Fische haben keine Beine

von Jón Kalman Stefánsson 
4,9 Sterne bei9 Bewertungen
Fische haben keine Beine
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Ein Feuerwerk der Sprache!

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Bildreicher und poetischer Roman über die Bedeutung von Familie, Freundschaft und Liebe.

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Inhaltsangabe zu "Fische haben keine Beine"

Das hier ist Aris Geschichte. Und die seiner isländischen Familie. Sie umspannt ein Jahrhundert voller Erinnerungen: an Aris Großvater Oddur, die Beatles, junge Mädchen und schmerzliche Trennungen. Und sie beginnt damit, dass Ari seine Frau am Frühstückstisch sitzen lässt, um vorerst nach Kopenhagen zu verschwinden. – Der preisgekrönte, wortmächtige Menschenschilderer Jón Kalman Stefánsson läuft in diesem großen Familienroman zur Höchstform auf!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492310611
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:03.04.2017

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    letusreadsomebookss avatar
    letusreadsomebooksvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Bildreicher und poetischer Roman über die Bedeutung von Familie, Freundschaft und Liebe.
    Bildreich, poetisch, philosophisch

    An einem Dienstag verlässt der Verleger und Schriftsteller Ari seine Frau und Kinder ohne jede Vorankündigung. Er findet für kurze Zeit Unterkunft in einem Hotel, bevor es ihn nach Kopenhagen zieht. Doch warum hat er sich zu diesem Schritt entschlossen? Drei Jahre später kehrt Ari zurück, auf die Bitte seines Vaters. Ein altes Foto von ihm und seiner Mutter wecken alte Erinnerungen. Seine Familie und die eigene Jugend in der abgelegenen Stadt Keflavík: zwischen Beatles, der US-Army, Pink Floyd und den ersten Begegnungen mit Mädchen.

    Der Roman beginnt mit Aris Rückkehr nach Island. Drei Jahre lang war er fort, um nun überraschend in den Ort seiner Jugend zurückzukehren. Auslöser für seine Reise in die Heimat ist ein Brief von seinem Vater, der im Sterben liegt. Ari möchte seinen Vater ein letztes Mal sehen. Mit dem Schreiben hat sein Vater auch eine alte Urkunde von Aris Großvater Oddur geschickt, einem angesehenen Kapitän und Schiffseigner. Erzählt wird die Handlung von einem namenlosen Ich-Erzähler, der zwischen den verschiedenen Genrationen von Familienangehörigen wechselt und ihre jeweilige Geschichte erzählt. Während ein Teil der Handlung Aris Rückkehr darstellt, wird gleichzeitig das Leben seiner Großeltern in Norðfjörður beschrieben, während es eine dritte zeitliche Ebene gibt, die dazwischen liegt und die Jugend von Ari und dem Erzähler des Romans behandelt. Ort des Geschehens ist ein Ort im Südwesten Islands: Keflavík.

    In Keflavík gibt es drei Himmelsrichtungen: den Wind, das Meer und die Ewigkeit.

    Dem eigentlichen Roman ist ein Zitat vorangesetzt, in dem es heißt: „Keflavík gibt es nicht.“ Den Ort gibt es natürlich doch und es ist ein zentraler Punkt für Aris Leben. Denn hier hat er seine Jugend verbracht. Mit dem Zitat ist vielleicht eher gemeint, dass die Stadt unscheinbar ist, leicht in Vergessenheit gerät und damit auch das Schicksal ihrer Bewohner. Doch für Ari bedeutet er immer noch viel und ist vor allem auch mit Erinnerungen verbunden: Rockmusik, amerikanische Soldaten und Mädchen. Hierhin kehrt er also zurück, nachdem er in Kopenhagen als Lektor gearbeitet hat und vor etwas Unausgesprochenem zwischen ihm und seiner Frau geflohen ist.

    Denk mit uns daran: Das Meer ist größer als der Alltag. Auf dem Meer erholt man sich. Da ist die Weite, die unermessliche Größe, die beruhigt, tröstet und die Probleme des Lebens klein aussehen lässt. Schwierigkeiten an Land, Reibungen, Ärger, Umgang mit Menschen, lästige Pflichten – man schaut in die Wellen und merkt, wie das Dasein in der Brust zur Ruhe kommt. […] Zur See fahren, das ist die Freiheit. Doch Freiheit beinhaltet auch, dass du dich auf niemanden verlassen kannst, auf keinen anderen Menschen und schon gar nicht auf deine Gebete, denn die Güte des Himmels bleibt an Land zurück. Du kannst dich nur auf dich selbst verlassen.

    Die Figuren von Fische haben keine Beine sind ‚normale‘ Menschen, die alltägliche Schicksale erleben und dabei auf der Suche nach Glück und Liebe sind. Leben und Tod spielt dabei immer eine Rolle. Dabei werden einfühlsam viele kleine Beobachtungen beschrieben, die auf den ersten Blick nur wenig Bedeutung haben und zu voreiligen Schlüssen verleiten, doch wie sich später herausstellt, für die Betroffenen fatale Folgen haben. Ebenso geht es um zwischenmenschliche Beziehungen: sowohl Freundschaft als auch Partnerschaft. Stefansson macht viele kluge Bemerkungen, die durchaus in die Kategorie philosophisch eingeordnet werden können und beschäftigt sich mit großen Themen, aber anhand von einfachen Personen.

    Doch der Roman ist nicht nur auf inhaltlicher Ebene absolut lesenswert. Die Sprachkunst und Sprachvielfalt des Autors ist ein ganz eigenes Erlebnis. Voller Poesie und eindrücklicher Bilder schildert er das Leben von Aris Familie über mehrere Generationen hinweg. Das Tempo des Romans ist eher gedrosselt, so dass genug Zeit bleibt, um der sprachlichen Umsetzung des Buches die Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdient. Manchmal entsteht das Gefühl, dass eigentlich der ganze Roman zitiert werden sollte. Es ist bewundernswert, wie Stefánsson es schafft, für alles die passenden Wörter und Sprachbilder zu finden. Obwohl sich Fische haben keine Beine sich mit grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens beschäftigt, die letztlich auch um die Frage nach dem Sinn des Lebens kreisen, regt der Roman vielmehr zum Nachdenken an, als das er versucht, Antworten zu liefern. Eigenverantwortung und die Suche nach dem, was den Einzelnen ausmacht, sind nicht umsonst häufig thematisierte Aspekte der Handlung.

    Er guckt die Postkarten an und denkt: Sie zeigen unsere Träume. Traurig denkt er, manchmal sind unsere Träume nichts als Täuschungen, Ausflüchte, Beweis dafür, dass wir uns nicht trauen, der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen, uns mit der Welt auseinanderzusetzen und mit uns selbst in ihr.

    Fische haben keine Beine ist eine klare Empfehlung. Ruhig und mit großer Sprachkunst erzählt Jón Kalman Stefánsson von einfachen Menschen und Themen, die letztlich jeden betreffen. Er zeigt deutlich, wie einzigartig und verletzlich das Leben ist und bietet viele Gelegenheiten, um über das Gelesene nachzudenken und auch zu diskutieren.

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    Ginevras avatar
    Ginevravor 3 Jahren
    „Zu lange weggewesen“

    Schriftsteller und Dichter Ari lässt seine Frau und drei Kinder in Dänemark zurück, um in seine isländische Heimatstadt Keflavík zurückzukehren – nach über 30 Jahren.
    Bereits am Flughafen erwartet ihn die erste Überraschung: er wird einer strengen Leibesvisitation unterzogen, noch dazu durch seinen Cousin Ásmundur. Dieser war früher Kopf einer kleinen Gang, die US-Lieferwägen überfiel, um Schallplatten und Süßigkeiten zu erbeuten – in dem armen Fischerstädtchen damals heiß begehrte Dinge. Erste Erinnerungen holen Ari ein – an seine Kindheit und Jugendzeit im „schlimmsten Ort der Insel“, an dem zahllose Schneestürme, karger Boden und die strenge EU-Fischfangquote den Bewohnern seit den 1950ern das Leben immer schwerer machten.

    Auch im Taxi, im Hotel, im kleinen Supermarkt trifft Ari auf Menschen von damals – die in Keflavík geblieben sind, um vorwiegend vom Touristenstrom zu leben. Anstelle von Fisch gibt es heute „Kracherburger“ aus importiertem Fleisch, aus dem ehemaligen Fischerwohnheim wurde eine Wohnanlage mit Meeresblick. Keflavík ist mit der Zeit gegangen, die Menschen dort wirken nicht unzufrieden – im Gegensatz zu Ari, der sich getrieben und heimatlos vorkommt.
    Ari sucht eine Antwort auf die Frage, warum er damals Island verließ, und warum er nun sein geruhsames Leben in Dänemark aufgegeben hat - beide Male impulsiv, ohne Grund oder Vorwarnung. 

    Beim Stöbern in der Vergangenheit rekonstruiert er die Lebensgeschichte von Oddur, seinem Großvater. Er galt als Held, weil er als Fischer den erbittertsten Stürmen trotzte, und sich den Fischfangnormen widersetzte. Seine Frau Margrét dagegen war sensibel, verträumt, oft depressiv, doch sie rettete ein Mädchen vor dem Suizid und kämpfte sich durch ihr Leben. Margréts Bruder Tryggvi war leidenschaftlicher Fischer und Dichter zugleich – er scheint das heimliche Zentrum der Familie zu sein.

    Die Suche nach seinen Wurzeln und das Schreiben sind Arís Weg, um weiterzukämpfen – und einen neuen Anfang zu wagen.

    Jón Kalman Stefánsson wurde 1963 in Reykjavík geboren und zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellern Islands. Seine Romane sind außerordentlich sprach- und bildgewaltig. Der vorliegende Roman wurde für den Isländischen Buchpreis sowie den Buchpreis des Nordischen Rats nominiert.

    Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an gefesselt, denn schon im Prolog geht es um die Frage, was unser Leben ausmacht: was bedeuten die neuesten technischen Errungenschaften, wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn wir nicht begreifen, wo er geblieben ist, was nach dem Tod kommt.
    Stéfansson baut diese Fragen immer wieder in seine Familiensaga mit ein, die ihrerseits sehr interessant und zugleich gefühlvoll geschildert wird. Sachliche, poetische und philosophische Passagen wechseln sich ab, man erfährt beim Lesen einiges über das Leben unter diesen klimatischen Extrembedingungen, die Konfrontation mit Hunger und Tod, was die Menschen aber auch zusammenschweißt und - manchmal - zu Dichtern macht.

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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Jón Kalman hat sein Buch als Suche einer Nation auf der Flucht vor sich selber beschrieben. Wer sind wir und wer wollen wir sein?
    Suche nach der Wahrheit und Identität

    Fische haben keine Beine - Jón Kalman Stefánsson (Autor), Karl-Ludwig Wetzig (Übersetzer) 416 Seiten, Verlag: Piper (9. März 2015), 22,99 €, ISBN-13: 978-3492056892

     „Fische haben keine Beine“ ist eine Art Familiengeschichte mit vielen miteinander und ineinander verwobenen Geschichten, die im frühen 20. Jahrhundert beginnt und bis heute geht. Im Vordergrund steht Ari, Schriftsteller und Verleger. Aris Großeltern verliebten sich in Nordfjordur und deren tragische Liebesgeschichte entfaltet sich vor dem Hintergrund der rauen isländischen Natur und den Kampf gegen die Elemente. - Die Geschichte wird von seinem guten Freund, einem nahen Verwandten oder vielleicht von Aris kosmischen Doppel erzählte, hier kann man nur vermuten.

    Die Hauptfigur des Buches, Ari, kehrt in seine Heimatstadt, nach Keflavik zurück. Vorher war er einige Zeit in Dänemark gewesen. Der Tod seines Vaters ist der Grund, der Auslöser für seine Rückkehr.

    Die Geschichte spielt in den steilen Bergen der östlichen Fjorde in Island, in Keflavik, reicht aber auch über das ganze Land.

    Es ist die Geschichte von Menschen, die lieben und leiden, die auf der Suche und auf der Flucht sind. Es ist eine Geschichte über Schmerz und Verlust, Gewalt und ein Meer voller Fische. Es ist die Geschichte über Schiffe voll mit amerikanischen Waren für die Soldaten im amerikanischen Stützpunkt in Keflavík, über die Beatles und Pink Floyd. Die verschiedenen Geschichten und Menschen bilden einen bunten und intensiven Teppichs des Schicksals, nicht nur des Einzelnen, sondern der isländischen Nation und vor allem der Arbeiterklasse. Immer wieder stecken neue Geschichten in den Geschichten.

    Jón Kalman hat sein Buch als Suche einer Nation auf der Flucht vor sich selber beschrieben. Wer sind wir und wer wollen wir sein? Und nein: Leichte Kost ist es nicht. Erst im Kopf des Lesers werden die verschiedenen Episoden zu einer fortlaufenden Geschichte.

    Er schreibt bilderreich, poetisch und dennoch sehr realistisch. Das Buch wird getragen von einer melancholischen bis traurigen Grundstimmung. „Fische haben keine Beine“ ist ein außergewöhnlich gut geschriebener Roman, der durch einen scharfen Sinn für Stil und durch sein Gespür für die Nuancen und Möglichkeiten, die Sprache zur Verfügung gestellt, geprägt ist.

    Jón Kalman Stefánsson ist einer der besten Autoren Islands, was dieser vielseitige Roman ohne Zweifel beweist. In diesem Buch finden Sie alles: Prächtiger Stil, starke Emotionen und eine kritische Sicht auf die Gesellschaft. Es lohnt sich ihn zu lesen, allein schon wegen seiner beeindruckenden, poetisch fließenden Prosa

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages:

    http://www.piper.de/buecher/fische-haben-keine-beine-isbn-978-3-492-05689-2

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 4 Jahren
    Man kann nie alles sagen, dafür fehlt es der Welt an Geduld...

    Man kann nie alles sagen, dafür fehlt es der Welt an Geduld...

    „… Aber wenig von dem, was hier erzählt wird, was gesagt wurde und noch gesagt wird, Leben und Tod, Lachen und Trauer, wäre ohne Tryggvi zustande gekommen, ohne ihn befänden wir uns auf dem Grund des Schweigens, wären Schweigen, wären nichts, nicht einmal Tod, denn was niemals zu Vorschein kommt, ist nichts, es kann nicht einmal sterben.“ S. 190

    Die Geschichte beginnt mit Ari, der drei Jahre zuvor seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder verlassen hat, einfach so, ohne Vorwarnung. Nun kommt er zurück, unsicher, ob er Pora noch liebt, unsicher offenbar generell, so scheint es. Er erinnert sich zurück an seine Jugend, früh hatte er seine Mutter verloren und lebte dann mit seinem Vater und seiner Stiefmutter in einem neuen Haus, beim Umzug verschwanden die Sachen der Mutter und zwischen seinem Vater und ihm herrschte die meiste Zeit Schweigen.

    Aber Aris Geschichte reicht noch viel weiter zurück, bis zu der Geschichte seiner Großeltern Margrét und Oddur. Margrét war die Schwester von Oddurs bestem Freund Tryggvi, von Kindesbeinen an und schon mit elf sagte sie zu ihrem Bruder, dass sie Oddur heiraten werde. Nur seinetwegen kehrte sie nach Island zurück, nachdem sie einige Jahre zuvor von der Familie nach Kanada geschickt worden war, um sich um die Kinder einer verstorbenen Tante zu kümmern.

    Jón Kalman Stefánssons Roman „Fische haben keine Beine“ erzählt von Aris Familie und ihrer Vergangenheit und schlägt dabei weite Bögen. Während der Klappentext suggeriert, dass es dabei hauptsächlich um Ari selbst und die Frage geht, ob seine Ehe noch eine Chance hat, widmet sich der Roman ausgiebig Margrét und Oddurs Liebes- und Lebensgeschichte und erzählt ebenso oft aus Aris Jugend, seinem Leben in Keflavík. Das ist eine kleine isländische Stadt, in die sich kein Tourist verirrt und aus der Ari und der namenlose Erzähler des Romans stammen und aus der sie so bald wie möglich verschwinden möchten. Der Erzähler gibt vor, Ari gut zu kennen, doch als Leser fragt man sich manches Mal, ob es ihn eigentlich wirklich gibt, so sehr bleibt er im Hintergrund.

    Stefánssons Art und Weise, die Alltäglichkeit des isländischen Lebens literarisch zu vermitteln, ist kunstfertig. Immer wieder hält er inne, plötzlich, gerade noch hat er über eine alltägliche Begebenheit berichtet, da bricht er aus seiner Geschichte aus, beginnt, über das Leben, und zwar das Leben aller Menschen, zu philosophieren. Er verknüpft das Banale mit dem Bedeutungsschweren, aber nie erliegt er der Gefahr, sich dort zu verlieren, sondern kehrt nach diesen klugen Gedankenausflügen zurück zu seinen Figuren und zu seiner Geschichte.

    „Wir sollten wohl besser nicht so oft an die Zeit denken, das bringt vieles durcheinander, macht unsere Schritte schwer, erinnert uns daran, dass unser Leben schneller vergeht, als wir denken können.“ S. 214

    Mit der Zeit spielt auch Stefánsson in seinem Roman: Während Aris Rückkehr nach Island genauestens und in allen Einzelheiten thematisiert wird, lesen wir die Geschichte seiner Großeltern im Zeitraffer, hier vergehen die Jahre wie im Flug. Zwei, die aus Liebe zueinander fanden und die das Leben dann doch auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Gerade Margrét, Aris Großmutter, haderte immer wieder mit dem Leben, dem harten Alltag mit den Kindern, den sie allzu oft allein bewältigen musste, da Oddur lange als Fischer auf dem Meer war.

    „Ich weiß nicht, ob wir uns wirklich ernsthaft darum bemühen, andere zu verstehen. Geben wir uns wirklich alle Mühe? Versuchen wir nicht im Gegenteil ein Leben lang, andere die Welt durch unsere Brille sehen zu lassen? Ist das nicht das größte Unglück?“ S. 243

    Ari selbst muss einige Lektionen lernen, allen voran vielleicht die, dass im Leben nicht immer alles so ist, wie es scheint.

    „Fische haben keine Beine“ erzählt von einer isländischen Familie, wobei der Autor sich Freiheiten nimmt, wie er will. Hier wird etwas eingeschoben, da klafft zunächst eine Lücke. Stefánssons Stil ist dabei mal virtuos, mal voller Bilder, dann wieder derb und direkt. Vor den Augen des Lesers entsteht so ein Bild des Lebens auf Island, im Einklang mit der Natur, die den Ton an- und den Rhythmus vorgibt.

    „Wir hätten vermutlich erst eine Fremdsprache lernen sollen, Chinesisch oder Suaheli, eine Sprache, die keine gemeinsamen Erinnerungen enthält, in der Wörter wie Liebe, Sehnsucht, Betrug nicht so schwer zwischen uns wiegen, dass sie uns lähmen oder aufregen und wir dann doch lieber wieder über Unverfängliches reden, über Themen, hinter denen man sich leicht verstecken kann, Politik, Fußball, Wetter.“ S. 383

    Melancholisch und klug, sprachlich großartig: „Fische haben keine Beine“ ist große Literatur.

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    ToniKvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Feuerwerk der Sprache!
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    Dalloway18s avatar
    Dalloway18vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: ein karges und wildes Land ... ISLAND. Es blühen Melancholie und Einsamkeit. Ein schöner Einblick in die isländische Provinz.
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    *Arienette*s avatar
    *Arienette*vor 2 Jahren
    nr-verlags avatar
    nr-verlagvor 3 Jahren
    BirgitPs avatar
    BirgitPvor 3 Jahren

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