Jörg Armbruster

 4.1 Sterne bei 8 Bewertungen

Alle Bücher von Jörg Armbruster

Jörg ArmbrusterDer arabische Frühling
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Der arabische Frühling
Der arabische Frühling
 (3)
Erschienen am 18.08.2011
Jörg ArmbrusterBrennpunkt Nahost
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Brennpunkt Nahost
Brennpunkt Nahost
 (2)
Erschienen am 25.10.2013
Jörg ArmbrusterBrennpunkt Nahost: Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens
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Brennpunkt Nahost: Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens
Jörg ArmbrusterWillkommen im gelobten Land?
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Willkommen im gelobten Land?
Willkommen im gelobten Land?
 (1)
Erschienen am 17.09.2016
Jörg ArmbrusterLuthers Bibelvorreden
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Luthers Bibelvorreden
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Erschienen am 01.07.2005
Jörg ArmbrusterMYCAI Mein Kairo
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MYCAI Mein Kairo
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Erschienen am 06.10.2014

Neue Rezensionen zu Jörg Armbruster

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Willkommen im gelobten Land?" von Jörg Armbruster

"Nächstes Jahr in Jerusalem"
Bellis-Perennisvor einem Jahr

"Nächstes Jahr in Jerusalem"  ist der traditionelle Wunsch am Schluss des jüdischen Sederabends. Doch was geschah, als sich die auf der ganzen Welt verstreuten Juden und vor allem mit Deutscher Abstammung aufmachten und wirklich nach Palästina/Israel kamen?

Jörg Armbruster greift mit seinem Buch „Willkommen im gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel“ ein heikles Thema auf. 

Wie erging es den Juden, denen die Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen ist in Palästina? Ist das versprochene Eretz Israel wirklich das Gelobte Land?

Der Autor begibt sich auf die Spuren von Auswanderern, die heute hoch betagt in Israel leben. Viele von ihnen können nach wie vor nicht über ihre Erlebnisse reden. Doch Armbruster trifft Menschen, die sehr offen über ihre Vergangenheit und die Gegenwart sprechen.

Die ersten Flüchtlinge aus Deutschland treffen bereits Anfang der 1930er Jahre in Palästina ein. Den Staat Israel gibt es noch nicht. Sie treffen hier auf teils radikale Zionisten, deren Wesen ihnen völlig fremd ist. Die Neuankömmlinge werden diversen Kibuzzim zugeteilt, in denen sie oft erstmals Landwirtschaft betreiben. Sind es doch Intellektuelle, die Nazi-Deutschland verlassen.
Ein interessantes Beispiel ist die jüdische Gemeinde von Rexingen, die fast geschlossen nach Palästina auswandert. Sie errichten am Meer das Dorf Shavel Zion und leben in ähnlichen Verhältnissen wie in Deutschland, Spitzendeckerl und Schränke mit Butzenscheiben inklusive. Der Anfang ist extrem schwer. Obwohl das Land, das sie bewirtschaften, legal gekauft und grundbücherlich abgesichert ist, sehen die Araber diese Menschen als Eindringlinge, die ihnen das (unfruchtbare) Land "gestohlen haben" und die es deshalb zu bekämpfen gilt.

Doch nicht nur gegen Araber müssen sich die Einwanderer behaupten, nein, auch gegen die bereits hier lebenden Glaubensbrüder (und Schwestern). Diese blicken scheel auf die deutschen Juden und diffamieren sie zum Teil. Sie finden es unverständlich, dass sie sich von den Nazis terrorisieren ließen anstatt zu kämpfen. Die Israelis wollen die Geschichten der KZ-Überlebenden nicht hören. Oft halten sie die Erzählungen für übertrieben …

Oftmals wird die Frage „ Kommst Du aus Überzeugung oder aus Deutschland?“ gestellt. Man unterstellt den Flüchtlingen, sich ins gemachte Nest zu setzen.

Andere Einwanderer aus Nazi-Deutschland haben sich wesentlich schwerer getan mit dem neuen Land, das es sich auch nicht gerade leicht gemacht hat mit diesen »Jeckes«, wie sie spöttisch von den »wahren« Zionisten genannt wurden, angeblich, weil sie immer korrekt gekleidet waren und selbst bei größter Hitze Jacke und Krawatte nicht ablegten. Als Neubürger im Land der zionistischen Pioniere wurden sie lange nicht wirklich ernst genommen. Viele der Jeckes lebten in Palästina mit einem »Grundgefühl kultureller Verlassenheit«, wie es der israelische Historiker und Schriftsteller Tom Segev formuliert hat, der selbst Nachkomme einer alten Berliner Familie ist.“ (S. 12)

Die restriktive Einwanderungspolitik der Engländer, unter deren Mandat Palästina bis zur Gründung des Staates Israels 1948 steht, führt zu vielen illegalen Einwanderungen. Die Staatengründung von 1948 führt sofort zum ersten von unzähligen bewaffneten Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarstaaten, die bis heute andauern. Auch das ist nicht verwunderlich, wird doch der Hass auf beiden Seiten geschürt.

So sagt eine der betagten Interviewpartnerinnen Armbrusters:
„Heute wachsen unsere Kinder auf mit Hass. Und die Kinder der Palästinenser wachsen auf mit Hass. Da kann ja kein Frieden entstehen.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Die meisten der deutschen Einwanderer zählen zu den gemäßigten, die einen Zweivölkerstaat eher befürworten als ablehnen. Sie sind es, die eher zum Ausgleich als zum Radikalismus neigen als die einstmals aus dem Osten eingewanderten streng orthodoxen Juden.

So ist es auch erklärbar, dass Yitzack Rabin, der Ministerpräsident des Ausgleichs, 1995 von einem ultraorthodoxen Juden ermordet wurde.

Auffällig ist auch, dass bislang die Ministerpräsidenten aus dem Kreis der „echten“ Zionisten gestellt wurden. Die Deutschen Einwanderer sind häufig Politiker der zweiten oder dritten Reihe.

Die unterschiedlichen Strömungen der Politik gehen quer durch einzelne Familien. Da gibt es welche, die den Kauf eines deutschen Autos bereits als Verrat an Israel sehen und andere, die gerne das Land ihrer Vorfahren kennenlernen wollen. Allerdings, ohne sich offen zum Judentum bekennen zu wollen.

Sehr deutlich kommt aus den vielen Interviews, die der Autor führte, heraus, dass nicht nur die Holocaust-Überlebenden selbst sondern auch deren Kinder traumatisiert sind. Viele Ängste sind innerhalb der Familien weitergegeben worden. Allerdings ohne Erklärungen, so dass erst die Enkel-Generation sich aufmachen kann, die Familiengeschichten aufzuarbeiten.

Eindrucksvoll und behutsam lässt Jörg Armbruster die Betroffenen, wie z. B. Herbert Bettelheim aus Wien, zu Wort kommen. Es geht nicht ohne Kritik an Großbritannien, den Arabischen Nachbarn und Israel ab.

Alle erzählen offen, wie schwer es für sie war, in Eretz Israel, dem Gelobten Land, tatsächlich eine neue Heimat zu finden. Nicht allen ist dies gelungen. Nicht alle fühlten sie sich willkommen, manchmal waren sie sogar unerwünscht.

"Nächstes Jahr in Jerusalem"  - doch nur ein frommer Wunsch als Ausklang des Sederabends?

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awogflis avatar

Rezension zu "Brennpunkt Nahost" von Jörg Armbruster

Rezension zu Brennpunkt Nahost von Jörg Armbruster
awogflivor 5 Jahren

Die Lage in Syrien ist total unübersichtlich. Aus diesem Grund habe ich mir einen neutralen übersichtlichen Bericht über die Lage und die Hintergründe des Konflikts von einem Kenner der Region erwartet.

Leider wurde ich beim Erhalt des Buches schon enttäuscht, da gleich klar war, wohin durch den Untertitel, der nicht auf jedem Exemplar gleich ist, der Hase läuft. Sehr tendenziös wird dargelegt: Die einzigen, die in diesem Religionskrieg nicht morden, Waffen liefern etc. also diejenigen, die nicht mitmachen, sind schuld an der Misere - nämlich Europa und der Westen, denn sie sollten irgendwas tun. Also bitte! Aber zunächst rein sachlich der Reihe nach.

Die Fakten und historischen Hintergründe sind meiner Meinung nach erst ab dem 1. Weltkrieg ordentlich recherchiert (die bereits existierenden religiösen Konflikte zur Zeit der Osmanen werden einfach totgeschwiegen) - von übersichtlicher Präsentation kann auch keine Rede sein.

Zuerst werden die verwirrenden Gruppen und Untergruppen inkl. momentanes Kriegsbild abgegeben, die Genese der Revolution kommt danach und die historischen Hintergründe erst zum Schluss. Das war für mich grade bei einem solchen unübersichtlichen Krieg gerade der falsche spiegelverkehrte Aufbau, um die Lage zu verstehen. Weiters helfen Factboxen zwar, erwähnte Parteien und Gruppen hervorzuheben und sie nochmals dem Leser zu präsentieren, wenn die Factboxen unten bzw. über die dreiviertel Seite (oben läuft der Fliesstext weiter) aber dann auch noch umgeblättert werden müssen, dann trägt dies nicht zur Übersichtlichkeit sondern zur zusätzlichen Verwirrung bei.

Im Religionsbürgerkrieg murksen sich die unversöhnlich verfeindeten Muslime gegenseitig ab: Alawiten und Schiiten, gegen Sunniten (Araber) und Türken, die Kurden dazwischen und alle gegen die dort lebenden Christen und Juden. Mit heftiger Unterstützung (Waffen, Kämpfer und Geld) von Russland, Quatar, Saudi Arabien, Iran, Irak (ich schenke mir mal wer auf welcher Seite operiert). Und wer ist Schuld an dieser Misere? Genau! Man schiebt den schwarzen Peter denjenigen zu, die nicht am Krieg mitmachen, nämlich den Europäern und den USA, denn sie könnten ja die eine oder andere Seite unterstützen und irgendwie Frieden in den Wahnsinn zaubern. Diesmal haben die USA nämlich in der Revolution mal ausnahmsweise nicht imperialistisch eingegriffen, und sich somit meiner Meinung nach auch nicht schuldig gemacht. So einfach ist das: Man schlägt sich gegenseitig die Schädel ein und die Unbeteiligen sind dann Schuld.

Auch Herr Armbruster stößt leider in dieses Horn und schlägt doch tatsächlich eine bis an die Zähne bewaffnete europäische UN-Truppe vor, die sich zwischen die Wahnsinnigen werfen und von allen Seiten abschlachten lassen soll. Und wozu das? Originalzitat und nicht von mir sondern vom Autor "Die syrische Gesellschaft ist voll von Korruption, Geheimdienstlern, Spitzel, Folterer, Menschenverächter"

Diese Charakterisierung der Akteure des Krieges passt auf allen Seiten und nicht erst seit 2011 sondern schon mindestens 100 Jahre länger. Schon immer wurden in Syrien wechselweise (je nachdem wer an der Macht war) Ethnien unterdrückt, gefoltert, Genozide veranstaltet.

Fazit: Darstellung der IST-Situation gut aber nicht übersichtlich. Analayse der Gründe und Lösungen extrem tendenziös.

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W

Rezension zu "Brennpunkt Nahost" von Jörg Armbruster

Erklärt verständlich, wie im Nahen Osten alles zusammenhängt.
WinfriedStanzickvor 5 Jahren


 

In seinem Buch „Der arabische Frühling“, in dem der langjährige ARD-Reporter für den Nahen Osten über den Aufstand in den arabischen Ländern berichtete, kam er 2011 zu dem Fazit, dass alles davon abhängen wird, ob den Millionen von jungen Menschen in diesen Ländern eine Perspektive aufgetan werden kann, in der sie eine Zukunft, das heißt eine Arbeit haben werden. Schon jetzt, so Armbruster 2011, verbreite sich immer mehr eine Stimmung unter den die Revolution tragenden jungen Menschen, dass sie sich fragen, was sie eigentlich nun von der Entwicklung haben. Enttäuschung und Ungeduld machen sich breit.

Den westlichen Ländern und seinen Politiker schrieb er damals auch etwas ins Stammbuch:
"Es wäre also nicht verkehrt, wenn man die 1001 Vorurteile wenigstens um die Hälfte reduziert und der Westen von seinem hohen Ross steigt, um sein Verhältnis zu den Arabern gründlich zu überdenken. Dazu gehört unter anderem die Einsicht, diese Araber können die Demokratie genauso gut lernen wie Europäer, vielleicht noch ein bisschen besser, weil sie sich ihre Demokratie selbst erstritten haben. Sie sind bereit, die Werte ihrer Gesellschaft in Frage zu stellen."

 

Wer die Nachrichten der letzten beiden Jahre aufmerksam verfolgt hat, muss zu dem Ergebnis kommen, dass sich in dieser Richtung wenig bis gar nichts bewegt hat. In den Ländern, in denen die Arabellion stattfand, scheint sich alles rückwärts zu bewegen. Von demokratischen Ansätzen keine Spur, ganz im Gegenteil.

 

Das Land, was damals noch wenig im Brennpunkt war, ist seit 2011 dagegen in den Focus internationaler Aufmerksamkeit gerückt. Ein mörderischer Bürgerkrieg, in dem auch die sogenannten Rebellen unsägliche Menschenrechtsverletzungen begehen und zunehmend islamistischer werden, hat bisher über 100 000 Opfer gefordert.  Jörg Armbruster berichtet in seinem neuen Buch „Brennpunkt Nahost“ von diesem Krieg, der im Nahen Osten einen Flächenbrand auslösen kann mit unbekannten Folgen.

 

In vielen Reportagen und gespickt mit detaillierten Hintergrundinformationen erklärt er verständlich, wie im Nahen Osten alles zusammenhängt. Wer ist beteiligt an den unterschiedlichen Konflikten, wer hat welche Interessen? Wie verhält sich Westen und welche Rolle sollte oder musste er spielen?

 

Und wieder, wie beim oben erwähnten Buch über den arabischen Frühling, kommt Jörg Armbruster zu dem Schluss, dass der Westen mit seiner Haltung zum Syrienkonflikt versagt hat. In den jüngsten Verhandlungen zu den C-Waffen die im September 2013 in Genf zwischen Russland und den USA stattfanden, sieht er jedoch ein positives Zeichen. Es gebe „Anlass zu Hoffnung, dass die beiden Großmächte vielleicht doch noch gemeinsam an einer Lösung des Syrienkonfliktes arbeiten  werden. Daher ist die Überlegung eines runden Tisches, an dem alle Beteiligten sitzen, vielleicht doch nicht so weltfern.“

 

Ein Buch, mit analytischer Tiefe geschrieben, in dem Jörg Armbruster ähnlich wie in seinen Filmen im Fernsehen, den Normalbürger etwas begreifen lässt von komplizierten Zusammenhängen und neuen Entwicklungen in Syrien und im gesamten Nahen Osten.

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