulär, angesiedelt wahrscheinlich anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts in Island.
Im Mittelpunkt stehen Bardur und der Junge, zwei die nicht so ganz sind wie die anderen Fischer, zum Beispiel lesen sie viel und zitieren aus Miltons Das verlorene Paradies. Sie sind eigentlich nicht dafür geschaffen zur See zu fahren. Dennoch sind sie ganz im Geschehen verankert.
Doch das Leben auf dem Meer ist rau und gefährlich und als schließlich nur einer der beiden lebend zurückkehrt ist er wie betäubt und allein. Wie der Junge allmählich Teil des Dorfes wird, in das er geht, bestimmt die zweite Hälfte des Romans.

Ein guter Roman von 2009, dem noch zwei Teile rund um das Leben des Jungen folgte.
Diese Buch beweist, Jon Kalman Stefansson ist einer der großen Stimmen Islands!

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letusreadsomebookss avatar

Rezension zu "Fische haben keine Beine" von Jón Kalman Stefánsson

Bildreich, poetisch, philosophisch
letusreadsomebooksvor einem Jahr

An einem Dienstag verlässt der Verleger und Schriftsteller Ari seine Frau und Kinder ohne jede Vorankündigung. Er findet für kurze Zeit Unterkunft in einem Hotel, bevor es ihn nach Kopenhagen zieht. Doch warum hat er sich zu diesem Schritt entschlossen? Drei Jahre später kehrt Ari zurück, auf die Bitte seines Vaters. Ein altes Foto von ihm und seiner Mutter wecken alte Erinnerungen. Seine Familie und die eigene Jugend in der abgelegenen Stadt Keflavík: zwischen Beatles, der US-Army, Pink Floyd und den ersten Begegnungen mit Mädchen.

Der Roman beginnt mit Aris Rückkehr nach Island. Drei Jahre lang war er fort, um nun überraschend in den Ort seiner Jugend zurückzukehren. Auslöser für seine Reise in die Heimat ist ein Brief von seinem Vater, der im Sterben liegt. Ari möchte seinen Vater ein letztes Mal sehen. Mit dem Schreiben hat sein Vater auch eine alte Urkunde von Aris Großvater Oddur geschickt, einem angesehenen Kapitän und Schiffseigner. Erzählt wird die Handlung von einem namenlosen Ich-Erzähler, der zwischen den verschiedenen Genrationen von Familienangehörigen wechselt und ihre jeweilige Geschichte erzählt. Während ein Teil der Handlung Aris Rückkehr darstellt, wird gleichzeitig das Leben seiner Großeltern in Norðfjörður beschrieben, während es eine dritte zeitliche Ebene gibt, die dazwischen liegt und die Jugend von Ari und dem Erzähler des Romans behandelt. Ort des Geschehens ist ein Ort im Südwesten Islands: Keflavík.

In Keflavík gibt es drei Himmelsrichtungen: den Wind, das Meer und die Ewigkeit.

Dem eigentlichen Roman ist ein Zitat vorangesetzt, in dem es heißt: „Keflavík gibt es nicht.“ Den Ort gibt es natürlich doch und es ist ein zentraler Punkt für Aris Leben. Denn hier hat er seine Jugend verbracht. Mit dem Zitat ist vielleicht eher gemeint, dass die Stadt unscheinbar ist, leicht in Vergessenheit gerät und damit auch das Schicksal ihrer Bewohner. Doch für Ari bedeutet er immer noch viel und ist vor allem auch mit Erinnerungen verbunden: Rockmusik, amerikanische Soldaten und Mädchen. Hierhin kehrt er also zurück, nachdem er in Kopenhagen als Lektor gearbeitet hat und vor etwas Unausgesprochenem zwischen ihm und seiner Frau geflohen ist.

Denk mit uns daran: Das Meer ist größer als der Alltag. Auf dem Meer erholt man sich. Da ist die Weite, die unermessliche Größe, die beruhigt, tröstet und die Probleme des Lebens klein aussehen lässt. Schwierigkeiten an Land, Reibungen, Ärger, Umgang mit Menschen, lästige Pflichten – man schaut in die Wellen und merkt, wie das Dasein in der Brust zur Ruhe kommt. […] Zur See fahren, das ist die Freiheit. Doch Freiheit beinhaltet auch, dass du dich auf niemanden verlassen kannst, auf keinen anderen Menschen und schon gar nicht auf deine Gebete, denn die Güte des Himmels bleibt an Land zurück. Du kannst dich nur auf dich selbst verlassen.

Die Figuren von Fische haben keine Beine sind ‚normale‘ Menschen, die alltägliche Schicksale erleben und dabei auf der Suche nach Glück und Liebe sind. Leben und Tod spielt dabei immer eine Rolle. Dabei werden einfühlsam viele kleine Beobachtungen beschrieben, die auf den ersten Blick nur wenig Bedeutung haben und zu voreiligen Schlüssen verleiten, doch wie sich später herausstellt, für die Betroffenen fatale Folgen haben. Ebenso geht es um zwischenmenschliche Beziehungen: sowohl Freundschaft als auch Partnerschaft. Stefansson macht viele kluge Bemerkungen, die durchaus in die Kategorie philosophisch eingeordnet werden können und beschäftigt sich mit großen Themen, aber anhand von einfachen Personen.

Doch der Roman ist nicht nur auf inhaltlicher Ebene absolut lesenswert. Die Sprachkunst und Sprachvielfalt des Autors ist ein ganz eigenes Erlebnis. Voller Poesie und eindrücklicher Bilder schildert er das Leben von Aris Familie über mehrere Generationen hinweg. Das Tempo des Romans ist eher gedrosselt, so dass genug Zeit bleibt, um der sprachlichen Umsetzung des Buches die Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdient. Manchmal entsteht das Gefühl, dass eigentlich der ganze Roman zitiert werden sollte. Es ist bewundernswert, wie Stefánsson es schafft, für alles die passenden Wörter und Sprachbilder zu finden. Obwohl sich Fische haben keine Beine sich mit grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens beschäftigt, die letztlich auch um die Frage nach dem Sinn des Lebens kreisen, regt der Roman vielmehr zum Nachdenken an, als das er versucht, Antworten zu liefern. Eigenverantwortung und die Suche nach dem, was den Einzelnen ausmacht, sind nicht umsonst häufig thematisierte Aspekte der Handlung.

Er guckt die Postkarten an und denkt: Sie zeigen unsere Träume. Traurig denkt er, manchmal sind unsere Träume nichts als Täuschungen, Ausflüchte, Beweis dafür, dass wir uns nicht trauen, der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen, uns mit der Welt auseinanderzusetzen und mit uns selbst in ihr.

Fische haben keine Beine ist eine klare Empfehlung. Ruhig und mit großer Sprachkunst erzählt Jón Kalman Stefánsson von einfachen Menschen und Themen, die letztlich jeden betreffen. Er zeigt deutlich, wie einzigartig und verletzlich das Leben ist und bietet viele Gelegenheiten, um über das Gelesene nachzudenken und auch zu diskutieren.

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ralluss avatar

Rezension zu "Etwas von der Größe des Universums" von Jón Kalman Stefánsson

Islands Mystik
rallusvor 2 Jahren

Island. Zweitgrößter Inselstaat in Europa. Das am dünnsten besiedelte Land in Europa mit knapp 330.000 Einwohnern. Und so weit weg vom Festland, nahe des nördlichen Polarkreises gelegen. In Island gibt es maximal durchschnittlich sechs Sonnenstunden, die Temperaturen bewegen sich im Durchschnitt zwischen minus drei und plus dreizehn Grad.

Trotzdem hat dieses Land schon immer eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt. Sei es die seit fast tausend Jahren nicht veränderte Sprache, die sich eine alte Sprachform beibehalten hat, und bei der Fremdwörter umgehend in eigene Begriffe geändert werden. Sei es die etwas mystische Musik, die aus Island kommt. Künstler wie Björk, Sigur Ros oder Arstidir (Man verzeihe mir die nicht isländische Schreibweise) verbreiten eine dunkle warme Atmosphäre, die anders ist als das, was man musikalisch gewohnt ist.

Leider habe ich dieses Land noch nie besucht, aber Bücher darüber, sind einfach zu besorgen und zu lesen. So auch das vorliegende mit dem allumfassenden Titel: Etwas von der Größe des Universums. (den Originaltitel wage ich nicht mit der gegebenen Übersetzung zu vergleichen )

So mythisch Island auch sein mag, dort leben auch Menschen, die ganz normale Sehnsüchte haben, die lieben, leiden und das Glück suchen. Eben in einer mysthischen Atmosphäre, die Jon Kalman Stefansson fast ganz am Anfang dem Leser vor Augen führt.

„[…] alles andere ist weg, die Einwohner von Keflavik können sich eine Weile von der Welt erholen, es gibt sie nicht mehr. Nur Luft und Schnee sind um sie her. Nur Schneeflocken, dieses Weiß vom Himmel. Botschaften, Küsse, die auf unserer Stirn schmelzen. Alles andere ist verschwunden, die Tankstelle, die Geschäfte gegenüber, das Kino, die Hafenstraße, die Hringbraut, nur ein kurzes Stück weiter weg, die Arbeitslosigkeit, der leere Hafen, der Weihnachtsschmuck, die Reklameschilder. Da ist nur der Schnee, er rieselt ohne Unterlass die ganze Nacht herab und verbindet die Erde mit dem Himmel, was wahrscheinlich wichtiger ist, als uns bewusst ist […]“

Es sind kurze Momente, manchmal nur wenige Seiten lang, die wir bei den Protagonisten verbringen dürfen. Der Autor springt in der Zeit hin und her, beschreibt einige glückliche oder unglückliche Situationen in deren Leben und die Gedanken der Handelnden.

„Wie viele Tage verbringen wir im Verlauf eines Lebens auf diesem Planeten, die wirklich wichtig sind, an denen sich wirklich etwas ereignet, wodurch das Leben bereichert wird und abends heller scheint als am Morgen? Wie viele solcher Tage?“

Dabei kämpfen die Männer und Frauen meist mit ihrer harten Arbeit (wenn sie welche haben), für feine Kunst oder abschweifende Gedanken ist meist keine Zeit, es gilt, das Leben zu meistern, etwas zu essen auf den Tisch zu bekommen. Doch so manches Mal fliehen die Gedanken in die Zukunft: Was sein wird, was sein könnte.

„Gedichte sind okay, man kann sie als Decke benutzen, wenn es kalt ist in der Welt, sie können Transparente außerhalb der Zeit sein, mit merkwürdigen Zeichen darauf, aber sie haben furchtbar wenig zu sagen, wenn die Knochen müde geworden sind, das Leben dich ausgesondert hat und die Kaffeetassen das Einzige ist, was dir abends die Hände wärmt.“

Doch das zentrale Thema, die innigste Naturerfahrung haben die Isländer mit oder auf dem Meer. Hier sind die Erfahrungen am stärksten, mit sich selbst zu sein, das tagelange Zusammenleben auf engstem Raum, der Überlebenskampf gegen die See wird am intensivsten gespürt. Und am wichtigsten ist die Freiheit, die jeder dort erlebt.

„Jeder Mensch braucht seine Freiheit, wiederholte Siggi, diesmal nur für sich selbst, in Gedanken, vielleicht erinnerte er sich gerade an etwas Wesentliches. Freiheit, sagte Jakob, die gibt es auf See, Freiheit heißt zur See zu fahren. Ich weiß nicht, wie oft ich meinen Vater das sagen gehört habe.“

Die Geschichten, die Stefansson uns erzählt, die Sehnsüchte in Aris Familie, die Erlebnisse, haben eines gemeinsam: Sie sind von Leben durchtränkt, von dem Willen etwas zu erleben. Doch auch die unerfüllten Träume sind Gegenstand der Betrachtungen, Sehnsüchte, die jahrelang geheim gehalten wurden.

„Die schlimmsten Höllenqualen, sagt Jakob, nachdem er lange geschwiegen, den Brief auf den Küchentisch und Margrets Tagebücher auf den Couchtisch angesehen hat, müssen die durchmachen, die nicht genug gelebt haben. Die höchstens zur Hälfte gelebt haben. Die weder gut noch böse gewesen sind.“

Stefansson weiß wovon er schreibt, hat er doch jahrelang in den verschiedensten Jobs in Island gearbeitet. Diese raue Authentizität spürt man beim Lesen des Buches, zwischen der Dunkelheit, dem Alltag, blitzen dann immer wieder diese Juwelen der Gedanken, diese Aphorismen auf, die durchaus auch mal die Größe eines Universums haben können. Die Sprünge sind verwirrend und verhindern einen Fluss der Geschichte, aber nach einigen Seiten habe ich gespürt, dass das erzählte Leben die Geschichte dieses Buches ist.

Etwas von der Größe des Universums ist ein dunkles, aber schimmerndes Buch. Ein Buch, welches einem viel Kraft und Ruhe geben kann.

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Jón Kalman Stefánsson wurde am 17. Dezember 1963 in Reykjavík (Island) geboren.

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